St. Michael: Unterschied zwischen den Versionen
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|Adresse = Warendorfer Straße 72 | |||
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|Urnutzung = Kloster, Internat,<br> höhere Mädchenschule | |||
|Baujahr = 1901–1903 | |||
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'''St. Michael''' an der [[Warendorfer Straße]] 72 ist ein traditionsreicher Schulstandort in Ahlen. Seine Geschichte begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Niederlassung der '''Schwestern Unserer Lieben Frau'''. Zu Ostern 1903 eröffneten die Ordensschwestern auf dem heutigen Gelände eine höhere Mädchenschule mit Internat. Der historische Gebäudekomplex wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert und bildet bis heute den Kern des Schulstandortes.<ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 40–41.</ref><ref name="schulgeschichte">Gymnasium St. Michael: ''Geschichte'', https://www.gymnasium-sankt-michael.de/unsere-schule/geschichte/</ref> | |||
== | == Gründung und Aufbau == | ||
Auf Initiative des Sägereibesitzers '''Küper''' und des Ahlener Bürgermeisters [[Eduard Corneli]] kamen im Jahr '''1902''' die Schwestern Unserer Lieben Frau nach Ahlen. Kurz vor Weihnachten trafen die ersten Ordensschwestern aus dem Mutterhaus Mülhausen im Rheinland ein.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Zu Ostern '''1903''' eröffnete der Orden auf dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Gelände eine '''höhere Mädchenschule mit Internat'''.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Die Ansiedlung der Ordensgemeinschaft ermöglichte den Aufbau einer weiterführenden Mädchenbildung in einer Zeit, in der die Stadt Ahlen aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten selbst nur schwer eine entsprechende Bildungseinrichtung hätte errichten können.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== | == Lyzeum und Ausbau == | ||
Am '''18. Februar 1912''' erhielt die Ordensschule von der Bezirksregierung Münster die Erlaubnis, die Bezeichnung | |||
'''„Lyzeum der Schwestern Unserer Lieben Frau zu Ahlen i. Westf.“''' | |||
zu führen.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== | Aus Dankbarkeit für die Genehmigung stifteten die Ordensschwestern eine Mariengrotte auf dem Schulgelände. Die sogenannte '''Lourdesgrotte''' ist bis heute erhalten.<ref name="schulgeschichte" /> | ||
Ebenfalls 1912 wurde ein Erweiterungsbau notwendig. Dieser schuf zusätzlichen Raum für das Internat sowie für Physik- und Naturwissenschaftsräume. Außerdem entstand eine große Turnhalle.<ref name="schulgeschichte" /><ref name="denkmal2024" /> | |||
Im Jahr '''1916''' wurde neben der höheren Mädchenschule eine '''höhere Handelsschule für Mädchen''' eröffnet.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== Erster Weltkrieg und Weimarer Republik == | |||
Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs musste der Unterrichtsbetrieb '''1918''' zeitweise vollständig eingestellt werden. Gründe waren die schwierige Versorgungslage und eine Grippewelle, von der auch Teile des Lehrpersonals betroffen waren.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Während der Weimarer Republik verbesserten sich die Bildungsmöglichkeiten für Mädchen grundlegend. Frauen konnten nun zunehmend qualifizierte Schulabschlüsse wie die mittlere Reife und das Abitur erwerben. | |||
Mit der stärkeren Qualifizierung des Mädchenbildungswesens stiegen jedoch auch die Anforderungen an die Aufnahme. An St. Michael wurden fortan nur noch Schülerinnen aufgenommen, die bereits in der Primarschule entsprechende Leistungen gezeigt hatten.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Die Ordensgemeinschaft verfolgte das Ziel, St. Michael zu einer gymnasialen Vollanstalt auszubauen. Entsprechende Anträge zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe wurden während der Weimarer Republik von der Bezirksregierung jedoch zunächst abgelehnt.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== Zeit des Nationalsozialismus == | |||
Mit der nationalsozialistischen Schulpolitik geriet St. Michael zunehmend unter Druck. | |||
Bereits '''1935''' wurden die Vorschulklassen geschlossen. Ziel des NS-Regimes war es, in den Gebäuden eine nationalsozialistische Lehrerinnen-Bildungsanstalt einzurichten.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Im Jahr '''1942''' wurde die Schließung der Oberschule angeordnet. Im darauffolgenden Jahr wurden auch die Handels- und höhere Handelsschule geschlossen. Damit bestand St. Michael faktisch nicht mehr als Schule.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Die geplante Einrichtung einer Lehrerinnen-Bildungsanstalt konnte verhindert werden, weil der leitende Lazarettarzt '''Dr. Paul Rosenbaum''' die Gebäude als Militärlazarett nutzte.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Rosenbaum spielte später auch bei der kampflosen Übergabe Ahlens an die Alliierten im Jahr 1945 eine wichtige Rolle. | |||
== Wiedereröffnung nach 1945 == | |||
Im '''Dezember 1945''' genehmigte die britische Besatzungsbehörde die Wiedereröffnung von St. Michael. | |||
Der Schulbetrieb begann unter schwierigen Bedingungen. Es fehlte unter anderem an Heizmaterial, Büchern und Heften. Lehrkräfte und Teile der Ahlener Bevölkerung unterstützten die Schule mit dringend benötigten Materialien.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Nach der Umwandlung der Schule in ein Gymnasium legte im Jahr '''1947''' erstmals ein Jahrgang an St. Michael das Abitur ab.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== Das Ahlener Programm == | |||
Vom '''1. bis 3. Februar 1947''' trafen sich im Gebäude von St. Michael Delegierte des CDU-Zonenausschusses. | |||
Die Tagung fand im Speiseraum der Schule statt, während die Teilnehmer in den Räumen des Internats übernachteten. Unter ihnen befand sich auch der spätere Bundeskanzler '''Konrad Adenauer'''.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Am 3. Februar 1947 wurde das sogenannte '''Ahlener Programm''' verabschiedet, eine sozial- und wirtschaftspolitische Programmschrift der CDU. | |||
Damit besitzt St. Michael neben seiner schulgeschichtlichen auch eine besondere politische Bedeutung für die Nachkriegsgeschichte. | |||
== Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg == | |||
Im Jahr '''1963''' entstand ein weiterer Neubau. Das bis heute bestehende Gebäude aus den 1960er Jahren erweiterte den historischen Schulkomplex erheblich.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
'''1972''' wurde die gymnasiale Oberstufe erneuert und eine kooperative Partnerschaft mit dem [[Städtisches Gymnasium|Städtischen Gymnasium]] eingerichtet.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Im Jahr '''1974''' begann mit der Einführung der Koedukation eine weitere grundlegende Veränderung: Erstmals wurden auch Jungen am Gymnasium St. Michael aufgenommen.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
'''1975''' ging die Trägerschaft der Schule auf das '''Bistum Münster''' über.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Der jahrzehntelang zum Schulstandort gehörende Internatsbetrieb wurde '''1977''' endgültig eingestellt.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== Handelsschule == | |||
Bereits 1916 war neben der höheren Mädchenschule eine höhere Handelsschule für Mädchen eingerichtet worden.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
Die Handelsschule bot eine stärker berufspraktisch und kaufmännisch ausgerichtete Ausbildung und bildete über Jahrzehnte einen zweiten wichtigen Bildungszweig am Standort St. Michael. | |||
Später entwickelte sich daraus beziehungsweise daneben das heutige Berufskolleg. | |||
== Musikalische Entwicklung == | |||
Neben dem regulären Schulbetrieb entwickelte sich insbesondere der musikalische Bereich weiter. | |||
Im Jahr '''1984''' trat erstmals das neu gegründete Symphonieorchester der Schule auf.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
'''1992''' wurde unter der Leitung von Peter und Birgit Boch die erste Streicherklasse eingerichtet.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== Schulgebäude == | |||
Der historische Gebäudekomplex an der Warendorfer Straße entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst als Kloster-, Internats- und Schulbau. | |||
Die Architektur dokumentiert den repräsentativen Anspruch der Einrichtung und ihre ursprüngliche Verbindung von Ordensleben, Internat und Schule.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Historische Bauzeichnungen aus dem Jahr 1901 zeigen sowohl die ursprüngliche Fassadengestaltung als auch den konstruktiven Aufbau des Gebäudes.<ref name="denkmal2024" /> | |||
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Komplex immer wieder erweitert und den steigenden Schülerzahlen sowie neuen pädagogischen Anforderungen angepasst. | |||
Zwischen '''2003 und 2011''' fanden umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten statt. In dieser Zeit entstand im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild des Schulgeländes.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== Sporthalle == | |||
Im Jahr '''1975''' wurde eine neue Dreifach-Turnhalle am Gymnasium St. Michael ihrer Bestimmung übergeben. | |||
In knapp einjähriger Bauzeit entstand für rund '''1,5 Millionen Mark''' eine Halle mit den Abmessungen von etwa '''45 × 27 Metern'''. Die Stadt Ahlen beteiligte sich mit 300.000 Mark an den Kosten.<ref name="monatsschau1975">''Ahlener Monatsschau'', 1975.</ref> | |||
Die Sporthalle konnte mit zwei in die Decke eingelassenen Kunststoff-Trennwänden in drei kleinere Bereiche geteilt werden. Dadurch war es möglich, drei Schulklassen gleichzeitig zu unterrichten. | |||
Der umbaute Raum umfasste einschließlich der Umkleidebereiche etwa 2.000 Quadratmeter. | |||
Außerhalb des Schulbetriebs stand die Halle auch Ahlener Sportvereinen und für größere Veranstaltungen zur Verfügung.<ref name="monatsschau1975" /> | |||
Eine technische Besonderheit war die Wandverkleidung: Für deren Befestigung wurden rund '''22.000 Schrauben''' einzeln eingedreht.<ref name="monatsschau1975" /> | |||
Im Jahr '''2025''' wurde die Sporthalle entkernt und grundlegend neu aufgebaut.<ref name="schulgeschichte" /> | |||
== Trägerschaft und heutige Schule == | |||
Seit 1975 befindet sich das Gymnasium St. Michael in der Trägerschaft des Bistums Münster. | |||
Die Schule ist heute ein koedukatives Gymnasium mit sprachlichen, naturwissenschaftlichen, musikalischen und weiteren schulischen Schwerpunkten. | |||
Die historische Verbindung zur christlichen Bildungstradition der Schwestern Unserer Lieben Frau prägt das Selbstverständnis der Schule weiterhin. | |||
== Zeittafel == | |||
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! Jahr | |||
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| '''1902''' | |||
| Ankunft der ersten Schwestern Unserer Lieben Frau in Ahlen | |||
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| '''1903''' | |||
| Eröffnung der höheren Mädchenschule mit Internat | |||
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| '''1912''' | |||
| Anerkennung als Lyzeum; Erweiterungsbau und Errichtung der Lourdesgrotte | |||
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| '''1916''' | |||
| Eröffnung der höheren Handelsschule für Mädchen | |||
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| '''1918''' | |||
| zeitweise Einstellung des Schulbetriebs | |||
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| '''1935''' | |||
| Schließung der Vorschulklassen | |||
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| '''1942''' | |||
| Schließung der Oberschule | |||
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| '''1943''' | |||
| Schließung der Handels- und höheren Handelsschule | |||
|- | |||
| '''1945''' | |||
| Wiedereröffnung unter britischer Besatzung | |||
|- | |||
| '''1947''' | |||
| erster Abiturjahrgang und Tagung zum Ahlener Programm | |||
|- | |||
| '''1963''' | |||
| Errichtung des Neubaus | |||
|- | |||
| '''1972''' | |||
| Erneuerung der gymnasialen Oberstufe und Kooperation mit dem Städtischen Gymnasium | |||
|- | |||
| '''1974''' | |||
| Einführung der Koedukation | |||
|- | |||
| '''1975''' | |||
| Übernahme der Trägerschaft durch das Bistum Münster und Eröffnung der Dreifach-Turnhalle | |||
|- | |||
| '''1977''' | |||
| Ende des Internatsbetriebs | |||
|- | |||
| '''1984''' | |||
| erster Auftritt des Symphonieorchesters | |||
|- | |||
| '''1992''' | |||
| Einrichtung der ersten Streicherklasse | |||
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| '''2003–2011''' | |||
| umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten | |||
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| '''2025''' | |||
| Entkernung und Neubau der Sporthalle | |||
|} | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | <references /> | ||
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/ | |||
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/schule | == Weblinks == | ||
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/ Gymnasium St. Michael] | |||
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/unsere-schule/geschichte/ Geschichte des Gymnasiums St. Michael] | |||
Aktuelle Version vom 15. September 2026, 11:54 Uhr
| St. Michael | |
|---|---|
51.7717847.897448 Koordinaten: 51° 46′ 18″ N, 7° 53′ 51″ O
| |
| Anschrift | Warendorfer Straße 72
|
| Internetseite | gymnasium-sankt-michael.de |
| Baujahr | 1901–1903 |
| Ursprüngliche Nutzung | Kloster, Internat, höhere Mädchenschule |
| Heutige Nutzung | Gymnasium / Berufskolleg |
St. Michael an der Warendorfer Straße 72 ist ein traditionsreicher Schulstandort in Ahlen. Seine Geschichte begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Niederlassung der Schwestern Unserer Lieben Frau. Zu Ostern 1903 eröffneten die Ordensschwestern auf dem heutigen Gelände eine höhere Mädchenschule mit Internat. Der historische Gebäudekomplex wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert und bildet bis heute den Kern des Schulstandortes.[1][2]
Gründung und Aufbau
Auf Initiative des Sägereibesitzers Küper und des Ahlener Bürgermeisters Eduard Corneli kamen im Jahr 1902 die Schwestern Unserer Lieben Frau nach Ahlen. Kurz vor Weihnachten trafen die ersten Ordensschwestern aus dem Mutterhaus Mülhausen im Rheinland ein.[2]
Zu Ostern 1903 eröffnete der Orden auf dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Gelände eine höhere Mädchenschule mit Internat.[2]
Die Ansiedlung der Ordensgemeinschaft ermöglichte den Aufbau einer weiterführenden Mädchenbildung in einer Zeit, in der die Stadt Ahlen aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten selbst nur schwer eine entsprechende Bildungseinrichtung hätte errichten können.[1]
Lyzeum und Ausbau
Am 18. Februar 1912 erhielt die Ordensschule von der Bezirksregierung Münster die Erlaubnis, die Bezeichnung
„Lyzeum der Schwestern Unserer Lieben Frau zu Ahlen i. Westf.“
zu führen.[2]
Aus Dankbarkeit für die Genehmigung stifteten die Ordensschwestern eine Mariengrotte auf dem Schulgelände. Die sogenannte Lourdesgrotte ist bis heute erhalten.[2]
Ebenfalls 1912 wurde ein Erweiterungsbau notwendig. Dieser schuf zusätzlichen Raum für das Internat sowie für Physik- und Naturwissenschaftsräume. Außerdem entstand eine große Turnhalle.[2][1]
Im Jahr 1916 wurde neben der höheren Mädchenschule eine höhere Handelsschule für Mädchen eröffnet.[2]
Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs musste der Unterrichtsbetrieb 1918 zeitweise vollständig eingestellt werden. Gründe waren die schwierige Versorgungslage und eine Grippewelle, von der auch Teile des Lehrpersonals betroffen waren.[2]
Während der Weimarer Republik verbesserten sich die Bildungsmöglichkeiten für Mädchen grundlegend. Frauen konnten nun zunehmend qualifizierte Schulabschlüsse wie die mittlere Reife und das Abitur erwerben.
Mit der stärkeren Qualifizierung des Mädchenbildungswesens stiegen jedoch auch die Anforderungen an die Aufnahme. An St. Michael wurden fortan nur noch Schülerinnen aufgenommen, die bereits in der Primarschule entsprechende Leistungen gezeigt hatten.[2]
Die Ordensgemeinschaft verfolgte das Ziel, St. Michael zu einer gymnasialen Vollanstalt auszubauen. Entsprechende Anträge zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe wurden während der Weimarer Republik von der Bezirksregierung jedoch zunächst abgelehnt.[2]
Zeit des Nationalsozialismus
Mit der nationalsozialistischen Schulpolitik geriet St. Michael zunehmend unter Druck.
Bereits 1935 wurden die Vorschulklassen geschlossen. Ziel des NS-Regimes war es, in den Gebäuden eine nationalsozialistische Lehrerinnen-Bildungsanstalt einzurichten.[2]
Im Jahr 1942 wurde die Schließung der Oberschule angeordnet. Im darauffolgenden Jahr wurden auch die Handels- und höhere Handelsschule geschlossen. Damit bestand St. Michael faktisch nicht mehr als Schule.[2]
Die geplante Einrichtung einer Lehrerinnen-Bildungsanstalt konnte verhindert werden, weil der leitende Lazarettarzt Dr. Paul Rosenbaum die Gebäude als Militärlazarett nutzte.[2]
Rosenbaum spielte später auch bei der kampflosen Übergabe Ahlens an die Alliierten im Jahr 1945 eine wichtige Rolle.
Wiedereröffnung nach 1945
Im Dezember 1945 genehmigte die britische Besatzungsbehörde die Wiedereröffnung von St. Michael.
Der Schulbetrieb begann unter schwierigen Bedingungen. Es fehlte unter anderem an Heizmaterial, Büchern und Heften. Lehrkräfte und Teile der Ahlener Bevölkerung unterstützten die Schule mit dringend benötigten Materialien.[2]
Nach der Umwandlung der Schule in ein Gymnasium legte im Jahr 1947 erstmals ein Jahrgang an St. Michael das Abitur ab.[2]
Das Ahlener Programm
Vom 1. bis 3. Februar 1947 trafen sich im Gebäude von St. Michael Delegierte des CDU-Zonenausschusses.
Die Tagung fand im Speiseraum der Schule statt, während die Teilnehmer in den Räumen des Internats übernachteten. Unter ihnen befand sich auch der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer.[2]
Am 3. Februar 1947 wurde das sogenannte Ahlener Programm verabschiedet, eine sozial- und wirtschaftspolitische Programmschrift der CDU.
Damit besitzt St. Michael neben seiner schulgeschichtlichen auch eine besondere politische Bedeutung für die Nachkriegsgeschichte.
Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Jahr 1963 entstand ein weiterer Neubau. Das bis heute bestehende Gebäude aus den 1960er Jahren erweiterte den historischen Schulkomplex erheblich.[2]
1972 wurde die gymnasiale Oberstufe erneuert und eine kooperative Partnerschaft mit dem Städtischen Gymnasium eingerichtet.[2]
Im Jahr 1974 begann mit der Einführung der Koedukation eine weitere grundlegende Veränderung: Erstmals wurden auch Jungen am Gymnasium St. Michael aufgenommen.[2]
1975 ging die Trägerschaft der Schule auf das Bistum Münster über.[2]
Der jahrzehntelang zum Schulstandort gehörende Internatsbetrieb wurde 1977 endgültig eingestellt.[2]
Handelsschule
Bereits 1916 war neben der höheren Mädchenschule eine höhere Handelsschule für Mädchen eingerichtet worden.[2]
Die Handelsschule bot eine stärker berufspraktisch und kaufmännisch ausgerichtete Ausbildung und bildete über Jahrzehnte einen zweiten wichtigen Bildungszweig am Standort St. Michael.
Später entwickelte sich daraus beziehungsweise daneben das heutige Berufskolleg.
Musikalische Entwicklung
Neben dem regulären Schulbetrieb entwickelte sich insbesondere der musikalische Bereich weiter.
Im Jahr 1984 trat erstmals das neu gegründete Symphonieorchester der Schule auf.[2]
1992 wurde unter der Leitung von Peter und Birgit Boch die erste Streicherklasse eingerichtet.[2]
Schulgebäude
Der historische Gebäudekomplex an der Warendorfer Straße entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst als Kloster-, Internats- und Schulbau.
Die Architektur dokumentiert den repräsentativen Anspruch der Einrichtung und ihre ursprüngliche Verbindung von Ordensleben, Internat und Schule.[1]
Historische Bauzeichnungen aus dem Jahr 1901 zeigen sowohl die ursprüngliche Fassadengestaltung als auch den konstruktiven Aufbau des Gebäudes.[1]
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Komplex immer wieder erweitert und den steigenden Schülerzahlen sowie neuen pädagogischen Anforderungen angepasst.
Zwischen 2003 und 2011 fanden umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten statt. In dieser Zeit entstand im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild des Schulgeländes.[2]
Sporthalle
Im Jahr 1975 wurde eine neue Dreifach-Turnhalle am Gymnasium St. Michael ihrer Bestimmung übergeben.
In knapp einjähriger Bauzeit entstand für rund 1,5 Millionen Mark eine Halle mit den Abmessungen von etwa 45 × 27 Metern. Die Stadt Ahlen beteiligte sich mit 300.000 Mark an den Kosten.[3]
Die Sporthalle konnte mit zwei in die Decke eingelassenen Kunststoff-Trennwänden in drei kleinere Bereiche geteilt werden. Dadurch war es möglich, drei Schulklassen gleichzeitig zu unterrichten.
Der umbaute Raum umfasste einschließlich der Umkleidebereiche etwa 2.000 Quadratmeter.
Außerhalb des Schulbetriebs stand die Halle auch Ahlener Sportvereinen und für größere Veranstaltungen zur Verfügung.[3]
Eine technische Besonderheit war die Wandverkleidung: Für deren Befestigung wurden rund 22.000 Schrauben einzeln eingedreht.[3]
Im Jahr 2025 wurde die Sporthalle entkernt und grundlegend neu aufgebaut.[2]
Trägerschaft und heutige Schule
Seit 1975 befindet sich das Gymnasium St. Michael in der Trägerschaft des Bistums Münster.
Die Schule ist heute ein koedukatives Gymnasium mit sprachlichen, naturwissenschaftlichen, musikalischen und weiteren schulischen Schwerpunkten.
Die historische Verbindung zur christlichen Bildungstradition der Schwestern Unserer Lieben Frau prägt das Selbstverständnis der Schule weiterhin.
Zeittafel
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1902 | Ankunft der ersten Schwestern Unserer Lieben Frau in Ahlen |
| 1903 | Eröffnung der höheren Mädchenschule mit Internat |
| 1912 | Anerkennung als Lyzeum; Erweiterungsbau und Errichtung der Lourdesgrotte |
| 1916 | Eröffnung der höheren Handelsschule für Mädchen |
| 1918 | zeitweise Einstellung des Schulbetriebs |
| 1935 | Schließung der Vorschulklassen |
| 1942 | Schließung der Oberschule |
| 1943 | Schließung der Handels- und höheren Handelsschule |
| 1945 | Wiedereröffnung unter britischer Besatzung |
| 1947 | erster Abiturjahrgang und Tagung zum Ahlener Programm |
| 1963 | Errichtung des Neubaus |
| 1972 | Erneuerung der gymnasialen Oberstufe und Kooperation mit dem Städtischen Gymnasium |
| 1974 | Einführung der Koedukation |
| 1975 | Übernahme der Trägerschaft durch das Bistum Münster und Eröffnung der Dreifach-Turnhalle |
| 1977 | Ende des Internatsbetriebs |
| 1984 | erster Auftritt des Symphonieorchesters |
| 1992 | Einrichtung der ersten Streicherklasse |
| 2003–2011 | umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten |
| 2025 | Entkernung und Neubau der Sporthalle |
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 40–41.
- ↑ 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 2,16 2,17 2,18 2,19 2,20 2,21 2,22 2,23 2,24 2,25 Gymnasium St. Michael: Geschichte, https://www.gymnasium-sankt-michael.de/unsere-schule/geschichte/
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Ahlener Monatsschau, 1975.

