Hellstraße: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Hellstraße''' ist eine historische Straße im Ahlener Stadtkern. Sie verläuft zwischen der [[Südstraße]] und der [[Oststraße]] und gehört zum alten innerstädtischen Straßennetz. | |||
Die Straße entstand im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung und war über Jahrhunderte stark ackerbürgerlich und handwerklich geprägt. Noch heute haben sich mehrere historische Wohn- und Wirtschaftsgebäude erhalten.<ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 62–63.</ref> | |||
== Verlauf und Lage == | |||
Die Hellstraße verläuft im südöstlichen Bereich der historischen Innenstadt und verbindet die [[Südstraße]] mit der [[Oststraße]]. | |||
Der Straßenraum ist vergleichsweise schmal und wird überwiegend von kleinteiliger Wohnbebauung geprägt. | |||
Historisch besaßen mehrere Grundstücke durchgehende Verbindungen zur Oststraße. Wer über ein solches Grundstück verfügte, konnte unmittelbar von der Hellstraße zur Oststraße gelangen. | |||
Die Oststraße galt dabei als eigentliche „Stadt“. Wer von der Hellstraße zur Oststraße ging, ging im örtlichen Sprachgebrauch „in die Stadt“.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Stadtentwicklung im Mittelalter == | |||
Für Ahlen lässt sich ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein sogenanntes '''Zweistraßenleiter-System''' annehmen. Mit steigenden Bevölkerungszahlen dehnte sich die Stadt aus und erhielt neue parallel beziehungsweise versetzt verlaufende Straßenverbindungen.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Im Zusammenhang mit dem Um- und Neubau der alten Kirche St. Bartholomäus ab 1273 wird eine zweite größere Stadterweiterung für die Zeit um '''1270 bis 1290''' angenommen. | |||
Dabei vergrößerte sich das Stadtoval nach Osten. Bereits vorstädtisch bebaute Teile der Nordstraße sowie der Ost- und Hellstraße wurden in die Stadt einbezogen. | |||
In dieselbe Phase der Stadtentwicklung fällt auch die Entstehung der neuen Kirche St. Marien um 1285.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Stadtbrand von 1668 == | |||
Im Jahr '''1668''' wurde Ahlen von einem verheerenden Stadtbrand getroffen, der auch die Hellstraße schwer in Mitleidenschaft zog. | |||
Etwa '''100 Häuser an der Ost- und Hellstraße''' fielen am 9. August dem Feuer zum Opfer.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Nach der Überlieferung soll eine Magd des Dechanten Rexing mit offenem Licht in die Scheune des Wedemhove – gemeint ist die Dechanei an der Weststraße an der Ecke Kampstraße – gegangen sein und dadurch den Brand ausgelöst haben. | |||
Aus diesem Unglück soll die Laurentiusprozession beziehungsweise die spätere Brand- und Friedensprozession hervorgegangen sein.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Ackerbürger und Handwerker == | |||
Die Hellstraße war ursprünglich stark ackerbürgerlich geprägt. | |||
Kleinere Handwerksbetriebe ergänzten diese Struktur. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurden die klassischen Ackerbürgerhäuser zunehmend neuen Nutzungen angepasst. | |||
In der Hellstraße gab es unter anderem: | |||
* Bäcker, | |||
* Metzger, | |||
* einen Gemischtwarenladen, | |||
* Sattler sowie | |||
* eine Schmiede. | |||
Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein bildete die Straße einen eigenen kleinen Lebens- und Wirtschaftsraum, in dem viele Dinge des täglichen Bedarfs unmittelbar verfügbar waren.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Namensgebung == | |||
Die Bezeichnung '''Hellstraße''' ist bereits im Mittelalter beziehungsweise in frühneuzeitlichen Quellen nachweisbar. | |||
Die Formen „Hellstraße“, „Hellestraße“ oder „Heystraße“ tauchen für Ahlen in der Reihe „Quellen und Forschungen“ unter anderem in Auffassungsprotokollen des 15. Jahrhunderts auf.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Der Begriff könnte mit dem mittelalterlichen '''Hellweg''' zusammenhängen. Als Hellwege wurden wichtige Durchgangsstraßen des Fernhandels bezeichnet. | |||
Eine Deutung führt den Begriff auf das niederdeutsche ''helwech'' zurück, das sinngemäß als „breiter Weg“ verstanden werden kann, auf dem Reisende sicher und zügig vorankamen.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Bereits im Mittelalter wurde die Hellstraße in Ahlen als Ausweichstrecke für die Hauptverkehrsachse Oststraße genutzt. | |||
Damit entstand ein zweispuriges beziehungsweise paralleles Verkehrssystem an der großen West-Ost-Achse, ähnlich wie beim Hellweg in Dortmund. Planwagen mit Salz, Getreide, Bauholz und Tuchen nutzten diese zweite Strecke, die bereits an der Weststraße begann und über den Markt verlief.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Historische Bebauung == | |||
Die Hellstraße besitzt mehrere erhaltene Gebäude, an denen sich unterschiedliche Entwicklungsphasen der Straße ablesen lassen. | |||
=== Hellstraße 6 === | |||
Das Wohnhaus '''Hellstraße 6''' wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als zweigeschossiges Fachwerkhaus errichtet. | |||
Ursprünglich handelte es sich um ein bescheidenes Bürgerhaus mit: | |||
* Wohnung, | |||
* Werkstatt und | |||
* Stall. | |||
Später erhielt das Haus eine verputzte Mauerwerksfront in Formen der Neurenaissance. | |||
Ab '''2002''' erfolgte eine grundlegende Sanierung des Fachwerks. Dabei wurde versucht, möglichst viel historische Substanz zu erhalten und das Gebäude zugleich an heutige Wohnbedürfnisse anzupassen.<ref name="denkmal2024" /> | |||
=== Hellstraße 26 === | |||
Das Wohnhaus '''Hellstraße 26''' wird bereits im Brandkataster von '''1770''' erwähnt. | |||
Eine Inschrift im Türbalken vom '''10. Juli 1849''' weist auf eine umfassende Sanierung hin, bei der vermutlich auch das Fachwerk verputzt wurde.<ref name="denkmal2024" /> | |||
=== Hellstraße 29 === | |||
Das Haus '''Hellstraße 29''' ist ein Ackerbürgerhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. | |||
Es wurde als '''Vierständer-Hallenhaus''' errichtet und als kombiniertes Wohn- und Wirtschaftsgebäude genutzt. | |||
Ursprünglich handelte es sich um ein Durchgangsdeelenhaus. Das östliche Seitenschiff diente als Wohnbereich. | |||
Im Jahr '''2005''' wurde das Gebäude nach längerem Leerstand saniert.<ref name="denkmal2024" /> | |||
=== Hellstraße 40 === | |||
Das Gebäude '''Hellstraße 40''' wurde nach 1840 als zweigeschossiges Fachwerkhaus errichtet. | |||
Heute befinden sich dort beziehungsweise befanden sich dort unter anderem das Restaurant „Gourmet-Lädchen“ und Wohnräume. | |||
Die denkmalgeschützte Fassade bildet gemeinsam mit der benachbarten Fassade des Hauses '''Hellstraße 42''' ein wichtiges stadtgestalterisches Element.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Fluchtlinienplanung des 19. Jahrhunderts == | |||
Ein Fluchtlinienplan von '''1885''' dokumentiert die damalige Bebauung und Grundstücksstruktur der Hellstraße. | |||
Er zeigt die kleinteiligen Parzellen und die relativ dichte Bebauung entlang der Straße. Zugleich wird deutlich, wie eng Wohnen, Gewerbe und rückwärtige Wirtschaftsflächen miteinander verbunden waren.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Bedeutung == | |||
Die Hellstraße gehört zu den wichtigen historischen Straßenräumen der Ahlener Innenstadt. | |||
Sie dokumentiert mehrere Entwicklungsphasen: | |||
* die mittelalterliche Stadterweiterung, | |||
* die ackerbürgerliche Nutzung, | |||
* die Verbindung von Wohnen und Handwerk, | |||
* den Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1668 sowie | |||
* die Veränderungen durch Industrialisierung und Modernisierung im 19. und 20. Jahrhundert. | |||
Besonders die erhaltenen Wohn- und Wirtschaftsgebäude vermitteln noch heute einen Eindruck von der kleinteiligen Struktur der historischen Ahlener Innenstadt. | |||
== Chronik == | |||
* '''1270–1290:''' vermutliche zweite größere Stadterweiterung; Einbeziehung von Teilen der Ost- und Hellstraße. | |||
* '''um 1285:''' Entstehung der neuen Kirche St. Marien im Zuge derselben Stadtentwicklungsphase. | |||
* '''15. Jahrhundert:''' Bezeichnungen wie Hellstraße, Hellestraße oder Heystraße sind überliefert. | |||
* '''9. August 1668:''' großer Stadtbrand; etwa 100 Häuser an Ost- und Hellstraße werden zerstört. | |||
* '''1770:''' Hellstraße 26 wird im Brandkataster erwähnt. | |||
* '''2. Hälfte 18. Jahrhundert:''' Errichtung des Ackerbürgerhauses Hellstraße 29. | |||
* '''nach 1840:''' Errichtung von Hellstraße 40. | |||
* '''10. Juli 1849:''' Inschrift am Türbalken von Hellstraße 26 weist auf eine Sanierung hin. | |||
* '''2. Hälfte 19. Jahrhundert:''' Errichtung von Hellstraße 6. | |||
* '''1885:''' Fluchtlinienplan dokumentiert die damalige Bebauung. | |||
* '''ab Ende 19. Jahrhundert:''' zunehmende Umnutzung klassischer Ackerbürgerhäuser für Handwerk, Gewerbe und Wohnen. | |||
* '''2002:''' Beginn einer grundlegenden Sanierung von Hellstraße 6. | |||
* '''2005:''' Sanierung von Hellstraße 29 nach längerem Leerstand. | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Südstraße]] | |||
* [[Oststraße]] | |||
* [[Marienkirche]] | |||
* [[Bartholomäuskirche]] | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | |||
== Literatur == | |||
* Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 62–63. | |||
[[Kategorie:Straßen]] | [[Kategorie:Straßen]] | ||
Aktuelle Version vom 15. September 2026, 15:16 Uhr
| Hellstraße | |
|---|---|
51.7626617.89181 Koordinaten: 51° 45′ 46″ N, 7° 53′ 31″ O
| |
| Postleitzahl | 59227 |
| Ortsteil | Innenstadt |
| Art der Straße | Wohnstraße |
Die Hellstraße ist eine historische Straße im Ahlener Stadtkern. Sie verläuft zwischen der Südstraße und der Oststraße und gehört zum alten innerstädtischen Straßennetz.
Die Straße entstand im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung und war über Jahrhunderte stark ackerbürgerlich und handwerklich geprägt. Noch heute haben sich mehrere historische Wohn- und Wirtschaftsgebäude erhalten.[1]
Verlauf und Lage
Die Hellstraße verläuft im südöstlichen Bereich der historischen Innenstadt und verbindet die Südstraße mit der Oststraße.
Der Straßenraum ist vergleichsweise schmal und wird überwiegend von kleinteiliger Wohnbebauung geprägt.
Historisch besaßen mehrere Grundstücke durchgehende Verbindungen zur Oststraße. Wer über ein solches Grundstück verfügte, konnte unmittelbar von der Hellstraße zur Oststraße gelangen.
Die Oststraße galt dabei als eigentliche „Stadt“. Wer von der Hellstraße zur Oststraße ging, ging im örtlichen Sprachgebrauch „in die Stadt“.[1]
Stadtentwicklung im Mittelalter
Für Ahlen lässt sich ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein sogenanntes Zweistraßenleiter-System annehmen. Mit steigenden Bevölkerungszahlen dehnte sich die Stadt aus und erhielt neue parallel beziehungsweise versetzt verlaufende Straßenverbindungen.[1]
Im Zusammenhang mit dem Um- und Neubau der alten Kirche St. Bartholomäus ab 1273 wird eine zweite größere Stadterweiterung für die Zeit um 1270 bis 1290 angenommen.
Dabei vergrößerte sich das Stadtoval nach Osten. Bereits vorstädtisch bebaute Teile der Nordstraße sowie der Ost- und Hellstraße wurden in die Stadt einbezogen.
In dieselbe Phase der Stadtentwicklung fällt auch die Entstehung der neuen Kirche St. Marien um 1285.[1]
Stadtbrand von 1668
Im Jahr 1668 wurde Ahlen von einem verheerenden Stadtbrand getroffen, der auch die Hellstraße schwer in Mitleidenschaft zog.
Etwa 100 Häuser an der Ost- und Hellstraße fielen am 9. August dem Feuer zum Opfer.[1]
Nach der Überlieferung soll eine Magd des Dechanten Rexing mit offenem Licht in die Scheune des Wedemhove – gemeint ist die Dechanei an der Weststraße an der Ecke Kampstraße – gegangen sein und dadurch den Brand ausgelöst haben.
Aus diesem Unglück soll die Laurentiusprozession beziehungsweise die spätere Brand- und Friedensprozession hervorgegangen sein.[1]
Ackerbürger und Handwerker
Die Hellstraße war ursprünglich stark ackerbürgerlich geprägt.
Kleinere Handwerksbetriebe ergänzten diese Struktur. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurden die klassischen Ackerbürgerhäuser zunehmend neuen Nutzungen angepasst.
In der Hellstraße gab es unter anderem:
- Bäcker,
- Metzger,
- einen Gemischtwarenladen,
- Sattler sowie
- eine Schmiede.
Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein bildete die Straße einen eigenen kleinen Lebens- und Wirtschaftsraum, in dem viele Dinge des täglichen Bedarfs unmittelbar verfügbar waren.[1]
Namensgebung
Die Bezeichnung Hellstraße ist bereits im Mittelalter beziehungsweise in frühneuzeitlichen Quellen nachweisbar.
Die Formen „Hellstraße“, „Hellestraße“ oder „Heystraße“ tauchen für Ahlen in der Reihe „Quellen und Forschungen“ unter anderem in Auffassungsprotokollen des 15. Jahrhunderts auf.[1]
Der Begriff könnte mit dem mittelalterlichen Hellweg zusammenhängen. Als Hellwege wurden wichtige Durchgangsstraßen des Fernhandels bezeichnet.
Eine Deutung führt den Begriff auf das niederdeutsche helwech zurück, das sinngemäß als „breiter Weg“ verstanden werden kann, auf dem Reisende sicher und zügig vorankamen.[1]
Bereits im Mittelalter wurde die Hellstraße in Ahlen als Ausweichstrecke für die Hauptverkehrsachse Oststraße genutzt.
Damit entstand ein zweispuriges beziehungsweise paralleles Verkehrssystem an der großen West-Ost-Achse, ähnlich wie beim Hellweg in Dortmund. Planwagen mit Salz, Getreide, Bauholz und Tuchen nutzten diese zweite Strecke, die bereits an der Weststraße begann und über den Markt verlief.[1]
Historische Bebauung
Die Hellstraße besitzt mehrere erhaltene Gebäude, an denen sich unterschiedliche Entwicklungsphasen der Straße ablesen lassen.
Hellstraße 6
Das Wohnhaus Hellstraße 6 wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als zweigeschossiges Fachwerkhaus errichtet.
Ursprünglich handelte es sich um ein bescheidenes Bürgerhaus mit:
- Wohnung,
- Werkstatt und
- Stall.
Später erhielt das Haus eine verputzte Mauerwerksfront in Formen der Neurenaissance.
Ab 2002 erfolgte eine grundlegende Sanierung des Fachwerks. Dabei wurde versucht, möglichst viel historische Substanz zu erhalten und das Gebäude zugleich an heutige Wohnbedürfnisse anzupassen.[1]
Hellstraße 26
Das Wohnhaus Hellstraße 26 wird bereits im Brandkataster von 1770 erwähnt.
Eine Inschrift im Türbalken vom 10. Juli 1849 weist auf eine umfassende Sanierung hin, bei der vermutlich auch das Fachwerk verputzt wurde.[1]
Hellstraße 29
Das Haus Hellstraße 29 ist ein Ackerbürgerhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Es wurde als Vierständer-Hallenhaus errichtet und als kombiniertes Wohn- und Wirtschaftsgebäude genutzt.
Ursprünglich handelte es sich um ein Durchgangsdeelenhaus. Das östliche Seitenschiff diente als Wohnbereich.
Im Jahr 2005 wurde das Gebäude nach längerem Leerstand saniert.[1]
Hellstraße 40
Das Gebäude Hellstraße 40 wurde nach 1840 als zweigeschossiges Fachwerkhaus errichtet.
Heute befinden sich dort beziehungsweise befanden sich dort unter anderem das Restaurant „Gourmet-Lädchen“ und Wohnräume.
Die denkmalgeschützte Fassade bildet gemeinsam mit der benachbarten Fassade des Hauses Hellstraße 42 ein wichtiges stadtgestalterisches Element.[1]
Fluchtlinienplanung des 19. Jahrhunderts
Ein Fluchtlinienplan von 1885 dokumentiert die damalige Bebauung und Grundstücksstruktur der Hellstraße.
Er zeigt die kleinteiligen Parzellen und die relativ dichte Bebauung entlang der Straße. Zugleich wird deutlich, wie eng Wohnen, Gewerbe und rückwärtige Wirtschaftsflächen miteinander verbunden waren.[1]
Bedeutung
Die Hellstraße gehört zu den wichtigen historischen Straßenräumen der Ahlener Innenstadt.
Sie dokumentiert mehrere Entwicklungsphasen:
- die mittelalterliche Stadterweiterung,
- die ackerbürgerliche Nutzung,
- die Verbindung von Wohnen und Handwerk,
- den Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1668 sowie
- die Veränderungen durch Industrialisierung und Modernisierung im 19. und 20. Jahrhundert.
Besonders die erhaltenen Wohn- und Wirtschaftsgebäude vermitteln noch heute einen Eindruck von der kleinteiligen Struktur der historischen Ahlener Innenstadt.
Chronik
- 1270–1290: vermutliche zweite größere Stadterweiterung; Einbeziehung von Teilen der Ost- und Hellstraße.
- um 1285: Entstehung der neuen Kirche St. Marien im Zuge derselben Stadtentwicklungsphase.
- 15. Jahrhundert: Bezeichnungen wie Hellstraße, Hellestraße oder Heystraße sind überliefert.
- 9. August 1668: großer Stadtbrand; etwa 100 Häuser an Ost- und Hellstraße werden zerstört.
- 1770: Hellstraße 26 wird im Brandkataster erwähnt.
- 2. Hälfte 18. Jahrhundert: Errichtung des Ackerbürgerhauses Hellstraße 29.
- nach 1840: Errichtung von Hellstraße 40.
- 10. Juli 1849: Inschrift am Türbalken von Hellstraße 26 weist auf eine Sanierung hin.
- 2. Hälfte 19. Jahrhundert: Errichtung von Hellstraße 6.
- 1885: Fluchtlinienplan dokumentiert die damalige Bebauung.
- ab Ende 19. Jahrhundert: zunehmende Umnutzung klassischer Ackerbürgerhäuser für Handwerk, Gewerbe und Wohnen.
- 2002: Beginn einer grundlegenden Sanierung von Hellstraße 6.
- 2005: Sanierung von Hellstraße 29 nach längerem Leerstand.
Siehe auch
Einzelnachweise
Literatur
- Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 62–63.
