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Een Bellerbook van dat aolle Aohlen: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Kategorie: Buch]]
'''''Een Bellerbook van dat aolle Aohlen''''' ist ein 1961 im Verlag E. Sommer in Ahlen veröffentlichtes, reich bebildertes Heimatbuch von [[Jans Wiese]]. Das 138 Seiten umfassende Werk schildert das Stadtbild, die Bewohner und das Alltagsleben Ahlens im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Wiese schrieb den Text im münsterländischen Plattdeutsch und verband damit zwei Anliegen: die Erinnerung an das alte Ahlen zu bewahren und die heimische Mundart lebendig zu halten.<ref name="Wiese">Jans Wiese: ''Een Bellerbook van dat aolle Aohlen''. E. Sommer, Ahlen 1961.</ref>
 
== Das Buch und seine Entstehung ==
 
Im Vorwort vom Weihnachtsfest 1961 beschreibt Jans Wiese den Wandel der Stadt: Frühere Gebäude, Straßenbilder und Gewohnheiten waren zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden oder erheblich verändert. Angeregt durch seine Mitarbeit im „Plattdütsken Krink“ stellte er alte Ansichten und Erzählungen zusammen. Das Buch sollte das Ahlen von ungefähr 80 bis 100 Jahren zuvor in Erinnerung rufen und gleichzeitig für das Plattdeutsche werben.<ref name="Vorwort">Wiese 1961, S. 5 (Vorwort).</ref>
 
Besondere auffällig ist wenn man, die bereits 1940 niedergeschriebenen ''Jugenderinnerungen aus dem alten Ahlen'' von Dora Holtermann mit dem Buch vergleicht. Mehrere Passagen weisen auffällige Gemeinsamkeiten hinsichtlich der beschriebenen Ereignisse, einzelner Details und ihrer Reihenfolge auf. Dies spricht dafür, daß Jans Wiese den Text von Dora Holtermann als Vorlage nutzen konnte.
 
Das Werk ist dabei mehr als ein Bildband. Lange plattdeutsche Schilderungen führen durch die Straßen der Altstadt, nennen frühere Hausbesitzer, Handwerksbetriebe und Geschäfte und verbinden Ortsbeschreibungen mit Anekdoten. Die Abbildungen zeigen unter anderem verschwundene Stadttore, alte Wohn- und Geschäftshäuser, Kirchen, Straßenansichten und bekannte Ahlener Persönlichkeiten.
 
Ein eigenes geschlossenes Inhalts- oder Bilderverzeichnis enthält das Buch nicht. Die beiden folgenden Übersichten wurden anhand der gedruckten Ausgabe zusammengestellt. Die Seitenzahlen entsprechen der Buchpaginierung, nicht der Zählung der digitalisierten PDF-Seiten.
 
== Inhaltsverzeichnis ==
 
{| class="wikitable"
! Seite !! Abschnitt
|-
| 5 || ''Äöhlske Büörgers!'' – Vorwort
|-
| 6 || Historischer Stadtplan von Ahlen
|-
| 7 || ''De aollen Wall''
|-
| 11 || ''Van Aust- un Wesstraot''
|-
| 29 || ''Dat Hiärt van Aohlen''
|-
| 33 || ''De aolle Hoff un siene Ümstraoten''
|-
| 40 || ''De wunnerlikste Straot van Aohlen''
|-
| 53 || ''De Kattenbusk un de Steengass''
|-
| 57 || ''Außenmüer – Küeddelstraot – Vuegelsgäßken''
|-
| 62 || ''De Naordstraot''
|-
| 76 || ''De Fleeskstraot – Wao is de dann?''
|-
| 81 || ''Dütmaol geiht et an de Müern lank''
|-
| 85 || ''De Hellstraot''
|-
| 98 || ''Wi goaht düor dat Tüskengäßken un de Jakobstraot''
|-
| 102 || ''En biettken van de Südstraot''
|-
| 106 || ''Köster, Kiärkenmaoler un Magisters''
|-
| 120 || ''De hauge Polsei''
|-
| 126 || ''Uhlenspiegels un Häwwerädits''
|-
| 129 || ''Äöhlske Liäwen un Driewen üm 1870''
|-
| 133 || ''Modergesank an de Kinnerweig''
|-
| 136 || ''Nu kiehrt wedder Platt!'' – Schlusswort
|-
| 137–138 || ''Naohölpsel für „Hauchdütske“'' – plattdeutsch-hochdeutsches Wörterverzeichnis
|}
 
== Bilderverzeichnis ==
 
Die Beschreibungen der Motive wurden anhand der Abbildungen und ihrer plattdeutschen Bildunterschriften in hochdeutscher Kurzform zusammengestellt; sie sind keine wörtlichen Übersetzungen. Die drei Porträts auf Seite 95 und die beiden Polizeibeamten auf Seite 96 werden jeweils als eine Buchseite gezählt.
 
{| class="wikitable"
! Seite !! Abbildung / Motiv
|-
| Titelbild || Stadtansicht Ahlens um 1500
|-
| 6 || Historischer Stadtplan mit Verlauf der früheren Befestigungsanlagen
|-
| 17 || Das alte Westtor, nach einer Darstellung des Kirchenmalers Hennrich Schmitz
|-
| 18 || Der erste Ahlener Bahnhof, genutzt von 1848 bis 1914
|-
| 19 || Bahnübergang bei Gretenkort
|-
| 20 || Hotel Gretenkort
|-
| 21 || Historische Oststraße mit der Marienkirche im Hintergrund
|-
| 22 || Wohn- und Geschäftshaus an der Oststraße, mit Bezug zur Familie Münstermann
|-
| 23 || Altes Postamt an der Oststraße, erbaut 1888
|-
| 24 || Häuser an der Oststraße im Bereich der Hellstraße
|-
| 41 || Blick von der Marienkirche auf die Oststraße
|-
| 42 || Haus Nordhoff beziehungsweise Tombrock an der Oststraße
|-
| 43 || Bebauung gegenüber dem Haus Tombrock im Bereich Lehmkuhl
|-
| 44 || Außenansicht der alten Marienkirche (Zeichnung)
|-
| 45 || Innenansicht der alten Marienkirche
|-
| 46 || Geschäft und Bäckerei Thürs am früheren Hühnermarkt
|-
| 47 || Historische Weststraße mit mehreren Wohn- und Geschäftshäusern
|-
| 48 || Marktplatz mit altem Rathaus, Amtsgericht, Pumpe und Marienkirche
|-
| 65 || Historische Passionsleuchte auf dem Marktplatz
|-
| 66 || Altes Schulgebäude am Kirchplatz, später Jugendheim; Standort der frühen Lateinschule
|-
| 67 || Haus Barkhaus an der Kampstraße
|-
| 68 || Historische Ansicht der Steingasse
|-
| 69 || Der Kattenbusk, heute Wandmacherstiege
|-
| 70 || Nordstraße mit Marienkirche und früherer Nonnenschule
|-
| 71 || Haus der Schuhmacherfamilie Schomaker mit Bewohnern und Pferd
|-
| 72 || Frühere Fleeskstraße, heute Klosterstraße
|-
| 89 || Der „Sack“, auch Rosenstraße genannt
|-
| 90 || Landgräberhaus an der Nordmauer
|-
| 91 || Haus Tovar an der Hellstraße mit Bewohnern
|-
| 92 || Altes Gasthaus Deter an der Hellstraße
|-
| 93 || Historische Südstraße
|-
| 94 || Gerichtsstraße mit Amtsgericht und alter Windmühle
|-
| 95 || Porträts von Magister Wiegert, Küster Röern und „Vater Fücht“
|-
| 96 || Zwei Ahlener Polizeibeamte: Fritz Küöneropps und Jans Pompejus
|}
 
== Verbindung zu den Erinnerungen von Dora Holtermann ==
 
Dora Holtermann (geboren am 14. Dezember 1866) hielt im Jahr 1940 ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen an das alte Ahlen schriftlich fest. In diesen Erinnerungen beschreibt sie unter anderem die noch landwirtschaftlich geprägte Stadt der 1870er-Jahre, die alten Wallanlagen, den Glockenguss sowie die frühere Brandbekämpfung.<ref name="Holtermann">Dora Holtermann: ''Jugenderinnerungen aus dem alten Ahlen'', handschriftliche Niederschrift, 1940. Digitalisierte Manuskriptseiten; Kreisarchiv Warendorf N 070 / Holtermann; Ahlen, Nr. 49 https://www.archive.nrw.de/archivsuche?link=VERZEICHUNGSEINHEIT-Vz_95268697-ce61-4ec4-8b2a-f81878cb923a</ref>
 
Zwischen ihren Aufzeichnungen und mehreren Darstellungen in Wieses 21 Jahre später erschienenem Buch bestehen bemerkenswerte Parallelen.
 
=== Vergleich einzelner Schilderungen ===
 
{| class="wikitable"
! Thema !! Dora Holtermann (1940) !! Jans Wiese (1961)
|-
| '''Einwohner und Selbstversorgung''' || Dora erinnert sich an etwa 3.000 bis 4.000 Einwohner in den 1870er-Jahren sowie an Kühe, Gärten, Land und eigene Schweinehaltung. || Auf S. 129 schildert Wiese rund 3.000 Einwohner und beschreibt die Ahlener Familien ebenfalls als weitgehend selbstversorgend.
|-
| '''Drei Metzger''' || Dora nennt '''Walbusch, Schulte und Böller''' und berichtet, dass die Metzger sich das Fleisch einer Kuh teilten. || Auf S. 129 nennt Wiese dieselben Namen in plattdeutscher Form und anderer Reihenfolge: '''„Wallbusk, Böller un Schult“'''. Unmittelbar anschließend erwähnt er die gemeinsame Kuh.
|-
| '''Kalbfleisch und Geldbezeichnung''' || Dora erinnert sich an den Preis eines Viertels Kalbfleisch und die volkstümliche Bezeichnung „Kassmänneken“. || Auf S. 129 folgen bei Wiese ebenfalls die Angaben über Kalbfleisch, das „Kassmänken“ und siebeneinhalb Groschen für das beste Fleisch.
|-
| '''Bleichwälle''' || Dora beschreibt zwei Gräben mit einem dazwischenliegenden Wall, auf dem Leinen gebleicht wurde. || Auf S. 8 schildert Wiese die zwei Gräben zwischen dem Hufnagelschen Haus und der Südstraße sowie das Bleichen des Leinens auf dem Wall.
|-
| '''Glockenguss und „Glocken-Mathis“''' || Dora berichtet von ihrem Großvater Mathias Holtermann, der den Glockenguss aufmerksam verfolgte und so seinen Beinamen erhielt. || Auf S. 8 erzählt Wiese die entsprechende Begebenheit um „Matthis Holtermann“ beziehungsweise „Klocken-Matthis“.
|-
| '''Westtorturm und Brandbekämpfung''' || Dora erwähnt den Abbruch des Westtorturms 1879, je drei Wasserbehälter auf beiden Seiten der Tordurchfahrt und den Fuhrwerksbesitzer Vatheuer vom Alten Hof. || Auf S. 8–9 folgen bei Wiese ebenfalls der Westtorturm, das Jahr 1879, die sechs Wasserbehälter und „Vatheier van’n Aollen Hoff“.
|}
 
Auffällig ist nicht nur die Wiederholung einzelner Fakten, sondern auch die Abfolge zusammengehöriger Schilderungen. Gerade die Kombination aus Familiennamen, einer persönlichen Anekdote, technischen Einzelheiten der Brandbekämpfung und den historischen Fleischpreisen spricht gegen eine bloß zufällige Ähnlichkeit.<ref name="Vergleich">Vergleich zwischen Holtermanns Manuskript von 1940 und Wiese 1961, insbesondere S. 8–9 und 129. Die Angaben zur Abhängigkeit der Texte sind eine quellenkritische Einordnung, kein nachgewiesenes Zitat Wieses über seine Arbeitsweise.</ref>
 
=== Herkunft der Erzählungen ===
 
'''Wiese nennt keine Einzelnachweise für die von ihm verwendeten Erinnerungen und Schilderungen.''' Insbesondere lässt sich seinem Buch nicht entnehmen, ob er Dora Holtermanns handschriftliche Aufzeichnungen persönlich kannte, eine Abschrift benutzte oder die Erzählungen auf anderem Wege erhielt.
 
Der Vergleich legt nahe, dass zumindest Teile des Buches auf Holtermanns Text oder einer eng verwandten Überlieferung beruhen und von Wiese für sein Werk ins münsterländische Plattdeutsch übertragen beziehungsweise bearbeitet wurden. '''Eine unmittelbare Übernahme aus dem erhaltenen Manuskript ist damit jedoch noch nicht bewiesen.''' Für die übrigen Kapitel kann aus den bislang untersuchten Stellen ebenfalls keine pauschale Aussage über ihre Herkunft abgeleitet werden.
 
Dass Wiese ältere Erzählungen zusammentrug und sprachlich neu gestaltete, entspricht grundsätzlich dem Ziel, das er in seinem Vorwort selbst beschreibt. Die ältere Niederschrift macht zugleich sichtbar, dass Dora Holtermann eine eigenständige Zeitzeugin war, deren Erinnerungen bei der historischen Auswertung gesondert berücksichtigt werden müssen.
 
== Historische und sprachliche Bedeutung ==
 
Das Buch dokumentiert zahlreiche Gebäude, Straßenbilder und Alltagsverhältnisse, die zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung bereits vergangen waren. Mit seinen Abbildungen und den ausführlichen Ortsbeschreibungen ist es ein Hilfsmittel zur Beschäftigung mit dem älteren Ahlener Stadtbild. Durch die plattdeutsche Sprache ist es zugleich ein Zeugnis regionaler Sprach- und Erzählkultur.
 
Für die Quellenkritik ist die mögliche Verbindung zu Dora Holtermanns Aufzeichnungen wichtig: Stimmen zwei Texte in Aussagen und Details überein, sind sie nicht zwangsläufig zwei voneinander unabhängige Belege. Eine ältere gemeinsame Vorlage könnte erklären, weshalb sich dieselben Geschichten und Formulierungen wiederfinden. Wieses Leistung als Sammler und Vermittler wird dadurch nicht infrage gestellt; die Herkunft einzelner Erinnerungen lässt sich heute lediglich genauer untersuchen.
 
== Vorwort ==
 
Das plattdeutsche Vorwort ist mit „Aohlen, Wiehnachten 1961“ datiert. Wiese beschreibt darin den Verlust alter Bauten und das Ziel, mit dem Buch sowohl das Stadtbild als auch die Mundart in Erinnerung zu halten.<ref name="Vorwort" />
 
<blockquote>
'''ÄÖHLSKE BÜÖRGERS!'''
 
De niee Tied frätt alls up, wat iähr in de Quaor kümp. Dat Aolle mott wieken, off et will, orrer nich. So geiht dat in de ganse Welt, un daorüm bliww auck use leiwe aolle Aohlen nich daovan verschont. Wann wi van de Aolle Kiärk affseihet, giff et in gans Aohlen kiene Erinnerunk an aolle, schöne Tieden. Un wi wöeren so riek an aolle Bauten. Denkt wi doch män an de aolle Westpaot, an de aolle „Niee Kiärk“ un nich tolest an dat schöne Raothues, wat so vüör guedd tweehunnert Jaohr affbrannt is. Vandage is dat äöllste Bauwiärk de aolle Waatermüell van Seppenhagen.
 
Düör de Arbeid in den „Plattdütsken Krink“ sin ick nu up den Infall kuemmen, en Bellerbook van Aohlen tosammen to brengen, wat no en paar Hüser un Gäßkes ut de aolle Tied uptowiesen hätt. Aohlen vüör guedd achtzig bes hunnert Jaohr sall no eenmaol vüör us upstaohn un lebännig wärn. Lebännig wärn auck düör en paar Vertellsekes ut de verlieddene Tied, de bi de Aollen van us iähre Jugend no eenmaol wach röpp un de de Jungen en lück Intresse an dat Aolle affgewinnen sall. De Text is in use aolle däftige Moderspraok schriewwen. So slött dat Bööksken faorts twee Fleigen met eene Klapp. Dat aolle Stadtbeld wät wach un use Moderspraok kümp nich in Verlüess.
 
Aohlen, Wiehnachten 1961
 
'''JANS WIESE'''
</blockquote>
 
== Quellen und Literatur ==
 
* Jans Wiese: ''Een Bellerbook van dat aolle Aohlen''. Verlag E. Sommer, Ahlen 1961, 138 Seiten.
* Dora Holtermann: ''Jugenderinnerungen aus dem alten Ahlen''. Handschriftliche Niederschrift, 1940 (Kreisarchiv Warendorf).
 
== Einzelnachweise ==
 
<references />
 
[[Kategorie: Bücher]]

Aktuelle Version vom 20. Oktober 2026, 08:39 Uhr

Buchdetails
Veröffentlichung 1961
Verlag E. Sommer
Autor Jans Wiese
Seitenzahl 138

Een Bellerbook van dat aolle Aohlen ist ein 1961 im Verlag E. Sommer in Ahlen veröffentlichtes, reich bebildertes Heimatbuch von Jans Wiese. Das 138 Seiten umfassende Werk schildert das Stadtbild, die Bewohner und das Alltagsleben Ahlens im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Wiese schrieb den Text im münsterländischen Plattdeutsch und verband damit zwei Anliegen: die Erinnerung an das alte Ahlen zu bewahren und die heimische Mundart lebendig zu halten.[1]

Das Buch und seine Entstehung

Im Vorwort vom Weihnachtsfest 1961 beschreibt Jans Wiese den Wandel der Stadt: Frühere Gebäude, Straßenbilder und Gewohnheiten waren zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden oder erheblich verändert. Angeregt durch seine Mitarbeit im „Plattdütsken Krink“ stellte er alte Ansichten und Erzählungen zusammen. Das Buch sollte das Ahlen von ungefähr 80 bis 100 Jahren zuvor in Erinnerung rufen und gleichzeitig für das Plattdeutsche werben.[2]

Besondere auffällig ist wenn man, die bereits 1940 niedergeschriebenen Jugenderinnerungen aus dem alten Ahlen von Dora Holtermann mit dem Buch vergleicht. Mehrere Passagen weisen auffällige Gemeinsamkeiten hinsichtlich der beschriebenen Ereignisse, einzelner Details und ihrer Reihenfolge auf. Dies spricht dafür, daß Jans Wiese den Text von Dora Holtermann als Vorlage nutzen konnte.

Das Werk ist dabei mehr als ein Bildband. Lange plattdeutsche Schilderungen führen durch die Straßen der Altstadt, nennen frühere Hausbesitzer, Handwerksbetriebe und Geschäfte und verbinden Ortsbeschreibungen mit Anekdoten. Die Abbildungen zeigen unter anderem verschwundene Stadttore, alte Wohn- und Geschäftshäuser, Kirchen, Straßenansichten und bekannte Ahlener Persönlichkeiten.

Ein eigenes geschlossenes Inhalts- oder Bilderverzeichnis enthält das Buch nicht. Die beiden folgenden Übersichten wurden anhand der gedruckten Ausgabe zusammengestellt. Die Seitenzahlen entsprechen der Buchpaginierung, nicht der Zählung der digitalisierten PDF-Seiten.

Inhaltsverzeichnis

Seite Abschnitt
5 Äöhlske Büörgers! – Vorwort
6 Historischer Stadtplan von Ahlen
7 De aollen Wall
11 Van Aust- un Wesstraot
29 Dat Hiärt van Aohlen
33 De aolle Hoff un siene Ümstraoten
40 De wunnerlikste Straot van Aohlen
53 De Kattenbusk un de Steengass
57 Außenmüer – Küeddelstraot – Vuegelsgäßken
62 De Naordstraot
76 De Fleeskstraot – Wao is de dann?
81 Dütmaol geiht et an de Müern lank
85 De Hellstraot
98 Wi goaht düor dat Tüskengäßken un de Jakobstraot
102 En biettken van de Südstraot
106 Köster, Kiärkenmaoler un Magisters
120 De hauge Polsei
126 Uhlenspiegels un Häwwerädits
129 Äöhlske Liäwen un Driewen üm 1870
133 Modergesank an de Kinnerweig
136 Nu kiehrt wedder Platt! – Schlusswort
137–138 Naohölpsel für „Hauchdütske“ – plattdeutsch-hochdeutsches Wörterverzeichnis

Bilderverzeichnis

Die Beschreibungen der Motive wurden anhand der Abbildungen und ihrer plattdeutschen Bildunterschriften in hochdeutscher Kurzform zusammengestellt; sie sind keine wörtlichen Übersetzungen. Die drei Porträts auf Seite 95 und die beiden Polizeibeamten auf Seite 96 werden jeweils als eine Buchseite gezählt.

Seite Abbildung / Motiv
Titelbild Stadtansicht Ahlens um 1500
6 Historischer Stadtplan mit Verlauf der früheren Befestigungsanlagen
17 Das alte Westtor, nach einer Darstellung des Kirchenmalers Hennrich Schmitz
18 Der erste Ahlener Bahnhof, genutzt von 1848 bis 1914
19 Bahnübergang bei Gretenkort
20 Hotel Gretenkort
21 Historische Oststraße mit der Marienkirche im Hintergrund
22 Wohn- und Geschäftshaus an der Oststraße, mit Bezug zur Familie Münstermann
23 Altes Postamt an der Oststraße, erbaut 1888
24 Häuser an der Oststraße im Bereich der Hellstraße
41 Blick von der Marienkirche auf die Oststraße
42 Haus Nordhoff beziehungsweise Tombrock an der Oststraße
43 Bebauung gegenüber dem Haus Tombrock im Bereich Lehmkuhl
44 Außenansicht der alten Marienkirche (Zeichnung)
45 Innenansicht der alten Marienkirche
46 Geschäft und Bäckerei Thürs am früheren Hühnermarkt
47 Historische Weststraße mit mehreren Wohn- und Geschäftshäusern
48 Marktplatz mit altem Rathaus, Amtsgericht, Pumpe und Marienkirche
65 Historische Passionsleuchte auf dem Marktplatz
66 Altes Schulgebäude am Kirchplatz, später Jugendheim; Standort der frühen Lateinschule
67 Haus Barkhaus an der Kampstraße
68 Historische Ansicht der Steingasse
69 Der Kattenbusk, heute Wandmacherstiege
70 Nordstraße mit Marienkirche und früherer Nonnenschule
71 Haus der Schuhmacherfamilie Schomaker mit Bewohnern und Pferd
72 Frühere Fleeskstraße, heute Klosterstraße
89 Der „Sack“, auch Rosenstraße genannt
90 Landgräberhaus an der Nordmauer
91 Haus Tovar an der Hellstraße mit Bewohnern
92 Altes Gasthaus Deter an der Hellstraße
93 Historische Südstraße
94 Gerichtsstraße mit Amtsgericht und alter Windmühle
95 Porträts von Magister Wiegert, Küster Röern und „Vater Fücht“
96 Zwei Ahlener Polizeibeamte: Fritz Küöneropps und Jans Pompejus

Verbindung zu den Erinnerungen von Dora Holtermann

Dora Holtermann (geboren am 14. Dezember 1866) hielt im Jahr 1940 ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen an das alte Ahlen schriftlich fest. In diesen Erinnerungen beschreibt sie unter anderem die noch landwirtschaftlich geprägte Stadt der 1870er-Jahre, die alten Wallanlagen, den Glockenguss sowie die frühere Brandbekämpfung.[3]

Zwischen ihren Aufzeichnungen und mehreren Darstellungen in Wieses 21 Jahre später erschienenem Buch bestehen bemerkenswerte Parallelen.

Vergleich einzelner Schilderungen

Thema Dora Holtermann (1940) Jans Wiese (1961)
Einwohner und Selbstversorgung Dora erinnert sich an etwa 3.000 bis 4.000 Einwohner in den 1870er-Jahren sowie an Kühe, Gärten, Land und eigene Schweinehaltung. Auf S. 129 schildert Wiese rund 3.000 Einwohner und beschreibt die Ahlener Familien ebenfalls als weitgehend selbstversorgend.
Drei Metzger Dora nennt Walbusch, Schulte und Böller und berichtet, dass die Metzger sich das Fleisch einer Kuh teilten. Auf S. 129 nennt Wiese dieselben Namen in plattdeutscher Form und anderer Reihenfolge: „Wallbusk, Böller un Schult“. Unmittelbar anschließend erwähnt er die gemeinsame Kuh.
Kalbfleisch und Geldbezeichnung Dora erinnert sich an den Preis eines Viertels Kalbfleisch und die volkstümliche Bezeichnung „Kassmänneken“. Auf S. 129 folgen bei Wiese ebenfalls die Angaben über Kalbfleisch, das „Kassmänken“ und siebeneinhalb Groschen für das beste Fleisch.
Bleichwälle Dora beschreibt zwei Gräben mit einem dazwischenliegenden Wall, auf dem Leinen gebleicht wurde. Auf S. 8 schildert Wiese die zwei Gräben zwischen dem Hufnagelschen Haus und der Südstraße sowie das Bleichen des Leinens auf dem Wall.
Glockenguss und „Glocken-Mathis“ Dora berichtet von ihrem Großvater Mathias Holtermann, der den Glockenguss aufmerksam verfolgte und so seinen Beinamen erhielt. Auf S. 8 erzählt Wiese die entsprechende Begebenheit um „Matthis Holtermann“ beziehungsweise „Klocken-Matthis“.
Westtorturm und Brandbekämpfung Dora erwähnt den Abbruch des Westtorturms 1879, je drei Wasserbehälter auf beiden Seiten der Tordurchfahrt und den Fuhrwerksbesitzer Vatheuer vom Alten Hof. Auf S. 8–9 folgen bei Wiese ebenfalls der Westtorturm, das Jahr 1879, die sechs Wasserbehälter und „Vatheier van’n Aollen Hoff“.

Auffällig ist nicht nur die Wiederholung einzelner Fakten, sondern auch die Abfolge zusammengehöriger Schilderungen. Gerade die Kombination aus Familiennamen, einer persönlichen Anekdote, technischen Einzelheiten der Brandbekämpfung und den historischen Fleischpreisen spricht gegen eine bloß zufällige Ähnlichkeit.[4]

Herkunft der Erzählungen

Wiese nennt keine Einzelnachweise für die von ihm verwendeten Erinnerungen und Schilderungen. Insbesondere lässt sich seinem Buch nicht entnehmen, ob er Dora Holtermanns handschriftliche Aufzeichnungen persönlich kannte, eine Abschrift benutzte oder die Erzählungen auf anderem Wege erhielt.

Der Vergleich legt nahe, dass zumindest Teile des Buches auf Holtermanns Text oder einer eng verwandten Überlieferung beruhen und von Wiese für sein Werk ins münsterländische Plattdeutsch übertragen beziehungsweise bearbeitet wurden. Eine unmittelbare Übernahme aus dem erhaltenen Manuskript ist damit jedoch noch nicht bewiesen. Für die übrigen Kapitel kann aus den bislang untersuchten Stellen ebenfalls keine pauschale Aussage über ihre Herkunft abgeleitet werden.

Dass Wiese ältere Erzählungen zusammentrug und sprachlich neu gestaltete, entspricht grundsätzlich dem Ziel, das er in seinem Vorwort selbst beschreibt. Die ältere Niederschrift macht zugleich sichtbar, dass Dora Holtermann eine eigenständige Zeitzeugin war, deren Erinnerungen bei der historischen Auswertung gesondert berücksichtigt werden müssen.

Historische und sprachliche Bedeutung

Das Buch dokumentiert zahlreiche Gebäude, Straßenbilder und Alltagsverhältnisse, die zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung bereits vergangen waren. Mit seinen Abbildungen und den ausführlichen Ortsbeschreibungen ist es ein Hilfsmittel zur Beschäftigung mit dem älteren Ahlener Stadtbild. Durch die plattdeutsche Sprache ist es zugleich ein Zeugnis regionaler Sprach- und Erzählkultur.

Für die Quellenkritik ist die mögliche Verbindung zu Dora Holtermanns Aufzeichnungen wichtig: Stimmen zwei Texte in Aussagen und Details überein, sind sie nicht zwangsläufig zwei voneinander unabhängige Belege. Eine ältere gemeinsame Vorlage könnte erklären, weshalb sich dieselben Geschichten und Formulierungen wiederfinden. Wieses Leistung als Sammler und Vermittler wird dadurch nicht infrage gestellt; die Herkunft einzelner Erinnerungen lässt sich heute lediglich genauer untersuchen.

Vorwort

Das plattdeutsche Vorwort ist mit „Aohlen, Wiehnachten 1961“ datiert. Wiese beschreibt darin den Verlust alter Bauten und das Ziel, mit dem Buch sowohl das Stadtbild als auch die Mundart in Erinnerung zu halten.[2]

ÄÖHLSKE BÜÖRGERS!

De niee Tied frätt alls up, wat iähr in de Quaor kümp. Dat Aolle mott wieken, off et will, orrer nich. So geiht dat in de ganse Welt, un daorüm bliww auck use leiwe aolle Aohlen nich daovan verschont. Wann wi van de Aolle Kiärk affseihet, giff et in gans Aohlen kiene Erinnerunk an aolle, schöne Tieden. Un wi wöeren so riek an aolle Bauten. Denkt wi doch män an de aolle Westpaot, an de aolle „Niee Kiärk“ un nich tolest an dat schöne Raothues, wat so vüör guedd tweehunnert Jaohr affbrannt is. Vandage is dat äöllste Bauwiärk de aolle Waatermüell van Seppenhagen.

Düör de Arbeid in den „Plattdütsken Krink“ sin ick nu up den Infall kuemmen, en Bellerbook van Aohlen tosammen to brengen, wat no en paar Hüser un Gäßkes ut de aolle Tied uptowiesen hätt. Aohlen vüör guedd achtzig bes hunnert Jaohr sall no eenmaol vüör us upstaohn un lebännig wärn. Lebännig wärn auck düör en paar Vertellsekes ut de verlieddene Tied, de bi de Aollen van us iähre Jugend no eenmaol wach röpp un de de Jungen en lück Intresse an dat Aolle affgewinnen sall. De Text is in use aolle däftige Moderspraok schriewwen. So slött dat Bööksken faorts twee Fleigen met eene Klapp. Dat aolle Stadtbeld wät wach un use Moderspraok kümp nich in Verlüess.

Aohlen, Wiehnachten 1961

JANS WIESE

Quellen und Literatur

  • Jans Wiese: Een Bellerbook van dat aolle Aohlen. Verlag E. Sommer, Ahlen 1961, 138 Seiten.
  • Dora Holtermann: Jugenderinnerungen aus dem alten Ahlen. Handschriftliche Niederschrift, 1940 (Kreisarchiv Warendorf).

Einzelnachweise

  1. ↑ Jans Wiese: Een Bellerbook van dat aolle Aohlen. E. Sommer, Ahlen 1961.
  2. ↑ 2,0 2,1 Wiese 1961, S. 5 (Vorwort).
  3. ↑ Dora Holtermann: Jugenderinnerungen aus dem alten Ahlen, handschriftliche Niederschrift, 1940. Digitalisierte Manuskriptseiten; Kreisarchiv Warendorf N 070 / Holtermann; Ahlen, Nr. 49 https://www.archive.nrw.de/archivsuche?link=VERZEICHUNGSEINHEIT-Vz_95268697-ce61-4ec4-8b2a-f81878cb923a
  4. ↑ Vergleich zwischen Holtermanns Manuskript von 1940 und Wiese 1961, insbesondere S. 8–9 und 129. Die Angaben zur Abhängigkeit der Texte sind eine quellenkritische Einordnung, kein nachgewiesenes Zitat Wieses über seine Arbeitsweise.