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Herding & Mentrup: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Kategorie:Firmen]]


==Faktensammlung==
Die '''Firma Herding & Mentrup''' war eines der bedeutendsten Unternehmen der ersten Generation der Emaille-Industrie in [[Ahlen]]. Das 1894 gegründete Werk prägte über Jahrzehnte das industrielle Bild südlich der Bahnlinie und war für seine konsequente Marktbehauptung und rechtliche Durchsetzung von Markenansprüchen bekannt.


*Klage von Kerkmann vor dem Kammergericht Berlin gegen den dortigen Vertreter. Herding & Mentrup brachten Geschirre unter der Marke Coloss auf den Markt. Das Gericht gab Kerkmann Recht und sprach ihm Geschmacksmusterchutz zu. Pro Kilo verkaufter Ware mußte Herding & Mentrup einen bestimmten Betrag an Kerkmann zahlen. <ref name="Emaille"> Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, Stadt Ahlen 1987"</ref>
== Geschichte ==
*Anfang der 30er Jahre verwendete die Firma Nahrath den Werbespruch ''"Dieser Stahltopf mit aufgeschweißter Glasur hält länger als ein gleich schwerer emailierter Topf"''. Dagegen klagte Herding & Mentrup da die Glasur nicht aufgesschweißt sein könnte und der Beweis der längeren Haltbarkeit nicht erbracht sei. Nahrath unterlag in erster Instanz vor dem Landgericht in Münster ging jedoch in Revision vor dem Oberlandesgericht in Hamm. Man einigte sich 1937 auf einen Vergleich und die Teilung der Gerichtskosten da mehrere Gutachten den Wahrheitsgehalt der Werbeaussage widerlegt hatten und Nahrath den Werbespruch bereits länger nicht mehr nutzte.<ref name="Emaille"> Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, Stadt Ahlen 1987"</ref>
*1971 Übernahme Beriebsgelände Schomaker <ref>Ahlener Zeitung vom 07.11.2015</ref>
*Markenname Herma
*Heutiger Standort des Gezeitenlandes


==Quellen und Verweise==
=== Gründung und Aufstieg ===
Gegründet im Jahr 1894, siedelte sich das Unternehmen am Lütkeweg an, in unmittelbarer Nähe zum Ahlener Bahnhof. Diese Lage bot ideale logistische Voraussetzungen für den Antransport von Rohstoffen (Eisenblech und Kohle) sowie den weltweiten Versand der Fertigwaren. Unter dem Markennamen '''„Herma“''' (und in der Frühphase auch unter der Bezeichnung '''„Coloss“''') produzierte das Werk ein breites Sortiment an emaillierten Koch- und Haushaltsgeschirren.
 
=== Marktposition und Konkurrenzkämpfe ===
Die Firmengeschichte von Herding & Mentrup war von harten Auseinandersetzungen mit Mitbewerbern geprägt. Das Unternehmen achtete streng auf den Schutz von Geschmacksmustern und Werbeaussagen:
 
* '''Rechtsstreit mit Kerkmann:''' In der Frühzeit wurde Herding & Mentrup selbst vom Branchenriesen [[J. u. H. Kerkmann|Kerkmann]] vor dem Kammergericht Berlin verklagt. Herding & Mentrup hatten Geschirre unter der Marke ''Coloss'' vertrieben, die nach Ansicht des Gerichts den Geschmacksmusterschutz von Kerkmann verletzten. In der Folge musste das Unternehmen pro Kilogramm verkaufter Ware Lizenzgebühren an Kerkmann entrichten.<ref name="Emaille">Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, Stadt Ahlen 1987.</ref>
 
* '''Der „Stahltopf-Streit“ gegen Nahrath:''' Besonders weitreichend war der Konflikt mit der 1907 gegründeten Firma [[Nahrath (Stanz- und Emaillierwerke)|Nahrath]]. Als Nahrath Anfang der 1930er Jahre mit dem Slogan warb: ''„Dieser Stahltopf mit aufgeschweißter Glasur hält länger als ein gleich schwerer emaillierter Topf“'', klagte Herding & Mentrup wegen unlauteren Wettbewerbs. Man argumentierte, eine Glasur könne technisch nicht „aufgeschweißt“ sein. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit über zwei Instanzen (Landgericht Münster und Oberlandesgericht Hamm) endete das Verfahren 1937 mit einem Vergleich und der Teilung der Kosten, da Gutachten die Werbeaussage von Nahrath widerlegt hatten.<ref name="Emaille" />
 
=== Spätere Entwicklung und Expansion ===
Im Jahr 1971 expandierte das Unternehmen durch die Übernahme des Betriebsgeländes der ehemaligen Firma Schomaker.<ref>Ahlener Zeitung vom 07.11.2015.</ref> In den folgenden Jahrzehnten führten der allgemeine Strukturwandel in der Emaille-Branche und die Konkurrenz durch neue Materialien (Edelstahl, Kunststoffe) zur Einstellung des Betriebes.
 
== Standort und heutige Nutzung ==
Das ehemalige Werksgelände am Lütkeweg befand sich in direkter Nachbarschaft zur [[Villa Herding & Mentrup|Fabrikantenvilla]] der Familie Mentrup (Lütkeweg 20). Nach dem Ende der industriellen Nutzung wurde das Areal städtebaulich neu erschlossen. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände unter anderem das Seniorenzentrum '''Gezeitenland'''.
 
== Quellen ==
* ''Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877'', herausgegeben von der Stadt Ahlen, 1987.
* Wolfgang Muth: ''Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt'', in: ''Gesichter einer Stadt'', S. 143–156.
* Zeitungsarchiv der ''Ahlener Zeitung''.
 
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />

Aktuelle Version vom 1. April 2026, 19:40 Uhr

Herding & Mentrup
Anschrift Lütkeweg
59229 Ahlen
Branche Emailleverarbeitung
Gründungsdatum 1894
Inhaber Heinrich Mentrup sen.


Die Firma Herding & Mentrup war eines der bedeutendsten Unternehmen der ersten Generation der Emaille-Industrie in Ahlen. Das 1894 gegründete Werk prägte über Jahrzehnte das industrielle Bild südlich der Bahnlinie und war für seine konsequente Marktbehauptung und rechtliche Durchsetzung von Markenansprüchen bekannt.

Geschichte

Gründung und Aufstieg

Gegründet im Jahr 1894, siedelte sich das Unternehmen am Lütkeweg an, in unmittelbarer Nähe zum Ahlener Bahnhof. Diese Lage bot ideale logistische Voraussetzungen für den Antransport von Rohstoffen (Eisenblech und Kohle) sowie den weltweiten Versand der Fertigwaren. Unter dem Markennamen „Herma“ (und in der Frühphase auch unter der Bezeichnung „Coloss“) produzierte das Werk ein breites Sortiment an emaillierten Koch- und Haushaltsgeschirren.

Marktposition und Konkurrenzkämpfe

Die Firmengeschichte von Herding & Mentrup war von harten Auseinandersetzungen mit Mitbewerbern geprägt. Das Unternehmen achtete streng auf den Schutz von Geschmacksmustern und Werbeaussagen:

  • Rechtsstreit mit Kerkmann: In der Frühzeit wurde Herding & Mentrup selbst vom Branchenriesen Kerkmann vor dem Kammergericht Berlin verklagt. Herding & Mentrup hatten Geschirre unter der Marke Coloss vertrieben, die nach Ansicht des Gerichts den Geschmacksmusterschutz von Kerkmann verletzten. In der Folge musste das Unternehmen pro Kilogramm verkaufter Ware Lizenzgebühren an Kerkmann entrichten.[1]
  • Der „Stahltopf-Streit“ gegen Nahrath: Besonders weitreichend war der Konflikt mit der 1907 gegründeten Firma Nahrath. Als Nahrath Anfang der 1930er Jahre mit dem Slogan warb: „Dieser Stahltopf mit aufgeschweißter Glasur hält länger als ein gleich schwerer emaillierter Topf“, klagte Herding & Mentrup wegen unlauteren Wettbewerbs. Man argumentierte, eine Glasur könne technisch nicht „aufgeschweißt“ sein. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit über zwei Instanzen (Landgericht Münster und Oberlandesgericht Hamm) endete das Verfahren 1937 mit einem Vergleich und der Teilung der Kosten, da Gutachten die Werbeaussage von Nahrath widerlegt hatten.[1]

Spätere Entwicklung und Expansion

Im Jahr 1971 expandierte das Unternehmen durch die Übernahme des Betriebsgeländes der ehemaligen Firma Schomaker.[2] In den folgenden Jahrzehnten führten der allgemeine Strukturwandel in der Emaille-Branche und die Konkurrenz durch neue Materialien (Edelstahl, Kunststoffe) zur Einstellung des Betriebes.

Standort und heutige Nutzung

Das ehemalige Werksgelände am Lütkeweg befand sich in direkter Nachbarschaft zur Fabrikantenvilla der Familie Mentrup (Lütkeweg 20). Nach dem Ende der industriellen Nutzung wurde das Areal städtebaulich neu erschlossen. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände unter anderem das Seniorenzentrum Gezeitenland.

Quellen

  • Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, herausgegeben von der Stadt Ahlen, 1987.
  • Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt, in: Gesichter einer Stadt, S. 143–156.
  • Zeitungsarchiv der Ahlener Zeitung.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, Stadt Ahlen 1987.
  2. Ahlener Zeitung vom 07.11.2015.