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Ziegelei Beumer: Unterschied zwischen den Versionen

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Wer von Ahlen aus kommend über die damals noch beidseitig durch einen zahlreichen Bestand an Birnbäumen begrenzte Hammer Straße südlicher Richtung nach Hamm fuhr, konnte bereits von großer Weite das Ziegelwerk erblicken. Kurz vor dem Erreichen der Ortsgrenze stand gegenüber dem heutigen Gewerbegebiet „Kleiwellenfeld“ östlich von der Hammer Straße der mächtige Ringofen unter einem roten Ziegeldach, das mittig von einem schlanken, 45 m hohen Schornstein überragt wurde. Südlich des Ringofens stand das Maschinengebäude, in dem sich die Dampfmaschinen befanden, mit denen die für die Fertigung der Ziegel eingesetzten Maschinen betrieben wurden. Rechts und links von diesem Maschinenhaus gruppierten sich zahlreiche langgestreckte Ziegeltrockenschuppen. Östlich vom Ofen war ein rot geklinkertes Gebäude errichtet, in dem sich die Werkswohnungen für die Familien und die Gemeinschaftsanlagen (Küche, Speisesaal, sanitäre Einrichtungen pp.) für die Arbeiter befanden.
[[Kategorie:Unternehmen]]
[[Kategorie: Ziegeleien]]


Die '''Ziegelei Beumer''' war ein Ziegelwerk an der [[Hammer Straße]] in Ahlen. Die Anlage lag östlich der Straße, gegenüber dem heutigen Gewerbegebiet „Kleiwellenfeld“, und prägte das südliche Stadtbild über viele Jahrzehnte. Besonders markant waren der Ringofen mit rotem Ziegeldach und der 45 Meter hohe Schornstein.<ref name="senioren1">{{Internetquelle |url=https://www.seniorenahlen.de/artikel/suetterlin-dampfziegelei-b-beumer-1 |titel=Sütterlin – Dampfziegelei B. Beumer (1) |werk=Senioren Ahlen |abruf=2026-04-11}}</ref>


Der damalige Besitzer der Ziegelei Heinrich Beumer stellte im Jahre 1900 den Antrag auf Erteilung einer Genehmigung zur Errichtung eines Gebäudes mit Schlaf- und Speisesälen für die Ziegeleiarbeiter. Zu diesem Zeitpunkt war der Ringofen bereits vorhanden; er war errichtet nach dem Prinzip des „Hoffmannschen Ringofens“ und diente als Einrichtung zum effektiven kontinuierlichen Brennen von Ziegeln.
Die Ziegelei Beumer stand im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ahlener Ziegelproduktion gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Mit der Industrialisierung und dem Wachstum der Stadt stieg die Nachfrage nach Ziegelsteinen und Dachziegeln für Fabrik- und Wohnbauten deutlich an.<ref name="muth123">Ahlen 1870–1914 – Die Industrialisierung einer münsterländischen Ackerbürgerstadt, S. 123.</ref>


== Lage ==
Die Ziegelei befand sich an der Hammer Straße in südlicher Richtung von Ahlen nach Hamm. Vom Straßenraum aus war die Anlage weithin sichtbar. Östlich der Hammer Straße lagen sowohl die Werksanlagen als auch Teile der Rohstoffgewinnung.<ref name="senioren1" />


In Erinnerung geblieben ist noch einigen Ahlenern die von einer Diesellok gezogene Feldbahn mit ihren vielen Loren, die auf den Gleisen entlang der Straße „Im Hövenerort“ aus östlicher Richtung kommend beim Erreichen der Hammer Straße nach Süden abbog und in voll gefüllten Kipploren Mergel, Ton oder Lehm in die Ziegelei brachte.
== Anlagen und technische Ausstattung ==
Kernstück der Ziegelei war ein Ringofen unter einem roten Ziegeldach, der von einem 45 Meter hohen Schornstein überragt wurde. Südlich des Ringofens stand das Maschinengebäude mit den Dampfmaschinen, die die Produktionsanlagen antrieben. Rechts und links davon befanden sich langgestreckte Ziegeltrockenschuppen. Östlich des Ofens stand ein rot geklinkertes Gebäude mit Werkswohnungen für Familien sowie Gemeinschaftsanlagen für die Arbeiter, darunter Küche, Speisesaal und sanitäre Einrichtungen.<ref name="senioren1" />


Im Jahr 1900 beantragte der damalige Besitzer [[Heinrich Beumer]] die Genehmigung zur Errichtung eines Gebäudes mit Schlaf- und Speisesälen für die Ziegeleiarbeiter. Zu diesem Zeitpunkt war der Ringofen bereits vorhanden. Er war nach dem Prinzip des Hoffmannschen Ringofens errichtet worden und diente dem kontinuierlichen Brennen von Ziegeln.<ref name="senioren1" />


Die Materalien wurden zwar hauptsächlich in der Nähe der Ringofenanlage an der Hammer Straße abgebaut, doch geschah dies auch auf den entfernter liegenden Lagerstätten nördlich des blauen Wasserturms an der Guissener Straße und auch am Richterbach (in Höhe der heutigen Kurt-Schumacher-Straße / Eibenstraße). In dieser Gegend gab es in einem nacheiszeitlichen Auengelände Anschwemmungen von Lehmen und Tonerden, die wegen ihrer Mächtigkeit (bis zu drei Metern) als abbauwürdig erschienen.
[[Datei:Csm ccf ringofen ansicht17092017bearb 35755c592f.jpg|thumb|alternativtext=Ziegelei Beumer]]


Im Jahre 1933 verstarb der Ziegeleibesitzer Heinrich Beumer. Er wurde von seinem Sohn, dem Ziegeleibesitzer Bernhard Beumer, allein beerbt. Bereits 9 Jahre später
== Rohstoffgewinnung und Transport ==
Zur Ziegelei gehörte eine Feldbahn, die von einer Diesellok gezogen wurde. Sie brachte in Kipploren Mergel, Ton oder Lehm aus östlicher Richtung zur Ziegelei. Die Gleise verliefen entlang der Straße „Im Hövenerort“, bogen an der Hammer Straße nach Süden ab und führten von dort zum Werk.<ref name="senioren1" />


verstarb auch Bernhard Beumer. Aufgrund des Erbganges ging das Unternehmen auf die Ehefrau Sofia Beumer geb. Hagedorn und die damals noch minderjährigen Kinder Karl Heinrich, Robert Franz und Elisabeth Magdalena über.
Die Rohstoffe wurden überwiegend in der Nähe der Ringofenanlage an der Hammer Straße gewonnen. Weitere Lagerstätten lagen nördlich des blauen Wasserturms an der Guissener Straße sowie am Richterbach in Höhe der heutigen Kurt-Schumacher-Straße und Eibenstraße. Dort befanden sich in einem nacheiszeitlichen Auengelände Anschwemmungen von Lehmen und Tonerden, die wegen ihrer Mächtigkeit von bis zu drei Metern als abbauwürdig galten.<ref name="senioren2">{{Internetquelle |url=https://www.seniorenahlen.de/artikel/suetterlin-dampfziegelei-b-beumer-2 |titel=Sütterlin – Dampfziegelei B. Beumer (2) |werk=Senioren Ahlen |abruf=2026-04-11}}</ref>


Die Produktion ist wahrscheinlich bereits im März 1970 eingestellt worden. Die Gründe für die Schließung des Betriebes sind zahlreich. Ein wesentlicher Grund wird sein, dass immer weniger geeigneter Lehm in abbauwürdiger Nähe der Ziegelei vorhanden war.
Die Ziegelproduktion war Saisonarbeit. Im Winter ruhte der Betrieb, da bei gefrorenem Boden kein Lehm mehr abgebaut werden konnte. Zugleich ging in dieser Jahreszeit die Bautätigkeit weitgehend zurück, so dass auch die Nachfrage nach Ziegeln sank. Waren die Haldenbestände aus dem Vorjahr noch groß, wurden Ziegeleien im folgenden Jahr mitunter erst später wieder in Betrieb genommen.<ref name="muth123" />


Am 08. Oktober 1979 wurde der 45 m hohe Schornstein gesprengt und anschließend auch der Ringofen abgerissen.
== Arbeitskräfte und Arbeitsbedingungen ==
Die Arbeitskräfte wurden für die Produktionszeit im Sommerhalbjahr offenbar vielfach von auswärts geholt und in Schlafräumen auf dem Betriebsgelände untergebracht.<ref name="muth123" />


Der bei dem Abbruch des Schornsteins und des Ringofens entstandene Bauschutt diente als als Fundament für den Bau des Lärmschutzwalls entlang der Ostseite der Hammer Straße, der im Zusammenhang mit der neuen Trassenführung der Hammer Straße entstanden ist. Dieser Wall wurde mit Mutterboden abgedeckt und anschließend mit Bäumen und Sträucher bepflanzt.
Bei Betriebskontrollen wurden die Unterkünfte und sanitären Einrichtungen der Ziegeleien wiederholt beanstandet. Im September 1909 berichtete die Polizeiverwaltung Ahlen, dass in zwei kontrollierten Betrieben die Schlafräume nicht gereinigt und die Betten nicht gemacht waren.<ref name="muth123" />


Der Abbruch des verbliebenen Wohngebäudes erfolgte in dem darauf folgenden Monat Dezember 2011.
1910 stellte die Gewerbeinspektion Münster fest, dass in den Ziegeleien von Rötering und Beumer Kleiderschränke für die Arbeiter fehlten. Auch der Zustand der Aborte wurde kritisiert. Beumer reagierte erst, als eine Geldbuße angedroht wurde, und erhielt dann nochmals Aufschub bis zur Arbeitsaufnahme im Frühjahr 1912. In diesem Jahr wurde außerdem der Bau eines gesonderten, beim Ofen gelegenen Aufenthaltsraums für den Brenner gefordert, da der allgemeine Pausenraum für die Arbeiter zu weit entfernt lag und der Daueraufenthalt am Ofen wegen der austretenden Verbrennungsgase als gesundheitsschädlich galt.<ref name="muth123" />


Heute sind an Ort und Stelle der ehemaligen Ziegelei kaum noch Spuren zu finden mit der Ausnahme, dass sich noch:
== Eigentümergeschichte ==
1933 verstarb der Ziegeleibesitzer Heinrich Beumer. Alleinerbe wurde sein Sohn, der Ziegeleibesitzer [[Bernhard Beumer]]. Neun Jahre später starb auch Bernhard Beumer. Aufgrund des Erbganges ging das Unternehmen auf dessen Ehefrau [[Sofia Beumer]] geb. Hagedorn sowie auf die damals noch minderjährigen Kinder Karl Heinrich, Robert Franz und Elisabeth Magdalena über.<ref name="senioren2" />


* klar erkennbar in der Straße „Im Linnenfeld“ Gleise der früheren Feldbahn befinden, die schräg zur Fahrbahn durch den Asphalt verlaufen.
== Stilllegung und Abbruch ==
* unter dem auf der Ostseite entlang der heutigen Hammer Straße verlaufenden Lärmschutzwall die Steine und der Schotter aus dem Abbruch des Ringofens ruhen.
Die Produktion wurde wahrscheinlich bereits im März 1970 eingestellt. Als ein wesentlicher Grund gilt, dass immer weniger geeigneter Lehm in abbauwürdiger Nähe der Ziegelei vorhanden war.<ref name="senioren2" />


Auch die Bereiche, in denen früher Lehm und Ton für die Ziegelfertigung abgebaut wurde, sind zwischenzeitlich mit Müll verfüllt und anschließend wieder mit Mutterboden abgedeckt worden. Lediglich gegenüber der heutigen Kaserne ist noch ein Bereich zu erkennen, der infolge der Ausbaggerung etwa um 1,00 m -1,50 m niedriger liegt, als die östlich daran angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen.  
Am 8. Oktober 1979 wurde der 45 Meter hohe Schornstein gesprengt; anschließend wurde auch der Ringofen abgerissen. Der beim Abbruch entstandene Bauschutt diente als Fundament für den Lärmschutzwall entlang der Ostseite der Hammer Straße, der im Zuge der neuen Trassenführung der Straße angelegt wurde. Der Wall wurde später mit Mutterboden abgedeckt und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Das verbliebene Wohngebäude wurde im Dezember 2011 abgebrochen.<ref name="senioren2" />
 
[[File:Ziegelei Beumer Sprengung 1979.jpg|thumb]]
 
== Heutige Spuren ==
Heute sind an Ort und Stelle der ehemaligen Ziegelei kaum noch Spuren zu finden. Sichtbar geblieben sind jedoch die früheren Feldbahngleise in der Straße „Im Linnenfeld“, die dort schräg zur Fahrbahn durch den Asphalt verlaufen. Außerdem befinden sich unter dem Lärmschutzwall an der Ostseite der heutigen Hammer Straße noch Steine und Schotter aus dem Abbruch des Ringofens.<ref name="senioren2" />
 
Auch die früheren Abbauflächen für Lehm und Ton wurden inzwischen mit Müll verfüllt und anschließend mit Mutterboden abgedeckt. Gegenüber der heutigen Kaserne ist jedoch noch ein Bereich erkennbar, der infolge der früheren Ausbaggerung etwa 1,00 bis 1,50 Meter tiefer liegt als die östlich angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen.<ref name="senioren2" />
 
== Quellen ==
* [https://www.seniorenahlen.de/artikel/suetterlin-dampfziegelei-b-beumer-1 Senioren Ahlen: Sütterlin – Dampfziegelei B. Beumer (1)]
* [https://www.seniorenahlen.de/artikel/suetterlin-dampfziegelei-b-beumer-2 Senioren Ahlen: Sütterlin – Dampfziegelei B. Beumer (2)]
* Ahlen 1870–1914 – Die Industrialisierung einer münsterländischen Ackerbürgerstadt, S. 123.


==Quellen==
* https://www.seniorenahlen.de/artikel/suetterlin-dampfziegelei-b-beumer-1 (Autor: Günther Andres)
* https://www.seniorenahlen.de/artikel/suetterlin-dampfziegelei-b-beumer-2 (Autor: Günther Andres)
<references/>
<references/>
[[Kategorie:Firmen]]

Aktuelle Version vom 23. April 2026, 14:57 Uhr

Ziegelei Beumer
Anschrift Hammer Straße
4730


Branche Ziegelei





51.737457.88194
Karte

Die Ziegelei Beumer war ein Ziegelwerk an der Hammer Straße in Ahlen. Die Anlage lag östlich der Straße, gegenüber dem heutigen Gewerbegebiet „Kleiwellenfeld“, und prägte das südliche Stadtbild über viele Jahrzehnte. Besonders markant waren der Ringofen mit rotem Ziegeldach und der 45 Meter hohe Schornstein.[1]

Die Ziegelei Beumer stand im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ahlener Ziegelproduktion gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Mit der Industrialisierung und dem Wachstum der Stadt stieg die Nachfrage nach Ziegelsteinen und Dachziegeln für Fabrik- und Wohnbauten deutlich an.[2]

Lage

Die Ziegelei befand sich an der Hammer Straße in südlicher Richtung von Ahlen nach Hamm. Vom Straßenraum aus war die Anlage weithin sichtbar. Östlich der Hammer Straße lagen sowohl die Werksanlagen als auch Teile der Rohstoffgewinnung.[1]

Anlagen und technische Ausstattung

Kernstück der Ziegelei war ein Ringofen unter einem roten Ziegeldach, der von einem 45 Meter hohen Schornstein überragt wurde. Südlich des Ringofens stand das Maschinengebäude mit den Dampfmaschinen, die die Produktionsanlagen antrieben. Rechts und links davon befanden sich langgestreckte Ziegeltrockenschuppen. Östlich des Ofens stand ein rot geklinkertes Gebäude mit Werkswohnungen für Familien sowie Gemeinschaftsanlagen für die Arbeiter, darunter Küche, Speisesaal und sanitäre Einrichtungen.[1]

Im Jahr 1900 beantragte der damalige Besitzer Heinrich Beumer die Genehmigung zur Errichtung eines Gebäudes mit Schlaf- und Speisesälen für die Ziegeleiarbeiter. Zu diesem Zeitpunkt war der Ringofen bereits vorhanden. Er war nach dem Prinzip des Hoffmannschen Ringofens errichtet worden und diente dem kontinuierlichen Brennen von Ziegeln.[1]

Ziegelei Beumer

Rohstoffgewinnung und Transport

Zur Ziegelei gehörte eine Feldbahn, die von einer Diesellok gezogen wurde. Sie brachte in Kipploren Mergel, Ton oder Lehm aus östlicher Richtung zur Ziegelei. Die Gleise verliefen entlang der Straße „Im Hövenerort“, bogen an der Hammer Straße nach Süden ab und führten von dort zum Werk.[1]

Die Rohstoffe wurden überwiegend in der Nähe der Ringofenanlage an der Hammer Straße gewonnen. Weitere Lagerstätten lagen nördlich des blauen Wasserturms an der Guissener Straße sowie am Richterbach in Höhe der heutigen Kurt-Schumacher-Straße und Eibenstraße. Dort befanden sich in einem nacheiszeitlichen Auengelände Anschwemmungen von Lehmen und Tonerden, die wegen ihrer Mächtigkeit von bis zu drei Metern als abbauwürdig galten.[3]

Die Ziegelproduktion war Saisonarbeit. Im Winter ruhte der Betrieb, da bei gefrorenem Boden kein Lehm mehr abgebaut werden konnte. Zugleich ging in dieser Jahreszeit die Bautätigkeit weitgehend zurück, so dass auch die Nachfrage nach Ziegeln sank. Waren die Haldenbestände aus dem Vorjahr noch groß, wurden Ziegeleien im folgenden Jahr mitunter erst später wieder in Betrieb genommen.[2]

Arbeitskräfte und Arbeitsbedingungen

Die Arbeitskräfte wurden für die Produktionszeit im Sommerhalbjahr offenbar vielfach von auswärts geholt und in Schlafräumen auf dem Betriebsgelände untergebracht.[2]

Bei Betriebskontrollen wurden die Unterkünfte und sanitären Einrichtungen der Ziegeleien wiederholt beanstandet. Im September 1909 berichtete die Polizeiverwaltung Ahlen, dass in zwei kontrollierten Betrieben die Schlafräume nicht gereinigt und die Betten nicht gemacht waren.[2]

1910 stellte die Gewerbeinspektion Münster fest, dass in den Ziegeleien von Rötering und Beumer Kleiderschränke für die Arbeiter fehlten. Auch der Zustand der Aborte wurde kritisiert. Beumer reagierte erst, als eine Geldbuße angedroht wurde, und erhielt dann nochmals Aufschub bis zur Arbeitsaufnahme im Frühjahr 1912. In diesem Jahr wurde außerdem der Bau eines gesonderten, beim Ofen gelegenen Aufenthaltsraums für den Brenner gefordert, da der allgemeine Pausenraum für die Arbeiter zu weit entfernt lag und der Daueraufenthalt am Ofen wegen der austretenden Verbrennungsgase als gesundheitsschädlich galt.[2]

Eigentümergeschichte

1933 verstarb der Ziegeleibesitzer Heinrich Beumer. Alleinerbe wurde sein Sohn, der Ziegeleibesitzer Bernhard Beumer. Neun Jahre später starb auch Bernhard Beumer. Aufgrund des Erbganges ging das Unternehmen auf dessen Ehefrau Sofia Beumer geb. Hagedorn sowie auf die damals noch minderjährigen Kinder Karl Heinrich, Robert Franz und Elisabeth Magdalena über.[3]

Stilllegung und Abbruch

Die Produktion wurde wahrscheinlich bereits im März 1970 eingestellt. Als ein wesentlicher Grund gilt, dass immer weniger geeigneter Lehm in abbauwürdiger Nähe der Ziegelei vorhanden war.[3]

Am 8. Oktober 1979 wurde der 45 Meter hohe Schornstein gesprengt; anschließend wurde auch der Ringofen abgerissen. Der beim Abbruch entstandene Bauschutt diente als Fundament für den Lärmschutzwall entlang der Ostseite der Hammer Straße, der im Zuge der neuen Trassenführung der Straße angelegt wurde. Der Wall wurde später mit Mutterboden abgedeckt und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Das verbliebene Wohngebäude wurde im Dezember 2011 abgebrochen.[3]

Heutige Spuren

Heute sind an Ort und Stelle der ehemaligen Ziegelei kaum noch Spuren zu finden. Sichtbar geblieben sind jedoch die früheren Feldbahngleise in der Straße „Im Linnenfeld“, die dort schräg zur Fahrbahn durch den Asphalt verlaufen. Außerdem befinden sich unter dem Lärmschutzwall an der Ostseite der heutigen Hammer Straße noch Steine und Schotter aus dem Abbruch des Ringofens.[3]

Auch die früheren Abbauflächen für Lehm und Ton wurden inzwischen mit Müll verfüllt und anschließend mit Mutterboden abgedeckt. Gegenüber der heutigen Kaserne ist jedoch noch ein Bereich erkennbar, der infolge der früheren Ausbaggerung etwa 1,00 bis 1,50 Meter tiefer liegt als die östlich angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen.[3]

Quellen

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 „Sütterlin – Dampfziegelei B. Beumer (1)“.In: Senioren Ahlen.Online
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Ahlen 1870–1914 – Die Industrialisierung einer münsterländischen Ackerbürgerstadt, S. 123.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 „Sütterlin – Dampfziegelei B. Beumer (2)“.In: Senioren Ahlen.Online