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St. Michael: Unterschied zwischen den Versionen

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'''St. Michael''' in Ahlen ist eine traditionsreiche Bildungseinrichtung, die aus dem Gymnasium und der Handelsschule besteht.
{{Vorlage:Gebäude
|Foto      =
|Adresse  = Warendorfer Straße 72
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|Fax      =
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|Internet  = [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/ gymnasium-sankt-michael.de]
|Urnutzung = Kloster, Internat,<br> höhere Mädchenschule
|Baujahr  = 1901–1903
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|Nutzung  = Gymnasium / Berufskolleg
|Denkmal  = Ja
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|Zoom      = 17
}}


== Gymnasium St. Michael ==
[[Kategorie:Gebäude]]
Das Gymnasium St. Michael wurde 1858 gegründet und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ursprünglich als Mädchenschule konzipiert, entwickelte es sich über die Jahre zu einer modernen Bildungseinrichtung für junge Frauen. 1974 wurde das Gymnasium auch für Jungen geöffnet und ist heute eine gemischte Schule mit einem breiten Bildungsangebot.
[[Kategorie:Denkmäler]]
[[Kategorie:Schulen]]


Die Schule legt besonderen Wert auf eine umfassende Persönlichkeitsentwicklung und eine fundierte akademische Ausbildung. Angeboten werden unter anderem Sprach-, MINT-, und musisch-künstlerische Schwerpunkte. Seit 2007 trägt die Schule den Titel einer zertifizierten MINT-Schule und legt zudem großen Wert auf ihre kirchliche Tradition und Wertevermittlung.
'''St. Michael''' an der [[Warendorfer Straße]] 72 ist ein traditionsreicher Schulstandort in Ahlen. Seine Geschichte begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Niederlassung der '''Schwestern Unserer Lieben Frau'''. Zu Ostern 1903 eröffneten die Ordensschwestern auf dem heutigen Gelände eine höhere Mädchenschule mit Internat. Der historische Gebäudekomplex wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert und bildet bis heute den Kern des Schulstandortes.<ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 40–41.</ref><ref name="schulgeschichte">Gymnasium St. Michael: ''Geschichte'', https://www.gymnasium-sankt-michael.de/unsere-schule/geschichte/</ref>


== Handelsschule St. Michael ==
== Gründung und Aufbau ==
Neben dem Gymnasium existierte bis 1980 auch eine Handelsschule unter dem Dach von St. Michael. Diese bot jungen Frauen eine praxisorientierte Ausbildung, die sie auf kaufmännische Berufe vorbereitete. Mit der Schließung der Handelsschule wurde das Bildungsangebot neu strukturiert, um den veränderten Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden.


== Schwestern unserer Lieben Frau ==
Auf Initiative des Sägereibesitzers '''Küper''' und des Ahlener Bürgermeisters [[Eduard Corneli]] kamen im Jahr '''1902''' die Schwestern Unserer Lieben Frau nach Ahlen. Kurz vor Weihnachten trafen die ersten Ordensschwestern aus dem Mutterhaus Mülhausen im Rheinland ein.<ref name="schulgeschichte" />
Die Schwestern des Ordens "Schwestern unserer Lieben Frau" spielten eine entscheidende Rolle in der Gründung und dem Betrieb der Schule. Sie leiteten sowohl die schulischen als auch die religiösen Aspekte der Bildung. Der Orden wurde im 19. Jahrhundert gegründet und widmete sich der christlichen Erziehung und Pflege.


In Ahlen bauten die Schwestern eine enge Verbindung zur Stadtgemeinde auf und waren in vielen Bereichen des sozialen Lebens aktiv. Auch heute prägen die christlichen Werte des Ordens das Leitbild der Schule, obwohl der Einfluss der Schwestern im Laufe der Zeit abnahm.
Zu Ostern '''1903''' eröffnete der Orden auf dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Gelände eine '''höhere Mädchenschule mit Internat'''.<ref name="schulgeschichte" />


== Schulgebäude und Standort ==
Die Ansiedlung der Ordensgemeinschaft ermöglichte den Aufbau einer weiterführenden Mädchenbildung in einer Zeit, in der die Stadt Ahlen aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten selbst nur schwer eine entsprechende Bildungseinrichtung hätte errichten können.<ref name="denkmal2024" />
Das historische Schulgebäude an der Warendorfer Straße ist ein markanter Bestandteil des Ahlener Stadtbildes. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahre mehrfach renoviert und modernisiert, um den wachsenden Anforderungen einer modernen Bildungseinrichtung gerecht zu werden.


===Sporthalle===
== Lyzeum und Ausbau ==
Im Jahr 1975 wurde die neue Dreifach-Turnhalle am Gymnasium St. Michael ihrer Bestimmung übergeben. In knapp einjähriger Bauzeit und mit einem Kostenaufwand von etwa 1,5 Millionen Mark, wovon die Stadt Ahlen 300.000 Mark trug, entstand eine moderne Sporthalle mit den außergewöhnlichen Maßen von 45 x 27 Metern. Besonders für die Ahlener Sportvereine, die bisher nicht oder nur unzureichend für Trainingsabende berücksichtigt wurden, stellte die Eröffnung einen großen Gewinn dar. Soweit es mit dem Sportunterricht des Gymnasiums vereinbar ist, steht die Halle auch den Vereinen zur Verfügung.


Die Halle verfügt über zwei in die Decke eingelassene Kunststoff-Trennwände, die es ermöglichen, die Halle in drei kleinere Einheiten zu unterteilen, sodass drei Schulklassen gleichzeitig unterrichtet werden können. Der umbaute Raum umfasst etwa 2000 Quadratmeter, einschließlich der Umkleidekabinen. Damit war für den Turn- und Sportunterricht der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Michael eine dauerhafte Lösung gefunden.
Am '''18. Februar 1912''' erhielt die Ordensschule von der Bezirksregierung Münster die Erlaubnis, die Bezeichnung


Die Dreifach-Turnhalle erweitert zudem das sportliche Angebot in Ahlen und bietet der Bürgerschaft die Möglichkeit, auch größere Veranstaltungen dort durchzuführen. Eine kleine technische Kuriosität: Für die Wandverkleidungen wurden rund 22.000 Schrauben verwendet, jede davon einzeln eingedreht.<ref>Ahlener Monatsschau 1975</ref>
'''„Lyzeum der Schwestern Unserer Lieben Frau zu Ahlen i. Westf.“'''


zu führen.<ref name="schulgeschichte" />


== Meilensteine der Schulgeschichte ==
Aus Dankbarkeit für die Genehmigung stifteten die Ordensschwestern eine Mariengrotte auf dem Schulgelände. Die sogenannte '''Lourdesgrotte''' ist bis heute erhalten.<ref name="schulgeschichte" />
* 1858: Gründung durch die "Schwestern unserer Lieben Frau"
 
* 1974: Öffnung des Gymnasiums für Jungen
Ebenfalls 1912 wurde ein Erweiterungsbau notwendig. Dieser schuf zusätzlichen Raum für das Internat sowie für Physik- und Naturwissenschaftsräume. Außerdem entstand eine große Turnhalle.<ref name="schulgeschichte" /><ref name="denkmal2024" />
* 1980: Schließung der Handelsschule
 
* 2007: Zertifizierung als MINT-Schule
Im Jahr '''1916''' wurde neben der höheren Mädchenschule eine '''höhere Handelsschule für Mädchen''' eröffnet.<ref name="schulgeschichte" />
 
== Erster Weltkrieg und Weimarer Republik ==
 
Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs musste der Unterrichtsbetrieb '''1918''' zeitweise vollständig eingestellt werden. Gründe waren die schwierige Versorgungslage und eine Grippewelle, von der auch Teile des Lehrpersonals betroffen waren.<ref name="schulgeschichte" />
 
Während der Weimarer Republik verbesserten sich die Bildungsmöglichkeiten für Mädchen grundlegend. Frauen konnten nun zunehmend qualifizierte Schulabschlüsse wie die mittlere Reife und das Abitur erwerben.
 
Mit der stärkeren Qualifizierung des Mädchenbildungswesens stiegen jedoch auch die Anforderungen an die Aufnahme. An St. Michael wurden fortan nur noch Schülerinnen aufgenommen, die bereits in der Primarschule entsprechende Leistungen gezeigt hatten.<ref name="schulgeschichte" />
 
Die Ordensgemeinschaft verfolgte das Ziel, St. Michael zu einer gymnasialen Vollanstalt auszubauen. Entsprechende Anträge zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe wurden während der Weimarer Republik von der Bezirksregierung jedoch zunächst abgelehnt.<ref name="schulgeschichte" />
 
== Zeit des Nationalsozialismus ==
 
Mit der nationalsozialistischen Schulpolitik geriet St. Michael zunehmend unter Druck.
 
Bereits '''1935''' wurden die Vorschulklassen geschlossen. Ziel des NS-Regimes war es, in den Gebäuden eine nationalsozialistische Lehrerinnen-Bildungsanstalt einzurichten.<ref name="schulgeschichte" />
 
Im Jahr '''1942''' wurde die Schließung der Oberschule angeordnet. Im darauffolgenden Jahr wurden auch die Handels- und höhere Handelsschule geschlossen. Damit bestand St. Michael faktisch nicht mehr als Schule.<ref name="schulgeschichte" />
 
Die geplante Einrichtung einer Lehrerinnen-Bildungsanstalt konnte verhindert werden, weil der leitende Lazarettarzt '''Dr. Paul Rosenbaum''' die Gebäude als Militärlazarett nutzte.<ref name="schulgeschichte" />
 
Rosenbaum spielte später auch bei der kampflosen Übergabe Ahlens an die Alliierten im Jahr 1945 eine wichtige Rolle.
 
== Wiedereröffnung nach 1945 ==
 
Im '''Dezember 1945''' genehmigte die britische Besatzungsbehörde die Wiedereröffnung von St. Michael.
 
Der Schulbetrieb begann unter schwierigen Bedingungen. Es fehlte unter anderem an Heizmaterial, Büchern und Heften. Lehrkräfte und Teile der Ahlener Bevölkerung unterstützten die Schule mit dringend benötigten Materialien.<ref name="schulgeschichte" />
 
Nach der Umwandlung der Schule in ein Gymnasium legte im Jahr '''1947''' erstmals ein Jahrgang an St. Michael das Abitur ab.<ref name="schulgeschichte" />
 
== Das Ahlener Programm ==
 
Vom '''1. bis 3. Februar 1947''' trafen sich im Gebäude von St. Michael Delegierte des CDU-Zonenausschusses.
 
Die Tagung fand im Speiseraum der Schule statt, während die Teilnehmer in den Räumen des Internats übernachteten. Unter ihnen befand sich auch der spätere Bundeskanzler '''Konrad Adenauer'''.<ref name="schulgeschichte" />
 
Am 3. Februar 1947 wurde das sogenannte '''Ahlener Programm''' verabschiedet, eine sozial- und wirtschaftspolitische Programmschrift der CDU.
 
Damit besitzt St. Michael neben seiner schulgeschichtlichen auch eine besondere politische Bedeutung für die Nachkriegsgeschichte.
 
== Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg ==
 
Im Jahr '''1963''' entstand ein weiterer Neubau. Das bis heute bestehende Gebäude aus den 1960er Jahren erweiterte den historischen Schulkomplex erheblich.<ref name="schulgeschichte" />
 
'''1972''' wurde die gymnasiale Oberstufe erneuert und eine kooperative Partnerschaft mit dem [[Städtisches Gymnasium|Städtischen Gymnasium]] eingerichtet.<ref name="schulgeschichte" />
 
Im Jahr '''1974''' begann mit der Einführung der Koedukation eine weitere grundlegende Veränderung: Erstmals wurden auch Jungen am Gymnasium St. Michael aufgenommen.<ref name="schulgeschichte" />
 
'''1975''' ging die Trägerschaft der Schule auf das '''Bistum Münster''' über.<ref name="schulgeschichte" />
 
Der jahrzehntelang zum Schulstandort gehörende Internatsbetrieb wurde '''1977''' endgültig eingestellt.<ref name="schulgeschichte" />
 
== Handelsschule ==
 
Bereits 1916 war neben der höheren Mädchenschule eine höhere Handelsschule für Mädchen eingerichtet worden.<ref name="schulgeschichte" />
 
Die Handelsschule bot eine stärker berufspraktisch und kaufmännisch ausgerichtete Ausbildung und bildete über Jahrzehnte einen zweiten wichtigen Bildungszweig am Standort St. Michael.
 
Später entwickelte sich daraus beziehungsweise daneben das heutige Berufskolleg.
 
== Musikalische Entwicklung ==
 
Neben dem regulären Schulbetrieb entwickelte sich insbesondere der musikalische Bereich weiter.
 
Im Jahr '''1984''' trat erstmals das neu gegründete Symphonieorchester der Schule auf.<ref name="schulgeschichte" />
 
'''1992''' wurde unter der Leitung von Peter und Birgit Boch die erste Streicherklasse eingerichtet.<ref name="schulgeschichte" />
 
== Schulgebäude ==
 
Der historische Gebäudekomplex an der Warendorfer Straße entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst als Kloster-, Internats- und Schulbau.
 
Die Architektur dokumentiert den repräsentativen Anspruch der Einrichtung und ihre ursprüngliche Verbindung von Ordensleben, Internat und Schule.<ref name="denkmal2024" />
 
Historische Bauzeichnungen aus dem Jahr 1901 zeigen sowohl die ursprüngliche Fassadengestaltung als auch den konstruktiven Aufbau des Gebäudes.<ref name="denkmal2024" />
 
In den folgenden Jahrzehnten wurde der Komplex immer wieder erweitert und den steigenden Schülerzahlen sowie neuen pädagogischen Anforderungen angepasst.
 
Zwischen '''2003 und 2011''' fanden umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten statt. In dieser Zeit entstand im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild des Schulgeländes.<ref name="schulgeschichte" />
 
== Sporthalle ==
 
Im Jahr '''1975''' wurde eine neue Dreifach-Turnhalle am Gymnasium St. Michael ihrer Bestimmung übergeben.
 
In knapp einjähriger Bauzeit entstand für rund '''1,5 Millionen Mark''' eine Halle mit den Abmessungen von etwa '''45 × 27 Metern'''. Die Stadt Ahlen beteiligte sich mit 300.000 Mark an den Kosten.<ref name="monatsschau1975">''Ahlener Monatsschau'', 1975.</ref>
 
Die Sporthalle konnte mit zwei in die Decke eingelassenen Kunststoff-Trennwänden in drei kleinere Bereiche geteilt werden. Dadurch war es möglich, drei Schulklassen gleichzeitig zu unterrichten.
 
Der umbaute Raum umfasste einschließlich der Umkleidebereiche etwa 2.000 Quadratmeter.
 
Außerhalb des Schulbetriebs stand die Halle auch Ahlener Sportvereinen und für größere Veranstaltungen zur Verfügung.<ref name="monatsschau1975" />
 
Eine technische Besonderheit war die Wandverkleidung: Für deren Befestigung wurden rund '''22.000 Schrauben''' einzeln eingedreht.<ref name="monatsschau1975" />
 
Im Jahr '''2025''' wurde die Sporthalle entkernt und grundlegend neu aufgebaut.<ref name="schulgeschichte" />
 
== Trägerschaft und heutige Schule ==
 
Seit 1975 befindet sich das Gymnasium St. Michael in der Trägerschaft des Bistums Münster.
 
Die Schule ist heute ein koedukatives Gymnasium mit sprachlichen, naturwissenschaftlichen, musikalischen und weiteren schulischen Schwerpunkten.
 
Die historische Verbindung zur christlichen Bildungstradition der Schwestern Unserer Lieben Frau prägt das Selbstverständnis der Schule weiterhin.
 
== Zeittafel ==
 
{| class="wikitable"
! Jahr
! Ereignis
|-
| '''1902'''
| Ankunft der ersten Schwestern Unserer Lieben Frau in Ahlen
|-
| '''1903'''
| Eröffnung der höheren Mädchenschule mit Internat
|-
| '''1912'''
| Anerkennung als Lyzeum; Erweiterungsbau und Errichtung der Lourdesgrotte
|-
| '''1916'''
| Eröffnung der höheren Handelsschule für Mädchen
|-
| '''1918'''
| zeitweise Einstellung des Schulbetriebs
|-
| '''1935'''
| Schließung der Vorschulklassen
|-
| '''1942'''
| Schließung der Oberschule
|-
| '''1943'''
| Schließung der Handels- und höheren Handelsschule
|-
| '''1945'''
| Wiedereröffnung unter britischer Besatzung
|-
| '''1947'''
| erster Abiturjahrgang und Tagung zum Ahlener Programm
|-
| '''1963'''
| Errichtung des Neubaus
|-
| '''1972'''
| Erneuerung der gymnasialen Oberstufe und Kooperation mit dem Städtischen Gymnasium
|-
| '''1974'''
| Einführung der Koedukation
|-
| '''1975'''
| Übernahme der Trägerschaft durch das Bistum Münster und Eröffnung der Dreifach-Turnhalle
|-
| '''1977'''
| Ende des Internatsbetriebs
|-
| '''1984'''
| erster Auftritt des Symphonieorchesters
|-
| '''1992'''
| Einrichtung der ersten Streicherklasse
|-
| '''2003–2011'''
| umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten
|-
| '''2025'''
| Entkernung und Neubau der Sporthalle
|}
 
== Einzelnachweise ==


== Quellen und Verweise ==
<references />
<references />
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/ Offizielle Website des Gymnasiums St. Michael Ahlen]
 
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/schule/wir-ueber-uns/geschichte/eingangstext-geschichte.html Geschichte von St. Michael]
== Weblinks ==
 
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/ Gymnasium St. Michael]
* [https://www.gymnasium-sankt-michael.de/unsere-schule/geschichte/ Geschichte des Gymnasiums St. Michael]

Aktuelle Version vom 15. September 2026, 11:54 Uhr

St. Michael
51.7717847.897448
Anschrift Warendorfer Straße 72



Internetseite gymnasium-sankt-michael.de
Baujahr 1901–1903
Ursprüngliche Nutzung Kloster, Internat,
höhere Mädchenschule
Heutige Nutzung Gymnasium / Berufskolleg
Karte

St. Michael an der Warendorfer Straße 72 ist ein traditionsreicher Schulstandort in Ahlen. Seine Geschichte begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Niederlassung der Schwestern Unserer Lieben Frau. Zu Ostern 1903 eröffneten die Ordensschwestern auf dem heutigen Gelände eine höhere Mädchenschule mit Internat. Der historische Gebäudekomplex wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert und bildet bis heute den Kern des Schulstandortes.[1][2]

Gründung und Aufbau

Auf Initiative des Sägereibesitzers Küper und des Ahlener Bürgermeisters Eduard Corneli kamen im Jahr 1902 die Schwestern Unserer Lieben Frau nach Ahlen. Kurz vor Weihnachten trafen die ersten Ordensschwestern aus dem Mutterhaus Mülhausen im Rheinland ein.[2]

Zu Ostern 1903 eröffnete der Orden auf dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Gelände eine höhere Mädchenschule mit Internat.[2]

Die Ansiedlung der Ordensgemeinschaft ermöglichte den Aufbau einer weiterführenden Mädchenbildung in einer Zeit, in der die Stadt Ahlen aufgrund ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten selbst nur schwer eine entsprechende Bildungseinrichtung hätte errichten können.[1]

Lyzeum und Ausbau

Am 18. Februar 1912 erhielt die Ordensschule von der Bezirksregierung Münster die Erlaubnis, die Bezeichnung

„Lyzeum der Schwestern Unserer Lieben Frau zu Ahlen i. Westf.“

zu führen.[2]

Aus Dankbarkeit für die Genehmigung stifteten die Ordensschwestern eine Mariengrotte auf dem Schulgelände. Die sogenannte Lourdesgrotte ist bis heute erhalten.[2]

Ebenfalls 1912 wurde ein Erweiterungsbau notwendig. Dieser schuf zusätzlichen Raum für das Internat sowie für Physik- und Naturwissenschaftsräume. Außerdem entstand eine große Turnhalle.[2][1]

Im Jahr 1916 wurde neben der höheren Mädchenschule eine höhere Handelsschule für Mädchen eröffnet.[2]

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs musste der Unterrichtsbetrieb 1918 zeitweise vollständig eingestellt werden. Gründe waren die schwierige Versorgungslage und eine Grippewelle, von der auch Teile des Lehrpersonals betroffen waren.[2]

Während der Weimarer Republik verbesserten sich die Bildungsmöglichkeiten für Mädchen grundlegend. Frauen konnten nun zunehmend qualifizierte Schulabschlüsse wie die mittlere Reife und das Abitur erwerben.

Mit der stärkeren Qualifizierung des Mädchenbildungswesens stiegen jedoch auch die Anforderungen an die Aufnahme. An St. Michael wurden fortan nur noch Schülerinnen aufgenommen, die bereits in der Primarschule entsprechende Leistungen gezeigt hatten.[2]

Die Ordensgemeinschaft verfolgte das Ziel, St. Michael zu einer gymnasialen Vollanstalt auszubauen. Entsprechende Anträge zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe wurden während der Weimarer Republik von der Bezirksregierung jedoch zunächst abgelehnt.[2]

Zeit des Nationalsozialismus

Mit der nationalsozialistischen Schulpolitik geriet St. Michael zunehmend unter Druck.

Bereits 1935 wurden die Vorschulklassen geschlossen. Ziel des NS-Regimes war es, in den Gebäuden eine nationalsozialistische Lehrerinnen-Bildungsanstalt einzurichten.[2]

Im Jahr 1942 wurde die Schließung der Oberschule angeordnet. Im darauffolgenden Jahr wurden auch die Handels- und höhere Handelsschule geschlossen. Damit bestand St. Michael faktisch nicht mehr als Schule.[2]

Die geplante Einrichtung einer Lehrerinnen-Bildungsanstalt konnte verhindert werden, weil der leitende Lazarettarzt Dr. Paul Rosenbaum die Gebäude als Militärlazarett nutzte.[2]

Rosenbaum spielte später auch bei der kampflosen Übergabe Ahlens an die Alliierten im Jahr 1945 eine wichtige Rolle.

Wiedereröffnung nach 1945

Im Dezember 1945 genehmigte die britische Besatzungsbehörde die Wiedereröffnung von St. Michael.

Der Schulbetrieb begann unter schwierigen Bedingungen. Es fehlte unter anderem an Heizmaterial, Büchern und Heften. Lehrkräfte und Teile der Ahlener Bevölkerung unterstützten die Schule mit dringend benötigten Materialien.[2]

Nach der Umwandlung der Schule in ein Gymnasium legte im Jahr 1947 erstmals ein Jahrgang an St. Michael das Abitur ab.[2]

Das Ahlener Programm

Vom 1. bis 3. Februar 1947 trafen sich im Gebäude von St. Michael Delegierte des CDU-Zonenausschusses.

Die Tagung fand im Speiseraum der Schule statt, während die Teilnehmer in den Räumen des Internats übernachteten. Unter ihnen befand sich auch der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer.[2]

Am 3. Februar 1947 wurde das sogenannte Ahlener Programm verabschiedet, eine sozial- und wirtschaftspolitische Programmschrift der CDU.

Damit besitzt St. Michael neben seiner schulgeschichtlichen auch eine besondere politische Bedeutung für die Nachkriegsgeschichte.

Ausbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Jahr 1963 entstand ein weiterer Neubau. Das bis heute bestehende Gebäude aus den 1960er Jahren erweiterte den historischen Schulkomplex erheblich.[2]

1972 wurde die gymnasiale Oberstufe erneuert und eine kooperative Partnerschaft mit dem Städtischen Gymnasium eingerichtet.[2]

Im Jahr 1974 begann mit der Einführung der Koedukation eine weitere grundlegende Veränderung: Erstmals wurden auch Jungen am Gymnasium St. Michael aufgenommen.[2]

1975 ging die Trägerschaft der Schule auf das Bistum Münster über.[2]

Der jahrzehntelang zum Schulstandort gehörende Internatsbetrieb wurde 1977 endgültig eingestellt.[2]

Handelsschule

Bereits 1916 war neben der höheren Mädchenschule eine höhere Handelsschule für Mädchen eingerichtet worden.[2]

Die Handelsschule bot eine stärker berufspraktisch und kaufmännisch ausgerichtete Ausbildung und bildete über Jahrzehnte einen zweiten wichtigen Bildungszweig am Standort St. Michael.

Später entwickelte sich daraus beziehungsweise daneben das heutige Berufskolleg.

Musikalische Entwicklung

Neben dem regulären Schulbetrieb entwickelte sich insbesondere der musikalische Bereich weiter.

Im Jahr 1984 trat erstmals das neu gegründete Symphonieorchester der Schule auf.[2]

1992 wurde unter der Leitung von Peter und Birgit Boch die erste Streicherklasse eingerichtet.[2]

Schulgebäude

Der historische Gebäudekomplex an der Warendorfer Straße entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst als Kloster-, Internats- und Schulbau.

Die Architektur dokumentiert den repräsentativen Anspruch der Einrichtung und ihre ursprüngliche Verbindung von Ordensleben, Internat und Schule.[1]

Historische Bauzeichnungen aus dem Jahr 1901 zeigen sowohl die ursprüngliche Fassadengestaltung als auch den konstruktiven Aufbau des Gebäudes.[1]

In den folgenden Jahrzehnten wurde der Komplex immer wieder erweitert und den steigenden Schülerzahlen sowie neuen pädagogischen Anforderungen angepasst.

Zwischen 2003 und 2011 fanden umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten statt. In dieser Zeit entstand im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild des Schulgeländes.[2]

Sporthalle

Im Jahr 1975 wurde eine neue Dreifach-Turnhalle am Gymnasium St. Michael ihrer Bestimmung übergeben.

In knapp einjähriger Bauzeit entstand für rund 1,5 Millionen Mark eine Halle mit den Abmessungen von etwa 45 × 27 Metern. Die Stadt Ahlen beteiligte sich mit 300.000 Mark an den Kosten.[3]

Die Sporthalle konnte mit zwei in die Decke eingelassenen Kunststoff-Trennwänden in drei kleinere Bereiche geteilt werden. Dadurch war es möglich, drei Schulklassen gleichzeitig zu unterrichten.

Der umbaute Raum umfasste einschließlich der Umkleidebereiche etwa 2.000 Quadratmeter.

Außerhalb des Schulbetriebs stand die Halle auch Ahlener Sportvereinen und für größere Veranstaltungen zur Verfügung.[3]

Eine technische Besonderheit war die Wandverkleidung: Für deren Befestigung wurden rund 22.000 Schrauben einzeln eingedreht.[3]

Im Jahr 2025 wurde die Sporthalle entkernt und grundlegend neu aufgebaut.[2]

Trägerschaft und heutige Schule

Seit 1975 befindet sich das Gymnasium St. Michael in der Trägerschaft des Bistums Münster.

Die Schule ist heute ein koedukatives Gymnasium mit sprachlichen, naturwissenschaftlichen, musikalischen und weiteren schulischen Schwerpunkten.

Die historische Verbindung zur christlichen Bildungstradition der Schwestern Unserer Lieben Frau prägt das Selbstverständnis der Schule weiterhin.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1902 Ankunft der ersten Schwestern Unserer Lieben Frau in Ahlen
1903 Eröffnung der höheren Mädchenschule mit Internat
1912 Anerkennung als Lyzeum; Erweiterungsbau und Errichtung der Lourdesgrotte
1916 Eröffnung der höheren Handelsschule für Mädchen
1918 zeitweise Einstellung des Schulbetriebs
1935 Schließung der Vorschulklassen
1942 Schließung der Oberschule
1943 Schließung der Handels- und höheren Handelsschule
1945 Wiedereröffnung unter britischer Besatzung
1947 erster Abiturjahrgang und Tagung zum Ahlener Programm
1963 Errichtung des Neubaus
1972 Erneuerung der gymnasialen Oberstufe und Kooperation mit dem Städtischen Gymnasium
1974 Einführung der Koedukation
1975 Übernahme der Trägerschaft durch das Bistum Münster und Eröffnung der Dreifach-Turnhalle
1977 Ende des Internatsbetriebs
1984 erster Auftritt des Symphonieorchesters
1992 Einrichtung der ersten Streicherklasse
2003–2011 umfangreiche Abriss-, Renovierungs- und Neubauarbeiten
2025 Entkernung und Neubau der Sporthalle

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 40–41.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 2,16 2,17 2,18 2,19 2,20 2,21 2,22 2,23 2,24 2,25 Gymnasium St. Michael: Geschichte, https://www.gymnasium-sankt-michael.de/unsere-schule/geschichte/
  3. 3,0 3,1 3,2 Ahlener Monatsschau, 1975.