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J. u. H. Kerkmann: Unterschied zwischen den Versionen

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|Inhaber        = Familie Kerkmann
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|Gründungsdatum  = 1. April 1863
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Die Kerkmann-Werke waren über lange Zeit das größte und bedeutendste Werk dieser Branche. Außerdem gingen viele Gründer anderer Werke aus der Firma Kerkmann hervor, wo sie vorher als Meister, Vorarbeiter oder kaufmännische Angestellte tätig waren.
 
'''J. u. H. Kerkmann''' war ein 1863 in [[Ahlen]] gegründetes Unternehmen der [[Emailleindustrie in Ahlen]]. Die Firma ging auf die Brüder [[Johannes Kerkmann]] und [[Heinrich Kerkmann]] zurück und entwickelte sich zu den später sogenannten '''Kerkmann-Werken'''. Ab 1898 firmierte das Unternehmen als '''Westfälische Stanz- und Emaillierwerke, vormals J. u. H. Kerkmann'''. Aus dem Umfeld der Firma gingen zudem zahlreiche Gründer anderer Ahlener Emaillebetriebe hervor, die zuvor als Meister, Vorarbeiter oder kaufmännische Angestellte bei Kerkmann tätig gewesen waren<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914. Die Industrialisierung einer münsterländischen Ackerbürgerstadt''. Ahlen 1989, S. 83.</ref>


== Gründung und erste Jahre ==
== Gründung und erste Jahre ==
Johannes Kerkmann (geb. 1837) absolvierte eine Klempnerlehre in der 1848 von Wilhelm Brock errichteten Blechschmiede. Brock selbst hatte während seiner Wanderschaft in Franken oder der Pfalz Emailliertechniken kennengelernt, sodass Kerkmann wahrscheinlich erste Informationen darüber von ihm erhielt. Nach seiner Lehre arbeitete Kerkmann unter anderem in Remscheid in einem Betrieb, der Versuche mit dem Emaillieren von Blechgeschirren durchführte.
Gegründet wurde das Unternehmen von den Brüdern [[Johannes Kerkmann]] und [[Heinrich Kerkmann]]. Johannes Kerkmann hatte zuvor bei [[Wilhelm Brock]] eine Klempnerlehre absolviert. Während seiner Wanderschaft arbeitete er unter anderem in Remscheid in einem Betrieb, der bereits Versuche mit dem Emaillieren von Blechgeschirren durchführte. Heinrich Kerkmann hatte vor der Firmengründung eine kaufmännische Lehre absolviert.<ref>Wolfgang Muth: ''Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877'', S. 7.</ref><ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 79–80.</ref>
 
Am 1. April 1863 eröffneten die Brüder in Ahlen einen eigenen Betrieb zur Herstellung verzinnter Kochgeschirre. Nach den Erinnerungen von Johannes Kerkmann lag das Startkapital bei etwa 1500 Mark. Anfangs beschäftigte die Firma nur einen Arbeiter.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 80.</ref>


1862 kehrte er nach Ahlen zurück und eröffnete am 1. April 1863 zusammen mit seinem Bruder Heinrich (geb. 1839) eine kleine Blechschmiede. Das Startkapital betrug etwa 1500 Mark. Anfangs als Handwerksbetrieb mit nur einem Arbeiter gegründet, wuchs das Unternehmen stetig. Nach Brandschäden in den Jahren 1865 und 1870 wurde das Werk in größerem Maßstab wieder aufgebaut. 1870 beschäftigte die Firma bereits 60 Arbeiter.
Nach einem Brand im Jahr 1865 wurde der Betrieb auf einem Gelände an der Beckumer Straße neu aufgebaut und in den folgenden Jahren erweitert. Ein weiterer Brandschaden im Jahr 1870 führte erneut zu einem Ausbau der Anlagen.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 80.</ref>


== Einstieg in die Emailleproduktion ==
== Einstieg in die Emailleproduktion ==
Mitte der 1870er Jahre begannen die Brüder mit der Emaillierung von Eisenblechgefäßen. 1877 kamen diese erstmals auf den Markt, und die Firma wuchs rasch. 1891 beschäftigte das Unternehmen bereits 220 Arbeiter. 1887 traten die Söhne der Gründer in die Firma ein, doch aufgrund persönlicher Spannungen trennte sich Heinrich Kerkmann und gründete sein eigenes Werk.
In der Mitte der 1870er Jahre begannen die Brüder Kerkmann, mit der Emaillierung von Eisenblechgefäßen zu experimentieren. 1877 kamen die ersten emaillierten Produkte der Firma auf den Markt.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 78, 80.</ref>
 
Der Erfolg der neuen Erzeugnisse führte zu einem raschen Wachstum. Die Zahl der Beschäftigten stieg von rund 53 im Jahr 1884 auf etwa 220 im Jahr 1890 und 250 im Jahr 1894.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 81.</ref> 1887 traten die Söhne von Johannes Kerkmann in die Firma ein. Kurz darauf schied Mitgründer Heinrich Kerkmann im Streit aus dem Unternehmen aus und machte sich später mit einer eigenen Fabrik selbständig.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 81.</ref>
 
Im Dezember 1888 sorgte die vollständige elektrische Beleuchtung der Werksräume für Aufsehen. 1889 wurde die maschinelle Ausstattung verbessert, wodurch sich die Produktionsleistung erhöhte. Im selben Jahr kam es erneut zu einem Brand, der jedoch vergleichsweise glimpflich verlief.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 81.</ref>
 
== Aktiengesellschaft und Expansion ==
1896 erhielt die Firma ein eigenes Anschlußgleis an die Staatsbahn. Dadurch wurden Rohstoffbezug und Versand der Fertigwaren erleichtert.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 83.</ref>
 
1898 wurde das Unternehmen unter dem Namen '''Westfälische Stanz- und Emaillierwerke, vormals J. u. H. Kerkmann''' in eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 1.350.000 Mark umgewandelt. Der Hauptanteil der Aktien blieb in Familienbesitz.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 83.</ref>
 
Nach der Jahrhundertwende expandierte die Firma weiter. Im September 1900 wurde die Hammer Herdfabrik Stemmer übernommen. 1902 pachtete das Unternehmen die ''Westfälischen Emaillierwerke GmbH'' in Drensteinfurt, deren Betrieb jedoch bereits 1904 wieder eingestellt wurde.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 83.</ref>
 
== Produkte ==
Besondere Bekanntheit erlangten die Kerkmann-Werke mit der ab 1901 vertriebenen '''Felsenemaille'''. Dabei handelte es sich um besonders haltbare emaillierte Geschirre mit säurebeständiger Deckschicht und fest aufgeschmolzener Grundemaille.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 99.</ref>
 
Ab 1904 stellte die Firma zudem die nahtlose emaillierte Stahlbadewanne '''„Adler“''' her. Sie galt als technische Neuerung und fand auch im medizinischen Bereich Verwendung.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 99.</ref>
 
1907 gründeten die Kerkmann-Werke außerdem die '''Deutsche Stahlbottich-Gesellschaft mbH''', die emaillierte Gärbottiche und Lagerfässer für Brauereien herstellte. Dieses Werk bestand in Ahlen bis Ende 1913 und wurde dann nach Stolberg im Rheinland verlegt.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 93.</ref>
 
== Bedeutung für Ahlen ==
Die Kerkmann-Werke waren einer der wichtigsten Motoren der Ahlener Industrialisierung. Sie entwickelten sich von einem kleinen Handwerksbetrieb zu einem Großunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten und prägten die Entwicklung der örtlichen Emailleindustrie maßgeblich. 1913 konnte die Firma ihr 50-jähriges Jubiläum feiern.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 81–83.</ref>
 
Zum 31. Juli 1914 beschäftigte das Werk 329 Arbeiter, zum 30. September 1914 infolge des Kriegsbeginns nur noch 83. Danach stellte die Firma ihre Produktion auf Heeresbedarf um und fertigte unter anderem Stahlhelme, Bomben sowie große Kochkessel für Feldküchen und Lazarette.<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 81, 83.</ref>
 
== Weltwirtschaftskrise und Ende ==
Von der Weltwirtschaftskrise ab 1929 wurden auch die Westfälischen Stanz- und Emaillierwerke schwer getroffen. Der Absatz wurde immer schwieriger, die Konkurrenz nahm zu und der Erlös sank. Am 15. September 1931 wurde das Werk geschlossen und Vergleich angemeldet; 447 Arbeiter wurden entlassen.<ref>Wolfgang Muth: ''Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877'', S. 12–13.</ref>
 
Nach etwa 14 Tagen wurde die Produktion wieder aufgenommen, jedoch zunächst nur mit etwa 200 Arbeitskräften. 1932 musste Konkurs angemeldet werden. Als Auffanggesellschaft wurde die '''Kerkmann-Werke GmbH''' gegründet, die Werk, Inventar und Lagerbestände der unter Zwangsverwaltung stehenden Aktiengesellschaft pachtete. Sie sollte die Produktion fortführen und vor allem die vorhandenen Lagerbestände absetzen.<ref>Wolfgang Muth: ''Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877'', S. 13.</ref>


== Entwicklung zur Aktiengesellschaft ==
1935 wurden schließlich sowohl die Aktiengesellschaft als auch die GmbH liquidiert. Die verbliebenen Arbeiter wurden entlassen. Da zur Auszahlung der letzten Löhne nicht mehr genügend Geld vorhanden war, erhielten Arbeiter teilweise Töpfe aus Lagerbeständen als Entlohnung.<ref>Wolfgang Muth: ''Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877'', S. 13.</ref>
1898 wurde die Firma in die „Westfälische Stanz- und Emaillierwerke AG" umgewandelt. Die Aktien blieben größtenteils im Besitz der Familie Kerkmann. Das Werk beschäftigte nun 240 Arbeiter und produzierte emaillierte und verzinnte Haushaltswaren, Milchtransportkannen sowie medizinische Geräte. 1901 wurde das Warenzeichen „Felsenemaille“ eingeführt. 1904 kam die emaillierte Stahlbadewanne „Adler“ auf den Markt, die international bekannt wurde.


== Expansion und Tochtergesellschaften ==
== Firmennamen ==
Das Unternehmen expandierte kontinuierlich. 1900 wurde die Herdfabrik Stemmer in Hamm übernommen, 1902 folgte die „Westfälischen Emaillierwerke GmbH.“ in Drensteinfurt, die jedoch 1904 wieder geschlossen wurde. 1907 gründete Kerkmann in Ahlen die „Deutsche Stahlbottich-Gesellschaft mbH“, die 1913 nach Stolberg verlegt wurde.  
* ab 1863: '''J. u. H. Kerkmann'''
* ab 1898: '''Westfälische Stanz- und Emaillierwerke, vormals J. u. H. Kerkmann'''
* gebräuchliche Bezeichnung: '''Kerkmann-Werke'''


In den frühen 1920er Jahren erlebte das Unternehmen seine Blütezeit und beschäftigte 1928 rund 690 Arbeiter.
== Arbeiterzahlen ==
{| class="wikitable"
! Jahr
! Beschäftigte
|-
| 1884
| 53
|-
| 1885
| 75
|-
| 1886
| 78
|-
| 1888
| ca. 130
|-
| 1889
| ca. 200
|-
| 1890
| ca. 220
|-
| 1894
| ca. 250
|-
| 1898
| 240
|-
| 1903
| 373
|-
| 1905
| 450
|-
| 1906
| 489
|-
| 1908
| 502
|-
| 1909
| 530
|-
| 1910
| 500
|-
| 1911
| 441
|-
| 1912
| 481
|-
| 1913
| 362
|-
| 31. Juli 1914
| 329
|-
| 30. September 1914
| 83
|}
<ref>Wolfgang Muth: ''Ahlen 1870–1914'', S. 81.</ref>


== Wirtschaftskrise und Niedergang ==
== Siehe auch ==
Mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 begann der Niedergang der Firma. Der Konkurrenzdruck stieg, während die Gewinne sanken. Zudem wurde spekuliert, dass die Enkel der Firmengründer zu hohe private Entnahmen tätigten. Am 15. September 1931 wurde das Werk geschlossen, jedoch nach 14 Tagen mit einer reduzierten Belegschaft von 200 Arbeitskräften wieder geöffnet. 1932 musste jedoch Konkurs angemeldet werden.
* [[Johannes Kerkmann]]
* [[Heinrich Kerkmann]]
* [[Emailleindustrie in Ahlen]]
* [[Deutsche Stahlbottich-Gesellschaft]]
* [[Wilhelm Brock]]


== Liquidation und Schließung ==
== Quellen und Verweise ==
Zur Auffanggesellschaft wurde die „Kerkmann-Werke GmbH“ gegründet, die das Werk pachtete und die Produktion fortsetzen sollte. Es kam zu Auseinandersetzungen mit dem Zwangsverwalter der AG, und 1935 wurden beide Firmen liquidiert. Die letzten Arbeiter wurden mit Töpfen aus den Lagerbeständen entlohnt, da nicht mehr genügend Geld für die Löhne vorhanden war.
<references />


==Quellen und Verweise==
[[Kategorie:Unternehmen]]
* [[Emailleindustrie in Ahlen seit 1877]]
[[Kategorie:Industriegeschichte]]
[[Kategorie:Emailleindustrie]]

Aktuelle Version vom 24. April 2026, 08:15 Uhr

J. u. H. Kerkmann
Anschrift Beckumer Straße
Ahlen
Branche Emailleindustrie
Gründungsdatum 1. April 1863
Auflösungsdatum 1935
Auflösungsgrund Liquidation
Inhaber Familie Kerkmann


J. u. H. Kerkmann war ein 1863 in Ahlen gegründetes Unternehmen der Emailleindustrie in Ahlen. Die Firma ging auf die Brüder Johannes Kerkmann und Heinrich Kerkmann zurück und entwickelte sich zu den später sogenannten Kerkmann-Werken. Ab 1898 firmierte das Unternehmen als Westfälische Stanz- und Emaillierwerke, vormals J. u. H. Kerkmann. Aus dem Umfeld der Firma gingen zudem zahlreiche Gründer anderer Ahlener Emaillebetriebe hervor, die zuvor als Meister, Vorarbeiter oder kaufmännische Angestellte bei Kerkmann tätig gewesen waren[1]

Gründung und erste Jahre

Gegründet wurde das Unternehmen von den Brüdern Johannes Kerkmann und Heinrich Kerkmann. Johannes Kerkmann hatte zuvor bei Wilhelm Brock eine Klempnerlehre absolviert. Während seiner Wanderschaft arbeitete er unter anderem in Remscheid in einem Betrieb, der bereits Versuche mit dem Emaillieren von Blechgeschirren durchführte. Heinrich Kerkmann hatte vor der Firmengründung eine kaufmännische Lehre absolviert.[2][3]

Am 1. April 1863 eröffneten die Brüder in Ahlen einen eigenen Betrieb zur Herstellung verzinnter Kochgeschirre. Nach den Erinnerungen von Johannes Kerkmann lag das Startkapital bei etwa 1500 Mark. Anfangs beschäftigte die Firma nur einen Arbeiter.[4]

Nach einem Brand im Jahr 1865 wurde der Betrieb auf einem Gelände an der Beckumer Straße neu aufgebaut und in den folgenden Jahren erweitert. Ein weiterer Brandschaden im Jahr 1870 führte erneut zu einem Ausbau der Anlagen.[5]

Einstieg in die Emailleproduktion

In der Mitte der 1870er Jahre begannen die Brüder Kerkmann, mit der Emaillierung von Eisenblechgefäßen zu experimentieren. 1877 kamen die ersten emaillierten Produkte der Firma auf den Markt.[6]

Der Erfolg der neuen Erzeugnisse führte zu einem raschen Wachstum. Die Zahl der Beschäftigten stieg von rund 53 im Jahr 1884 auf etwa 220 im Jahr 1890 und 250 im Jahr 1894.[7] 1887 traten die Söhne von Johannes Kerkmann in die Firma ein. Kurz darauf schied Mitgründer Heinrich Kerkmann im Streit aus dem Unternehmen aus und machte sich später mit einer eigenen Fabrik selbständig.[8]

Im Dezember 1888 sorgte die vollständige elektrische Beleuchtung der Werksräume für Aufsehen. 1889 wurde die maschinelle Ausstattung verbessert, wodurch sich die Produktionsleistung erhöhte. Im selben Jahr kam es erneut zu einem Brand, der jedoch vergleichsweise glimpflich verlief.[9]

Aktiengesellschaft und Expansion

1896 erhielt die Firma ein eigenes Anschlußgleis an die Staatsbahn. Dadurch wurden Rohstoffbezug und Versand der Fertigwaren erleichtert.[10]

1898 wurde das Unternehmen unter dem Namen Westfälische Stanz- und Emaillierwerke, vormals J. u. H. Kerkmann in eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 1.350.000 Mark umgewandelt. Der Hauptanteil der Aktien blieb in Familienbesitz.[11]

Nach der Jahrhundertwende expandierte die Firma weiter. Im September 1900 wurde die Hammer Herdfabrik Stemmer übernommen. 1902 pachtete das Unternehmen die Westfälischen Emaillierwerke GmbH in Drensteinfurt, deren Betrieb jedoch bereits 1904 wieder eingestellt wurde.[12]

Produkte

Besondere Bekanntheit erlangten die Kerkmann-Werke mit der ab 1901 vertriebenen Felsenemaille. Dabei handelte es sich um besonders haltbare emaillierte Geschirre mit säurebeständiger Deckschicht und fest aufgeschmolzener Grundemaille.[13]

Ab 1904 stellte die Firma zudem die nahtlose emaillierte Stahlbadewanne „Adler“ her. Sie galt als technische Neuerung und fand auch im medizinischen Bereich Verwendung.[14]

1907 gründeten die Kerkmann-Werke außerdem die Deutsche Stahlbottich-Gesellschaft mbH, die emaillierte Gärbottiche und Lagerfässer für Brauereien herstellte. Dieses Werk bestand in Ahlen bis Ende 1913 und wurde dann nach Stolberg im Rheinland verlegt.[15]

Bedeutung für Ahlen

Die Kerkmann-Werke waren einer der wichtigsten Motoren der Ahlener Industrialisierung. Sie entwickelten sich von einem kleinen Handwerksbetrieb zu einem Großunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten und prägten die Entwicklung der örtlichen Emailleindustrie maßgeblich. 1913 konnte die Firma ihr 50-jähriges Jubiläum feiern.[16]

Zum 31. Juli 1914 beschäftigte das Werk 329 Arbeiter, zum 30. September 1914 infolge des Kriegsbeginns nur noch 83. Danach stellte die Firma ihre Produktion auf Heeresbedarf um und fertigte unter anderem Stahlhelme, Bomben sowie große Kochkessel für Feldküchen und Lazarette.[17]

Weltwirtschaftskrise und Ende

Von der Weltwirtschaftskrise ab 1929 wurden auch die Westfälischen Stanz- und Emaillierwerke schwer getroffen. Der Absatz wurde immer schwieriger, die Konkurrenz nahm zu und der Erlös sank. Am 15. September 1931 wurde das Werk geschlossen und Vergleich angemeldet; 447 Arbeiter wurden entlassen.[18]

Nach etwa 14 Tagen wurde die Produktion wieder aufgenommen, jedoch zunächst nur mit etwa 200 Arbeitskräften. 1932 musste Konkurs angemeldet werden. Als Auffanggesellschaft wurde die Kerkmann-Werke GmbH gegründet, die Werk, Inventar und Lagerbestände der unter Zwangsverwaltung stehenden Aktiengesellschaft pachtete. Sie sollte die Produktion fortführen und vor allem die vorhandenen Lagerbestände absetzen.[19]

1935 wurden schließlich sowohl die Aktiengesellschaft als auch die GmbH liquidiert. Die verbliebenen Arbeiter wurden entlassen. Da zur Auszahlung der letzten Löhne nicht mehr genügend Geld vorhanden war, erhielten Arbeiter teilweise Töpfe aus Lagerbeständen als Entlohnung.[20]

Firmennamen

  • ab 1863: J. u. H. Kerkmann
  • ab 1898: Westfälische Stanz- und Emaillierwerke, vormals J. u. H. Kerkmann
  • gebräuchliche Bezeichnung: Kerkmann-Werke

Arbeiterzahlen

Jahr Beschäftigte
1884 53
1885 75
1886 78
1888 ca. 130
1889 ca. 200
1890 ca. 220
1894 ca. 250
1898 240
1903 373
1905 450
1906 489
1908 502
1909 530
1910 500
1911 441
1912 481
1913 362
31. Juli 1914 329
30. September 1914 83

[21]

Siehe auch

Quellen und Verweise

  1. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914. Die Industrialisierung einer münsterländischen Ackerbürgerstadt. Ahlen 1989, S. 83.
  2. Wolfgang Muth: Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, S. 7.
  3. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 79–80.
  4. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 80.
  5. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 80.
  6. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 78, 80.
  7. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 81.
  8. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 81.
  9. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 81.
  10. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 83.
  11. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 83.
  12. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 83.
  13. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 99.
  14. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 99.
  15. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 93.
  16. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 81–83.
  17. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 81, 83.
  18. Wolfgang Muth: Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, S. 12–13.
  19. Wolfgang Muth: Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, S. 13.
  20. Wolfgang Muth: Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, S. 13.
  21. Wolfgang Muth: Ahlen 1870–1914, S. 81.