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Haus Hove: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Haus Hove''' ist ein historisches Gebäude in Borbein, das als Teil einer ehemaligen Wasserburganlage entstand. Das lange, schmale '''Herrenhaus''' wurde vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet und dient heute als Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Betriebs. Hinter dem Gebäude sind noch Reste einer Gräftenanlage erhalten.
Das '''Haus Hove''' an der Borbeiner Straße 87 in [[Borbein]] ist ein historisches Herrenhaus und Teil einer ehemaligen Wasserburganlage. Das langgestreckte, schmale Gebäude wurde vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet und wird heute als Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Betriebes genutzt. Hinter dem Haus sind noch Reste der ehemaligen Gräftenanlage erhalten.<ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 6–7.</ref>


Das Bauwerk besteht aus Bruchstein- und Ziegelmauerwerk und verfügt über eine hohe, eingeschossige Halle. Im Westteil befinden sich Aufkammern über einem halb eingetieften Keller. Der Dachstuhl wird auf das 16. oder 17. Jahrhundert datiert. An der Südseite sind unter der Traufe noch Reste von unverputzten, auskragenden Ziegelstromschichten zu erkennen.
== Baugeschichte und Architektur ==


=== Umbauten und Veränderungen ===
Das Gebäude besteht aus Bruchstein- und Ziegelmauerwerk. Es besitzt eine hohe, eingeschossige Halle sowie im Westteil Aufkammern über einem halb eingetieften Keller. Der Dachstuhl des steilen Satteldaches wird in das 16. oder 17. Jahrhundert datiert. Unter der südlichen Traufe sind noch Reste unverputzter, auskragender Ziegelschichten erhalten.<ref name="denkmal2024" />
Das Gebäude wurde mehrfach umgebaut. Vor 1829 erfolgte eine Verlängerung um 8 Meter in östlicher Richtung. 1908 wurde die ursprüngliche Kapellenglocke der zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissenen Hofkapelle auf dem Dach des Hauses installiert.


Die Fassade weist einige bemerkenswerte Details auf, darunter werksteingefasste Fenstergewände und schmiedeeiserne Balkenanker. Besonders auffällig ist auf der Südseite ein gotisches Maßwerkfenster sowie ein Ausgussstein aus dem 15. Jahrhundert, die vermutlich als Spolien aus einem anderen Bauwerk stammen.
Haus Hove wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach verändert. Vor 1829 wurde das Gebäude um etwa acht Meter nach Osten verlängert. Um 1908 wurde die ursprüngliche Kapellenglocke der zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Hofkapelle auf dem Gebäude angebracht.<ref name="denkmal2024" />


=== Geschichte der Wasserburganlage ===
An der Fassade haben sich verschiedene historische Bauelemente erhalten. Dazu gehören werksteingefasste Fenstergewände und schmiedeeiserne Balkenanker. Auf der Südseite befinden sich außerdem sechs vermauerte kreisrunde Öffnungen.
Im 19. Jahrhundert war die Wasserburganlage noch vollständig erhalten und bestand vermutlich aus einem ehemaligen Gräftenhof, dessen Gebäude sich auf Inseln befanden. Die ursprüngliche Form des Hauses ist nicht genau bekannt, doch es wird angenommen, dass es sich um ein sogenanntes '''Zweiraumhaus''' handelte, einen Adelstypus des Münsterlands, bestehend aus Saal und Saalkammer. Auffällig ist der erhöhte Upkammerteil des Gebäudes.


=== Eigentümergeschichte ===
Etwa in der Mitte der Halle liegen deutlich tiefer als die übrigen Fenster der Teil eines gotischen Maßwerkfensters sowie der Rest eines Ausgusssteins aus dem 15. Jahrhundert. Beide Bauteile stammen vermutlich als sogenannte [[Spolie]]n aus einem anderen Gebäude.<ref name="denkmal2024" />
Die genaue Geschichte der Besitzer ist nicht vollständig geklärt. Eine These besagt, dass das Gut im 13. Jahrhundert im Besitz der Familie von Burg-, Bur-, Borbene oder Borbein war. Im 16. Jahrhundert ging das Anwesen in das Eigentum der Familie '''von Stevenink''' über. Durch Heirat lebten dort bis ins 18. Jahrhundert Nachfahren von '''Heinrich von Droste Uhlenbrock'''.  


Haus Hove dokumentiert die wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Bedingungen des Adels in Westfalen, der durch Steuerfreiheit, grundherrliche Gerichtsbarkeit und privilegierten Zugang zu Staats- und Heeresdiensten eine besondere Stellung innehatte.
== Wasserburganlage ==


Seit '''1817''' befindet sich das Anwesen mit den jüngeren landwirtschaftlichen Gebäuden im Besitz der Familie Schroer, die es bis heute instand hält.
Die Wasserburganlage war noch im 19. Jahrhundert weitgehend vollständig erhalten. Sie scheint sich aus einem ehemaligen Gräftenhof entwickelt zu haben, dessen Gebäude auf von Wasser umgebenen Inseln standen.<ref name="denkmal2024" />
 
Über die ursprüngliche Gestalt des Herrenhauses ist nur wenig bekannt. Aufgrund der frühen Bauform wird vermutet, dass es sich ursprünglich um ein sogenanntes '''Zweiraumhaus''' gehandelt haben könnte. Dieser im Münsterland verbreitete Bautyp adeliger Wohnhäuser bestand aus einem Saal und einer Saalkammer. Ungewöhnlich ist beim Haus Hove der erhöhte Upkammerteil.<ref name="denkmal2024" />
 
== Geschichte und Besitzer ==
 
Auch die frühen Besitzverhältnisse des Hauses sind nicht abschließend geklärt. Der Kunsthistoriker Albert Ludorff nahm an, dass das Anwesen bereits im 13. Jahrhundert Wohnsitz eines Geschlechts gewesen sei, das sich von Burg, Bur, Borbene oder Borbein nannte. Diese Annahme beruht jedoch auf der nicht gesicherten Gleichsetzung des mittelalterlichen Lehnsguts Borbene mit dem späteren Adelgut Hove.<ref name="denkmal2024" />
 
Für das 16. Jahrhundert ist das Anwesen als Eigentum der Familie '''von Steveninck''' belegt. Durch Einheirat lebten hier anschließend bis in das 18. Jahrhundert Nachfahren von '''Heinrich von Droste Uhlenbrock'''.<ref name="denkmal2024" />
 
Seit '''1817''' befindet sich Haus Hove gemeinsam mit den jüngeren landwirtschaftlichen Gebäuden im Besitz der Familie Schroer. Die Familie erhielt und bewahrte die historische Hofanlage.<ref name="denkmal2024" />
 
== Bedeutung ==
 
Haus Hove gehört zu den sehr alten erhaltenen Gebäuden eines westfälischen Adelshofes. Durch seine über Jahrhunderte entstandenen Bauphasen dokumentiert es sowohl die Entwicklung der Hofanlage als auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse des landständischen Adels.
 
Die besondere Stellung des Adels zeigte sich unter anderem in Steuerprivilegien, grundherrlicher Gerichtsbarkeit, dem bevorzugten Zugang zu Staats- und Heeresdiensten sowie im Erwerb von Ritterlehen und weiteren Privilegien.<ref name="denkmal2024" />
 
== Einzelnachweise ==
<references />

Version vom 15. September 2026, 09:22 Uhr

Haus Hove
Anschrift Borbeiner Str. 87



Baujahr vermutlich 15. Jahrhundert
Ursprüngliche Nutzung Herrenhaus
Heutige Nutzung Wohnhaus
<mapframe>-Probleme:
  • Das Attribut „latitude“ hat einen ungültigen Wert
  • Das Attribut „longitude“ hat einen ungültigen Wert
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Das Haus Hove an der Borbeiner Straße 87 in Borbein ist ein historisches Herrenhaus und Teil einer ehemaligen Wasserburganlage. Das langgestreckte, schmale Gebäude wurde vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet und wird heute als Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Betriebes genutzt. Hinter dem Haus sind noch Reste der ehemaligen Gräftenanlage erhalten.[1]

Baugeschichte und Architektur

Das Gebäude besteht aus Bruchstein- und Ziegelmauerwerk. Es besitzt eine hohe, eingeschossige Halle sowie im Westteil Aufkammern über einem halb eingetieften Keller. Der Dachstuhl des steilen Satteldaches wird in das 16. oder 17. Jahrhundert datiert. Unter der südlichen Traufe sind noch Reste unverputzter, auskragender Ziegelschichten erhalten.[1]

Haus Hove wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach verändert. Vor 1829 wurde das Gebäude um etwa acht Meter nach Osten verlängert. Um 1908 wurde die ursprüngliche Kapellenglocke der zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Hofkapelle auf dem Gebäude angebracht.[1]

An der Fassade haben sich verschiedene historische Bauelemente erhalten. Dazu gehören werksteingefasste Fenstergewände und schmiedeeiserne Balkenanker. Auf der Südseite befinden sich außerdem sechs vermauerte kreisrunde Öffnungen.

Etwa in der Mitte der Halle liegen deutlich tiefer als die übrigen Fenster der Teil eines gotischen Maßwerkfensters sowie der Rest eines Ausgusssteins aus dem 15. Jahrhundert. Beide Bauteile stammen vermutlich als sogenannte Spolien aus einem anderen Gebäude.[1]

Wasserburganlage

Die Wasserburganlage war noch im 19. Jahrhundert weitgehend vollständig erhalten. Sie scheint sich aus einem ehemaligen Gräftenhof entwickelt zu haben, dessen Gebäude auf von Wasser umgebenen Inseln standen.[1]

Über die ursprüngliche Gestalt des Herrenhauses ist nur wenig bekannt. Aufgrund der frühen Bauform wird vermutet, dass es sich ursprünglich um ein sogenanntes Zweiraumhaus gehandelt haben könnte. Dieser im Münsterland verbreitete Bautyp adeliger Wohnhäuser bestand aus einem Saal und einer Saalkammer. Ungewöhnlich ist beim Haus Hove der erhöhte Upkammerteil.[1]

Geschichte und Besitzer

Auch die frühen Besitzverhältnisse des Hauses sind nicht abschließend geklärt. Der Kunsthistoriker Albert Ludorff nahm an, dass das Anwesen bereits im 13. Jahrhundert Wohnsitz eines Geschlechts gewesen sei, das sich von Burg, Bur, Borbene oder Borbein nannte. Diese Annahme beruht jedoch auf der nicht gesicherten Gleichsetzung des mittelalterlichen Lehnsguts Borbene mit dem späteren Adelgut Hove.[1]

Für das 16. Jahrhundert ist das Anwesen als Eigentum der Familie von Steveninck belegt. Durch Einheirat lebten hier anschließend bis in das 18. Jahrhundert Nachfahren von Heinrich von Droste Uhlenbrock.[1]

Seit 1817 befindet sich Haus Hove gemeinsam mit den jüngeren landwirtschaftlichen Gebäuden im Besitz der Familie Schroer. Die Familie erhielt und bewahrte die historische Hofanlage.[1]

Bedeutung

Haus Hove gehört zu den sehr alten erhaltenen Gebäuden eines westfälischen Adelshofes. Durch seine über Jahrhunderte entstandenen Bauphasen dokumentiert es sowohl die Entwicklung der Hofanlage als auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse des landständischen Adels.

Die besondere Stellung des Adels zeigte sich unter anderem in Steuerprivilegien, grundherrlicher Gerichtsbarkeit, dem bevorzugten Zugang zu Staats- und Heeresdiensten sowie im Erwerb von Ritterlehen und weiteren Privilegien.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 6–7.