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Marienkirche: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''St.-Marien-Kirche''', kurz '''Marienkirche''', ist eine katholische Kirche im Stadtzentrum von [[Ahlen]]. Sie wird historisch auch mit der Bezeichnung '''Neue Pfarre''' verbunden.
Die '''St.-Marien-Kirche''', kurz '''Marienkirche''', ist eine katholische Kirche im Stadtzentrum von [[Ahlen]]. Sie wird historisch auch mit der Bezeichnung '''Neue Pfarre''' verbunden.


Das heutige Kirchengebäude entstand in seiner neugotischen Form im Jahr 1904 nach Plänen des Architekten [[Wilhelm Sunder-Plassmann]]. An derselben Stelle befanden sich bereits ältere Vorgängerbauten, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht.
Der heutige neugotische Kirchenbau entstand von '''1902 bis 1904''' nach Plänen des Architekten [[Wilhelm Sunder-Plassmann]]. Er ersetzte eine mittelalterliche Vorgängerkirche, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Das frühgotische Südportal der älteren Kirche wurde in den Neubau übernommen.<ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 48–49.</ref>


== Geschichte ==
== Geschichte ==


=== Mittelalterlicher Vorgängerbau ===
=== Entstehung der Neuen Pfarre ===
Aufgrund archäologischer Grabungen wird angenommen, dass sich bereits um 1250 an der Stelle der heutigen Marienkirche ein Vorgängerbau befand. Damit gehört der Standort zu den älteren kirchlichen Plätzen im Ahlener Stadtgebiet.<ref>''Die Neue Pfarre zu Ahlen: 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche'', herausgegeben vom Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen.</ref>


Die ältere Marienkirche prägte über Jahrhunderte den kirchlichen Mittelpunkt im Bereich der späteren Pfarrei St. Marien.
Im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung Ahlens entstand um '''1250''' neben der bereits bestehenden [[St. Bartholomäus|St.-Bartholomäus-Kirche]] eine zweite kirchliche Gemeinde.
 
Der Standort lag am Handelsweg der heutigen [[Oststraße]] im Bereich der Abzweigung der [[Nordstraße]]. Die Gründung der Kirche stand damit in engem Zusammenhang mit der räumlichen Erweiterung der mittelalterlichen Stadt.<ref name="pfarrei">Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus: ''St. Marien'', https://www.menschen-leben-kirche.de/pfarrei/kirchen-und-kapellen/st-marien</ref>
 
Im Jahr '''1285''' wurde die Kirche selbstständig. Sie war anschließend dem Prämonstratenserstift Kappenberg inkorporiert. Diese Verbindung bestand bis zur Säkularisation im Jahr '''1803'''.<ref name="pfarrei" />
 
Die Bezeichnung '''Neue Pfarre''' unterschied die jüngere Mariengemeinde von der älteren Pfarrei St. Bartholomäus.
 
=== Mittelalterliche Kirche ===
 
Archäologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich bereits um 1250 ein Kirchenbau am Standort befand.<ref name="neuepfarre">''Die Neue Pfarre zu Ahlen: 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche'', herausgegeben vom Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen.</ref>
 
Die später errichtete gotische Kirche bestand über mehrere Jahrhunderte und bildete den Mittelpunkt der Neuen Pfarre.


=== Stadtbrand von 1668 ===
=== Stadtbrand von 1668 ===
Beim großen Stadtbrand von 1668 wurde auch die Marienkirche ein Opfer der Flammen. Nach dem Brand wurde sie in ihrer alten Form wieder aufgebaut.<ref>''Die Neue Pfarre zu Ahlen: 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche'', herausgegeben vom Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen.</ref>


Der Wiederaufbau erhielt die überlieferte Gestalt der Kirche zunächst weiter, bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein größerer Neubau entstand.
Beim großen [[Stadtbrand 1668|Stadtbrand von 1668]] wurde auch die Marienkirche schwer beschädigt beziehungsweise ein Opfer der Flammen.
 
Anschließend wurde die Kirche in ihrer bisherigen Form wieder aufgebaut.<ref name="neuepfarre" />
 
Auch der zweite große Stadtbrand von '''1744''' gehört zur Geschichte des Kirchenstandortes.<ref name="pfarrei" />
 
=== Entwicklung im 19. Jahrhundert ===
 
Im Zuge der Säkularisation endete '''1803''' die jahrhundertelange Verbindung der Pfarrei mit dem Prämonstratenserstift Kappenberg.
 
Nach der Aufhebung des Klosters [[Maria Rosa]] im Jahr '''1816''' wurden Teile seiner kirchlichen Ausstattung übernommen.
 
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich der bauliche Zustand der alten Marienkirche zunehmend. Im Jahr '''1893''' wurde wegen der Baufälligkeit das Oberläuten der Glocken untersagt.<ref name="pfarrei" />
 
'''1899''' fiel der erste Beschluss zum Neubau einer Kirche. Zwei Jahre später wurde die Genehmigung zum Abbruch der mittelalterlichen Kirche erteilt.<ref name="pfarrei" />


=== Abbruch der alten Kirche ===
=== Abbruch der alten Kirche ===
Im Jahr 1902 wurde die alte Marienkirche abgebrochen. Anders als beim Stadtbrand handelte es sich diesmal nicht um eine unbeabsichtigte Zerstörung, sondern um einen bewussten Abbruch. Die alte Kirche wich einem größeren Neubau, der dem gestiegenen Raumbedarf der Gemeinde entsprach.


Beim Abbruch blieb das Südportal erhalten. Es wurde später in den Neubau eingefügt und verbindet dadurch die ältere Baugeschichte der Marienkirche mit dem heutigen Kirchengebäude.
Im Jahr '''1902''' wurde die rund 600 Jahre alte gotische Marienkirche abgebrochen.
 
Der Abbruch war bereits zur damaligen Zeit nicht unumstritten. Die Vorgängerkirche wurde von Teilen der Bevölkerung und von Denkmalinteressierten als wertvolles historisches Bauwerk angesehen.<ref name="pfarrei" />
 
Als Gründe für den Neubau wurden sowohl der schlechte bauliche Zustand der Kirche als auch der durch die industrielle Entwicklung Ahlens bedingte Bevölkerungszuwachs angeführt.<ref name="denkmal2024" />
 
Vom mittelalterlichen Bau blieb insbesondere das '''frühgotische Südportal''' erhalten. Es wurde anschließend in den Neubau integriert.
 
=== Neubau von 1902 bis 1904 ===


=== Neubau von 1904 ===
[[Datei:Marienkirche.png|mini|rechts|alternativtext=Grundriss der alten und neuen Kirche|Grundriss der alten und neuen Kirche]]
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Der Neubau der Marienkirche wurde im neugotischen Stil errichtet und 1904 fertiggestellt. Architekt des heutigen Kirchenbaus war [[Wilhelm Sunder-Plassmann]].


Mit dem Neubau erhielt die Kirche ihre bis heute prägende äußere Gestalt. Die Bezeichnung „Neue Pfarre“ verweist auf die kirchliche Neuordnung und die Entwicklung der Gemeinde im Umfeld der Marienkirche.
Von '''1902 bis 1904''' entstand am selben Standort die heutige neugotische Marienkirche.
 
Architekt des Neubaus war der Münsteraner Dombaumeister '''Wilhelm Sunder-Plassmann'''.<ref name="denkmal2024" />
 
Die neue Kirche wurde wesentlich größer als ihre Vorgängerin und entsprach damit den Anforderungen der stark gewachsenen katholischen Bevölkerung Ahlens.
 
Am '''18. Oktober 1904''' wurde die neue St.-Marien-Kirche geweiht.<ref name="pfarrei" />
 
Mit ihrem hohen Westturm entwickelte sie sich zu einem der markantesten Bauwerke der Ahlener Innenstadt.


== Architektur ==
== Architektur ==


=== Neugotischer Kirchenbau ===
=== Neugotische Hallenkirche ===
Die heutige Marienkirche ist ein neugotischer Kirchenbau aus dem frühen 20. Jahrhundert. Der Neubau von 1904 ersetzte den älteren Vorgängerbau, übernahm jedoch mit dem Südportal ein wichtiges historisches Bauteil der früheren Kirche.
 
Die heutige St.-Marien-Kirche ist eine neugotische Hallenkirche.
 
Ihr Grundriss ist durch das breite Mittelschiff und das ausgeprägte Querhaus annähernd kreuzförmig. Der Chor schließt polygonal ab.<ref name="denkmal2024" />
 
Das Hauptportal befindet sich im monumentalen Westturm. Von dort gelangt man in einen weiträumigen und vergleichsweise lichtdurchfluteten Kirchenraum.
 
Große Spannweiten des Mittel- und Querschiffs sowie farbige Bleiglasfenster bestimmen den Raumeindruck.<ref name="denkmal2024" />
 
Der fast '''75 Meter hohe Westturm''' gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen der Ahlener Innenstadt.


=== Südportal ===
=== Südportal ===
Ein besonderes Element der heutigen Marienkirche ist das erhaltene Südportal. Es stammt noch vom Vorgängerbau und wurde beim Neubau von 1904 wieder eingefügt. Damit ist es eines der sichtbaren baulichen Zeugnisse der älteren Marienkirche.


=== Turm ===
Von besonderer baugeschichtlicher Bedeutung ist das '''frühgotische Südportal'''.
Der Turm der Marienkirche gehört zu den markanten Baukörpern der Ahlener Innenstadt. Er nimmt das Geläut der Kirche auf und prägt das Erscheinungsbild des Kirchengebäudes.


Bei der Turmsanierung 2019 reichten die Arbeiten bis in eine Höhe von 74 Metern über dem Straßenniveau.<ref name="abz2019">''Arbeiten an der Kirchturmspitze: Präzisionsarbeit in 74 Metern über dem Straßenniveau'', Allgemeine Bauzeitung, 7. Oktober 2019.</ref>
Es stammt aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche und wurde beim Neubau von 1902 bis 1904 wiederverwendet. Damit bildet es eines der wenigen unmittelbar sichtbaren baulichen Bindeglieder zwischen der alten und der heutigen Marienkirche.<ref name="denkmal2024" />


[[Datei:St-Marien.jpg|thumb|St.-Marien-Kirche]]
=== Historische Ausstattung ===
 
Neben dem Südportal sind weitere ältere Ausstattungsstücke erhalten.
 
Von besonderer Bedeutung sind der historische '''Taufbrunnen''' sowie das sogenannte '''Pestkreuz'''. Beide stammen aus dem früheren Kloster [[Maria Rosa]].<ref name="pfarrei" />
 
Sie erinnern damit zugleich an die Geschichte des 1816 aufgehobenen Ahlener Klosters.


== Geläut ==
== Geläut ==
Im Turm der Marienkirche hängen heute acht Bronzeglocken.
Im Turm der Marienkirche hängen heute acht Bronzeglocken.


Über die Anfangszeit im 13. Jahrhundert liegen keine gesicherten Angaben zum Geläut vor. Es ist jedoch anzunehmen, dass bereits damals eine oder zwei Glocken zum Gottesdienst riefen.
Über die Anfangszeit der Kirche im 13. Jahrhundert liegen keine gesicherten Angaben zum Geläut vor. Es ist jedoch anzunehmen, dass bereits die mittelalterliche Kirche über Glocken verfügte.


Nach dem Stadtbrand von 1668 wurden drei Jahre später zwei neue Glocken gegossen. Im Jahr 1844 wurde das Geläut um eine weitere Glocke ergänzt.
Nach dem Stadtbrand von 1668 wurden drei Jahre später zwei neue Glocken gegossen. Im Jahr '''1844''' wurde das Geläut um eine weitere Glocke ergänzt.


Während des Ersten Weltkriegs mussten zwei Glocken abgegeben werden, um als Rohmaterial für die Rüstungsindustrie verwendet zu werden. Die kleinere Glocke von 1689 blieb erhalten und hängt bis heute im Turm. Sie zählt damit zu den ältesten Glocken der Stadt.
Während des Ersten Weltkriegs mussten '''1918''' zwei Bronzeglocken abgegeben werden, um als Rohmaterial für die Rüstungsindustrie verwendet zu werden.<ref name="pfarrei" />


Bis 1920 erklang vom Turm von St. Marien nur noch eine Glocke. In diesem Jahr wurden zwei Eisenglocken angeschafft. Seit 1924 sorgt eine elektrische Läutanlage für das Läuten der Glocken.
Die kleinere Glocke von '''1689''' blieb erhalten und hängt bis heute im Turm. Sie gehört damit zu den ältesten erhaltenen Glocken Ahlens.
 
Bis 1920 erklang vom Turm von St. Marien nur noch diese Glocke. In diesem Jahr wurden zwei Eisenglocken angeschafft.
 
Seit '''1924''' sorgt eine elektrische Läutanlage für den Glockenbetrieb.


== Sanierungen und Renovierungen ==
== Sanierungen und Renovierungen ==
Im 20. Jahrhundert wurde die Marienkirche mehrfach renoviert und instand gesetzt. 1955 erfolgte eine Renovierung des Innenraums. 1974 wurden Kirchendach und Turm saniert, 1978 folgte die Restaurierung der Kirchenfenster. In den Jahren 1982/83 wurde die Kirche nach 78 Jahren grundlegend saniert.
 
Das Kirchengebäude wurde im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts mehrfach renoviert und instand gesetzt.
 
'''1955''' erfolgte eine Renovierung des Innenraums.
 
Im Jahr '''1974''' wurden Kirchendach und Turm saniert, '''1978''' folgte die Restaurierung der Kirchenfenster.
 
In den Jahren '''1982/83''' wurde die Marienkirche nach 78 Jahren einer umfassenden Sanierung unterzogen.


=== Turmsanierung 2019 ===
=== Turmsanierung 2019 ===
Im Jahr 2019 wurde der Turm der St.-Marien-Kirche saniert. Anlass waren Feuchtigkeitsschäden, die dem Kirchturm stark zugesetzt hatten. Besonders betroffen waren unter anderem Kreuzblumen aus Sandstein, die bereits herabzustürzen drohten. Außerdem mussten das Schieferdach und Teile des Kupferhelms erneuert werden.<ref name="abz2019" />


Für die Arbeiten wurde die Kirche aufwendig eingerüstet. Das Gerüst umfasste rund 3000 Quadratmeter Arbeits- und Schutzgerüst sowie 2000 Quadratmeter Modulgerüst. Hinzu kamen ein Personen- und Materialaufzug mit 850 Kilogramm Traglast sowie eine Podesttreppe.<ref name="abz2019" />
Im Jahr '''2019''' wurde der Turm der St.-Marien-Kirche umfassend saniert. Ursache waren erhebliche Feuchtigkeitsschäden.
 
Besonders betroffen waren unter anderem die aus Sandstein gefertigten Kreuzblumen, von denen einzelne Teile abzustürzen drohten. Außerdem wurden das Schieferdach und Teile des Kupferhelms erneuert.<ref name="abz2019">''Arbeiten an der Kirchturmspitze: Präzisionsarbeit in 74 Metern über dem Straßenniveau'', Allgemeine Bauzeitung, 7. Oktober 2019.</ref>


Die Arbeiten reichten bis in eine Höhe von 74 Metern über dem Straßenniveau. Das Gesamtvolumen der Renovierung betrug rund 1,5 Millionen Euro.<ref name="abz2019" />
Für die Arbeiten musste der Kirchturm bis zur Spitze eingerüstet werden.
 
Das Gerüst umfasste rund '''3.000 Quadratmeter Arbeits- und Schutzgerüst''' sowie weitere '''2.000 Quadratmeter Modulgerüst'''. Zusätzlich kamen ein Personen- und Materialaufzug mit einer Tragfähigkeit von 850 Kilogramm sowie eine Podesttreppe zum Einsatz.<ref name="abz2019" />
 
Die Arbeiten reichten bis in eine Höhe von '''74 Metern über dem Straßenniveau'''.
 
Das Gesamtvolumen der Sanierung betrug rund '''1,5 Millionen Euro'''.<ref name="abz2019" />


== Bedeutung ==
== Bedeutung ==
Die Marienkirche gehört zu den prägenden katholischen Kirchengebäuden in Ahlen. Ihre Baugeschichte reicht von einem mittelalterlichen Vorgängerbau über den Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1668 bis zum neugotischen Neubau von 1904.


Besondere historische Bedeutung besitzen das erhaltene Südportal des Vorgängerbaus und die Glocke von 1689. Beide stehen für die lange Bau- und Nutzungsgeschichte der Kirche.
Die Marienkirche gehört zu den prägenden Sakralbauten der Ahlener Innenstadt.
 
Die Geschichte des Kirchenstandortes reicht bis in die mittelalterliche Stadterweiterung des 13. Jahrhunderts zurück. Der heutige Bau dokumentiert zugleich die starke Bevölkerungs- und Stadtentwicklung Ahlens während der Industrialisierung um 1900.
 
Mit dem neugotischen Neubau von 1902 bis 1904 entstand die größte Kirche Ahlens. Der fast 75 Meter hohe Westturm prägt bis heute die Stadtsilhouette.
 
Das wiederverwendete frühgotische Südportal stellt die sichtbare Verbindung zur mittelalterlichen Vorgängerkirche her. Weitere bedeutende historische Ausstattungsstücke sind der Taufbrunnen und das Pestkreuz aus dem ehemaligen Kloster Maria Rosa.
 
== Chronik ==
 
* '''um 1250:''' Entstehung einer zweiten Kirche im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung.
* '''1285:''' Selbstständigkeit der Pfarrei St. Marien.
* '''bis 1803:''' Inkorporation in das Prämonstratenserstift Kappenberg.
* '''1668:''' Zerstörung beziehungsweise schwere Beschädigung beim großen Stadtbrand.
* '''1744:''' Zweiter großer Stadtbrand.
* '''1803:''' Ende der Verbindung zum Kloster Kappenberg infolge der Säkularisation.
* '''1816:''' Aufhebung des Klosters Maria Rosa.
* '''1893:''' Oberläuten wegen des schlechten baulichen Zustands untersagt.
* '''1899:''' Erster Beschluss zum Neubau einer Kirche.
* '''1901:''' Genehmigung zum Abbruch der gotischen Vorgängerkirche.
* '''1902:''' Abbruch der mittelalterlichen Kirche und Beginn des Neubaus.
* '''18. Oktober 1904:''' Weihe der heutigen neugotischen Marienkirche.
* '''1905:''' Einbau einer Orgel.
* '''1918:''' Ablieferung zweier Bronzeglocken.
* '''1920:''' Anschaffung zweier Eisenglocken.
* '''1924:''' Einführung des elektrischen Glockenläutens.
* '''1955:''' Innenrenovierung.
* '''1974:''' Sanierung von Kirchendach und Turm.
* '''1978:''' Restaurierung der Kirchenfenster.
* '''1982/83:''' umfassende Sanierung des Kirchengebäudes.
* '''2019:''' umfangreiche Sanierung des Kirchturms.


== Abgrenzung zur Kirchengemeinde ==
== Abgrenzung zur Kirchengemeinde ==
Dieser Artikel behandelt vor allem das Kirchengebäude der Marienkirche. Die Geschichte der Pfarrei, des Gemeindelebens und der kirchlichen Organisation sollte in einem eigenen Artikel zur [[Kirchengemeinde St. Marien Ahlen]] dargestellt werden.


== Quellen ==
Dieser Artikel behandelt vor allem das Kirchengebäude der Marienkirche.
<references/>
 
Die Geschichte der Pfarrei, des Gemeindelebens und der kirchlichen Organisation wird im Artikel [[Kirchengemeinde St. Marien Ahlen]] behandelt.
 
== Einzelnachweise ==
 
<references />


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
* [[Die Neue Pfarre zu Ahlen]]
* [[Die Neue Pfarre zu Ahlen]]
* [[Kirchengemeinde St. Marien Ahlen]]
* [[Kirchengemeinde St. Marien Ahlen]]
* [[Katholische Kirche in Ahlen]]
* [[Katholische Kirche in Ahlen]]
* [[Wilhelm Sunder-Plassmann]]
* [[Wilhelm Sunder-Plassmann]]
* [[Kloster Maria Rosa]]
== Weblinks ==
* [https://www.menschen-leben-kirche.de/pfarrei/kirchen-und-kapellen/st-marien St. Marien auf der Internetseite der Pfarrei St. Bartholomäus]


[[Kategorie:Kirchen]]
[[Kategorie:Kirchen]]
[[Kategorie:Gebäude]]
[[Kategorie:Gebäude]]
[[Kategorie:Denkmäler]]

Version vom 15. September 2026, 12:57 Uhr

Marienkirche
51.76339474587.89081525799
Anschrift Oststraße 58



Baujahr 13. Jahrhundert
aktuelle Form 1902–1904
Architekt Wilhelm Sunder-Plassmann
Ursprüngliche Nutzung Kirche
Heutige Nutzung Kirche
Karte


Die St.-Marien-Kirche, kurz Marienkirche, ist eine katholische Kirche im Stadtzentrum von Ahlen. Sie wird historisch auch mit der Bezeichnung Neue Pfarre verbunden.

Der heutige neugotische Kirchenbau entstand von 1902 bis 1904 nach Plänen des Architekten Wilhelm Sunder-Plassmann. Er ersetzte eine mittelalterliche Vorgängerkirche, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Das frühgotische Südportal der älteren Kirche wurde in den Neubau übernommen.[1]

Geschichte

Entstehung der Neuen Pfarre

Im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung Ahlens entstand um 1250 neben der bereits bestehenden St.-Bartholomäus-Kirche eine zweite kirchliche Gemeinde.

Der Standort lag am Handelsweg der heutigen Oststraße im Bereich der Abzweigung der Nordstraße. Die Gründung der Kirche stand damit in engem Zusammenhang mit der räumlichen Erweiterung der mittelalterlichen Stadt.[2]

Im Jahr 1285 wurde die Kirche selbstständig. Sie war anschließend dem Prämonstratenserstift Kappenberg inkorporiert. Diese Verbindung bestand bis zur Säkularisation im Jahr 1803.[2]

Die Bezeichnung Neue Pfarre unterschied die jüngere Mariengemeinde von der älteren Pfarrei St. Bartholomäus.

Mittelalterliche Kirche

Archäologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich bereits um 1250 ein Kirchenbau am Standort befand.[3]

Die später errichtete gotische Kirche bestand über mehrere Jahrhunderte und bildete den Mittelpunkt der Neuen Pfarre.

Stadtbrand von 1668

Beim großen Stadtbrand von 1668 wurde auch die Marienkirche schwer beschädigt beziehungsweise ein Opfer der Flammen.

Anschließend wurde die Kirche in ihrer bisherigen Form wieder aufgebaut.[3]

Auch der zweite große Stadtbrand von 1744 gehört zur Geschichte des Kirchenstandortes.[2]

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Im Zuge der Säkularisation endete 1803 die jahrhundertelange Verbindung der Pfarrei mit dem Prämonstratenserstift Kappenberg.

Nach der Aufhebung des Klosters Maria Rosa im Jahr 1816 wurden Teile seiner kirchlichen Ausstattung übernommen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich der bauliche Zustand der alten Marienkirche zunehmend. Im Jahr 1893 wurde wegen der Baufälligkeit das Oberläuten der Glocken untersagt.[2]

1899 fiel der erste Beschluss zum Neubau einer Kirche. Zwei Jahre später wurde die Genehmigung zum Abbruch der mittelalterlichen Kirche erteilt.[2]

Abbruch der alten Kirche

Im Jahr 1902 wurde die rund 600 Jahre alte gotische Marienkirche abgebrochen.

Der Abbruch war bereits zur damaligen Zeit nicht unumstritten. Die Vorgängerkirche wurde von Teilen der Bevölkerung und von Denkmalinteressierten als wertvolles historisches Bauwerk angesehen.[2]

Als Gründe für den Neubau wurden sowohl der schlechte bauliche Zustand der Kirche als auch der durch die industrielle Entwicklung Ahlens bedingte Bevölkerungszuwachs angeführt.[1]

Vom mittelalterlichen Bau blieb insbesondere das frühgotische Südportal erhalten. Es wurde anschließend in den Neubau integriert.

Neubau von 1902 bis 1904

Grundriss der alten und neuen Kirche
Grundriss der alten und neuen Kirche

Von 1902 bis 1904 entstand am selben Standort die heutige neugotische Marienkirche.

Architekt des Neubaus war der Münsteraner Dombaumeister Wilhelm Sunder-Plassmann.[1]

Die neue Kirche wurde wesentlich größer als ihre Vorgängerin und entsprach damit den Anforderungen der stark gewachsenen katholischen Bevölkerung Ahlens.

Am 18. Oktober 1904 wurde die neue St.-Marien-Kirche geweiht.[2]

Mit ihrem hohen Westturm entwickelte sie sich zu einem der markantesten Bauwerke der Ahlener Innenstadt.

Architektur

Neugotische Hallenkirche

Die heutige St.-Marien-Kirche ist eine neugotische Hallenkirche.

Ihr Grundriss ist durch das breite Mittelschiff und das ausgeprägte Querhaus annähernd kreuzförmig. Der Chor schließt polygonal ab.[1]

Das Hauptportal befindet sich im monumentalen Westturm. Von dort gelangt man in einen weiträumigen und vergleichsweise lichtdurchfluteten Kirchenraum.

Große Spannweiten des Mittel- und Querschiffs sowie farbige Bleiglasfenster bestimmen den Raumeindruck.[1]

Der fast 75 Meter hohe Westturm gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen der Ahlener Innenstadt.

Südportal

Von besonderer baugeschichtlicher Bedeutung ist das frühgotische Südportal.

Es stammt aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche und wurde beim Neubau von 1902 bis 1904 wiederverwendet. Damit bildet es eines der wenigen unmittelbar sichtbaren baulichen Bindeglieder zwischen der alten und der heutigen Marienkirche.[1]

Historische Ausstattung

Neben dem Südportal sind weitere ältere Ausstattungsstücke erhalten.

Von besonderer Bedeutung sind der historische Taufbrunnen sowie das sogenannte Pestkreuz. Beide stammen aus dem früheren Kloster Maria Rosa.[2]

Sie erinnern damit zugleich an die Geschichte des 1816 aufgehobenen Ahlener Klosters.

Geläut

Im Turm der Marienkirche hängen heute acht Bronzeglocken.

Über die Anfangszeit der Kirche im 13. Jahrhundert liegen keine gesicherten Angaben zum Geläut vor. Es ist jedoch anzunehmen, dass bereits die mittelalterliche Kirche über Glocken verfügte.

Nach dem Stadtbrand von 1668 wurden drei Jahre später zwei neue Glocken gegossen. Im Jahr 1844 wurde das Geläut um eine weitere Glocke ergänzt.

Während des Ersten Weltkriegs mussten 1918 zwei Bronzeglocken abgegeben werden, um als Rohmaterial für die Rüstungsindustrie verwendet zu werden.[2]

Die kleinere Glocke von 1689 blieb erhalten und hängt bis heute im Turm. Sie gehört damit zu den ältesten erhaltenen Glocken Ahlens.

Bis 1920 erklang vom Turm von St. Marien nur noch diese Glocke. In diesem Jahr wurden zwei Eisenglocken angeschafft.

Seit 1924 sorgt eine elektrische Läutanlage für den Glockenbetrieb.

Sanierungen und Renovierungen

Das Kirchengebäude wurde im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts mehrfach renoviert und instand gesetzt.

1955 erfolgte eine Renovierung des Innenraums.

Im Jahr 1974 wurden Kirchendach und Turm saniert, 1978 folgte die Restaurierung der Kirchenfenster.

In den Jahren 1982/83 wurde die Marienkirche nach 78 Jahren einer umfassenden Sanierung unterzogen.

Turmsanierung 2019

Im Jahr 2019 wurde der Turm der St.-Marien-Kirche umfassend saniert. Ursache waren erhebliche Feuchtigkeitsschäden.

Besonders betroffen waren unter anderem die aus Sandstein gefertigten Kreuzblumen, von denen einzelne Teile abzustürzen drohten. Außerdem wurden das Schieferdach und Teile des Kupferhelms erneuert.[4]

Für die Arbeiten musste der Kirchturm bis zur Spitze eingerüstet werden.

Das Gerüst umfasste rund 3.000 Quadratmeter Arbeits- und Schutzgerüst sowie weitere 2.000 Quadratmeter Modulgerüst. Zusätzlich kamen ein Personen- und Materialaufzug mit einer Tragfähigkeit von 850 Kilogramm sowie eine Podesttreppe zum Einsatz.[4]

Die Arbeiten reichten bis in eine Höhe von 74 Metern über dem Straßenniveau.

Das Gesamtvolumen der Sanierung betrug rund 1,5 Millionen Euro.[4]

Bedeutung

Die Marienkirche gehört zu den prägenden Sakralbauten der Ahlener Innenstadt.

Die Geschichte des Kirchenstandortes reicht bis in die mittelalterliche Stadterweiterung des 13. Jahrhunderts zurück. Der heutige Bau dokumentiert zugleich die starke Bevölkerungs- und Stadtentwicklung Ahlens während der Industrialisierung um 1900.

Mit dem neugotischen Neubau von 1902 bis 1904 entstand die größte Kirche Ahlens. Der fast 75 Meter hohe Westturm prägt bis heute die Stadtsilhouette.

Das wiederverwendete frühgotische Südportal stellt die sichtbare Verbindung zur mittelalterlichen Vorgängerkirche her. Weitere bedeutende historische Ausstattungsstücke sind der Taufbrunnen und das Pestkreuz aus dem ehemaligen Kloster Maria Rosa.

Chronik

  • um 1250: Entstehung einer zweiten Kirche im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung.
  • 1285: Selbstständigkeit der Pfarrei St. Marien.
  • bis 1803: Inkorporation in das Prämonstratenserstift Kappenberg.
  • 1668: Zerstörung beziehungsweise schwere Beschädigung beim großen Stadtbrand.
  • 1744: Zweiter großer Stadtbrand.
  • 1803: Ende der Verbindung zum Kloster Kappenberg infolge der Säkularisation.
  • 1816: Aufhebung des Klosters Maria Rosa.
  • 1893: Oberläuten wegen des schlechten baulichen Zustands untersagt.
  • 1899: Erster Beschluss zum Neubau einer Kirche.
  • 1901: Genehmigung zum Abbruch der gotischen Vorgängerkirche.
  • 1902: Abbruch der mittelalterlichen Kirche und Beginn des Neubaus.
  • 18. Oktober 1904: Weihe der heutigen neugotischen Marienkirche.
  • 1905: Einbau einer Orgel.
  • 1918: Ablieferung zweier Bronzeglocken.
  • 1920: Anschaffung zweier Eisenglocken.
  • 1924: Einführung des elektrischen Glockenläutens.
  • 1955: Innenrenovierung.
  • 1974: Sanierung von Kirchendach und Turm.
  • 1978: Restaurierung der Kirchenfenster.
  • 1982/83: umfassende Sanierung des Kirchengebäudes.
  • 2019: umfangreiche Sanierung des Kirchturms.

Abgrenzung zur Kirchengemeinde

Dieser Artikel behandelt vor allem das Kirchengebäude der Marienkirche.

Die Geschichte der Pfarrei, des Gemeindelebens und der kirchlichen Organisation wird im Artikel Kirchengemeinde St. Marien Ahlen behandelt.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 48–49.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus: St. Marien, https://www.menschen-leben-kirche.de/pfarrei/kirchen-und-kapellen/st-marien
  3. 3,0 3,1 Die Neue Pfarre zu Ahlen: 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche, herausgegeben vom Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen.
  4. 4,0 4,1 4,2 Arbeiten an der Kirchturmspitze: Präzisionsarbeit in 74 Metern über dem Straßenniveau, Allgemeine Bauzeitung, 7. Oktober 2019.

Siehe auch