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Marienkirche: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AhlenWiki
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|Adresse=Oststraße 58
|Adresse=Oststraße 58
|Foto=Marienkirche_1.JPG
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|Baujahr=13. Jahrhundert<br />aktuelle Form 1902–1904
|Baujahr=um 1250<br />heutiger Bau 1902–1904
|Architekt=Wilhelm Sunder-Plassmann
|Architekt=Ludwig Becker und Wilhelm Sunder-Plassmann
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|Urnutzung=Kirche
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Die '''St.-Marien-Kirche''', kurz '''Marienkirche''', ist eine katholische Kirche im Stadtzentrum von [[Ahlen]]. Sie wird historisch auch mit der Bezeichnung '''Neue Pfarre''' verbunden.
Die '''St.-Marien-Kirche''', kurz '''Marienkirche''', ist eine katholische Kirche im Zentrum von [[Ahlen]]. Die Geschichte des Kirchenstandortes reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Archäologische Untersuchungen lassen vermuten, dass bereits um '''1250''' eine zweite Kirche innerhalb der mittelalterlichen Stadt bestand.


Der heutige neugotische Kirchenbau entstand von '''1902 bis 1904''' nach Plänen des Architekten [[Wilhelm Sunder-Plassmann]]. Er ersetzte eine mittelalterliche Vorgängerkirche, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Das frühgotische Südportal der älteren Kirche wurde in den Neubau übernommen.<ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 48–49.</ref>
Die heutige neugotische Marienkirche wurde von '''1902 bis 1904''' nach Plänen der Architekten '''Ludwig Becker''' aus Mainz und [[Wilhelm Sunder-Plassmann]] aus Münster errichtet. Sie ersetzte eine mittelalterliche Vorgängerkirche, von der mehrere Bauteile und Ausstattungsstücke in den Neubau übernommen wurden.<ref name="festschrift">Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen (Hrsg.): ''Die Neue Pfarre zu Ahlen. 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche'', Ahlen 2004.</ref><ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 48–49.</ref>


== Geschichte ==
== Geschichte ==
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=== Entstehung der Neuen Pfarre ===
=== Entstehung der Neuen Pfarre ===


Im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung Ahlens entstand um '''1250''' neben der bereits bestehenden [[St. Bartholomäus|St.-Bartholomäus-Kirche]] eine zweite kirchliche Gemeinde.
Das genaue Gründungsjahr der später als '''Neue Pfarre''' bezeichneten zweiten Ahlener Kirchengemeinde ist nicht urkundlich überliefert.


Der Standort lag am Handelsweg der heutigen [[Oststraße]] im Bereich der Abzweigung der [[Nordstraße]]. Die Gründung der Kirche stand damit in engem Zusammenhang mit der räumlichen Erweiterung der mittelalterlichen Stadt.<ref name="pfarrei">Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus: ''St. Marien'', https://www.menschen-leben-kirche.de/pfarrei/kirchen-und-kapellen/st-marien</ref>
In der historischen Forschung wurden die Jahre '''1278, 1285 und 1288''' als mögliche Gründungsdaten genannt. Das Jahr '''1285''' gilt dabei als Zeitpunkt der offiziellen Trennung von der älteren Pfarrei [[St. Bartholomäus]]. Bereits 1278 wird ein Priester namens Lambert erwähnt.<ref name="festschrift" />


Im Jahr '''1285''' wurde die Kirche selbstständig. Sie war anschließend dem Prämonstratenserstift Kappenberg inkorporiert. Diese Verbindung bestand bis zur Säkularisation im Jahr '''1803'''.<ref name="pfarrei" />
Das Patrozinium der neuen Kirche wurde '''Mariä Himmelfahrt''' gewidmet.


Die Bezeichnung '''Neue Pfarre''' unterschied die jüngere Mariengemeinde von der älteren Pfarrei St. Bartholomäus.
Wie St. Bartholomäus unterstand auch die Neue Pfarre dem Prämonstratenserstift Cappenberg. Die Verbindung bestand bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts.<ref name="festschrift" />


=== Mittelalterliche Kirche ===
Die Nord- und Ostschicht der mittelalterlichen Stadt bildeten das Gebiet des „nigen Kerspels“, also des neuen Kirchspiels, während die Camp- und Mölenschicht zur Alten Pfarre gehörten.


Archäologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich bereits um 1250 ein Kirchenbau am Standort befand.<ref name="neuepfarre">''Die Neue Pfarre zu Ahlen: 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche'', herausgegeben vom Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen.</ref>
=== Erste Marienkirche ===


Die später errichtete gotische Kirche bestand über mehrere Jahrhunderte und bildete den Mittelpunkt der Neuen Pfarre.
Bei archäologischen Grabungen während der Kirchenrenovierung im Jahr '''1982''' wurden Fundamente der mittelalterlichen Vorgängerbauten untersucht.
 
Dr. Ulrich Reinke vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege rekonstruierte anschließend die Bauentwicklung. Nach seinen Untersuchungen dürfte bereits um '''1250''' eine zweite Kirche in Ahlen bestanden haben.<ref name="festschrift" />
 
Der erste Bau war eine '''romanische einschiffige Kirche aus Bruchstein'''. An ihrer Westseite stand vermutlich ein Turm.
 
Von diesem ältesten Bau waren bis zum Abbruch im Jahr 1902 noch Teile des Mauerwerks der Nordseite sowie das romanische Turmportal erhalten.<ref name="festschrift" />
 
=== Erweiterungen im 14. und 15. Jahrhundert ===
 
In der ersten Hälfte des '''14. Jahrhunderts''' wurde der Chor der Kirche erneuert und vergrößert. Dabei entstand ein etwa zwei Meter längerer Fünfachtelchor auf den Fundamenten des romanischen Vorgängerchores. Diese Bauphase konnte bei den Grabungen 1982 nachgewiesen werden.<ref name="festschrift" />
 
Um '''1450''' wurde die Kirche erneut erweitert. Dabei entstand ein zweites Kirchenschiff.
 
Vermutlich war ursprünglich sogar ein weiteres Seitenschiff vorgesehen, das aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr ausgeführt wurde.<ref name="festschrift" />
 
Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch das bis heute erhaltene '''gotische Südportal'''.


=== Stadtbrand von 1668 ===
=== Stadtbrand von 1668 ===


Beim großen [[Stadtbrand 1668|Stadtbrand von 1668]] wurde auch die Marienkirche schwer beschädigt beziehungsweise ein Opfer der Flammen.
Beim großen [[Stadtbrand 1668|Stadtbrand von 1668]] wurde auch die Marienkirche schwer beschädigt.
 
Dächer und Turm wurden zerstört, das Gewölbe stürzte ein und die Altäre verbrannten.<ref name="festschrift" />
 
Da auch große Teile der Bevölkerung durch den Brand ihre wirtschaftliche Existenz verloren hatten, gestaltete sich der Wiederaufbau schwierig.
 
Pfarrer Bertram Höveler wandte sich an Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen und bat um finanzielle Unterstützung. Nachdem zunächst 100 Reichstaler zugesagt worden waren, erhielt die Gemeinde zusätzlich die Erlaubnis, im Hochstift Münster und in angrenzenden Gebieten Almosen für den Wiederaufbau zu sammeln.<ref name="festschrift" />
 
Der mittelalterliche Kirchenbau wurde im Wesentlichen in seiner bisherigen Form wiederhergestellt. Der Turm erhielt jedoch einen neuen barocken Helm.
 
Die bereits '''1586''' vorhandene Turmuhr überstand den Brand weitgehend unbeschädigt und blieb bis zum Abbruch der Kirche im Jahr 1902 erhalten.<ref name="festschrift" />
 
== Der Weg zum Neubau ==
 
=== Erste Abrisspläne ===
 
Bereits '''1773''' beantragte der Rat der Stadt beim Generalvikar Franz von Fürstenberg die Genehmigung, die Neue Kirche abzureißen.
 
Hintergrund waren die schlechte wirtschaftliche Lage der Stadt und die stark gesunkene Einwohnerzahl nach Kriegen und Krisen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.<ref name="festschrift" />
 
Auch eine spätere Zusammenlegung der beiden Ahlener Pfarrgemeinden scheiterte am Widerstand der jeweiligen Pfarrer.
 
=== Wachstum der Gemeinde ===
 
Mit der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum Ahlens im 19. Jahrhundert wurde die alte Kirche zunehmend zu klein.
 
Im Jahr '''1861''' hatte Ahlen 3.335 Einwohner, von denen 3.267 katholisch waren.<ref name="festschrift" />
 
Gleichzeitig verschlechterte sich der bauliche Zustand des Kirchengebäudes.
 
Am '''24. Januar 1882''' wurde auf Initiative von Pfarrer Josef Jenne ein '''Pfennigverein''' gegründet. Die Mitglieder zahlten wöchentlich mindestens einen Pfennig, um Mittel für die Erhaltung der Kirche und schließlich für einen Neubau zu sammeln.<ref name="festschrift" />
 
=== Probleme mit dem Kirchturm ===
 
Im Jahr '''1893''' wurden erhebliche Risse am alten Kirchturm festgestellt.
 
Das Bischöfliche Generalvikariat ließ den Turm untersuchen. Der Münsteraner Architekt '''Wilhelm Dincklage''' stellte fest, dass der Glockenstuhl zwar solide gebaut war, die beim Läuten entstehenden Schwingungen jedoch auf das stark geschädigte Mauerwerk übertragen wurden.<ref name="festschrift" />
 
Bei einem Probeläuten geriet der Turm so stark in Bewegung, dass zuvor in Risse eingesetzte Keile locker wurden und das Reiben der Mauerteile hörbar war.
 
Dincklage hielt das vollständige Schwingen der Glocken deshalb für gefährlich. Ende '''1893''' ordnete das Generalvikariat an, die Glocken künftig nicht mehr auszuschwingen, sondern lediglich die Klöppel anzuschlagen.<ref name="festschrift" />
 
=== Beschluss zum Neubau ===
 
Am '''6. März 1899''' beschloss der Kirchenvorstand die Errichtung einer neuen Kirche.
 
Am '''10. Juli 1900''' sprachen sich Kirchenvorstand und Kirchengemeindevertretung einstimmig dafür aus, die neue Kirche am bisherigen Standort zu errichten und dafür den mittelalterlichen Bau abzubrechen.<ref name="festschrift" />
 
Pfarrer Karl Noje begründete den Neubau unter anderem mit der stark gewachsenen Gemeinde, die inzwischen mehr als '''4.020 Mitglieder''' zählte.
 
== Streit um den Erhalt der alten Kirche ==
 
Der geplante Abbruch stieß bei der Denkmalpflege auf erheblichen Widerstand.
 
Der Provinzialkonservator und Baurat '''Albert Ludorff''' bezeichnete die Marienkirche als frühgotischen Bau, dessen Abbruch ohne zwingende Gründe nicht genehmigt werden könne.<ref name="festschrift" />
 
Er forderte zunächst zu prüfen, ob die alte Kirche erhalten und ein Neubau an anderer Stelle errichtet werden könne.
 
Außerdem erarbeitete Ludorff mehrere Entwürfe, durch die die mittelalterliche Kirche erweitert und zumindest wesentliche Teile wie die beiden Schiffe und der Chor erhalten werden sollten.<ref name="festschrift" />
 
Kirchenvorstand und Gemeinde lehnten diese Lösungen jedoch ab. Sie verwiesen auf den begrenzten Bauplatz, die finanzielle Situation und den schlechten baulichen Zustand der alten Kirche.
 
Am '''23. November 1901''' besichtigte schließlich eine königliche Kommission den Bau.
 
Am '''16. Dezember 1901''' wurde die Genehmigung zum Abbruch erteilt.<ref name="festschrift" />
 
== Bedingungen des Abbruchs ==
 
Die Genehmigung war mit der Verpflichtung verbunden, bedeutende Bauteile und Ausstattungsstücke der mittelalterlichen Kirche zu erhalten und möglichst im Neubau wiederzuverwenden.
 
Dazu gehörten unter anderem:
 
* die originalen Teile des Südportals,
* das Nordportal,
* plastische Architekturteile des Innenraumes,
* Kapitelle und Schlusssteine,
* weitere wiederverwendbare Werksteine,
* das Sakramentshäuschen,
* ein steinerner Stehleuchter,
* schmiedeeiserne Wandleuchter,
* der ältere Teil des Marienkronleuchters,
* die Heilandsfigur mit Engeln,
* alte Kirchenbänke mit geschnitzten Seitenteilen
* sowie die Barockaltäre.<ref name="festschrift" />
 
Von einer gemalten Gruppe über dem Triumphbogen musste außerdem eine fotografische Aufnahme für das Provinzialdenkmäler-Archiv angefertigt werden.
 
== Abbruch der alten Marienkirche ==
 
Am '''8. Februar 1902''' feierte Pfarrer Noje das letzte feierliche Amt in der alten Kirche.
 
Anschließend wurde das Allerheiligste in einer Prozession in eine provisorisch eingerichtete Notkirche im sogenannten Bohlen'schen Haus übertragen. Dieses Gebäude stand an der Stelle der heutigen Sakristei.<ref name="festschrift" />
 
Der Abbruch begann am '''10. März 1902'''.
 
Die Arbeiten dauerten etwa fünf Monate. Ein großer Teil des Baumaterials wurde weiterverwendet oder verkauft. Allein durch den Verkauf von Balken sowie altem Bau- und Brennholz erzielte die Kirchengemeinde Einnahmen von '''2.733 Mark'''.<ref name="festschrift" />
 
Das Fundament des mittelalterlichen Turms erwies sich als so massiv, dass es schließlich von preußischen Pionieren gesprengt werden musste.
 
Aus dieser Situation entstand der zeitgenössische Spott:
 
:''„Die Kirche war so baufällig, dass sie gesprengt werden musste.“''<ref name="festschrift" />
 
== Neubau 1902 bis 1904 ==
 
Am '''14. Februar 1902''' beschloss der Kirchenvorstand offiziell den Neubau.
 
Mit Planung und Bauleitung wurden die Architekten und Dombaumeister '''Ludwig Becker''' aus Mainz und '''Wilhelm Sunder-Plassmann''' aus Münster beauftragt.<ref name="festschrift" />
 
[[Datei:Marienkirche.png|mini|rechts|Grundriss der mittelalterlichen Marienkirche und des Neubaus von 1902–1904]]


Anschließend wurde die Kirche in ihrer bisherigen Form wieder aufgebaut.<ref name="neuepfarre" />
Die eigentlichen Bauarbeiten wurden am '''3. März 1902''' an den Ahlener Bauunternehmer '''Wilhelm Krämer''' vergeben.


Auch der zweite große Stadtbrand von '''1744''' gehört zur Geschichte des Kirchenstandortes.<ref name="pfarrei" />
Die Bauerlaubnis wurde am '''16. April 1902''' erteilt.


=== Entwicklung im 19. Jahrhundert ===
Am '''7. August 1902''' legte Landdechant Heinrich Evelt aus Heessen den Grundstein.<ref name="festschrift" />


Im Zuge der Säkularisation endete '''1803''' die jahrhundertelange Verbindung der Pfarrei mit dem Prämonstratenserstift Kappenberg.
Bis zum Jahresende 1902 war der Bau bis zur Höhe der Kapitelle fortgeschritten. Im folgenden Jahr wurde der Rohbau fertiggestellt.


Nach der Aufhebung des Klosters [[Maria Rosa]] im Jahr '''1816''' wurden Teile seiner kirchlichen Ausstattung übernommen.
Die bebaute Fläche betrug rund '''1.334 Quadratmeter'''.<ref name="festschrift" />


Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich der bauliche Zustand der alten Marienkirche zunehmend. Im Jahr '''1893''' wurde wegen der Baufälligkeit das Oberläuten der Glocken untersagt.<ref name="pfarrei" />
== Finanzierung ==


'''1899''' fiel der erste Beschluss zum Neubau einer Kirche. Zwei Jahre später wurde die Genehmigung zum Abbruch der mittelalterlichen Kirche erteilt.<ref name="pfarrei" />
Der ursprüngliche Kostenvoranschlag belief sich auf rund '''260.000 Mark'''.


=== Abbruch der alten Kirche ===
Tatsächlich erreichten die Gesamtkosten schließlich '''404.960,52 Mark'''.<ref name="festschrift" />


Im Jahr '''1902''' wurde die rund 600 Jahre alte gotische Marienkirche abgebrochen.
Bereits vor Baubeginn hatte die Gemeinde innerhalb von drei Jahren '''136.208,71 Mark''' gesammelt.


Der Abbruch war bereits zur damaligen Zeit nicht unumstritten. Die Vorgängerkirche wurde von Teilen der Bevölkerung und von Denkmalinteressierten als wertvolles historisches Bauwerk angesehen.<ref name="pfarrei" />
Der verbleibende Betrag wurde über Darlehen finanziert. Die Gemeindemitglieder brachten zusätzlich jährlich große Summen durch freiwillige Spenden auf.


Als Gründe für den Neubau wurden sowohl der schlechte bauliche Zustand der Kirche als auch der durch die industrielle Entwicklung Ahlens bedingte Bevölkerungszuwachs angeführt.<ref name="denkmal2024" />
Das letzte Darlehen in Höhe von '''37.658,82 Mark''' wurde am '''1. April 1923''' getilgt.<ref name="festschrift" />


Vom mittelalterlichen Bau blieb insbesondere das '''frühgotische Südportal''' erhalten. Es wurde anschließend in den Neubau integriert.
Der Kirchenbau war damit über mehr als zwei Jahrzehnte auch eine erhebliche finanzielle Leistung der Gemeinde.


=== Neubau von 1902 bis 1904 ===
== Weihe am 18. Oktober 1904 ==


[[Datei:Marienkirche.png|mini|rechts|alternativtext=Grundriss der alten und neuen Kirche|Grundriss der alten und neuen Kirche]]
Am '''18. Oktober 1904''' wurde die neue Marienkirche durch den Münsteraner Bischof '''Hermann Dingelstad''' geweiht.<ref name="festschrift" />


Von '''1902 bis 1904''' entstand am selben Standort die heutige neugotische Marienkirche.
Bereits am Vortag war der Bischof am Ahlener Bahnhof feierlich empfangen worden.


Architekt des Neubaus war der Münsteraner Dombaumeister '''Wilhelm Sunder-Plassmann'''.<ref name="denkmal2024" />
Die Straßen zwischen Bahnhof und Kirche waren geschmückt, Schulen, Vereine und zahlreiche Einwohner beteiligten sich an den Feierlichkeiten.


Die neue Kirche wurde wesentlich größer als ihre Vorgängerin und entsprach damit den Anforderungen der stark gewachsenen katholischen Bevölkerung Ahlens.
Am Kirchweihtag selbst begann die Weihe am frühen Morgen. Nach den damaligen liturgischen Vorschriften wurde das Gebäude außen und innen gesegnet, der Altar geweiht und Reliquien in ihm beigesetzt.


Am '''18. Oktober 1904''' wurde die neue St.-Marien-Kirche geweiht.<ref name="pfarrei" />
Anschließend wurde das erste feierliche Hochamt in der neuen Kirche gefeiert.


Mit ihrem hohen Westturm entwickelte sie sich zu einem der markantesten Bauwerke der Ahlener Innenstadt.
Am Nachmittag fand ein Festakt mit rund '''180 Gästen''' im Hotel Klostermann an der Nordstraße statt.<ref name="festschrift" />


== Architektur ==
== Architektur ==


=== Neugotische Hallenkirche ===
Die Marienkirche wurde als neugotische Hallenkirche errichtet.
 
Der ungewöhnlich breite Bauplatz führte zu einer vergleichsweise gedrungenen, stark in die Breite entwickelten Form. Das Querhaus tritt weit hervor und verleiht dem Grundriss eine annähernde Kreuzform.<ref name="denkmal2024" />
 
Zwischen den Querarmen und dem Hauptchor wurden polygonale Seitenchöre angeordnet.
 
Dem breiten östlichen Baukörper steht im Westen der monumentale Kirchturm gegenüber.
 
Der fast '''75 Meter hohe Turm''' besitzt einen stark rechteckigen Grundriss. Vier kleinere Ecktürmchen vermitteln den Übergang vom massiven Unterbau zum polygonalen Turmhelm.
 
Bereits kurz nach der Fertigstellung wurde die Kirche wegen ihrer ungewöhnlichen architektonischen Gestaltung als bemerkenswerte Alternative zu den damals häufig schematisch ausgeführten neugotischen Kirchenbauten gewürdigt.<ref name="festschrift" />
 
== Innenraum ==
 
Das Innere wird durch den Charakter einer westfälischen Hallenkirche geprägt.
 
Große, weit gespannte Gewölbe ruhen auf Säulen aus Sandsteintrommeln. Die Gewölberippen führen den Blick zum Chorraum.
 
Die ursprüngliche Sockelzone war mit hellen Majolikaplatten verkleidet. Grüne und rötliche Streifen gliederten die Wandflächen.<ref name="festschrift" />
 
Diese ursprüngliche Wandverkleidung wurde bei einer späteren Renovierung entfernt.
 
== Ausstattung ==
 
=== Hochaltar und Seitenaltäre ===
 
Der historische Hochaltar wurde aus der Vorgängerkirche übernommen und für den Neubau erweitert.
 
Die Altäre wurden vom Wiedenbrücker Künstler '''Anton Mormann''' aus hellem Baumberger Sandstein geschaffen beziehungsweise ergänzt.<ref name="festschrift" />
 
Zu den dargestellten Heiligen gehörten unter anderem:
 
* Juliana von Lüttich,
* Thomas von Aquin,
* Notburga,
* Isidor,
* Klara von Assisi
* und ein Benediktinerabt Gerhard.
 
=== Kreuzweg ===
 
Den Kreuzweg schuf '''Heinrich Schmitz'''.
 
Die auf Bronze gemalten Stationen basieren auf einer Komposition des niederländischen Historienmalers '''Albin Windhausen'''.<ref name="festschrift" />
 
=== Turmfiguren ===
 
Die Figuren am Kirchturm schuf der Münsteraner Bildhauer '''Wesselmann'''.
 
Dargestellt sind:
 
* Petrus,
* Paulus,
* Bonifatius
* und Liudger.<ref name="festschrift" />
 
=== Kirchenfenster ===
 
Die ursprünglichen Glasfenster wurden nach Entwürfen des Künstlers '''Friedrich Stummel''' gefertigt.
 
Ausgeführt wurden die Glasgemälde von der Glasmalerei '''W. Derix''' in Goch und Kevelaer.<ref name="festschrift" />
 
Die Kosten betrugen 16.109,42 Mark.
 
=== Kronleuchter ===
 
Ein besonders auffälliges Ausstattungsstück war der große schmiedeeiserne Kronleuchter im Bereich der Vierung.
 
Er war mit mehr als '''100 elektrischen Glühlampen''' versehen und wurde bereits unmittelbar nach Fertigstellung der Kirche als eines der herausragenden Kunstwerke des Innenraums bezeichnet.<ref name="festschrift" />
 
=== Strahlenmadonna ===
 
Zur historischen Ausstattung gehört eine sogenannte '''Strahlenmadonna''', deren Alter in der Jubiläumsschrift auf etwa 600 Jahre geschätzt wird.<ref name="festschrift" />
 
Die Figur wurde bereits aus der alten Marienkirche übernommen.
 
=== Sakramentshaus und Taufstein ===
 
Das erhaltene Sakramentshaus und der Taufstein sind mehr als 500 Jahre alt.<ref name="festschrift" />
 
Das historische Sakramentshaus wurde bei der Renovierung von 1982/83 wieder stärker in die Gestaltung des Kirchenraumes einbezogen.
 
== Kruzifix aus dem Kloster Maria Rosa ==
 
Ein besonders wertvolles Ausstattungsstück ist ein gotisches Kruzifix aus dem ehemaligen [[Kloster Maria Rosa]].
 
Nach der Aufhebung des Klosters wurde es im frühen 19. Jahrhundert von Pfarrer Rötgers in die Marienkirche übernommen.<ref name="festschrift" />
 
Die Jubiläumsschrift überliefert hierzu eine ältere Legende, nach der das Kreuz ursprünglich in einer Mühle bei Uentrop als Halter für eine Lampe verwendet worden sein soll. Eine Klosterfrau habe es dort entdeckt und für das Kloster Maria Rosa erhalten.


Die heutige St.-Marien-Kirche ist eine neugotische Hallenkirche.
Im Kopf der Christusfigur befinden sich Reliquienpartikel. Weitere Reliquien wurden an den vier Enden des Kreuzes eingefügt.<ref name="festschrift" />


Ihr Grundriss ist durch das breite Mittelschiff und das ausgeprägte Querhaus annähernd kreuzförmig. Der Chor schließt polygonal ab.<ref name="denkmal2024" />
== Orgel ==


Das Hauptportal befindet sich im monumentalen Westturm. Von dort gelangt man in einen weiträumigen und vergleichsweise lichtdurchfluteten Kirchenraum.
Die erste Orgel der neuen Marienkirche wurde '''1906''' aufgestellt.


Große Spannweiten des Mittel- und Querschiffs sowie farbige Bleiglasfenster bestimmen den Raumeindruck.<ref name="denkmal2024" />
Um Schäden durch die noch vorhandene Baufeuchtigkeit zu vermeiden, hatte die Gemeinde nach Fertigstellung der Kirche zunächst zwei Jahre mit dem Einbau gewartet.<ref name="festschrift" />


Der fast '''75 Meter hohe Westturm''' gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen der Ahlener Innenstadt.
Das Instrument wurde von der Firma '''Friedrich Fleiter''' aus Münster gebaut.


=== Südportal ===
Ursprünglich besaß es zwei Manuale und Pedal. Noch während des Baus wurde die Disposition erweitert und ein Hochdruckluftgebläse ergänzt.


Von besonderer baugeschichtlicher Bedeutung ist das '''frühgotische Südportal'''.
Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich auf '''12.232,30 Mark'''.<ref name="festschrift" />


Es stammt aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche und wurde beim Neubau von 1902 bis 1904 wiederverwendet. Damit bildet es eines der wenigen unmittelbar sichtbaren baulichen Bindeglieder zwischen der alten und der heutigen Marienkirche.<ref name="denkmal2024" />
== Pfarrer Karl Noje ==


=== Historische Ausstattung ===
Mit dem Neubau der Marienkirche ist besonders der Name des Pfarrers '''Karl Noje''' verbunden.


Neben dem Südportal sind weitere ältere Ausstattungsstücke erhalten.
Er war seit 1895 Pfarrer an St. Marien und gehörte zu den treibenden Kräften des Kirchenneubaus.


Von besonderer Bedeutung sind der historische '''Taufbrunnen''' sowie das sogenannte '''Pestkreuz'''. Beide stammen aus dem früheren Kloster [[Maria Rosa]].<ref name="pfarrei" />
Am Palmsonntag, dem '''12. April 1908''', erlitt Noje unmittelbar nach einer Andacht in der Kirche einen Schlaganfall und starb noch im Gotteshaus.<ref name="festschrift" />


Sie erinnern damit zugleich an die Geschichte des 1816 aufgehobenen Ahlener Klosters.
Eine Gedenktafel im Chor erinnert an ihn.


== Geläut ==
== Geläut ==


Im Turm der Marienkirche hängen heute acht Bronzeglocken.
Über die ältesten Glocken der Marienkirche ist nur wenig bekannt.
 
Nach dem Stadtbrand von 1668 wurden neue Glocken beschafft. Eine kleinere Bronzeglocke aus dem Jahr '''1689''' blieb erhalten und gehört damit zu den ältesten bekannten Glocken der Kirche.
 
Im Jahr '''1844''' wurde auf dem Südenwall eine weitere Glocke für die Marienkirche gegossen.<ref name="festschrift" />
 
Während des Ersten Weltkriegs mussten zwei Bronzeglocken für Rüstungszwecke abgegeben werden.
 
=== Eisenglocken von 1920 ===
 
Im Jahr '''1920''' beschaffte die Kirchengemeinde zwei neue Eisenglocken der Gießerei '''Ulrich & Weule''' aus Apolda/Bockenem.
 
Die beiden Glocken waren Johannes dem Täufer und Maria gewidmet.<ref name="festschrift" />
 
Seit '''1924''' wurden die Glocken elektrisch geläutet.
 
=== Augustinusglocke 1991 ===
 
Im Jahr '''1991''' wurde das Geläut um eine große Bronzeglocke ergänzt.
 
Die sogenannte '''Augustinusglocke''' wurde bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen. Sie hat einen Durchmesser von etwa 1,82 Metern und ein Gewicht von rund vier Tonnen.<ref name="festschrift" />
 
Beim Einbringen der Glocke stellte sich heraus, dass die Portale zu schmal waren. Deshalb musste vorübergehend der Mittelpfeiler des Hauptportals entfernt werden.
 
Erstmals erklang die neue Glocke zu Weihnachten 1991.<ref name="festschrift" />
 
=== Neues Geläut 1999 ===
 
Ende der 1990er Jahre waren die Eisenglocken und Teile des Glockenstuhls stark korrodiert.
 
Im Jahr '''1999''' wurde die Glockenanlage deshalb grundlegend erneuert.
 
Sechs neue Bronzeglocken wurden am '''28. Juni 1999''' bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen.<ref name="festschrift" />
 
Am 15. Oktober wurden die Glocken in Ahlen empfangen. Am '''18. Oktober 1999''', dem Kirchweihfest, wurden sie geweiht.
 
Am 30. Oktober erklang das neue Geläut erstmals vollständig.<ref name="festschrift" />
 
Die ausgebauten Eisenglocken wurden später nach Argentinien abgegeben.
 
Heute verfügt St. Marien damit über ein umfangreiches Bronzegeläut.
 
== Renovierungen ==
 
=== Renovierung 1955 ===
 
Im Jahr '''1955''' wurde der Innenraum grundlegend renoviert.
 
Dabei veränderte sich das ursprüngliche Erscheinungsbild des Kirchenraumes erheblich. Unter anderem wurde die Wandverkleidung aus der Bauzeit entfernt.<ref name="festschrift" />
 
=== Arbeiten in den 1970er Jahren ===


Über die Anfangszeit der Kirche im 13. Jahrhundert liegen keine gesicherten Angaben zum Geläut vor. Es ist jedoch anzunehmen, dass bereits die mittelalterliche Kirche über Glocken verfügte.
Im Jahr '''1974''' wurden Kirchendach und Turm saniert.


Nach dem Stadtbrand von 1668 wurden drei Jahre später zwei neue Glocken gegossen. Im Jahr '''1844''' wurde das Geläut um eine weitere Glocke ergänzt.
'''1978''' folgte eine Restaurierung der Kirchenfenster.


Während des Ersten Weltkriegs mussten '''1918''' zwei Bronzeglocken abgegeben werden, um als Rohmaterial für die Rüstungsindustrie verwendet zu werden.<ref name="pfarrei" />
=== Grundlegende Renovierung 1982/83 ===


Die kleinere Glocke von '''1689''' blieb erhalten und hängt bis heute im Turm. Sie gehört damit zu den ältesten erhaltenen Glocken Ahlens.
Eine besonders umfangreiche Renovierung erfolgte in den Jahren '''1982 und 1983'''.


Bis 1920 erklang vom Turm von St. Marien nur noch diese Glocke. In diesem Jahr wurden zwei Eisenglocken angeschafft.
Während der Arbeiten wurden im Inneren archäologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei konnten Fundamente der mittelalterlichen Vorgängerkirche freigelegt werden.<ref name="festschrift" />


Seit '''1924''' sorgt eine elektrische Läutanlage für den Glockenbetrieb.
Diese Untersuchungen führten zu der Erkenntnis, dass am Standort vermutlich bereits um 1250 eine Kirche bestanden hatte.


== Sanierungen und Renovierungen ==
Zugleich wurden Spuren des ehemaligen Friedhofs im Umfeld der Kirche festgestellt.


Das Kirchengebäude wurde im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts mehrfach renoviert und instand gesetzt.
Im Kircheninneren wurden historische Ausstattungsstücke neu geordnet beziehungsweise wieder sichtbar gemacht. Dazu gehörten unter anderem das alte Sakramentshaus und historische Zunftleuchter.<ref name="festschrift" />


'''1955''' erfolgte eine Renovierung des Innenraums.
Für den Kirchenboden wurden rund '''1.330 Quadratmeter Steinplatten''' neu verlegt.


Im Jahr '''1974''' wurden Kirchendach und Turm saniert, '''1978''' folgte die Restaurierung der Kirchenfenster.
Ein neuer Zelebrationsaltar aus Baumberger Sandstein entstand.


In den Jahren '''1982/83''' wurde die Marienkirche nach 78 Jahren einer umfassenden Sanierung unterzogen.
Die farbliche Neugestaltung des Innenraumes umfasste mehr als '''8.000 Meter farbige Linien''' und etwa '''3.500 Meter vergoldete Linien beziehungsweise „Goldlitze“'''.<ref name="festschrift" />


=== Turmsanierung 2019 ===
=== Turmsanierung 2019 ===


Im Jahr '''2019''' wurde der Turm der St.-Marien-Kirche umfassend saniert. Ursache waren erhebliche Feuchtigkeitsschäden.
Im Jahr '''2019''' wurde der Kirchturm erneut umfassend saniert.


Besonders betroffen waren unter anderem die aus Sandstein gefertigten Kreuzblumen, von denen einzelne Teile abzustürzen drohten. Außerdem wurden das Schieferdach und Teile des Kupferhelms erneuert.<ref name="abz2019">''Arbeiten an der Kirchturmspitze: Präzisionsarbeit in 74 Metern über dem Straßenniveau'', Allgemeine Bauzeitung, 7. Oktober 2019.</ref>
Ursache waren erhebliche Feuchtigkeitsschäden. Besonders betroffen waren die Sandsteinteile der Turmfassade sowie das Schieferdach und Teile des Kupferhelms.<ref name="abz2019">''Arbeiten an der Kirchturmspitze: Präzisionsarbeit in 74 Metern über dem Straßenniveau'', Allgemeine Bauzeitung, 7. Oktober 2019.</ref>


Für die Arbeiten musste der Kirchturm bis zur Spitze eingerüstet werden.
Für die Arbeiten wurde der Turm vollständig eingerüstet.


Das Gerüst umfasste rund '''3.000 Quadratmeter Arbeits- und Schutzgerüst''' sowie weitere '''2.000 Quadratmeter Modulgerüst'''. Zusätzlich kamen ein Personen- und Materialaufzug mit einer Tragfähigkeit von 850 Kilogramm sowie eine Podesttreppe zum Einsatz.<ref name="abz2019" />
Das Gerüst umfasste etwa 3.000 Quadratmeter Arbeits- und Schutzgerüst sowie rund 2.000 Quadratmeter Modulgerüst.


Die Arbeiten reichten bis in eine Höhe von '''74 Metern über dem Straßenniveau'''.
Die Arbeiten erfolgten bis in eine Höhe von '''74 Metern über dem Straßenniveau'''.


Das Gesamtvolumen der Sanierung betrug rund '''1,5 Millionen Euro'''.<ref name="abz2019" />
Das Gesamtvolumen der Sanierung lag bei etwa '''1,5 Millionen Euro'''.<ref name="abz2019" />


== Bedeutung ==
== Bedeutung ==


Die Marienkirche gehört zu den prägenden Sakralbauten der Ahlener Innenstadt.
St. Marien gehört zu den prägenden Sakralbauten der Ahlener Innenstadt.


Die Geschichte des Kirchenstandortes reicht bis in die mittelalterliche Stadterweiterung des 13. Jahrhunderts zurück. Der heutige Bau dokumentiert zugleich die starke Bevölkerungs- und Stadtentwicklung Ahlens während der Industrialisierung um 1900.
Der Kirchenstandort dokumentiert nahezu acht Jahrhunderte Stadt- und Kirchengeschichte. Die Entwicklung reicht von einer vermutlich um 1250 errichteten romanischen Kirche über mehrere mittelalterliche Erweiterungen und den Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1668 bis zum monumentalen neugotischen Neubau der Jahre 1902 bis 1904.


Mit dem neugotischen Neubau von 1902 bis 1904 entstand die größte Kirche Ahlens. Der fast 75 Meter hohe Westturm prägt bis heute die Stadtsilhouette.
Besonders bemerkenswert ist die Verbindung von Neubau und historischer Ausstattung. Mehrere Bauteile und Kunstgegenstände der mittelalterlichen Kirche wurden bewusst bewahrt und in die heutige Kirche übernommen.


Das wiederverwendete frühgotische Südportal stellt die sichtbare Verbindung zur mittelalterlichen Vorgängerkirche her. Weitere bedeutende historische Ausstattungsstücke sind der Taufbrunnen und das Pestkreuz aus dem ehemaligen Kloster Maria Rosa.
Der Neubau selbst ist zugleich ein Zeugnis des starken Bevölkerungswachstums Ahlens im Zuge der Industrialisierung und der erheblichen finanziellen Leistungen der damaligen Kirchengemeinde.


== Chronik ==
== Chronik ==


* '''um 1250:''' Entstehung einer zweiten Kirche im Zuge der mittelalterlichen Stadterweiterung.
* '''um 1250:''' Vermutlicher Bau einer ersten romanischen Marienkirche.
* '''1285:''' Selbstständigkeit der Pfarrei St. Marien.
* '''1278:''' Ein Priester namens Lambert wird erwähnt.
* '''bis 1803:''' Inkorporation in das Prämonstratenserstift Kappenberg.
* '''1285:''' Überliefertes Jahr der offiziellen Trennung der Neuen von der Alten Pfarre.
* '''1668:''' Zerstörung beziehungsweise schwere Beschädigung beim großen Stadtbrand.
* '''erste Hälfte 14. Jahrhundert:''' Erweiterung des Chores.
* '''1744:''' Zweiter großer Stadtbrand.
* '''um 1450:''' Erweiterung um ein zweites Kirchenschiff; vermutlich Entstehung des heutigen Südportals.
* '''1803:''' Ende der Verbindung zum Kloster Kappenberg infolge der Säkularisation.
* '''1668:''' Schwere Zerstörung der Kirche beim großen Stadtbrand.
* '''1816:''' Aufhebung des Klosters Maria Rosa.
* '''ab 1668:''' Wiederaufbau unter Beibehaltung der mittelalterlichen Grundform.
* '''1893:''' Oberläuten wegen des schlechten baulichen Zustands untersagt.
* '''1773:''' Erster Antrag der Stadt auf Abbruch der Kirche; der Antrag wird abgelehnt.
* '''1899:''' Erster Beschluss zum Neubau einer Kirche.
* '''1878:''' Renovierung der alten Marienkirche.
* '''1901:''' Genehmigung zum Abbruch der gotischen Vorgängerkirche.
* '''1882:''' Gründung des Pfennigvereins zur Finanzierung von Erhalt und Neubau.
* '''1902:''' Abbruch der mittelalterlichen Kirche und Beginn des Neubaus.
* '''1893:''' Untersuchung schwerer Schäden am Kirchturm; vollständiges Läuten der Glocken wird untersagt.
* '''18. Oktober 1904:''' Weihe der heutigen neugotischen Marienkirche.
* '''6. März 1899:''' Beschluss des Kirchenvorstandes zum Neubau.
* '''1905:''' Einbau einer Orgel.
* '''10. Juli 1900:''' Beschluss zum Neubau am bisherigen Standort.
* '''1918:''' Ablieferung zweier Bronzeglocken.
* '''23. November 1901:''' Untersuchung durch eine königliche Kommission.
* '''16. Dezember 1901:''' Genehmigung zum Abbruch der alten Kirche.
* '''8. Februar 1902:''' Letztes feierliches Amt in der mittelalterlichen Kirche.
* '''10. März 1902:''' Beginn des Abbruchs.
* '''16. April 1902:''' Erteilung der Bauerlaubnis.
* '''7. August 1902:''' Grundsteinlegung.
* '''1903:''' Fertigstellung des Rohbaus.
* '''18. Oktober 1904:''' Weihe der neuen Marienkirche durch Bischof Hermann Dingelstad.
* '''1906:''' Einbau der ersten Orgel.
* '''12. April 1908:''' Tod von Pfarrer Karl Noje in der Kirche.
* '''1920:''' Anschaffung zweier Eisenglocken.
* '''1920:''' Anschaffung zweier Eisenglocken.
* '''1923:''' Tilgung des letzten Darlehens für den Kirchenneubau.
* '''1924:''' Einführung des elektrischen Glockenläutens.
* '''1924:''' Einführung des elektrischen Glockenläutens.
* '''1955:''' Innenrenovierung.
* '''1955:''' grundlegende Innenrenovierung.
* '''1974:''' Sanierung von Kirchendach und Turm.
* '''1974:''' Sanierung von Dach und Turm.
* '''1978:''' Restaurierung der Kirchenfenster.
* '''1978:''' Restaurierung der Kirchenfenster.
* '''1982/83:''' umfassende Sanierung des Kirchengebäudes.
* '''1982/83:''' grundlegende Renovierung und archäologische Untersuchungen.
* '''1991:''' Weihe der Augustinusglocke.
* '''1999:''' Erneuerung des Geläuts mit sechs neuen Bronzeglocken.
* '''2004:''' Feier des 100-jährigen Weihejubiläums der heutigen Kirche.
* '''2019:''' umfangreiche Sanierung des Kirchturms.
* '''2019:''' umfangreiche Sanierung des Kirchturms.


== Abgrenzung zur Kirchengemeinde ==
== Abgrenzung zur Kirchengemeinde ==


Dieser Artikel behandelt vor allem das Kirchengebäude der Marienkirche.
Dieser Artikel behandelt in erster Linie die Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte der St.-Marien-Kirche.


Die Geschichte der Pfarrei, des Gemeindelebens und der kirchlichen Organisation wird im Artikel [[Kirchengemeinde St. Marien Ahlen]] behandelt.
Die Geschichte der Pfarrei, des Gemeindelebens und der kirchlichen Organisation wird im Artikel [[Kirchengemeinde St. Marien Ahlen]] behandelt.
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<references />
<references />
== Literatur ==
* Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen (Hrsg.): ''Die Neue Pfarre zu Ahlen. 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche'', Ahlen 2004.
* Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024.


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==


* [[Die Neue Pfarre zu Ahlen]]
* [[Die Neue Pfarre zu Ahlen]]
* [[St. Marien Ahlen]]
* [[Kirchengemeinde St. Marien Ahlen]]
* [[Katholische Kirche in Ahlen]]
* [[Kloster Maria Rosa]]
* [[St. Bartholomäus]]
* [[Wilhelm Sunder-Plassmann]]
* [[Wilhelm Sunder-Plassmann]]
* [[Kloster Maria Rosa]]
== Weblinks ==
* [https://www.menschen-leben-kirche.de/pfarrei/kirchen-und-kapellen/st-marien St. Marien auf der Internetseite der Pfarrei St. Bartholomäus]


[[Kategorie:Kirchen]]
[[Kategorie:Kirchen]]
[[Kategorie:Gebäude]]
[[Kategorie:Gebäude]]
[[Kategorie:Denkmäler]]
[[Kategorie:Denkmäler]]

Version vom 15. September 2026, 13:26 Uhr

Marienkirche
51.76339474587.89081525799
Anschrift Oststraße 58



Baujahr um 1250
heutiger Bau 1902–1904
Architekt Ludwig Becker und Wilhelm Sunder-Plassmann
Ursprüngliche Nutzung Kirche
Heutige Nutzung Kirche
Karte


Die St.-Marien-Kirche, kurz Marienkirche, ist eine katholische Kirche im Zentrum von Ahlen. Die Geschichte des Kirchenstandortes reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Archäologische Untersuchungen lassen vermuten, dass bereits um 1250 eine zweite Kirche innerhalb der mittelalterlichen Stadt bestand.

Die heutige neugotische Marienkirche wurde von 1902 bis 1904 nach Plänen der Architekten Ludwig Becker aus Mainz und Wilhelm Sunder-Plassmann aus Münster errichtet. Sie ersetzte eine mittelalterliche Vorgängerkirche, von der mehrere Bauteile und Ausstattungsstücke in den Neubau übernommen wurden.[1][2]

Geschichte

Entstehung der Neuen Pfarre

Das genaue Gründungsjahr der später als Neue Pfarre bezeichneten zweiten Ahlener Kirchengemeinde ist nicht urkundlich überliefert.

In der historischen Forschung wurden die Jahre 1278, 1285 und 1288 als mögliche Gründungsdaten genannt. Das Jahr 1285 gilt dabei als Zeitpunkt der offiziellen Trennung von der älteren Pfarrei St. Bartholomäus. Bereits 1278 wird ein Priester namens Lambert erwähnt.[1]

Das Patrozinium der neuen Kirche wurde Mariä Himmelfahrt gewidmet.

Wie St. Bartholomäus unterstand auch die Neue Pfarre dem Prämonstratenserstift Cappenberg. Die Verbindung bestand bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts.[1]

Die Nord- und Ostschicht der mittelalterlichen Stadt bildeten das Gebiet des „nigen Kerspels“, also des neuen Kirchspiels, während die Camp- und Mölenschicht zur Alten Pfarre gehörten.

Erste Marienkirche

Bei archäologischen Grabungen während der Kirchenrenovierung im Jahr 1982 wurden Fundamente der mittelalterlichen Vorgängerbauten untersucht.

Dr. Ulrich Reinke vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege rekonstruierte anschließend die Bauentwicklung. Nach seinen Untersuchungen dürfte bereits um 1250 eine zweite Kirche in Ahlen bestanden haben.[1]

Der erste Bau war eine romanische einschiffige Kirche aus Bruchstein. An ihrer Westseite stand vermutlich ein Turm.

Von diesem ältesten Bau waren bis zum Abbruch im Jahr 1902 noch Teile des Mauerwerks der Nordseite sowie das romanische Turmportal erhalten.[1]

Erweiterungen im 14. und 15. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde der Chor der Kirche erneuert und vergrößert. Dabei entstand ein etwa zwei Meter längerer Fünfachtelchor auf den Fundamenten des romanischen Vorgängerchores. Diese Bauphase konnte bei den Grabungen 1982 nachgewiesen werden.[1]

Um 1450 wurde die Kirche erneut erweitert. Dabei entstand ein zweites Kirchenschiff.

Vermutlich war ursprünglich sogar ein weiteres Seitenschiff vorgesehen, das aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr ausgeführt wurde.[1]

Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch das bis heute erhaltene gotische Südportal.

Stadtbrand von 1668

Beim großen Stadtbrand von 1668 wurde auch die Marienkirche schwer beschädigt.

Dächer und Turm wurden zerstört, das Gewölbe stürzte ein und die Altäre verbrannten.[1]

Da auch große Teile der Bevölkerung durch den Brand ihre wirtschaftliche Existenz verloren hatten, gestaltete sich der Wiederaufbau schwierig.

Pfarrer Bertram Höveler wandte sich an Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen und bat um finanzielle Unterstützung. Nachdem zunächst 100 Reichstaler zugesagt worden waren, erhielt die Gemeinde zusätzlich die Erlaubnis, im Hochstift Münster und in angrenzenden Gebieten Almosen für den Wiederaufbau zu sammeln.[1]

Der mittelalterliche Kirchenbau wurde im Wesentlichen in seiner bisherigen Form wiederhergestellt. Der Turm erhielt jedoch einen neuen barocken Helm.

Die bereits 1586 vorhandene Turmuhr überstand den Brand weitgehend unbeschädigt und blieb bis zum Abbruch der Kirche im Jahr 1902 erhalten.[1]

Der Weg zum Neubau

Erste Abrisspläne

Bereits 1773 beantragte der Rat der Stadt beim Generalvikar Franz von Fürstenberg die Genehmigung, die Neue Kirche abzureißen.

Hintergrund waren die schlechte wirtschaftliche Lage der Stadt und die stark gesunkene Einwohnerzahl nach Kriegen und Krisen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.[1]

Auch eine spätere Zusammenlegung der beiden Ahlener Pfarrgemeinden scheiterte am Widerstand der jeweiligen Pfarrer.

Wachstum der Gemeinde

Mit der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum Ahlens im 19. Jahrhundert wurde die alte Kirche zunehmend zu klein.

Im Jahr 1861 hatte Ahlen 3.335 Einwohner, von denen 3.267 katholisch waren.[1]

Gleichzeitig verschlechterte sich der bauliche Zustand des Kirchengebäudes.

Am 24. Januar 1882 wurde auf Initiative von Pfarrer Josef Jenne ein Pfennigverein gegründet. Die Mitglieder zahlten wöchentlich mindestens einen Pfennig, um Mittel für die Erhaltung der Kirche und schließlich für einen Neubau zu sammeln.[1]

Probleme mit dem Kirchturm

Im Jahr 1893 wurden erhebliche Risse am alten Kirchturm festgestellt.

Das Bischöfliche Generalvikariat ließ den Turm untersuchen. Der Münsteraner Architekt Wilhelm Dincklage stellte fest, dass der Glockenstuhl zwar solide gebaut war, die beim Läuten entstehenden Schwingungen jedoch auf das stark geschädigte Mauerwerk übertragen wurden.[1]

Bei einem Probeläuten geriet der Turm so stark in Bewegung, dass zuvor in Risse eingesetzte Keile locker wurden und das Reiben der Mauerteile hörbar war.

Dincklage hielt das vollständige Schwingen der Glocken deshalb für gefährlich. Ende 1893 ordnete das Generalvikariat an, die Glocken künftig nicht mehr auszuschwingen, sondern lediglich die Klöppel anzuschlagen.[1]

Beschluss zum Neubau

Am 6. März 1899 beschloss der Kirchenvorstand die Errichtung einer neuen Kirche.

Am 10. Juli 1900 sprachen sich Kirchenvorstand und Kirchengemeindevertretung einstimmig dafür aus, die neue Kirche am bisherigen Standort zu errichten und dafür den mittelalterlichen Bau abzubrechen.[1]

Pfarrer Karl Noje begründete den Neubau unter anderem mit der stark gewachsenen Gemeinde, die inzwischen mehr als 4.020 Mitglieder zählte.

Streit um den Erhalt der alten Kirche

Der geplante Abbruch stieß bei der Denkmalpflege auf erheblichen Widerstand.

Der Provinzialkonservator und Baurat Albert Ludorff bezeichnete die Marienkirche als frühgotischen Bau, dessen Abbruch ohne zwingende Gründe nicht genehmigt werden könne.[1]

Er forderte zunächst zu prüfen, ob die alte Kirche erhalten und ein Neubau an anderer Stelle errichtet werden könne.

Außerdem erarbeitete Ludorff mehrere Entwürfe, durch die die mittelalterliche Kirche erweitert und zumindest wesentliche Teile wie die beiden Schiffe und der Chor erhalten werden sollten.[1]

Kirchenvorstand und Gemeinde lehnten diese Lösungen jedoch ab. Sie verwiesen auf den begrenzten Bauplatz, die finanzielle Situation und den schlechten baulichen Zustand der alten Kirche.

Am 23. November 1901 besichtigte schließlich eine königliche Kommission den Bau.

Am 16. Dezember 1901 wurde die Genehmigung zum Abbruch erteilt.[1]

Bedingungen des Abbruchs

Die Genehmigung war mit der Verpflichtung verbunden, bedeutende Bauteile und Ausstattungsstücke der mittelalterlichen Kirche zu erhalten und möglichst im Neubau wiederzuverwenden.

Dazu gehörten unter anderem:

  • die originalen Teile des Südportals,
  • das Nordportal,
  • plastische Architekturteile des Innenraumes,
  • Kapitelle und Schlusssteine,
  • weitere wiederverwendbare Werksteine,
  • das Sakramentshäuschen,
  • ein steinerner Stehleuchter,
  • schmiedeeiserne Wandleuchter,
  • der ältere Teil des Marienkronleuchters,
  • die Heilandsfigur mit Engeln,
  • alte Kirchenbänke mit geschnitzten Seitenteilen
  • sowie die Barockaltäre.[1]

Von einer gemalten Gruppe über dem Triumphbogen musste außerdem eine fotografische Aufnahme für das Provinzialdenkmäler-Archiv angefertigt werden.

Abbruch der alten Marienkirche

Am 8. Februar 1902 feierte Pfarrer Noje das letzte feierliche Amt in der alten Kirche.

Anschließend wurde das Allerheiligste in einer Prozession in eine provisorisch eingerichtete Notkirche im sogenannten Bohlen'schen Haus übertragen. Dieses Gebäude stand an der Stelle der heutigen Sakristei.[1]

Der Abbruch begann am 10. März 1902.

Die Arbeiten dauerten etwa fünf Monate. Ein großer Teil des Baumaterials wurde weiterverwendet oder verkauft. Allein durch den Verkauf von Balken sowie altem Bau- und Brennholz erzielte die Kirchengemeinde Einnahmen von 2.733 Mark.[1]

Das Fundament des mittelalterlichen Turms erwies sich als so massiv, dass es schließlich von preußischen Pionieren gesprengt werden musste.

Aus dieser Situation entstand der zeitgenössische Spott:

„Die Kirche war so baufällig, dass sie gesprengt werden musste.“[1]

Neubau 1902 bis 1904

Am 14. Februar 1902 beschloss der Kirchenvorstand offiziell den Neubau.

Mit Planung und Bauleitung wurden die Architekten und Dombaumeister Ludwig Becker aus Mainz und Wilhelm Sunder-Plassmann aus Münster beauftragt.[1]

Grundriss der mittelalterlichen Marienkirche und des Neubaus von 1902–1904

Die eigentlichen Bauarbeiten wurden am 3. März 1902 an den Ahlener Bauunternehmer Wilhelm Krämer vergeben.

Die Bauerlaubnis wurde am 16. April 1902 erteilt.

Am 7. August 1902 legte Landdechant Heinrich Evelt aus Heessen den Grundstein.[1]

Bis zum Jahresende 1902 war der Bau bis zur Höhe der Kapitelle fortgeschritten. Im folgenden Jahr wurde der Rohbau fertiggestellt.

Die bebaute Fläche betrug rund 1.334 Quadratmeter.[1]

Finanzierung

Der ursprüngliche Kostenvoranschlag belief sich auf rund 260.000 Mark.

Tatsächlich erreichten die Gesamtkosten schließlich 404.960,52 Mark.[1]

Bereits vor Baubeginn hatte die Gemeinde innerhalb von drei Jahren 136.208,71 Mark gesammelt.

Der verbleibende Betrag wurde über Darlehen finanziert. Die Gemeindemitglieder brachten zusätzlich jährlich große Summen durch freiwillige Spenden auf.

Das letzte Darlehen in Höhe von 37.658,82 Mark wurde am 1. April 1923 getilgt.[1]

Der Kirchenbau war damit über mehr als zwei Jahrzehnte auch eine erhebliche finanzielle Leistung der Gemeinde.

Weihe am 18. Oktober 1904

Am 18. Oktober 1904 wurde die neue Marienkirche durch den Münsteraner Bischof Hermann Dingelstad geweiht.[1]

Bereits am Vortag war der Bischof am Ahlener Bahnhof feierlich empfangen worden.

Die Straßen zwischen Bahnhof und Kirche waren geschmückt, Schulen, Vereine und zahlreiche Einwohner beteiligten sich an den Feierlichkeiten.

Am Kirchweihtag selbst begann die Weihe am frühen Morgen. Nach den damaligen liturgischen Vorschriften wurde das Gebäude außen und innen gesegnet, der Altar geweiht und Reliquien in ihm beigesetzt.

Anschließend wurde das erste feierliche Hochamt in der neuen Kirche gefeiert.

Am Nachmittag fand ein Festakt mit rund 180 Gästen im Hotel Klostermann an der Nordstraße statt.[1]

Architektur

Die Marienkirche wurde als neugotische Hallenkirche errichtet.

Der ungewöhnlich breite Bauplatz führte zu einer vergleichsweise gedrungenen, stark in die Breite entwickelten Form. Das Querhaus tritt weit hervor und verleiht dem Grundriss eine annähernde Kreuzform.[2]

Zwischen den Querarmen und dem Hauptchor wurden polygonale Seitenchöre angeordnet.

Dem breiten östlichen Baukörper steht im Westen der monumentale Kirchturm gegenüber.

Der fast 75 Meter hohe Turm besitzt einen stark rechteckigen Grundriss. Vier kleinere Ecktürmchen vermitteln den Übergang vom massiven Unterbau zum polygonalen Turmhelm.

Bereits kurz nach der Fertigstellung wurde die Kirche wegen ihrer ungewöhnlichen architektonischen Gestaltung als bemerkenswerte Alternative zu den damals häufig schematisch ausgeführten neugotischen Kirchenbauten gewürdigt.[1]

Innenraum

Das Innere wird durch den Charakter einer westfälischen Hallenkirche geprägt.

Große, weit gespannte Gewölbe ruhen auf Säulen aus Sandsteintrommeln. Die Gewölberippen führen den Blick zum Chorraum.

Die ursprüngliche Sockelzone war mit hellen Majolikaplatten verkleidet. Grüne und rötliche Streifen gliederten die Wandflächen.[1]

Diese ursprüngliche Wandverkleidung wurde bei einer späteren Renovierung entfernt.

Ausstattung

Hochaltar und Seitenaltäre

Der historische Hochaltar wurde aus der Vorgängerkirche übernommen und für den Neubau erweitert.

Die Altäre wurden vom Wiedenbrücker Künstler Anton Mormann aus hellem Baumberger Sandstein geschaffen beziehungsweise ergänzt.[1]

Zu den dargestellten Heiligen gehörten unter anderem:

  • Juliana von Lüttich,
  • Thomas von Aquin,
  • Notburga,
  • Isidor,
  • Klara von Assisi
  • und ein Benediktinerabt Gerhard.

Kreuzweg

Den Kreuzweg schuf Heinrich Schmitz.

Die auf Bronze gemalten Stationen basieren auf einer Komposition des niederländischen Historienmalers Albin Windhausen.[1]

Turmfiguren

Die Figuren am Kirchturm schuf der Münsteraner Bildhauer Wesselmann.

Dargestellt sind:

  • Petrus,
  • Paulus,
  • Bonifatius
  • und Liudger.[1]

Kirchenfenster

Die ursprünglichen Glasfenster wurden nach Entwürfen des Künstlers Friedrich Stummel gefertigt.

Ausgeführt wurden die Glasgemälde von der Glasmalerei W. Derix in Goch und Kevelaer.[1]

Die Kosten betrugen 16.109,42 Mark.

Kronleuchter

Ein besonders auffälliges Ausstattungsstück war der große schmiedeeiserne Kronleuchter im Bereich der Vierung.

Er war mit mehr als 100 elektrischen Glühlampen versehen und wurde bereits unmittelbar nach Fertigstellung der Kirche als eines der herausragenden Kunstwerke des Innenraums bezeichnet.[1]

Strahlenmadonna

Zur historischen Ausstattung gehört eine sogenannte Strahlenmadonna, deren Alter in der Jubiläumsschrift auf etwa 600 Jahre geschätzt wird.[1]

Die Figur wurde bereits aus der alten Marienkirche übernommen.

Sakramentshaus und Taufstein

Das erhaltene Sakramentshaus und der Taufstein sind mehr als 500 Jahre alt.[1]

Das historische Sakramentshaus wurde bei der Renovierung von 1982/83 wieder stärker in die Gestaltung des Kirchenraumes einbezogen.

Kruzifix aus dem Kloster Maria Rosa

Ein besonders wertvolles Ausstattungsstück ist ein gotisches Kruzifix aus dem ehemaligen Kloster Maria Rosa.

Nach der Aufhebung des Klosters wurde es im frühen 19. Jahrhundert von Pfarrer Rötgers in die Marienkirche übernommen.[1]

Die Jubiläumsschrift überliefert hierzu eine ältere Legende, nach der das Kreuz ursprünglich in einer Mühle bei Uentrop als Halter für eine Lampe verwendet worden sein soll. Eine Klosterfrau habe es dort entdeckt und für das Kloster Maria Rosa erhalten.

Im Kopf der Christusfigur befinden sich Reliquienpartikel. Weitere Reliquien wurden an den vier Enden des Kreuzes eingefügt.[1]

Orgel

Die erste Orgel der neuen Marienkirche wurde 1906 aufgestellt.

Um Schäden durch die noch vorhandene Baufeuchtigkeit zu vermeiden, hatte die Gemeinde nach Fertigstellung der Kirche zunächst zwei Jahre mit dem Einbau gewartet.[1]

Das Instrument wurde von der Firma Friedrich Fleiter aus Münster gebaut.

Ursprünglich besaß es zwei Manuale und Pedal. Noch während des Baus wurde die Disposition erweitert und ein Hochdruckluftgebläse ergänzt.

Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich auf 12.232,30 Mark.[1]

Pfarrer Karl Noje

Mit dem Neubau der Marienkirche ist besonders der Name des Pfarrers Karl Noje verbunden.

Er war seit 1895 Pfarrer an St. Marien und gehörte zu den treibenden Kräften des Kirchenneubaus.

Am Palmsonntag, dem 12. April 1908, erlitt Noje unmittelbar nach einer Andacht in der Kirche einen Schlaganfall und starb noch im Gotteshaus.[1]

Eine Gedenktafel im Chor erinnert an ihn.

Geläut

Über die ältesten Glocken der Marienkirche ist nur wenig bekannt.

Nach dem Stadtbrand von 1668 wurden neue Glocken beschafft. Eine kleinere Bronzeglocke aus dem Jahr 1689 blieb erhalten und gehört damit zu den ältesten bekannten Glocken der Kirche.

Im Jahr 1844 wurde auf dem Südenwall eine weitere Glocke für die Marienkirche gegossen.[1]

Während des Ersten Weltkriegs mussten zwei Bronzeglocken für Rüstungszwecke abgegeben werden.

Eisenglocken von 1920

Im Jahr 1920 beschaffte die Kirchengemeinde zwei neue Eisenglocken der Gießerei Ulrich & Weule aus Apolda/Bockenem.

Die beiden Glocken waren Johannes dem Täufer und Maria gewidmet.[1]

Seit 1924 wurden die Glocken elektrisch geläutet.

Augustinusglocke 1991

Im Jahr 1991 wurde das Geläut um eine große Bronzeglocke ergänzt.

Die sogenannte Augustinusglocke wurde bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen. Sie hat einen Durchmesser von etwa 1,82 Metern und ein Gewicht von rund vier Tonnen.[1]

Beim Einbringen der Glocke stellte sich heraus, dass die Portale zu schmal waren. Deshalb musste vorübergehend der Mittelpfeiler des Hauptportals entfernt werden.

Erstmals erklang die neue Glocke zu Weihnachten 1991.[1]

Neues Geläut 1999

Ende der 1990er Jahre waren die Eisenglocken und Teile des Glockenstuhls stark korrodiert.

Im Jahr 1999 wurde die Glockenanlage deshalb grundlegend erneuert.

Sechs neue Bronzeglocken wurden am 28. Juni 1999 bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen.[1]

Am 15. Oktober wurden die Glocken in Ahlen empfangen. Am 18. Oktober 1999, dem Kirchweihfest, wurden sie geweiht.

Am 30. Oktober erklang das neue Geläut erstmals vollständig.[1]

Die ausgebauten Eisenglocken wurden später nach Argentinien abgegeben.

Heute verfügt St. Marien damit über ein umfangreiches Bronzegeläut.

Renovierungen

Renovierung 1955

Im Jahr 1955 wurde der Innenraum grundlegend renoviert.

Dabei veränderte sich das ursprüngliche Erscheinungsbild des Kirchenraumes erheblich. Unter anderem wurde die Wandverkleidung aus der Bauzeit entfernt.[1]

Arbeiten in den 1970er Jahren

Im Jahr 1974 wurden Kirchendach und Turm saniert.

1978 folgte eine Restaurierung der Kirchenfenster.

Grundlegende Renovierung 1982/83

Eine besonders umfangreiche Renovierung erfolgte in den Jahren 1982 und 1983.

Während der Arbeiten wurden im Inneren archäologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei konnten Fundamente der mittelalterlichen Vorgängerkirche freigelegt werden.[1]

Diese Untersuchungen führten zu der Erkenntnis, dass am Standort vermutlich bereits um 1250 eine Kirche bestanden hatte.

Zugleich wurden Spuren des ehemaligen Friedhofs im Umfeld der Kirche festgestellt.

Im Kircheninneren wurden historische Ausstattungsstücke neu geordnet beziehungsweise wieder sichtbar gemacht. Dazu gehörten unter anderem das alte Sakramentshaus und historische Zunftleuchter.[1]

Für den Kirchenboden wurden rund 1.330 Quadratmeter Steinplatten neu verlegt.

Ein neuer Zelebrationsaltar aus Baumberger Sandstein entstand.

Die farbliche Neugestaltung des Innenraumes umfasste mehr als 8.000 Meter farbige Linien und etwa 3.500 Meter vergoldete Linien beziehungsweise „Goldlitze“.[1]

Turmsanierung 2019

Im Jahr 2019 wurde der Kirchturm erneut umfassend saniert.

Ursache waren erhebliche Feuchtigkeitsschäden. Besonders betroffen waren die Sandsteinteile der Turmfassade sowie das Schieferdach und Teile des Kupferhelms.[3]

Für die Arbeiten wurde der Turm vollständig eingerüstet.

Das Gerüst umfasste etwa 3.000 Quadratmeter Arbeits- und Schutzgerüst sowie rund 2.000 Quadratmeter Modulgerüst.

Die Arbeiten erfolgten bis in eine Höhe von 74 Metern über dem Straßenniveau.

Das Gesamtvolumen der Sanierung lag bei etwa 1,5 Millionen Euro.[3]

Bedeutung

St. Marien gehört zu den prägenden Sakralbauten der Ahlener Innenstadt.

Der Kirchenstandort dokumentiert nahezu acht Jahrhunderte Stadt- und Kirchengeschichte. Die Entwicklung reicht von einer vermutlich um 1250 errichteten romanischen Kirche über mehrere mittelalterliche Erweiterungen und den Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1668 bis zum monumentalen neugotischen Neubau der Jahre 1902 bis 1904.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung von Neubau und historischer Ausstattung. Mehrere Bauteile und Kunstgegenstände der mittelalterlichen Kirche wurden bewusst bewahrt und in die heutige Kirche übernommen.

Der Neubau selbst ist zugleich ein Zeugnis des starken Bevölkerungswachstums Ahlens im Zuge der Industrialisierung und der erheblichen finanziellen Leistungen der damaligen Kirchengemeinde.

Chronik

  • um 1250: Vermutlicher Bau einer ersten romanischen Marienkirche.
  • 1278: Ein Priester namens Lambert wird erwähnt.
  • 1285: Überliefertes Jahr der offiziellen Trennung der Neuen von der Alten Pfarre.
  • erste Hälfte 14. Jahrhundert: Erweiterung des Chores.
  • um 1450: Erweiterung um ein zweites Kirchenschiff; vermutlich Entstehung des heutigen Südportals.
  • 1668: Schwere Zerstörung der Kirche beim großen Stadtbrand.
  • ab 1668: Wiederaufbau unter Beibehaltung der mittelalterlichen Grundform.
  • 1773: Erster Antrag der Stadt auf Abbruch der Kirche; der Antrag wird abgelehnt.
  • 1878: Renovierung der alten Marienkirche.
  • 1882: Gründung des Pfennigvereins zur Finanzierung von Erhalt und Neubau.
  • 1893: Untersuchung schwerer Schäden am Kirchturm; vollständiges Läuten der Glocken wird untersagt.
  • 6. März 1899: Beschluss des Kirchenvorstandes zum Neubau.
  • 10. Juli 1900: Beschluss zum Neubau am bisherigen Standort.
  • 23. November 1901: Untersuchung durch eine königliche Kommission.
  • 16. Dezember 1901: Genehmigung zum Abbruch der alten Kirche.
  • 8. Februar 1902: Letztes feierliches Amt in der mittelalterlichen Kirche.
  • 10. März 1902: Beginn des Abbruchs.
  • 16. April 1902: Erteilung der Bauerlaubnis.
  • 7. August 1902: Grundsteinlegung.
  • 1903: Fertigstellung des Rohbaus.
  • 18. Oktober 1904: Weihe der neuen Marienkirche durch Bischof Hermann Dingelstad.
  • 1906: Einbau der ersten Orgel.
  • 12. April 1908: Tod von Pfarrer Karl Noje in der Kirche.
  • 1920: Anschaffung zweier Eisenglocken.
  • 1923: Tilgung des letzten Darlehens für den Kirchenneubau.
  • 1924: Einführung des elektrischen Glockenläutens.
  • 1955: grundlegende Innenrenovierung.
  • 1974: Sanierung von Dach und Turm.
  • 1978: Restaurierung der Kirchenfenster.
  • 1982/83: grundlegende Renovierung und archäologische Untersuchungen.
  • 1991: Weihe der Augustinusglocke.
  • 1999: Erneuerung des Geläuts mit sechs neuen Bronzeglocken.
  • 2004: Feier des 100-jährigen Weihejubiläums der heutigen Kirche.
  • 2019: umfangreiche Sanierung des Kirchturms.

Abgrenzung zur Kirchengemeinde

Dieser Artikel behandelt in erster Linie die Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte der St.-Marien-Kirche.

Die Geschichte der Pfarrei, des Gemeindelebens und der kirchlichen Organisation wird im Artikel Kirchengemeinde St. Marien Ahlen behandelt.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 1,22 1,23 1,24 1,25 1,26 1,27 1,28 1,29 1,30 1,31 1,32 1,33 1,34 1,35 1,36 1,37 1,38 1,39 1,40 1,41 1,42 1,43 1,44 1,45 1,46 1,47 1,48 1,49 1,50 1,51 1,52 1,53 Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen (Hrsg.): Die Neue Pfarre zu Ahlen. 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche, Ahlen 2004.
  2. 2,0 2,1 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 48–49.
  3. 3,0 3,1 Arbeiten an der Kirchturmspitze: Präzisionsarbeit in 74 Metern über dem Straßenniveau, Allgemeine Bauzeitung, 7. Oktober 2019.

Literatur

  • Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen (Hrsg.): Die Neue Pfarre zu Ahlen. 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche, Ahlen 2004.
  • Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024.

Siehe auch