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St. Pankratius Kirche: Unterschied zwischen den Versionen

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Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] wurde die Kirche durch einen Brand zerstört. Bereits '''1632''' erfolgte der Wiederaufbau.
Während des Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche durch einen Brand zerstört. Bereits '''1632''' erfolgte der Wiederaufbau.


Im Jahr '''1655''' wurde die wiederhergestellte Kirche erneut geweiht.<ref name="vorhelmarchiv" />
Im Jahr '''1655''' wurde die wiederhergestellte Kirche erneut geweiht.<ref name="vorhelmarchiv" />

Version vom 15. September 2026, 13:41 Uhr

St. Pankratius Kirche
51.8090137.945202
Anschrift Pankratiusstraße 20



Baujahr 1891–1893
Architekt Hilger Hertel d. Ä.
Hilger Hertel d. J.
Ursprüngliche Nutzung Kirche
Heutige Nutzung Kirche
Karte


Die St.-Pankratius-Kirche ist die katholische Pfarrkirche im Ahlener Ortsteil Vorhelm. Der heutige neugotische Kirchenbau entstand in den Jahren 1891 bis 1893 nach Plänen des Münsteraner Architekten Hilger Hertel des Älteren. Nach dessen Tod wurde der Bau von seinem Sohn Hilger Hertel dem Jüngeren ausgeführt.

Die Geschichte des Kirchenstandortes reicht wesentlich weiter zurück. Bereits im Mittelalter bestand in Vorhelm eine Kirche, die aus einer Eigenkirche des Hauses Vorhelm hervorging. Im Jahr 1193 wurde sie im Zuge der kirchlichen Neuordnung zur Pfarrkirche erhoben.[1][2]

Geschichte

Eigenkirche und Entstehung der Pfarrei

Die Anfänge von St. Pankratius stehen in engem Zusammenhang mit dem Rittersitz Vorhelm.

Das erste Gotteshaus soll von den Bewohnern des Rittersitzes errichtet und dem heiligen Pankratius geweiht worden sein. Der Heilige galt besonders im mittelalterlichen Rittertum als verehrter Schutzpatron.[1]

Im Jahr 1193 ordnete Bischof Hermann II. von Münster die Vorhelmer Eigenkirche im Rahmen der Neuordnung der Archidiakonate dem Archidiakonat St. Mauritz zu und erhob sie zur Pfarrkirche.

Damit reicht die urkundlich fassbare Geschichte der Pfarrkirche St. Pankratius bis in das ausgehende 12. Jahrhundert zurück.

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Kirche

Über Gestalt und Größe der ältesten Vorhelmer Kirche ist nur wenig bekannt.

Im Jahr 1521 wurde ein romanischer Kirchenbau geweiht.[1]

Während des Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche durch einen Brand zerstört. Bereits 1632 erfolgte der Wiederaufbau.

Im Jahr 1655 wurde die wiederhergestellte Kirche erneut geweiht.[1]

Die Kirche bestand in dieser Form bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Beim Abbruch des Gebäudes 1891 und auch bei späteren Erdarbeiten wurden keine Fundamente festgestellt, die auf grundsätzlich anders orientierte Vorgängerbauten hindeuteten. Es wird daher angenommen, dass die Vorhelmer Kirchen über Jahrhunderte weitgehend am gleichen Standort errichtet wurden.[1]

Neubau im 19. Jahrhundert

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die alte Pfarrkirche sowohl baulich überaltert als auch für die gewachsene Gemeinde zu klein geworden.

Die Planungen für einen Neubau entstanden zwischen 1887 und 1889.

Mit dem Entwurf wurde der Münsteraner Architekt Hilger Hertel der Ältere beauftragt. Nach seinem Tod im Jahr 1890 übernahm sein Sohn Hilger Hertel der Jüngere die weitere Planung und Ausführung.[2]

Im Jahr 1891 wurde die alte Kirche abgebrochen. Die Abbrucharbeiten und die Beseitigung des Schutts zogen sich bis in den Mai hinein.

Unmittelbar danach begann der Neubau.

Die wesentlich größere Kirche wurde im Stil der Neugotik errichtet.

Am 25. Oktober 1893 wurde die neue St.-Pankratius-Kirche geweiht.[1]

Architektur

Die heutige St.-Pankratius-Kirche ist ein neugotischer Backsteinbau des späten 19. Jahrhunderts.

Kennzeichnend sind der hohe Westturm mit Spitzhelm, die gegliederten Backsteinfassaden, Spitzbogenfenster und die für die Neugotik charakteristische vertikale Gliederung des Baukörpers.

Der Innenraum ist durch hohe Gewölbe und einen deutlich vom Langhaus abgesetzten Chor geprägt.

Der Kirchenbau entwickelte sich durch seine Größe und besonders durch den weithin sichtbaren Turm zu einer markanten Landmarke Vorhelms.

Ausstattung

Ein großer Teil der ursprünglichen Ausstattung wurde in den Jahren nach der Fertigstellung der Kirche geschaffen.

Hochaltar

Rechtzeitig zur Kirchweihe im Jahr 1893 wurde der neue Hochaltar aufgestellt.

Sein steinerner Unterbau enthielt zwei Reliefdarstellungen mit Szenen aus dem Alten Testament:

  • das Opfer Abrahams,
  • Melchisedek mit Brot und Wein.

Die aus Sandstein gefertigten und farbig gefassten Reliefs stammen aus der Werkstatt des Münsteraner Bildhauers August Schmiemann.[1]

Im oberen Teil des Hochaltars befanden sich links und rechts des Tabernakels zwei weitere Reliefs aus Holz.

Sie zeigten Szenen aus der Legende des Kirchenpatrons Pankratius: seine Taufe und seine Kommunion.

Kommunionbank

Auch die historische Kommunionbank war mit Reliefbildern aus der Werkstatt Schmiemann ausgestattet.

Dargestellt waren zwei alttestamentliche Szenen:

  • das Pessachmahl,
  • die Mannalese.

Kreuzweg

Seit 1894 besitzt die Kirche einen Kreuzweg mit 14 Stationen.

Die auf Kupfer gemalten Ölbilder zeigen sowohl nazarenische als auch altflämische Einflüsse.[1]

Seitenaltäre

Im Jahr 1895 kamen zwei Seitenaltäre hinzu.

Der Marienaltar wurde von der Familie Schulze Rieping gestiftet.

Der St.-Annen-Altar geht auf eine Stiftung des Hauses Vorhelm zurück. Die Verbindung zu einem St.-Annen-Altar reicht wesentlich weiter zurück: Bereits 1487 wird in Vorhelm eine entsprechende Vikarie erwähnt.[1]

Kanzel

Die Kanzel wurde 1898 aufgestellt.

Sie befand sich ursprünglich am vordersten linken Pfeiler des Kirchenschiffs.

Vier Holzreliefs zeigten Szenen aus dem Neuen Testament:

  • die Bergpredigt,
  • die Predigt am See,
  • die Kindersegnung,
  • die Tempelreinigung.

Triumphkreuz

Im September 1902 wurde im Scheitel des Chorbogens ein Triumphkreuz aufgehängt.

Es entstand im Umfeld der Wiedenbrücker Schule.

Das Holzkreuz schuf der Bildhauer Heinrich Schweppenstedde. Der Korpus stammt von Anton Mormann und wurde von dem Maler Eduard Goldkuhle farbig gefasst.[1]

Veränderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Im Zuge der liturgischen Veränderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde der Innenraum der Kirche umfassend umgestaltet.

Am 9. Juni 1969 wurden Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel abgebaut.[1]

Der Aufbau des ehemaligen Hochaltars gelangte später in die St.-Antonius-Kirche in Herten.

Teile des steinernen Unterbaus wurden in der Kapelle Maria Hilf des Stifts Tilbeck verwendet.

Mehrere originale Reliefs blieben jedoch in Vorhelm erhalten.

Die vier Holzreliefs der ehemaligen Kanzel und die beiden Holzreliefs des Hochaltars wurden gerahmt und an den Seitenwänden des Chorraums aufgehängt.

Auch steinerne Reliefs und Teile des Figurenschmucks der früheren Altäre wurden erhalten und eingelagert.[1]

Neuer Altarraum

Seit Dezember 1971 befindet sich im Chorraum ein neuer Altar des Sendenhorster Bildhauers Bernhard Kleinhans.

Passend zum Altar wurde ebenfalls von Kleinhans ein Ambo geschaffen.

Die Neugestaltung des Chorraums dokumentiert den Wandel der katholischen Liturgie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Kirchenfenster

Die Kirche besitzt zahlreiche farbige Glasfenster.

Sie gehören wesentlich zur Wirkung des Innenraumes und zeigen figürliche, ornamentale und symbolische Darstellungen.

Ein Teil der Fenster behandelt biblische beziehungsweise christologische Themen, andere nehmen Bezug auf Heilige und kirchliche Traditionen.

Glocken

Zum Geläut der Vorhelmer Kirche gehören mehrere Glocken unterschiedlicher Herkunft und Entstehungszeit.

Die Geschichte des Geläuts wurde durch Kriege, Ablieferungen und Neubeschaffungen mehrfach verändert.

Zur Vorhelmer Kirchengeschichte gehört auch eine sogenannte Rösnitzer Glocke, deren Geschichte in der heimatkundlichen Literatur dokumentiert wurde.

Kirchengemeinde und Pfarrgeschichte

Die Pfarrgemeinde St. Pankratius gehört zu den älteren Kirchengemeinden des heutigen Ahlener Stadtgebietes.

Eine Liste der nachweisbaren Pfarrer reicht auf der historischen Archivseite bis mindestens in das Jahr 1404 zurück. Genannt werden unter anderem Heinrich Sune als Pfarrer im Jahr 1404 und Johann von Ahlen im Jahr 1474.[1]

Seit dem 17. Jahrhundert lässt sich auch eine weitgehend geschlossene Reihe der Vikare und Küster nachvollziehen.

Die historische Pfarrgeschichte, ihre Geistlichen und kirchlichen Einrichtungen werden im Artikel zur Kirchengemeinde St. Pankratius Vorhelm ausführlicher behandelt.

Bedeutung

Die St.-Pankratius-Kirche ist das zentrale historische Kirchengebäude Vorhelms.

Ihre Geschichte reicht von einer mittelalterlichen Eigenkirche des Hauses Vorhelm über mehrere Vorgängerbauten bis zum heutigen neugotischen Bau des späten 19. Jahrhunderts.

Die Kirche dokumentiert damit sowohl die mittelalterliche Entwicklung Vorhelms als auch die baulichen und liturgischen Veränderungen der katholischen Kirche im 19. und 20. Jahrhundert.

Mit ihrem hohen Turm prägt sie bis heute das Ortsbild.

Chronik

  • 1193: Erhebung der Eigenkirche des Hauses Vorhelm zur Pfarrkirche.
  • 1404: Heinrich Sune ist als Pfarrer nachweisbar.
  • 1487: Erste Erwähnung einer Vikarie am St.-Annen-Altar.
  • 1521: Weihe eines romanischen Kirchenbaus.
  • Dreißigjähriger Krieg: Zerstörung der Kirche durch Brand.
  • 1632: Wiederaufbau.
  • 1655: erneute Weihe der Kirche.
  • 1887–1889: Planung eines Kirchenneubaus durch Hilger Hertel d. Ä.
  • 1891: Abbruch der alten Kirche und Beginn des Neubaus.
  • 25. Oktober 1893: Weihe der heutigen St.-Pankratius-Kirche.
  • 1894: Aufstellung des Kreuzwegs.
  • 1895: Aufstellung der beiden Seitenaltäre.
  • 1898: Aufstellung der Kanzel.
  • 1902: Anbringung des Triumphkreuzes.
  • 9. Juni 1969: Abbau von Hochaltar, Seitenaltären und Kanzel.
  • Dezember 1971: Aufstellung des neuen Altars und Ambos von Bernhard Kleinhans.
  • 1993: Feier des 100-jährigen Kirchweihjubiläums der heutigen Kirche.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 Katholische Pfarrgemeinde St. Pankratius Vorhelm: historische Archivseiten zur Geschichte der Kirche und Pfarrgemeinde, ehemals unter www.kathvorhelm.de.
  2. 2,0 2,1 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 50–51.

Literatur

  • Hermann Honermann: Die St.-Pankratius-Kirche zu Ahlen-Vorhelm. Herausgegeben zum hundertjährigen Kirchweihfeste der jetzigen Kirche am 25. Oktober 1993, Ahlen 1993.
  • Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 50–51.

Siehe auch