Haus Hove
Das Haus Hove an der Borbeiner Straße 87 in Borbein ist ein historisches Herrenhaus und Teil einer ehemaligen Wasserburganlage. Das langgestreckte, schmale Gebäude wurde vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet und wird heute als Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Betriebes genutzt. Hinter dem Haus sind noch Reste der ehemaligen Gräftenanlage erhalten.[1]
Baugeschichte und Architektur
Das Gebäude besteht aus Bruchstein- und Ziegelmauerwerk. Es besitzt eine hohe, eingeschossige Halle sowie im Westteil Aufkammern über einem halb eingetieften Keller. Der Dachstuhl des steilen Satteldaches wird in das 16. oder 17. Jahrhundert datiert. Unter der südlichen Traufe sind noch Reste unverputzter, auskragender Ziegelschichten erhalten.[1]
Haus Hove wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach verändert. Vor 1829 wurde das Gebäude um etwa acht Meter nach Osten verlängert. Um 1908 wurde die ursprüngliche Kapellenglocke der zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Hofkapelle auf dem Gebäude angebracht.[1]
An der Fassade haben sich verschiedene historische Bauelemente erhalten. Dazu gehören werksteingefasste Fenstergewände und schmiedeeiserne Balkenanker. Auf der Südseite befinden sich außerdem sechs vermauerte kreisrunde Öffnungen.
Etwa in der Mitte der Halle liegen deutlich tiefer als die übrigen Fenster der Teil eines gotischen Maßwerkfensters sowie der Rest eines Ausgusssteins aus dem 15. Jahrhundert. Beide Bauteile stammen vermutlich als sogenannte Spolien aus einem anderen Gebäude.[1]
Wasserburganlage
Die Wasserburganlage war noch im 19. Jahrhundert weitgehend vollständig erhalten. Sie scheint sich aus einem ehemaligen Gräftenhof entwickelt zu haben, dessen Gebäude auf von Wasser umgebenen Inseln standen.[1]
Über die ursprüngliche Gestalt des Herrenhauses ist nur wenig bekannt. Aufgrund der frühen Bauform wird vermutet, dass es sich ursprünglich um ein sogenanntes Zweiraumhaus gehandelt haben könnte. Dieser im Münsterland verbreitete Bautyp adeliger Wohnhäuser bestand aus einem Saal und einer Saalkammer. Ungewöhnlich ist beim Haus Hove der erhöhte Upkammerteil.[1]
Geschichte und Besitzer
Auch die frühen Besitzverhältnisse des Hauses sind nicht abschließend geklärt. Der Kunsthistoriker Albert Ludorff nahm an, dass das Anwesen bereits im 13. Jahrhundert Wohnsitz eines Geschlechts gewesen sei, das sich von Burg, Bur, Borbene oder Borbein nannte. Diese Annahme beruht jedoch auf der nicht gesicherten Gleichsetzung des mittelalterlichen Lehnsguts Borbene mit dem späteren Adelgut Hove.[1]
Für das 16. Jahrhundert ist das Anwesen als Eigentum der Familie von Steveninck belegt. Durch Einheirat lebten hier anschließend bis in das 18. Jahrhundert Nachfahren von Heinrich von Droste Uhlenbrock.[1]
Seit 1817 befindet sich Haus Hove gemeinsam mit den jüngeren landwirtschaftlichen Gebäuden im Besitz der Familie Schroer. Die Familie erhielt und bewahrte die historische Hofanlage.[1]
Bedeutung
Haus Hove gehört zu den sehr alten erhaltenen Gebäuden eines westfälischen Adelshofes. Durch seine über Jahrhunderte entstandenen Bauphasen dokumentiert es sowohl die Entwicklung der Hofanlage als auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse des landständischen Adels.
Die besondere Stellung des Adels zeigte sich unter anderem in Steuerprivilegien, grundherrlicher Gerichtsbarkeit, dem bevorzugten Zugang zu Staats- und Heeresdiensten sowie im Erwerb von Ritterlehen und weiteren Privilegien.[1]
