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Hof Schulze Rötering

Aus AhlenWiki
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Hof Schulze Rötering
51.797967.84512
Anschrift Prozessionsweg 115
Telefon 02382 2742
E-Mail info@schulze-roetering.de
Internetseite schulze-roetering.de


Ursprüngliche Nutzung Hofanlage
Heutige Nutzung Landwirtschaft,
Hofladen,
Gastronomie
und Brennerei
Karte

Der Hof Schulze Rötering am Prozessionsweg 115 ist eine historische Hofanlage und ein bis heute landwirtschaftlich bewirtschafteter Familienbetrieb in Ahlen. Die von einer Gräfte geprägte Hofstelle gehört zu den alten münsterländischen Schulzenhöfen.

Nach Angaben des Hofes reicht seine Geschichte bis in das Jahr 1340 zurück.[1] Ein archivalisch konkret nachgewiesener Beleg findet sich für die Jahre 1498 und 1499. In den damaligen Willkommschatzungen wird ein „Schulte to Roterinck“ genannt.[2]

Die historische Hofanlage mit Getreidespeicher, Göpelhaus und Resten der ehemaligen Gräftenanlage dokumentiert die Entwicklung eines westfälischen Schulzenhofes über mehrere Jahrhunderte.[3]

Geschichte des Hofes

Der Hof Schulze Rötering gehört zu den alten Hofstellen im Raum Ahlen. Nach eigener Überlieferung des Betriebes wurde der Hof bereits 1340 im ältesten Höferegister des Domkapitels Münster erwähnt.[1]

Für das späte 15. Jahrhundert ist der Hof auch archivalisch nachgewiesen. In den Willkommschatzungen von 1498 und 1499 erscheint die Bezeichnung „Schulte to Roterinck“. Zu dieser Zeit gehörte der Hof zur gleichnamigen Bauerschaft.[2]

Der Hof blieb über Jahrhunderte in Familienbesitz. Dabei traten mehrfach auch Frauen die Hoferbfolge an. Für das 16. Jahrhundert ist eine Christine, für das 17. Jahrhundert eine Catharina als Hoferbin überliefert.[2]

Auch im 20. Jahrhundert setzte sich diese Form der Erbfolge fort. Elsmarie Schulze Rötering war alleinige Hoferbin und heiratete Wolfdieter Gaßner, der ab 1962 die Entwicklung des Betriebes wesentlich mitprägte.[2]

Heute wird der Hof von Martin und Hildegunde Schulze Rötering geführt.[1]

Hofanlage und Gräfte

Die Hofstelle ist von einer für münsterländische Gräftenhöfe charakteristischen Wasseranlage geprägt.

Im Urkataster von 1829 ist eine noch vollständig erhaltene Gräftenanlage dargestellt. Zu dieser Zeit bestand eine weiträumige Gartengräfte, die vermutlich erst im Laufe der Entwicklung der Hofanlage vergrößert worden war.[3]

Der historische Getreidespeicher war zusätzlich von einem eigenen doppelten Gräftenring umgeben.[3]

Die erhaltenen Fachwerkgebäude entstanden zu unterschiedlichen Zeiten und erfüllten verschiedene landwirtschaftliche Funktionen. An ihnen lassen sich traditionelle Zimmermannstechniken aus mehreren Jahrhunderten nachvollziehen.[3]

Getreidespeicher

Zu den bedeutendsten historischen Gebäuden des Hofes gehört ein dreigeschossiger Getreidespeicher aus der Zeit um 1720. Er wurde von Johann Hermann Schulte Rötering errichtet.[3]

Der Speicher stand innerhalb einer eigenen Gräfte und diente der sicheren Lagerung wertvoller Vorräte.

Das Gebäude besitzt ein enges Fachwerk mit kräftigen Stützen. Das oberste Geschoss wurde separat abgezimmert und kragt auf allen Seiten leicht vor.[3]

Neben seiner Nutzung zur Lagerung von Getreide erfüllte der Speicher weitere Funktionen. Er wurde unter anderem als Timberkammer, Braukeller und Backhaus genutzt.

Der ehemalige Backofen wurde 1975 im Zusammenhang mit der Vergrößerung einer Fensteröffnung abgebrochen.[3]

Ladeluken sowie eine Aufzugslukarne mit Kranbalken erinnern an den früheren Transport der eingelagerten Güter.

Der Speicher gilt als besonders gut erhaltenes Beispiel eines historischen Speichergebäudes in einer turmartig-wehrhaften Bauform.[3]

Göpelhaus

Ein weiteres bedeutendes Gebäude der Hofanlage ist das um 1880 errichtete Göpelhaus.

Das achteckige Fachwerkgebäude gehört zu den ungewöhnlich aufwendig gestalteten erhaltenen Göpelhäusern Westfalens.[3]

Seine Fachwerkaußenwände besitzen historistisch abgefaste Kanten. Die mit Ziegeln ausgefachten Wandflächen sind mit Andreaskreuzen und hochgesetzten Kreuzen gestaltet.[3]

Im Inneren befand sich ursprünglich ein Rundlaufgöpel. Dabei liefen Pferde auf einer Kreisbahn und übertrugen ihre Kraft über eine mechanische Anlage auf landwirtschaftliche Maschinen.

Auf Hof Schulze Rötering wurde der Göpel zum Antrieb einer Dreschmaschine zum Brechen von Flachs eingesetzt.[3]

Kötterhaus

Zum heutigen Hofensemble gehört außerdem ein kleines Fachwerkhaus, das ursprünglich nicht auf dem Hof Schulze Rötering stand.

Das Gebäude wurde um 1830 als einfaches Kötterhaus an der Sachsenstraße errichtet.[3]

Der ursprüngliche Standort lag seinerzeit noch in einem ländlich geprägten Gebiet südlich der Ahlener Innenstadt. Durch die spätere städtische und gewerbliche Entwicklung des Umfeldes wurde eine sinnvolle weitere Nutzung des historischen Gebäudes dort zunehmend schwierig.

Im Jahr 2003 entstand zwischen der Stadt Ahlen als damaliger Eigentümerin und der Familie Schulze Rötering die Idee, das Gebäude auf den Hof am Prozessionsweg umzusetzen.[3]

Vor dem Abbau wurde das Gebäude vollständig dokumentiert. Die einzelnen Bauteile wurden kartiert, fotografiert und nummeriert. Anschließend wurde das Fachwerkhaus abgebaut und auf dem Hof Schulze Rötering wiedererrichtet.[3]

Die Translozierung knüpfte an eine historische Tradition des Fachwerkbaus an. Fachwerkhäuser konnten aufgrund ihrer Konstruktion abgebaut und an anderer Stelle erneut errichtet werden.

Das Gebäude wird heute gastronomisch genutzt.[3]

Landwirtschaft

Der Hof Schulze Rötering wird weiterhin als landwirtschaftlicher Familienbetrieb bewirtschaftet.

Auf einer Fläche von rund 200 Hektar werden beziehungsweise wurden unter anderem Weizen, Gerste und Raps angebaut. Hinzu kommen Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren.[1]

Ein Teil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird unmittelbar auf dem Hof weiterverarbeitet oder über den eigenen Hofladen und die Gastronomie vermarktet.

Der angebaute Weizen dient unter anderem der Herstellung des Alkohols für die hofeigenen Spirituosen. Nach Angaben des Betriebes wird hierfür kein Fremdalkohol zugekauft.

Getreide wird außerdem zu Mehl verarbeitet und in der hofeigenen Backstube für Brot und weitere Backwaren genutzt.[1]

Brennerei

Eine besondere Tradition besitzt die heute auf Hof Schulze Rötering betriebene Brennerei.

Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1767 zurück. Die Brennerei wurde allerdings nicht auf Hof Schulze Rötering gegründet, sondern ursprünglich in Sendenhorst.[2]

Erst unter Wolfdieter Gaßner, der ab 1962 den Hof mitführte und die Hoferbin Elsmarie Schulze Rötering geheiratet hatte, wurde die Brennerei auf den Hof Schulze Rötering verlegt.[2]

Damit ist zwischen der Geschichte des Hofes und der seit 1767 bestehenden Tradition der Brennerei zu unterscheiden.

Heute werden auf dem Hof unter anderem Kornbrände, Edeldestillate, Geiste und Liköre hergestellt.

Im Jahr 2014 wurde eine neue Feinbrandanlage mit 60 Böden eingebaut.[1]

Die Brennerei wurde mehrfach für ihre Erzeugnisse ausgezeichnet und bildet heute neben Landwirtschaft, Direktvermarktung und Gastronomie einen wichtigen Betriebszweig.[4]

Hofladen und Gastronomie

Außerhalb beziehungsweise im Bereich der historischen Gräftenanlage befinden sich heute der Hofladen und das Landgasthaus Schulze Rötering.

Im Hofladen werden unter anderem hofeigene und regional erzeugte Produkte angeboten. Dazu zählen Spargel, Erdbeeren, Getreideprodukte, Backwaren sowie Spirituosen aus der eigenen Brennerei.[1]

Das Landgasthaus befindet sich in einem der denkmalgeschützten Fachwerkgebäude der Hofanlage. Es wird von Moritz und Kathrin Schulze Rötering geführt.[4]

In der Küche werden auch Erzeugnisse des eigenen Hofes verarbeitet, darunter saisonal Spargel und Erdbeeren sowie Brot und Wildfleisch.[4]

Gegenwart

Der Hof verbindet heute Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Direktvermarktung, Gastronomie und Brennerei.

Auf dem Hof leben vier Generationen der Familie Schulze Rötering. Neben den traditionellen Betriebszweigen spielt auch die Energieerzeugung eine Rolle. Photovoltaikanlagen sind bereits seit Jahren Bestandteil des Betriebes; zusätzlich ist die Nutzung von Windenergie vorgesehen.[4]

Am 13. August 2026 besuchte die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen den Hof im Rahmen ihrer Sommertour „NRW is(s)t gut!“. Dabei stellte der Betrieb seine Verbindung von Landwirtschaft, regionaler Verarbeitung, Direktvermarktung und Gastronomie vor.[4]

Archivbestand

Unterlagen zur jüngeren Geschichte des Hofes werden im Kreisarchiv Warendorf verwahrt.

Der Bestand N 124 Schulze Rötering; Ahlen enthält Unterlagen zur Geschäftsführung des Hofes sowie persönliche Dokumente aus dem 20. Jahrhundert. Insgesamt umfasst der Bestand elf Archivalieneinheiten.[2]

Bedeutung

Der Hof Schulze Rötering dokumentiert in besonderer Weise die Entwicklung eines münsterländischen Schulzen- und Gräftenhofes über mehrere Jahrhunderte.

Die erhaltene historische Bausubstanz mit dem Getreidespeicher des frühen 18. Jahrhunderts, dem Göpelhaus des späten 19. Jahrhunderts und dem translozierten Kötterhaus veranschaulicht unterschiedliche Epochen der landwirtschaftlichen Bau- und Technikgeschichte.

Gleichzeitig ist der Hof kein ausschließlich museales Ensemble, sondern weiterhin ein wirtschaftender Familienbetrieb. Die Verbindung von Landwirtschaft, Verarbeitung, Direktvermarktung, Gastronomie und Brennereiwesen zeigt die kontinuierliche Weiterentwicklung des historischen Hofes bis in die Gegenwart.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Hof Schulze Rötering: Internetauftritt des Hofes, https://www.schulze-roetering.de/
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Deutsche Digitale Bibliothek: Schulze Rötering; Ahlen (Bestand), Bestand N 124 des Kreisarchivs Warendorf.
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 3,11 3,12 3,13 3,14 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 44–45.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Stadt Ahlen: Ministerin stößt bei Schulze Rötering mit gutem Tropfen an, 14. August 2026.