Zum Inhalt springen

Lateinschule

Aus AhlenWiki
Version vom 15. September 2026, 10:52 Uhr von WikiSysop (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Lateinschule
51.762797.88731
Anschrift Kirchplatz 15



Baujahr 1790
Architekt Kurtz
Ursprüngliche Nutzung Knabenschule
Heutige Nutzung Architekturbüro
Karte

Die Alte Lateinschule am Kirchplatz 15 ist ein historisches Schulgebäude in der Ahlener Innenstadt. Das heutige Gebäude wurde 1790 innerhalb des Kirchringes errichtet und zunächst als Elementarschule für Knaben genutzt. Die Geschichte des Ahlener Lateinschulwesens reicht jedoch bis ins Mittelalter zurück.[1]

Geschichte der Lateinschule

Bereits im 14. Jahrhundert besaß die Ahlener Lateinschule als städtische Knabenschule eine gewisse Bedeutung. Einige ihrer Schüler studierten später an bedeutenden europäischen Universitäten. Für das Jahr 1374 ist beispielsweise überliefert, dass Machovius von Alen an der juristischen Fakultät der Universität Prag studierte.[1]

Die lange Schultradition Ahlens bestand damit bereits Jahrhunderte vor der Errichtung des heute erhaltenen Gebäudes.

Neubau von 1790

Das heutige Gebäude der Alten Lateinschule wurde im Jahr 1790 als harmonisch proportionierter Barockbau innerhalb des Kirchringes errichtet.[1]

Der Neubau entstand teilweise auf den Fundamenten einer größeren dreischiffigen Vorgängerkirche. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse mussten beim Bau vorhandene Materialien wiederverwendet werden. Neben einer Stiftung mehrerer Eichen durch den Grafen von Merveldt wurden Teile der ehemaligen Ahlener Stadttore zur Materialgewinnung abgebrochen.[1]

Vom mittleren Westtor gelangte dabei ein Bauteil mit dem Ahlener Stadtwappen in das Schulgebäude, wo es später wiederentdeckt wurde.[1]

Schulbetrieb

In dem Neubau wurde eine Elementarschule für Knaben der alten Pfarre eingerichtet. Die Einrichtung stand im Zusammenhang mit der Einführung der Schulpflicht gegen Ende des 18. Jahrhunderts.[1]

Kurz darauf entstand zusätzlich eine Mädchenschule am Alten Kirchhof im Haus des sogenannten „Glasers“.[1]

Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Schulwesens waren schwierig. Die Familien der Schüler beteiligten sich entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten an der Bezahlung der Lehrer.[1]

Infolge des Siebenjährigen Krieges und der napoleonischen Kriege sank die Zahl der Schüler stark. Für das Jahr 1803 sind nur noch zwölf Schüler überliefert.[1]

Im Jahr 1829 wurde die Schule schließlich durch den preußischen Staat aufgelöst.[1]

Entwicklung des Ahlener Schulwesens

Im Jahr 1832 entstand an der Nordstraße eine neue Pfarrschule. Aufgrund steigender Schülerzahlen wurde sie 1877 um ein Geschoss erweitert.[1]

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Ahlener Schulwesen weiter. 1845 wurde eine Bürger- und Rektoratschule genehmigt.[1]

Nachdem die Volksschule im Jahr 1895 in die neue Westschule umzog, stand die Alte Lateinschule am Kirchplatz zunächst leer.[1]

Spätere Nutzung

Im Jahr 1912 wurde das Gebäude an die Alte Pfarre verkauft.[1]

Eine grundlegende Sanierung für die Kirchengemeinde erfolgte 1969. Das Gebäude wurde anschließend als Pfarrheim der St.-Bartholomäus-Gemeinde genutzt.[1]

Am 13. September 1970 wurde das umgestaltete Pfarrheim offiziell eingeweiht. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Bürgermeister Faust, Stadtdirektor Baldauf und Oberstudiendirektor i. R. Wagler teil.

Im Jahr 2010 wurde das Gebäude erneut umgenutzt und für ein Architekturbüro hergerichtet.[1]

Historisches Stadtwappen

Bei den Arbeiten im Gebäude wurde ein historisches Ahlener Stadtwappen in einem Deckenbalken wieder sichtbar. Es stammt vermutlich als Spolie vom ehemaligen mittleren Westtor der Ahlener Stadtbefestigung.[1]

Das Wappen zeigt einen für das 16. Jahrhundert typischen Renaissance-Schild mit dem beflügelten Aal als Ahlener Wappentier.[1]

Rektoren der Lateinschule

Dienstzeit Name
1313 Henricus van der Wene
1321 Johannes
1326 Luhard de Vechtlagen
1359–1370 Hermann von Schöppingen
1397–1398 Arnold Hedinchus
1496 Johannes Brunemann
1503 Johann Smede
1511–1512 Hinrich van dem Koer
bis 1533 Gerhard Cotius
1546–1547 Johannes van Beckem
1556–1559 Hinrich Godt
1562–1563 Christoffer von der Smalenbroch
1563–1602 Christoph Walen
1602–1607 Ribbert Ernst
1607–1613 Johannes Loeff
1637–1641 Jodocus Schluter
1641–1648 Gerhard Dilling
1648–1659 Caspar Zimmermann
1659–1662 Theodor Droste
1663–1689 Theodor Neuhaus
1689–1751 Ernst Josef Kätzeler
1751–1752 Johannes Melchior Aussel
1752–1769 Heinrich Nikolaus Dahmer
bis 1790 Caspar Meyer
1790–1802 Johann Jodocus Heinrich Schriver
1802 Bolsmann
1803–1817 Bernhard Austermann

Weitere Fakten

Das Städtische Gymnasium Ahlen sieht sich in der Tradition der „Alten Lateinschule von 1458“.[2]

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 34–35.
  2. Schulflyer, aufgerufen am 28. Oktober 2015