Lateinschule
| Lateinschule | |
|---|---|
51.762797.88731 Koordinaten: 51° 45′ 46″ N, 7° 53′ 14″ O
| |
| Anschrift | Kirchplatz 15
|
| Baujahr | 1790 |
| Architekt | Kurtz |
| Ursprüngliche Nutzung | Knabenschule |
| Heutige Nutzung | Architekturbüro |
Die Alte Lateinschule am Kirchplatz 15 ist ein historisches Schulgebäude in der Ahlener Innenstadt. Das heutige Gebäude wurde 1790 innerhalb des Kirchringes errichtet und zunächst als Elementarschule für Knaben genutzt. Die Geschichte des Ahlener Lateinschulwesens reicht jedoch bis ins Mittelalter zurück.[1]
Geschichte der Lateinschule
Bereits im 14. Jahrhundert besaß die Ahlener Lateinschule als städtische Knabenschule eine gewisse Bedeutung. Einige ihrer Schüler studierten später an bedeutenden europäischen Universitäten. Für das Jahr 1374 ist beispielsweise überliefert, dass Machovius von Alen an der juristischen Fakultät der Universität Prag studierte.[1]
Die lange Schultradition Ahlens bestand damit bereits Jahrhunderte vor der Errichtung des heute erhaltenen Gebäudes.
Neubau von 1790
Das heutige Gebäude der Alten Lateinschule wurde im Jahr 1790 als harmonisch proportionierter Barockbau innerhalb des Kirchringes errichtet.[1]
Der Neubau entstand teilweise auf den Fundamenten einer größeren dreischiffigen Vorgängerkirche. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse mussten beim Bau vorhandene Materialien wiederverwendet werden. Neben einer Stiftung mehrerer Eichen durch den Grafen von Merveldt wurden Teile der ehemaligen Ahlener Stadttore zur Materialgewinnung abgebrochen.[1]
Vom mittleren Westtor gelangte dabei ein Bauteil mit dem Ahlener Stadtwappen in das Schulgebäude, wo es später wiederentdeckt wurde.[1]
Schulbetrieb
In dem Neubau wurde eine Elementarschule für Knaben der alten Pfarre eingerichtet. Die Einrichtung stand im Zusammenhang mit der Einführung der Schulpflicht gegen Ende des 18. Jahrhunderts.[1]
Kurz darauf entstand zusätzlich eine Mädchenschule am Alten Kirchhof im Haus des sogenannten „Glasers“.[1]
Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Schulwesens waren schwierig. Die Familien der Schüler beteiligten sich entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten an der Bezahlung der Lehrer.[1]
Infolge des Siebenjährigen Krieges und der napoleonischen Kriege sank die Zahl der Schüler stark. Für das Jahr 1803 sind nur noch zwölf Schüler überliefert.[1]
Im Jahr 1829 wurde die Schule schließlich durch den preußischen Staat aufgelöst.[1]
Entwicklung des Ahlener Schulwesens
Im Jahr 1832 entstand an der Nordstraße eine neue Pfarrschule. Aufgrund steigender Schülerzahlen wurde sie 1877 um ein Geschoss erweitert.[1]
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Ahlener Schulwesen weiter. 1845 wurde eine Bürger- und Rektoratschule genehmigt.[1]
Nachdem die Volksschule im Jahr 1895 in die neue Westschule umzog, stand die Alte Lateinschule am Kirchplatz zunächst leer.[1]
Spätere Nutzung
Im Jahr 1912 wurde das Gebäude an die Alte Pfarre verkauft.[1]
Eine grundlegende Sanierung für die Kirchengemeinde erfolgte 1969. Das Gebäude wurde anschließend als Pfarrheim der St.-Bartholomäus-Gemeinde genutzt.[1]
Am 13. September 1970 wurde das umgestaltete Pfarrheim offiziell eingeweiht. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Bürgermeister Faust, Stadtdirektor Baldauf und Oberstudiendirektor i. R. Wagler teil.
Im Jahr 2010 wurde das Gebäude erneut umgenutzt und für ein Architekturbüro hergerichtet.[1]
Historisches Stadtwappen
Bei den Arbeiten im Gebäude wurde ein historisches Ahlener Stadtwappen in einem Deckenbalken wieder sichtbar. Es stammt vermutlich als Spolie vom ehemaligen mittleren Westtor der Ahlener Stadtbefestigung.[1]
Das Wappen zeigt einen für das 16. Jahrhundert typischen Renaissance-Schild mit dem beflügelten Aal als Ahlener Wappentier.[1]
Rektoren der Lateinschule
| Dienstzeit | Name |
|---|---|
| 1313 | Henricus van der Wene |
| 1321 | Johannes |
| 1326 | Luhard de Vechtlagen |
| 1359–1370 | Hermann von Schöppingen |
| 1397–1398 | Arnold Hedinchus |
| 1496 | Johannes Brunemann |
| 1503 | Johann Smede |
| 1511–1512 | Hinrich van dem Koer |
| bis 1533 | Gerhard Cotius |
| 1546–1547 | Johannes van Beckem |
| 1556–1559 | Hinrich Godt |
| 1562–1563 | Christoffer von der Smalenbroch |
| 1563–1602 | Christoph Walen |
| 1602–1607 | Ribbert Ernst |
| 1607–1613 | Johannes Loeff |
| 1637–1641 | Jodocus Schluter |
| 1641–1648 | Gerhard Dilling |
| 1648–1659 | Caspar Zimmermann |
| 1659–1662 | Theodor Droste |
| 1663–1689 | Theodor Neuhaus |
| 1689–1751 | Ernst Josef Kätzeler |
| 1751–1752 | Johannes Melchior Aussel |
| 1752–1769 | Heinrich Nikolaus Dahmer |
| bis 1790 | Caspar Meyer |
| 1790–1802 | Johann Jodocus Heinrich Schriver |
| 1802 | Bolsmann |
| 1803–1817 | Bernhard Austermann |
Weitere Fakten
Das Städtische Gymnasium Ahlen sieht sich in der Tradition der „Alten Lateinschule von 1458“.[2]

