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Marienkirche

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Marienkirche
51.76339474587.89081525799
Anschrift Oststraße 58



Baujahr um 1250
heutiger Bau 1902–1904
Architekt Ludwig Becker
Wilhelm Sunder-Plassmann
Ursprüngliche Nutzung Kirche
Heutige Nutzung Kirche
Karte


Die St.-Marien-Kirche, kurz Marienkirche, ist eine katholische Kirche im Zentrum von Ahlen. Die Geschichte des Kirchenstandortes reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Archäologische Untersuchungen lassen vermuten, dass bereits um 1250 eine zweite Kirche innerhalb der mittelalterlichen Stadt bestand.

Die heutige neugotische Marienkirche wurde von 1902 bis 1904 nach Plänen der Architekten Ludwig Becker aus Mainz und Wilhelm Sunder-Plassmann aus Münster errichtet. Sie ersetzte eine mittelalterliche Vorgängerkirche, von der mehrere Bauteile und Ausstattungsstücke in den Neubau übernommen wurden.[1][2]

Geschichte

Entstehung der Neuen Pfarre

Das genaue Gründungsjahr der später als Neue Pfarre bezeichneten zweiten Ahlener Kirchengemeinde ist nicht urkundlich überliefert.

In der historischen Forschung wurden die Jahre 1278, 1285 und 1288 als mögliche Gründungsdaten genannt. Das Jahr 1285 gilt dabei als Zeitpunkt der offiziellen Trennung von der älteren Pfarrei St. Bartholomäus. Bereits 1278 wird ein Priester namens Lambert erwähnt.[1]

Das Patrozinium der neuen Kirche wurde Mariä Himmelfahrt gewidmet.

Wie St. Bartholomäus unterstand auch die Neue Pfarre dem Prämonstratenserstift Cappenberg. Die Verbindung bestand bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts.[1]

Die Nord- und Ostschicht der mittelalterlichen Stadt bildeten das Gebiet des „nigen Kerspels“, also des neuen Kirchspiels, während die Camp- und Mölenschicht zur Alten Pfarre gehörten.

Erste Marienkirche

Bei archäologischen Grabungen während der Kirchenrenovierung im Jahr 1982 wurden Fundamente der mittelalterlichen Vorgängerbauten untersucht.

Dr. Ulrich Reinke vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege rekonstruierte anschließend die Bauentwicklung. Nach seinen Untersuchungen dürfte bereits um 1250 eine zweite Kirche in Ahlen bestanden haben.[1]

Der erste Bau war eine romanische einschiffige Kirche aus Bruchstein. An ihrer Westseite stand vermutlich ein Turm.

Von diesem ältesten Bau waren bis zum Abbruch im Jahr 1902 noch Teile des Mauerwerks der Nordseite sowie das romanische Turmportal erhalten.[1]

Erweiterungen im 14. und 15. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde der Chor der Kirche erneuert und vergrößert. Dabei entstand ein etwa zwei Meter längerer Fünfachtelchor auf den Fundamenten des romanischen Vorgängerchores. Diese Bauphase konnte bei den Grabungen 1982 nachgewiesen werden.[1]

Um 1450 wurde die Kirche erneut erweitert. Dabei entstand ein zweites Kirchenschiff.

Vermutlich war ursprünglich sogar ein weiteres Seitenschiff vorgesehen, das aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr ausgeführt wurde.[1]

Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch das bis heute erhaltene gotische Südportal.

Stadtbrand von 1668

Beim großen Stadtbrand von 1668 wurde auch die Marienkirche schwer beschädigt.

Dächer und Turm wurden zerstört, das Gewölbe stürzte ein und die Altäre verbrannten.[1]

Da auch große Teile der Bevölkerung durch den Brand ihre wirtschaftliche Existenz verloren hatten, gestaltete sich der Wiederaufbau schwierig.

Pfarrer Bertram Höveler wandte sich an Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen und bat um finanzielle Unterstützung. Nachdem zunächst 100 Reichstaler zugesagt worden waren, erhielt die Gemeinde zusätzlich die Erlaubnis, im Hochstift Münster und in angrenzenden Gebieten Almosen für den Wiederaufbau zu sammeln.[1]

Der mittelalterliche Kirchenbau wurde im Wesentlichen in seiner bisherigen Form wiederhergestellt. Der Turm erhielt jedoch einen neuen barocken Helm.

Die bereits 1586 vorhandene Turmuhr überstand den Brand weitgehend unbeschädigt und blieb bis zum Abbruch der Kirche im Jahr 1902 erhalten.[1]

Der Weg zum Neubau

Erste Abrisspläne

Bereits 1773 beantragte der Rat der Stadt beim Generalvikar Franz von Fürstenberg die Genehmigung, die Neue Kirche abzureißen.

Hintergrund waren die schlechte wirtschaftliche Lage der Stadt und die stark gesunkene Einwohnerzahl nach Kriegen und Krisen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.[1]

Auch eine spätere Zusammenlegung der beiden Ahlener Pfarrgemeinden scheiterte am Widerstand der jeweiligen Pfarrer.

Wachstum der Gemeinde

Mit der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum Ahlens im 19. Jahrhundert wurde die alte Kirche zunehmend zu klein.

Im Jahr 1861 hatte Ahlen 3.335 Einwohner, von denen 3.267 katholisch waren.[1]

Gleichzeitig verschlechterte sich der bauliche Zustand des Kirchengebäudes.

Am 24. Januar 1882 wurde auf Initiative von Pfarrer Josef Jenne ein Pfennigverein gegründet. Die Mitglieder zahlten wöchentlich mindestens einen Pfennig, um Mittel für die Erhaltung der Kirche und schließlich für einen Neubau zu sammeln.[1]

Probleme mit dem Kirchturm

Im Jahr 1893 wurden erhebliche Risse am alten Kirchturm festgestellt.

Das Bischöfliche Generalvikariat ließ den Turm untersuchen. Der Münsteraner Architekt Wilhelm Dincklage stellte fest, dass der Glockenstuhl zwar solide gebaut war, die beim Läuten entstehenden Schwingungen jedoch auf das stark geschädigte Mauerwerk übertragen wurden.[1]

Bei einem Probeläuten geriet der Turm so stark in Bewegung, dass zuvor in Risse eingesetzte Keile locker wurden und das Reiben der Mauerteile hörbar war.

Dincklage hielt das vollständige Schwingen der Glocken deshalb für gefährlich. Ende 1893 ordnete das Generalvikariat an, die Glocken künftig nicht mehr auszuschwingen, sondern lediglich die Klöppel anzuschlagen.[1]

Beschluss zum Neubau

Am 6. März 1899 beschloss der Kirchenvorstand die Errichtung einer neuen Kirche.

Am 10. Juli 1900 sprachen sich Kirchenvorstand und Kirchengemeindevertretung einstimmig dafür aus, die neue Kirche am bisherigen Standort zu errichten und dafür den mittelalterlichen Bau abzubrechen.[1]

Pfarrer Karl Noje begründete den Neubau unter anderem mit der stark gewachsenen Gemeinde, die inzwischen mehr als 4.020 Mitglieder zählte.

Streit um den Erhalt der alten Kirche

Der geplante Abbruch stieß bei der Denkmalpflege auf erheblichen Widerstand.

Der Provinzialkonservator und Baurat Albert Ludorff bezeichnete die Marienkirche als frühgotischen Bau, dessen Abbruch ohne zwingende Gründe nicht genehmigt werden könne.[1]

Er forderte zunächst zu prüfen, ob die alte Kirche erhalten und ein Neubau an anderer Stelle errichtet werden könne.

Außerdem erarbeitete Ludorff mehrere Entwürfe, durch die die mittelalterliche Kirche erweitert und zumindest wesentliche Teile wie die beiden Schiffe und der Chor erhalten werden sollten.[1]

Kirchenvorstand und Gemeinde lehnten diese Lösungen jedoch ab. Sie verwiesen auf den begrenzten Bauplatz, die finanzielle Situation und den schlechten baulichen Zustand der alten Kirche.

Am 23. November 1901 besichtigte schließlich eine königliche Kommission den Bau.

Am 16. Dezember 1901 wurde die Genehmigung zum Abbruch erteilt.[1]

Bedingungen des Abbruchs

Die Genehmigung war mit der Verpflichtung verbunden, bedeutende Bauteile und Ausstattungsstücke der mittelalterlichen Kirche zu erhalten und möglichst im Neubau wiederzuverwenden.

Dazu gehörten unter anderem:

  • die originalen Teile des Südportals,
  • das Nordportal,
  • plastische Architekturteile des Innenraumes,
  • Kapitelle und Schlusssteine,
  • weitere wiederverwendbare Werksteine,
  • das Sakramentshäuschen,
  • ein steinerner Stehleuchter,
  • schmiedeeiserne Wandleuchter,
  • der ältere Teil des Marienkronleuchters,
  • die Heilandsfigur mit Engeln,
  • alte Kirchenbänke mit geschnitzten Seitenteilen
  • sowie die Barockaltäre.[1]

Von einer gemalten Gruppe über dem Triumphbogen musste außerdem eine fotografische Aufnahme für das Provinzialdenkmäler-Archiv angefertigt werden.

Abbruch der alten Marienkirche

Am 8. Februar 1902 feierte Pfarrer Noje das letzte feierliche Amt in der alten Kirche.

Anschließend wurde das Allerheiligste in einer Prozession in eine provisorisch eingerichtete Notkirche im sogenannten Bohlen'schen Haus übertragen. Dieses Gebäude stand an der Stelle der heutigen Sakristei.[1]

Der Abbruch begann am 10. März 1902.

Die Arbeiten dauerten etwa fünf Monate. Ein großer Teil des Baumaterials wurde weiterverwendet oder verkauft. Allein durch den Verkauf von Balken sowie altem Bau- und Brennholz erzielte die Kirchengemeinde Einnahmen von 2.733 Mark.[1]

Das Fundament des mittelalterlichen Turms erwies sich als so massiv, dass es schließlich von preußischen Pionieren gesprengt werden musste.

Aus dieser Situation entstand der zeitgenössische Spott:

„Die Kirche war so baufällig, dass sie gesprengt werden musste.“[1]

Neubau 1902 bis 1904

Am 14. Februar 1902 beschloss der Kirchenvorstand offiziell den Neubau.

Mit Planung und Bauleitung wurden die Architekten und Dombaumeister Ludwig Becker aus Mainz und Wilhelm Sunder-Plassmann aus Münster beauftragt.[1]

Grundriss der mittelalterlichen Marienkirche und des Neubaus von 1902–1904

Die eigentlichen Bauarbeiten wurden am 3. März 1902 an den Ahlener Bauunternehmer Wilhelm Krämer vergeben.

Die Bauerlaubnis wurde am 16. April 1902 erteilt.

Am 7. August 1902 legte Landdechant Heinrich Evelt aus Heessen den Grundstein.[1]

Bis zum Jahresende 1902 war der Bau bis zur Höhe der Kapitelle fortgeschritten. Im folgenden Jahr wurde der Rohbau fertiggestellt.

Die bebaute Fläche betrug rund 1.334 Quadratmeter.[1]

Finanzierung

Der ursprüngliche Kostenvoranschlag belief sich auf rund 260.000 Mark.

Tatsächlich erreichten die Gesamtkosten schließlich 404.960,52 Mark.[1]

Bereits vor Baubeginn hatte die Gemeinde innerhalb von drei Jahren 136.208,71 Mark gesammelt.

Der verbleibende Betrag wurde über Darlehen finanziert. Die Gemeindemitglieder brachten zusätzlich jährlich große Summen durch freiwillige Spenden auf.

Das letzte Darlehen in Höhe von 37.658,82 Mark wurde am 1. April 1923 getilgt.[1]

Der Kirchenbau war damit über mehr als zwei Jahrzehnte auch eine erhebliche finanzielle Leistung der Gemeinde.

Weihe am 18. Oktober 1904

Am 18. Oktober 1904 wurde die neue Marienkirche durch den Münsteraner Bischof Hermann Dingelstad geweiht.[1]

Bereits am Vortag war der Bischof am Ahlener Bahnhof feierlich empfangen worden.

Die Straßen zwischen Bahnhof und Kirche waren geschmückt, Schulen, Vereine und zahlreiche Einwohner beteiligten sich an den Feierlichkeiten.

Am Kirchweihtag selbst begann die Weihe am frühen Morgen. Nach den damaligen liturgischen Vorschriften wurde das Gebäude außen und innen gesegnet, der Altar geweiht und Reliquien in ihm beigesetzt.

Anschließend wurde das erste feierliche Hochamt in der neuen Kirche gefeiert.

Am Nachmittag fand ein Festakt mit rund 180 Gästen im Hotel Klostermann an der Nordstraße statt.[1]

Architektur

Die Marienkirche wurde als neugotische Hallenkirche errichtet.

Der ungewöhnlich breite Bauplatz führte zu einer vergleichsweise gedrungenen, stark in die Breite entwickelten Form. Das Querhaus tritt weit hervor und verleiht dem Grundriss eine annähernde Kreuzform.[2]

Zwischen den Querarmen und dem Hauptchor wurden polygonale Seitenchöre angeordnet.

Dem breiten östlichen Baukörper steht im Westen der monumentale Kirchturm gegenüber.

Der fast 75 Meter hohe Turm besitzt einen stark rechteckigen Grundriss. Vier kleinere Ecktürmchen vermitteln den Übergang vom massiven Unterbau zum polygonalen Turmhelm.

Bereits kurz nach der Fertigstellung wurde die Kirche wegen ihrer ungewöhnlichen architektonischen Gestaltung als bemerkenswerte Alternative zu den damals häufig schematisch ausgeführten neugotischen Kirchenbauten gewürdigt.[1]

Innenraum

Das Innere wird durch den Charakter einer westfälischen Hallenkirche geprägt.

Große, weit gespannte Gewölbe ruhen auf Säulen aus Sandsteintrommeln. Die Gewölberippen führen den Blick zum Chorraum.

Die ursprüngliche Sockelzone war mit hellen Majolikaplatten verkleidet. Grüne und rötliche Streifen gliederten die Wandflächen.[1]

Diese ursprüngliche Wandverkleidung wurde bei einer späteren Renovierung entfernt.

Ausstattung

Hochaltar und Seitenaltäre

Der historische Hochaltar wurde aus der Vorgängerkirche übernommen und für den Neubau erweitert.

Die Altäre wurden vom Wiedenbrücker Künstler Anton Mormann aus hellem Baumberger Sandstein geschaffen beziehungsweise ergänzt.[1]

Zu den dargestellten Heiligen gehörten unter anderem:

  • Juliana von Lüttich,
  • Thomas von Aquin,
  • Notburga,
  • Isidor,
  • Klara von Assisi
  • und ein Benediktinerabt Gerhard.

Kreuzweg

Den Kreuzweg schuf Heinrich Schmitz.

Die auf Bronze gemalten Stationen basieren auf einer Komposition des niederländischen Historienmalers Albin Windhausen.[1]

Turmfiguren

Die Figuren am Kirchturm schuf der Münsteraner Bildhauer Wesselmann.

Dargestellt sind:

  • Petrus,
  • Paulus,
  • Bonifatius
  • und Liudger.[1]

Kirchenfenster

Die ursprünglichen Glasfenster wurden nach Entwürfen des Künstlers Friedrich Stummel gefertigt.

Ausgeführt wurden die Glasgemälde von der Glasmalerei W. Derix in Goch und Kevelaer.[1]

Die Kosten betrugen 16.109,42 Mark.

Kronleuchter

Ein besonders auffälliges Ausstattungsstück war der große schmiedeeiserne Kronleuchter im Bereich der Vierung.

Er war mit mehr als 100 elektrischen Glühlampen versehen und wurde bereits unmittelbar nach Fertigstellung der Kirche als eines der herausragenden Kunstwerke des Innenraums bezeichnet.[1]

Strahlenmadonna

Zur historischen Ausstattung gehört eine sogenannte Strahlenmadonna, deren Alter in der Jubiläumsschrift auf etwa 600 Jahre geschätzt wird.[1]

Die Figur wurde bereits aus der alten Marienkirche übernommen.

Sakramentshaus und Taufstein

Das erhaltene Sakramentshaus und der Taufstein sind mehr als 500 Jahre alt.[1]

Das historische Sakramentshaus wurde bei der Renovierung von 1982/83 wieder stärker in die Gestaltung des Kirchenraumes einbezogen.

Kruzifix aus dem Kloster Maria Rosa

Ein besonders wertvolles Ausstattungsstück ist ein gotisches Kruzifix aus dem ehemaligen Kloster Maria Rosa.

Nach der Aufhebung des Klosters wurde es im frühen 19. Jahrhundert von Pfarrer Rötgers in die Marienkirche übernommen.[1]

Die Jubiläumsschrift überliefert hierzu eine ältere Legende, nach der das Kreuz ursprünglich in einer Mühle bei Uentrop als Halter für eine Lampe verwendet worden sein soll. Eine Klosterfrau habe es dort entdeckt und für das Kloster Maria Rosa erhalten.

Im Kopf der Christusfigur befinden sich Reliquienpartikel. Weitere Reliquien wurden an den vier Enden des Kreuzes eingefügt.[1]

Orgel

Die erste Orgel der neuen Marienkirche wurde 1906 aufgestellt.

Um Schäden durch die noch vorhandene Baufeuchtigkeit zu vermeiden, hatte die Gemeinde nach Fertigstellung der Kirche zunächst zwei Jahre mit dem Einbau gewartet.[1]

Das Instrument wurde von der Firma Friedrich Fleiter aus Münster gebaut.

Ursprünglich besaß es zwei Manuale und Pedal. Noch während des Baus wurde die Disposition erweitert und ein Hochdruckluftgebläse ergänzt.

Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich auf 12.232,30 Mark.[1]

Pfarrer Karl Noje

Mit dem Neubau der Marienkirche ist besonders der Name des Pfarrers Karl Noje verbunden.

Er war seit 1895 Pfarrer an St. Marien und gehörte zu den treibenden Kräften des Kirchenneubaus.

Am Palmsonntag, dem 12. April 1908, erlitt Noje unmittelbar nach einer Andacht in der Kirche einen Schlaganfall und starb noch im Gotteshaus.[1]

Eine Gedenktafel im Chor erinnert an ihn.

Geläut

Über die ältesten Glocken der Marienkirche ist nur wenig bekannt.

Nach dem Stadtbrand von 1668 wurden neue Glocken beschafft. Eine kleinere Bronzeglocke aus dem Jahr 1689 blieb erhalten und gehört damit zu den ältesten bekannten Glocken der Kirche.

Im Jahr 1844 wurde auf dem Südenwall eine weitere Glocke für die Marienkirche gegossen.[1]

Während des Ersten Weltkriegs mussten zwei Bronzeglocken für Rüstungszwecke abgegeben werden.

Eisenglocken von 1920

Im Jahr 1920 beschaffte die Kirchengemeinde zwei neue Eisenglocken der Gießerei Ulrich & Weule aus Apolda/Bockenem.

Die beiden Glocken waren Johannes dem Täufer und Maria gewidmet.[1]

Seit 1924 wurden die Glocken elektrisch geläutet.

Augustinusglocke 1991

Im Jahr 1991 wurde das Geläut um eine große Bronzeglocke ergänzt.

Die sogenannte Augustinusglocke wurde bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen. Sie hat einen Durchmesser von etwa 1,82 Metern und ein Gewicht von rund vier Tonnen.[1]

Beim Einbringen der Glocke stellte sich heraus, dass die Portale zu schmal waren. Deshalb musste vorübergehend der Mittelpfeiler des Hauptportals entfernt werden.

Erstmals erklang die neue Glocke zu Weihnachten 1991.[1]

Neues Geläut 1999

Ende der 1990er Jahre waren die Eisenglocken und Teile des Glockenstuhls stark korrodiert.

Im Jahr 1999 wurde die Glockenanlage deshalb grundlegend erneuert.

Sechs neue Bronzeglocken wurden am 28. Juni 1999 bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen.[1]

Am 15. Oktober wurden die Glocken in Ahlen empfangen. Am 18. Oktober 1999, dem Kirchweihfest, wurden sie geweiht.

Am 30. Oktober erklang das neue Geläut erstmals vollständig.[1]

Die ausgebauten Eisenglocken wurden später nach Argentinien abgegeben.

Heute verfügt St. Marien damit über ein umfangreiches Bronzegeläut.

Renovierungen

Renovierung 1955

Im Jahr 1955 wurde der Innenraum grundlegend renoviert.

Dabei veränderte sich das ursprüngliche Erscheinungsbild des Kirchenraumes erheblich. Unter anderem wurde die Wandverkleidung aus der Bauzeit entfernt.[1]

Arbeiten in den 1970er Jahren

Im Jahr 1974 wurden Kirchendach und Turm saniert.

1978 folgte eine Restaurierung der Kirchenfenster.

Grundlegende Renovierung 1982/83

Eine besonders umfangreiche Renovierung erfolgte in den Jahren 1982 und 1983.

Während der Arbeiten wurden im Inneren archäologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei konnten Fundamente der mittelalterlichen Vorgängerkirche freigelegt werden.[1]

Diese Untersuchungen führten zu der Erkenntnis, dass am Standort vermutlich bereits um 1250 eine Kirche bestanden hatte.

Zugleich wurden Spuren des ehemaligen Friedhofs im Umfeld der Kirche festgestellt.

Im Kircheninneren wurden historische Ausstattungsstücke neu geordnet beziehungsweise wieder sichtbar gemacht. Dazu gehörten unter anderem das alte Sakramentshaus und historische Zunftleuchter.[1]

Für den Kirchenboden wurden rund 1.330 Quadratmeter Steinplatten neu verlegt.

Ein neuer Zelebrationsaltar aus Baumberger Sandstein entstand.

Die farbliche Neugestaltung des Innenraumes umfasste mehr als 8.000 Meter farbige Linien und etwa 3.500 Meter vergoldete Linien beziehungsweise „Goldlitze“.[1]

Turmsanierung 2019

Im Jahr 2019 wurde der Kirchturm erneut umfassend saniert.

Ursache waren erhebliche Feuchtigkeitsschäden. Besonders betroffen waren die Sandsteinteile der Turmfassade sowie das Schieferdach und Teile des Kupferhelms.[3]

Für die Arbeiten wurde der Turm vollständig eingerüstet.

Das Gerüst umfasste etwa 3.000 Quadratmeter Arbeits- und Schutzgerüst sowie rund 2.000 Quadratmeter Modulgerüst.

Die Arbeiten erfolgten bis in eine Höhe von 74 Metern über dem Straßenniveau.

Das Gesamtvolumen der Sanierung lag bei etwa 1,5 Millionen Euro.[3]

Bedeutung

St. Marien gehört zu den prägenden Sakralbauten der Ahlener Innenstadt.

Der Kirchenstandort dokumentiert nahezu acht Jahrhunderte Stadt- und Kirchengeschichte. Die Entwicklung reicht von einer vermutlich um 1250 errichteten romanischen Kirche über mehrere mittelalterliche Erweiterungen und den Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1668 bis zum monumentalen neugotischen Neubau der Jahre 1902 bis 1904.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung von Neubau und historischer Ausstattung. Mehrere Bauteile und Kunstgegenstände der mittelalterlichen Kirche wurden bewusst bewahrt und in die heutige Kirche übernommen.

Der Neubau selbst ist zugleich ein Zeugnis des starken Bevölkerungswachstums Ahlens im Zuge der Industrialisierung und der erheblichen finanziellen Leistungen der damaligen Kirchengemeinde.

Chronik

  • um 1250: Vermutlicher Bau einer ersten romanischen Marienkirche.
  • 1278: Ein Priester namens Lambert wird erwähnt.
  • 1285: Überliefertes Jahr der offiziellen Trennung der Neuen von der Alten Pfarre.
  • erste Hälfte 14. Jahrhundert: Erweiterung des Chores.
  • um 1450: Erweiterung um ein zweites Kirchenschiff; vermutlich Entstehung des heutigen Südportals.
  • 1668: Schwere Zerstörung der Kirche beim großen Stadtbrand.
  • ab 1668: Wiederaufbau unter Beibehaltung der mittelalterlichen Grundform.
  • 1773: Erster Antrag der Stadt auf Abbruch der Kirche; der Antrag wird abgelehnt.
  • 1878: Renovierung der alten Marienkirche.
  • 1882: Gründung des Pfennigvereins zur Finanzierung von Erhalt und Neubau.
  • 1893: Untersuchung schwerer Schäden am Kirchturm; vollständiges Läuten der Glocken wird untersagt.
  • 6. März 1899: Beschluss des Kirchenvorstandes zum Neubau.
  • 10. Juli 1900: Beschluss zum Neubau am bisherigen Standort.
  • 23. November 1901: Untersuchung durch eine königliche Kommission.
  • 16. Dezember 1901: Genehmigung zum Abbruch der alten Kirche.
  • 8. Februar 1902: Letztes feierliches Amt in der mittelalterlichen Kirche.
  • 10. März 1902: Beginn des Abbruchs.
  • 16. April 1902: Erteilung der Bauerlaubnis.
  • 7. August 1902: Grundsteinlegung.
  • 1903: Fertigstellung des Rohbaus.
  • 18. Oktober 1904: Weihe der neuen Marienkirche durch Bischof Hermann Dingelstad.
  • 1906: Einbau der ersten Orgel.
  • 12. April 1908: Tod von Pfarrer Karl Noje in der Kirche.
  • 1920: Anschaffung zweier Eisenglocken.
  • 1923: Tilgung des letzten Darlehens für den Kirchenneubau.
  • 1924: Einführung des elektrischen Glockenläutens.
  • 1955: grundlegende Innenrenovierung.
  • 1974: Sanierung von Dach und Turm.
  • 1978: Restaurierung der Kirchenfenster.
  • 1982/83: grundlegende Renovierung und archäologische Untersuchungen.
  • 1991: Weihe der Augustinusglocke.
  • 1999: Erneuerung des Geläuts mit sechs neuen Bronzeglocken.
  • 2004: Feier des 100-jährigen Weihejubiläums der heutigen Kirche.
  • 2019: umfangreiche Sanierung des Kirchturms.

Abgrenzung zur Kirchengemeinde

Dieser Artikel behandelt in erster Linie die Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte der St.-Marien-Kirche.

Die Geschichte der Pfarrei, des Gemeindelebens und der kirchlichen Organisation wird im Artikel Kirchengemeinde St. Marien Ahlen behandelt.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 1,22 1,23 1,24 1,25 1,26 1,27 1,28 1,29 1,30 1,31 1,32 1,33 1,34 1,35 1,36 1,37 1,38 1,39 1,40 1,41 1,42 1,43 1,44 1,45 1,46 1,47 1,48 1,49 1,50 1,51 1,52 1,53 Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen (Hrsg.): Die Neue Pfarre zu Ahlen. 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche, Ahlen 2004.
  2. 2,0 2,1 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 48–49.
  3. 3,0 3,1 Arbeiten an der Kirchturmspitze: Präzisionsarbeit in 74 Metern über dem Straßenniveau, Allgemeine Bauzeitung, 7. Oktober 2019.

Literatur

  • Pfarrgemeinderat St. Marien Ahlen (Hrsg.): Die Neue Pfarre zu Ahlen. 1904–2004. 100 Jahre Neue Marienkirche, Ahlen 2004.
  • Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024.

Siehe auch