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Geisthövel

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Geisthövel
51.764997.88944
Anschrift Freiheit 2



Baujahr 2. Hälfte 17. Jahrhundert
Ursprüngliche Nutzung Burgmannshof
Heutige Nutzung Gaststätte
Karte


Das Haus Geisthövel an der Straße Freiheit 2 ist ein historisches Gebäude in der Ahlener Innenstadt. Es steht in der Tradition des früheren Bischopings- beziehungsweise Bispingshofes und gehört zu den historischen Burgmannshöfen Ahlens.

Der heute erhaltene Bau stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Gebäude wird seit langer Zeit gastronomisch genutzt und gilt in der lokalen Überlieferung als eine der ältesten beziehungsweise älteste Gaststätte Ahlens.[1]

Geschichte

Bischopings- beziehungsweise Bispingshof

Bereits im Jahr 1173 wird ein Bishopings- beziehungsweise Bispingshof erwähnt. Er gilt als Vorgänger des heutigen Hauses Geisthövel.[2]

Der Hof gehörte zu den bedeutenden historischen Hofstellen innerhalb des späteren Ahlener Stadtgebietes.

Wilhelm Schulte beschreibt den Bischopings- beziehungsweise Bispingshof als sogenannte „Kaiserliche Freiheit“. Auf diesem Gebiet konnte demnach niemand ohne besonderen landesherrlichen Befehl belangt werden.[2]

Der zugehörige Großhof umfasste ursprünglich ein erheblich größeres Gelände. Nach Schulte erstreckte sich der Hofbereich von der heutigen Südenmauer bis zur Nordenmauer. Durch den nördlichen Teil des ehemaligen Areals führt noch heute die Straße Freiheit. Im Osten wurde das Gebiet ungefähr durch die heutige Klosterstraße und Südstraße begrenzt.[2]

Der Straßenname „Freiheit“ erinnert damit an die besondere historische Rechtsstellung dieses Hofbereiches.

Burgmannshof

Der Bischopingshof gehörte zu den früheren Burgmannshöfen Ahlens.

Der Hof befand sich zunächst im Besitz der ritterlichen Familie von und zu Ahlen. Später gelangte er durch Heirat an die Familie von Bischopinck zur Geist und zu Pustekrey. Angehörige dieser Familie gehörten zu den Erbmännern von Münster und zu den Burgmännern von Ahlen.[1]

Der Name Geisthövel war mit dem ursprünglichen Bispingshof noch nicht verbunden. Erst zu einem späteren Zeitpunkt gelangte der Hof in den Besitz der Familie Geisthövel.[2]

Das heutige Gebäude

Das heute erhaltene Gebäude an der Freiheit 2 entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.[1]

Es handelt sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit Walmdach. Die zur Straße gerichtete Fassade wurde später verputzt.

Trotz späterer Umbauten und Veränderungen blieb die historische Grundstruktur des Hauses erhalten.

Das Gebäude erinnert gemeinsam mit weiteren erhaltenen historischen Hofstellen an die ehemals innerhalb der Stadt gelegenen Burgmannshöfe.

Die „Freiheit“

Die Bezeichnung Freiheit steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der besonderen historischen Stellung des Bispingshofes.

Wilhelm Schulte bezeichnete den Hof als „Kaiserliche Freiheit“. Innerhalb dieses Gebietes bestanden besondere Rechtsverhältnisse, die es vom übrigen Stadtgebiet unterschieden.[2]

Die heutige Straße Freiheit durchquert einen Teil des ehemaligen Hofareals und bewahrt damit die historische Bezeichnung bis in die Gegenwart.

Gastronomische Nutzung

Das Haus besitzt eine lange gastronomische Tradition und wird in der lokalen Berichterstattung wiederholt als älteste Gaststätte Ahlens bezeichnet.

Seit 1779 befand sich das Fachwerkhaus im Besitz der Familie Geisthövel. Nachweislich ist das Gebäude selbst wesentlich älter. Besonders eng mit der jüngeren Geschichte des Hauses verbunden ist Fritz Geisthövel, der die Gaststätte ab 1949 führte und vielen Ahlenern als langjähriger Wirt in Erinnerung blieb.[3]

Nach dem Tod Fritz Geisthövels und dem anschließenden Verkauf des Hauses folgte eine wechselvolle gastronomische Nutzung.

Nach einer umfangreichen Sanierung wurde in den 1990er-Jahren zunächst eine Weinstube und später ein Restaurant betrieben. Im Jahr 2009 eröffnete nach einer erneuten Renovierung die Familie Ferrugia in dem Gebäude ein italienisches Restaurant unter dem Namen Bellini. Zuvor hatte die Familie die Pizzeria „Bel Vedere“ im Elsken betrieben.[3]

Club Geisthövel

Nach einem etwa einjährigen Leerstand wurde 2013 für das traditionsreiche Gasthaus ein neues Nutzungskonzept entwickelt.

Unternehmer und Unterstützer aus Ahlen gründeten den Club Geisthövel, um das Lokal zu erhalten und als Treffpunkt weiterzuführen.

Der Club hatte bereits vor seiner Eröffnung mehr als 100 Mitglieder. Die Räume wurden im Stil einer klassischen Gaststätte mit Anklängen an einen englischen Club renoviert. Die Eröffnung war für den 15. November 2013 vorgesehen.[4]

Das zunächst weitgehend auf Mitglieder ausgerichtete Konzept erwies sich auf Dauer als schwierig.

Im Jahr 2015 entschied der Verein, die Gaststätte wieder stärker für die Öffentlichkeit zu öffnen. Der Mittwoch blieb zunächst den Clubmitgliedern vorbehalten, während das Haus an den übrigen Tagen wieder als öffentliche Gaststätte betrieben wurde. Als Betreiber wurde André Schwippe gewonnen.[5]

Geisthövel 800 Grad

Im Jahr 2021 übernahm Karsten Brummel die Gaststätte. Der damals 28-Jährige eröffnete das Lokal am 5. April unter dem Namen „Geisthövel 800 Grad“.[6]

Brummel übernahm das Haus nach dem Ausscheiden des bisherigen Betreibers André Schwippe. Eigentümer Hartmut Rogalla hatte zuvor für die Nachfolge mehrere Interessenten geprüft.

Das gastronomische Konzept setzte unter anderem auf Fleischgerichte, die bei sehr hohen Temperaturen zubereitet wurden. Der traditionelle Name Geisthövel blieb dabei ausdrücklich erhalten.[6]

Geisthövel 2.0

Später führten Kati und Hartmut Rogalla die Gaststätte unter der Bezeichnung „Geisthövel 2.0“ weiter.

Nachdem das Haus zunächst überwiegend für Veranstaltungen geöffnet gewesen war, nahmen die Rogallas im Herbst 2024 wieder einen regelmäßigen Gaststättenbetrieb auf. Samstags und sonntags öffnete das Geisthövel jeweils von 17 bis 22 Uhr.[7]

Neben Getränken und kleineren Speisen sollte das Haus wieder als Treffpunkt für die Ahlener Bevölkerung dienen. Vorgesehen waren außerdem kulturelle Veranstaltungen sowie die Nutzung durch Stammtische, Vereine und andere Gruppen.[7]

Betreiberwechsel 2025

Zum 1. Dezember 2025 übernahm Anna Möllenhoff die Leitung der Gaststätte. Ihre Söhne Amadeo und Romeo unterstützen sie im Betrieb. Hartmut und Kati Rogalla blieben mit dem Haus verbunden.[8]

Möllenhoff hatte zuvor ein Restaurant an der Mecklenburger Straße betrieben, das im August 2025 durch einen Brand schwer getroffen worden war. Mit der Übernahme des Geisthövels begann sie wenige Monate später gastronomisch neu.[8]

Bedeutung

Haus Geisthövel gehört zu den bedeutenden erhaltenen Profanbauten der historischen Ahlener Innenstadt.

Seine besondere Bedeutung ergibt sich nicht allein aus dem heutigen Gebäude, sondern aus der langen Geschichte des Standortes. Diese reicht vom mittelalterlichen Bispingshof und seiner besonderen Rechtsstellung über die Nutzung als Burgmannshof bis zur späteren Entwicklung als Gaststätte.

Das Haus dokumentiert damit mehrere Schichten der Ahlener Stadtgeschichte: die mittelalterliche Hofstruktur, die besondere Rechtsstellung des Gebietes der „Freiheit“ sowie die über viele Jahrzehnte gewachsene gastronomische Tradition.

Chronik

  • 1173: Erwähnung des Bishopings- beziehungsweise Bispingshofes.
  • Mittelalter: Der Hof besitzt eine besondere Rechtsstellung als sogenannte „Kaiserliche Freiheit“.
  • späteres Mittelalter/frühe Neuzeit: Der Hof gehört zu den Burgmannshöfen Ahlens.
  • 2. Hälfte 17. Jahrhundert: vermutliche Entstehungszeit des heutigen Gebäudes.
  • 1779: Das Haus befindet sich im Besitz der Familie Geisthövel.
  • ab 1949: Fritz Geisthövel führt die Gaststätte.
  • 1990er-Jahre: Nach Sanierung zunächst Nutzung als Weinstube, später als Restaurant.
  • 2009: Wiedereröffnung als italienisches Restaurant „Bellini“.
  • 2013: Gründung und Eröffnung des „Club Geisthövel“.
  • 2015: Wiederöffnung des Clubhauses als öffentliche Gaststätte unter André Schwippe.
  • 2021: Karsten Brummel übernimmt und eröffnet das „Geisthövel 800 Grad“.
  • 2024: Kati und Hartmut Rogalla nehmen als „Geisthövel 2.0“ wieder einen regelmäßigen Gaststättenbetrieb auf.
  • 1. Dezember 2025: Anna Möllenhoff übernimmt die Gaststätte.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 56–57.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Wilhelm Schulte: Heimatbuch der Stadt Ahlen, Ahlen 1929.
  3. 3,0 3,1 Christian Wolff: „Geisthövel öffnet wieder“, Westfälische Nachrichten, 26. März 2009.
  4. Ulrich Gösmann: „Kult-Kneipe wird ‚Club Geisthövel‘“, Dülmener Zeitung, 22. Oktober 2013.
  5. Christian Wolff: „Club öffnet Gaststätte Geisthövel“, Westfälische Nachrichten, 25. Juni 2015.
  6. 6,0 6,1 Christian Wolff: „Mit Geisthövel einen Lebenstraum erfüllt“, Westfälische Nachrichten, 2. März 2021.
  7. 7,0 7,1 Stadt Ahlen: „Ahlens älteste Gaststätte ‚Geisthövel 2.0‘ ist wieder da“, Stadtmagazin, 8. Oktober 2024.
  8. 8,0 8,1 Peter Harke: „Neustart in Ahlens ältester Gaststätte“, Westfälische Nachrichten, 27. November 2025.

Literatur

  • Wilhelm Schulte: Heimatbuch der Stadt Ahlen, Ahlen 1929.
  • Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 56–57.

Presse und weitere Quellen

  • Christian Wolff: „Geisthövel öffnet wieder“, Westfälische Nachrichten, 26. März 2009.
  • Ulrich Gösmann: „Kult-Kneipe wird ‚Club Geisthövel‘“, Dülmener Zeitung, 22. Oktober 2013.
  • Christian Wolff: „Club öffnet Gaststätte Geisthövel“, Westfälische Nachrichten, 25. Juni 2015.
  • Christian Wolff: „Mit Geisthövel einen Lebenstraum erfüllt“, Westfälische Nachrichten, 2. März 2021.
  • Stadt Ahlen: „Ahlens älteste Gaststätte ‚Geisthövel 2.0‘ ist wieder da“, Stadtmagazin, 8. Oktober 2024.
  • Peter Harke: „Neustart in Ahlens ältester Gaststätte“, Westfälische Nachrichten, 27. November 2025.

Siehe auch