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Straßenumbenennungen

Aus AhlenWiki
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Die Straßenumbenennungen in Ahlen spiegeln die Entwicklung der Stadt und den Wandel politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse wider. Straßennamen veränderten sich bereits lange vor dem 20. Jahrhundert. Größere Phasen der Neu- und Umbenennung gab es insbesondere im Zusammenhang mit dem Stadtwachstum zwischen 1905 und 1927, während der nationalsozialistischen Herrschaft und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie infolge der kommunalen Neugliederung.[1]

Diese Übersicht sammelt dokumentierte Namen und weitere aus älteren AhlenWiki-Fassungen überlieferte Angaben. Bei noch nicht geklärten Zeitpunkten, Namensfolgen oder Quellen ist dies ausdrücklich vermerkt. Zwischen amtlichen Straßenbezeichnungen und volkstümlichen Namen wird unterschieden.

Frühe Straßennamen und Umbenennungen vor 1933

Straßennamen im Mittelalter

Einige Ahlener Straßennamen lassen sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Überliefert sind unter anderem die Bezeichnungen „Campstrate“ und „Helstrate“ sowie die Ost- und Weststraße. Die damalige Hausnummerierung war nicht an Straßennamen gebunden; die Häuser der alten Innenstadt wurden unabhängig von ihrer Lage fortlaufend nummeriert.[1]

Ein frühes Beispiel für eine veränderte Straßenbezeichnung ist die Fleischstraße (historisch „Vleesstrate“), die später als Klosterstraße bezeichnet wurde. In dem Bereich entstand 1470 das Nonnenkloster Maria Rosa. Wann genau der neue Name aufkam und aus welchem Anlass, ist nicht belegt. Alte und neue Bezeichnung wurden noch ungefähr 130 Jahre später nebeneinander verwendet. Es lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres von einer förmlichen Umbenennung im heutigen Sinne sprechen.[1]

Stadtwachstum und Umbenennungen zwischen 1905 und 1927

Mit dem starken Wachstum der Stadt entstanden neue Wohngebiete und Straßen. Die Westfälischen Nachrichten beschreiben die Zeit von 1905 bis 1927 als erste größere Welle von Neu- und Umbenennungen. In der Kolonie gab es zunächst unter anderem die provisorischen Bezeichnungen B-Straße, C-Straße und D-Straße. 1922 wurden diese durch die Namen Bürgelstraße, Galileistraße und Humboldtstraße ersetzt. Welche frühere Bezeichnung jeweils welchem neuen Namen entsprach, geht aus dem herangezogenen Zeitungsartikel nicht einzeln hervor.[1]

Frühere Bezeichnung Spätere Bezeichnung Zeitraum / Bemerkung
Fleischstraße („Vleesstrate“) Klosterstraße Namenswandel nach der Klostergründung von 1470; genauer Zeitpunkt und amtlicher Status ungeklärt.
B-, C- und D-Straße (Kolonie) Bürgelstraße, Galileistraße und Humboldtstraße Umbenennungen 1922; Zuordnung der drei einzelnen Straßen noch zu prüfen.

Hinweis: Die mittelalterlichen Namensformen sind nicht mit förmlich dokumentierten Straßenumbenennungen nach heutigen Verwaltungsverfahren gleichzusetzen.

Straßenumbenennungen während der NS-Zeit (1933–1945)

Umbenennungen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933

Am 12. April 1933 stellte die NSDAP-Fraktion einen Dringlichkeitsantrag zur Umbenennung mehrerer Ahlener Straßen und Plätze. Für Glückaufplatz, Lütkeweg und Rathenaustraße nennt der LWL den 21. April 1933 als Umbenennungsdatum. Die bisherige AhlenWiki-Zusammenstellung führt in diesem Zusammenhang außerdem die Friedrich-Ebert-Straße auf; ihre genaue Namensfolge und Datierung bedürfen noch einer Überprüfung.[2][3]

Vorherige Bezeichnung Benennung 1933 Spätere Entwicklung
Glückaufplatz Horst-Wessel-Platz (21. April 1933) Im Juni 1945 wieder Glückaufplatz.
Friedrich-Ebert-Straße Lindenstraße (laut bisheriger AhlenWiki-Zusammenstellung; Datum nicht gesichert) Ab 1938 Ludendorffstraße, im Juni 1945 wieder Friedrich-Ebert-Straße. Die Angaben zur älteren Namensfolge sind noch zu prüfen.
Lütkeweg Adolf-Hitler-Straße (21. April 1933) Ab 10. Februar 1938 Fridericus-Straße; nach Kriegsende wieder Lütkeweg.
Rathenaustraße Albert-Leo-Schlageter-Straße (21. April 1933) Später August-Kirchner-Straße (laut bisheriger AhlenWiki-Zusammenstellung; Datum noch nicht geklärt).

Beschlossen, aber nicht umgesetzt: Alfred-Meyer-Platz

Am 21. September 1933 beschloss der Magistrat, den Marktplatz nach Alfred Meyer in „Alfred-Meyer-Platz“ umzubenennen. Nach Angaben des LWL wurde dieser Beschluss jedoch nach Rücksprache mit dem Oberpräsidenten nicht umgesetzt. Es handelte sich somit nicht um eine tatsächlich vollzogene Umbenennung.[4]

Die umfangreichen Umbenennungen vom 10. Februar 1938

Am 10. Februar 1938 wurden zahlreiche weitere Straßen, Plätze und Promenaden umbenannt. Einige erhielten Namen führender Nationalsozialisten, andere wurden nach Militärpersonen, historischen Persönlichkeiten oder geschichtlichen Ereignissen benannt. Die Ost- und Weststraße wurden zur Adolf-Hitler-Straße zusammengefasst. Der bis dahin so bezeichnete Lütkeweg erhielt dafür den Namen Fridericus-Straße.[5][2]

Straßen

Vorherige Bezeichnung Ab 10. Februar 1938 Spätere Entwicklung
Adolf-Hitler-Straße (zuvor Lütkeweg) Fridericus-Straße Nach Kriegsende wieder Lütkeweg.
Oststraße und Weststraße Adolf-Hitler-Straße Im Juni 1945 wieder Oststraße und Weststraße.
Nordstraße Vom-Stein-Straße Eine spätere Umbenennung ist in der bisherigen Zusammenstellung nicht vermerkt.
Südstraße Viktor-Lutze-Straße Im Juni 1945 wieder Südstraße.
Ludgeristraße Gneisenaustraße Spätere Bezeichnung beim LWL nicht angegeben.
Lindenstraße / Friedrich-Ebert-Straße Ludendorffstraße Im Juni 1945 Friedrich-Ebert-Straße; siehe Hinweis zur unklaren älteren Namensfolge unten.
Wasserstraße Sauerbruchstraße Später Robert-Koch-Straße (Datum nicht angegeben).
Offenbachstraße Eschenbachstraße Eine spätere Umbenennung ist in der bisherigen Zusammenstellung nicht vermerkt.

Plätze, Promenaden und Uferwege

Vorherige Bezeichnung Ab 10. Februar 1938 Spätere Entwicklung
Platz an der Berufsschule Josef-Goebbels-Platz Ab Juni 1945 Neumarkt.
Ostenpromenade und Südenpromenade Hermann-Göring-Wall Spätere Bezeichnung beim LWL nicht angegeben.
Westenpromenade und Kampenpromenade Richthofenwall Spätere Bezeichnung beim LWL nicht angegeben.
Uferweg an der Wersemauer Langemarckufer Spätere Bezeichnung beim LWL nicht angegeben.
Uferweg an der Werse, von der Dolberger Straße bis zur damaligen Schlageterstraße Knickmannufer Spätere Bezeichnung beim LWL nicht angegeben.

Hinweis zur Friedrich-Ebert-Straße: Die bisherige AhlenWiki-Fassung nennt für 1933 die Namensänderung von Friedrich-Ebert-Straße in Lindenstraße. Der LWL führt für 1938 die „Lindenstraße“ als vorherige Bezeichnung auf, vermerkt aber gleichzeitig „Bis 1938: Friedrich-Ebert-Straße“. Die genaue Reihenfolge beziehungsweise Datierung dieser beiden älteren Namen sollte deshalb noch anhand der Originalquellen geprüft werden.[2]

Weitere für die NS-Zeit überlieferte Änderungen

Die bisherige AhlenWiki-Zusammenstellung nennt außerdem folgende Umbenennungen. Ein genaues Datum ist hierfür noch nicht gesichert:

Vorherige Bezeichnung Spätere Bezeichnung Anmerkung
Friedhofstraße Parkstraße Genaues Datum noch zu prüfen.
Im Sack Rosenstraße Änderung auf Antrag der Anwohner.
Nicht angegeben Steinstraße Änderung auf Antrag der Anwohner; frühere Bezeichnung noch unbekannt.

Rück- und Umbenennungen nach Kriegsende (1945–1947)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden nationalsozialistisch geprägte Namen wieder aus dem Straßenbild entfernt. Im Juni 1945 ordnete Landrat Hackethal an, in den Städten des damaligen Kreises Beckum die entsprechenden Straßenschilder abzunehmen. Neue Straßennamen mussten von der Besatzungsregierung genehmigt werden.[5] Die Westfälischen Nachrichten beschreiben die Jahre 1945 bis 1947 als Phase der Rück- und Neubenennungen.[1]

Viele Straßen erhielten wieder ihre früheren Namen, darunter die Ost- und Weststraße, die Südstraße und der Glückaufplatz. In anderen Fällen wurden neue Namen eingeführt: Die Selma-Englisch-Straße hieß zuvor Kruppstraße.[1] Die ältere AhlenWiki-Zusammenstellung nennt zusätzlich Westdahl → Kruppstraße; wann und in welchem räumlichen Umfang diese Bezeichnung galt, ist noch nicht geklärt.

Die LWL-Datenbank nennt für mehrere Rückbenennungen Juni 1945. Dabei ist nicht für jeden Einzelfall belegt, dass der förmliche Beschluss tatsächlich in diesem Monat fiel. Die dokumentierten Rückbenennungen sind in den Tabellen zur NS-Zeit aufgeführt.

Umbenennungen infolge der kommunalen Neugliederung

Mit der Eingemeindung von Dolberg und Vorhelm bestanden manche Straßennamen im vergrößerten Stadtgebiet mehrfach, unter anderem Bahnhofstraße, Kolpingstraße und Beckumer Straße. Zur eindeutigen Orientierung und Adressierung wurden daher weitere Straßen umbenannt.[1]

Der Zeitungsartikel nennt als Beispiel die Änderung der Schulstraße in Theodor-Körner-Straße. Diese Namensänderung ist auch in der bisherigen AhlenWiki-Liste enthalten. Das genaue Datum ist mit der vorliegenden Quelle noch nicht belegt. Auch die übrigen Mehrfachbenennungen lassen sich anhand dieses Artikels nicht ohne weitere Quellen bestimmten heutigen Straßennamen zuordnen.

Weitere Namensänderungen, deren Zeitpunkt noch ungeklärt ist, stehen in der folgenden Tabelle.

Weitere historische Straßenumbenennungen ohne gesicherte Datierung

Die bisherige AhlenWiki-Fassung enthält weitere überlieferte Umbenennungen, deren genaue Zeitpunkte oder Quellen teilweise noch ungeklärt sind. Einige Angaben werden durch den Zeitungsartikel von 2022 gestützt (etwa die Schulstraße), während andere noch nicht unabhängig belegt sind. Sie bleiben zur historischen Überprüfung erhalten und werden nicht ohne Nachweis einer bestimmten Epoche zugeordnet. Die Tabelle ist nach den früheren Bezeichnungen alphabetisch sortiert.

Frühere Bezeichnung Spätere Bezeichnung / Namensfolge
Am Ferkenkamp Otto-Schott-Straße
Am grünen Weg Konrad-Adenauer-Ring
Beckumer Straße Alte Beckumer Straße
Brinkstraße Beckumer Straße
Brückstraße Theodor-Schwarte-Straße und Schinkelstraße
Hoffmannstraße Theodor-Schwarte-Straße
Im Küssenviertel Freytagstraße
In der Brede Am Bahndamm
Jakobstraße Kolpingstraße
Kaiserdamm Hindenburgdamm → Westfalendamm
Käthenbachstraße Konrad-Adenauer-Ring
Klingerstraße Theodor-Schwarte-Straße
Körnerstraße Raiffeisenstraße
Schulstraße Theodor-Körner-Straße[1]
Victoriastraße Jahnstraße
Vogelsgasse Bogenstraße
Westdahl Kruppstraße (später Selma-Englisch-Straße[1]; genaue Namensfolge noch zu prüfen)

Hinweise:

  • Beim Kaiserdamm wird die Umbenennung in Hindenburgdamm in der bisherigen Zusammenstellung auf ungefähr 1933 datiert; später wird der Name Westfalendamm genannt. Diese zeitliche Einordnung ist noch nicht belegt.
  • Für die Brückstraße sind als spätere Bezeichnungen Theodor-Schwarte-Straße und Schinkelstraße angegeben. Ob dies unterschiedliche Teilabschnitte oder nacheinander erfolgte Umbenennungen betrifft, ist noch zu prüfen.
  • Die Umbenennung der Schulstraße sowie die spätere Bezeichnung Selma-Englisch-Straße für die Kruppstraße sind durch den Zeitungsartikel von 2022 zusätzlich belegt. Die übrigen Angaben sowie noch offene Datierungen und Teilabschnitte sind weiter zu überprüfen.

Amtliche und volkstümliche Bezeichnungen

Neben offiziell festgelegten Straßennamen existierten in Ahlen zahlreiche im Alltag gebrauchte Bezeichnungen für Straßen, Gassen, Plätze und Wohnviertel. Manche davon waren niemals amtlich; andere blieben auch nach einem Namenswechsel noch lange in Gebrauch. Sie dürfen deshalb nicht automatisch als frühere amtliche Straßennamen in die Tabellen übernommen werden.[1]

Eine gesonderte Sammlung solcher örtlichen Bezeichnungen wäre eine sinnvolle Ergänzung zur Dokumentation der Straßenumbenennungen.

Hinweise zur Quellenlage

Die Angaben zur NS-Zeit beruhen insbesondere auf Arbeiten von Ludger Grevelhörster und Rembert Wilke sowie auf der Straßenbenennungsdatenbank des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Ergänzend wurde der Zeitungsartikel von Christian Wolff vom 21. Juli 2022 ausgewertet, der Aussagen von Kreisarchivar Dr. Knut Langewand und Stadtchronist Jürgen Rheker wiedergibt. Daneben enthält diese Seite ältere AhlenWiki-Angaben, die noch nicht durchgängig mit Primärquellen abgeglichen wurden.

Ein fehlender späterer Name in der LWL-Datenbank bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Straße nach 1945 keinen neuen Namen erhielt. Er zeigt lediglich, dass die betreffende Angabe dort nicht dokumentiert ist.

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 Christian Wolff: „Viele Namen waren nie offiziell – aber dennoch wohlbekannt. Über Straßen- und Quartiersbezeichnungen“. In: Westfälische Nachrichten, 21. Juli 2022. Mit Angaben von Kreisarchivar Dr. Knut Langewand und Stadtchronist Jürgen Rheker.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 Marcus Weidner: Die Straßenbenennungspraxis in Westfalen und Lippe während des Nationalsozialismus – Ahlen. LWL, Internet-Portal „Westfälische Geschichte“, Stand: 11. April 2019.
  3. ↑ Machtergreifung und Gleichschaltung in Ahlen 1930-1934 (Ludger Grevelhörster, 1987), insbesondere S. 143 und 148.
  4. ↑ LWL-Datenbank: „Meyer, Alfred“, Eintrag zum Marktplatz in Ahlen.
  5. ↑ 5,0 5,1 Rembert Wilke: „Umbenennung von Ahlener Straßen in der Hitlerzeit“. In: Der beflügelte Aal, Band 17 (1998), S. 79–81.