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Markt

Aus AhlenWiki
(Weitergeleitet von Marktplatz)
Markt
51.762637.88849
Postleitzahl 59227
Ortsteil Innenstadt
Art der Straße Platz
Karte



Markt ist die amtliche Bezeichnung des zentralen Marktplatzes in der Ahlener Innenstadt. Die anliegenden Gebäude tragen entsprechend Anschriften wie Markt 1, Markt 3 oder Markt 10.

Der Platz liegt unmittelbar östlich der Bartholomäuskirche und gehört zu den ältesten städtebaulichen Räumen Ahlens. Er bildete über Jahrhunderte das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Zentrum der Stadt.

Lage und Gestalt

Der Markt besitzt die Form eines langgestreckten, unregelmäßigen Rechtecks, das dem Chor der Bartholomäuskirche vorgelagert ist. Der Platz verjüngt sich nach Osten.

Die Bebauung besteht aus Wohn- und Geschäftshäusern unterschiedlicher Epochen und Architekturstile. Auf der Südseite befindet sich das Alte Rathaus, das von 1906 bis 1979 als Rathaus der Stadt genutzt wurde und heute die Volkshochschule beherbergt.

Eine Mittelinsel mit Platanen gliedert den Platz. Sie führt zum Ehrenmal am östlichen Ende des Marktes.

Geschichte

Vermutlich entwickelte sich der Markt im Zuge der dörflichen Entwicklung im 12. Jahrhundert östlich der damaligen Pfarrkirche.

Spätestens im Jahr 1245 muss der Marktplatz bestanden haben. In diesem Jahr ist ein Ahlener Bürger namens Gerhard „de Foro“ belegt. Der Beiname bedeutet sinngemäß „Gerhard vom Marktplatz“ und weist ihn als Anwohner des Marktes aus.[1]

Archäologische Untersuchungen ergaben Hinweise auf mittelalterliche Marktbuden. Dazu gehören Pfostenlöcher unterschiedlicher Größe, die vermutlich von temporären Verkaufsständen stammten. Bevor der Platz befestigt wurde, bewegten sich Fuhrwerke auf einem unbefestigten Sandboden.[1]

Von September 1933 bis 1945 trug der Markt den Namen Alfred-Meyer-Platz.

In den 1960er- und 1970er-Jahren war der Marktplatz noch vollständig für den Kraftfahrzeugverkehr geöffnet. Später wurde er in die innerstädtische Fußgängerzone einbezogen.[1]

Gebäude am Markt

Die Bebauung des Marktes wird durch mehrere historische Wohn-, Geschäfts- und Verwaltungsgebäude geprägt.

Markt 1

Das Gebäude an der nordöstlichen Ecke des Marktes besitzt einen Fachwerkkern und ist zur Marktseite mit Schiefer verkleidet. Im 20. Jahrhundert befanden sich dort unter anderem die Geschäftsstelle einer Tageszeitung und ein Kunstgewerbegeschäft.

Hauptartikel: Markt 1

Markt 3

Das frühere Gebäude war als Haus Wüller bekannt. Die Familie Wüller betrieb dort ein Kolonialwaren- und Porzellangeschäft. Das Haus wurde am 20. August 1940 zerstört und nach dem Krieg durch einen etwas zurückgesetzten Neubau ersetzt.

Hauptartikel: Haus Wüller

Markt 5

Zur Geschichte des Gebäudes Markt 5 liegen bislang nur wenige Angaben vor.

Hauptartikel: Markt 5

Altes Rathaus

Das Alte Rathaus wurde 1905 und 1906 errichtet. Es diente bis 1979 als Sitz der Stadtverwaltung und wird heute von der Volkshochschule genutzt.

Hauptartikel: Altes Rathaus

Haus Pieper

Das Haus Pieper ist ein historisches Fachwerkgebäude, das früher unter anderem als Posthalterei, Gaststätte und Hotel genutzt wurde.

Hauptartikel: Haus Pieper

Alte Apotheke

Die Alte Apotheke ist ein klassizistisch geprägtes Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert. Eine Apotheke ist dort seit 1840 nachweisbar.

Hauptartikel: Alte Apotheke

Haus Holtermann

Das ehemalige Haus Holtermann an Markt 10 und 12 besitzt eine markante Jugendstilfassade. Das Gebäude entstand 1906 durch den Umbau eines älteren Fachwerkhauses.

Hauptartikel: Haus Holtermann

Historischer Marktbrunnen

Die Wasserversorgung des Marktes erfolgte früher unter anderem durch einen öffentlichen Brunnen. Dieser wurde bei archäologischen Untersuchungen im Jahr 1985 nahe dem Alten Rathaus durch den ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Heinrich Kemper und sein Team wiederentdeckt.[1]

Bei der Freilegung wurde eine mit Bohlen abgedeckte Brunnenanlage festgestellt. Später wurde der Brunnenschacht mit einer Bronzeplatte versehen, auf der ein geflügelter Aal als Ahlener Wappentier dargestellt ist.

Ehrenmal

Am östlichen Ende des Marktes befindet sich ein 1896 errichtetes Ehrenmal. Es erinnerte ursprünglich an die im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, im Deutschen Krieg 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Ahlener.

Heute dient es als Mahnmal für alle Menschen, die durch Krieg und Kriegsfolgen zu Schaden gekommen sind.[1]

Archäologische Untersuchungen

Der Markt und der angrenzende Kirchplatz gehören zur Keimzelle der mittelalterlichen Stadt Ahlen. Die frühe Siedlung entwickelte sich im Umfeld eines bedeutenden bischöflichen Hofes, der den Mittelpunkt eines Hofverbandes bildete. Bereits um das Jahr 800 befand sich hier eine Pfarrkirche als Vorgängerbau der heutigen Bartholomäuskirche.[2]

Südlich der Kirche lag der zugehörige bischöfliche Hof, an den noch heute die Bezeichnung Alter Hof erinnert. Zwischen 1997 und 2000 konnten dort unter anderem ein Pfostenhaus, Gruben und zwei Brunnen archäologisch nachgewiesen werden. Im 13. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Fachwerkgebäude auf steinernem Unterbau errichtet, das bis in das 15. Jahrhundert bestand.[2]

Für das 12. Jahrhundert lässt sich im Umfeld der Kirche eine dörfliche Siedlung erschließen. Diese war bereits um 1200 durch einen Graben geschützt. Auf Grundstücken südlich und westlich des Kirchplatzes wurden mehrfach entsprechende Grabenabschnitte festgestellt.[2]

Mittelalterlicher Marktplatz

Der Marktplatz entwickelte sich vermutlich im 12. Jahrhundert östlich der Pfarrkirche. Spätestens 1245 muss er bestanden haben, da in diesem Jahr ein Ahlener Bürger namens Gerhard „de Foro“ belegt ist. Der Beiname bedeutet „Gerhard vom Marktplatz“ und weist ihn als Anwohner des Platzes aus.[2]

Bei archäologischen Untersuchungen wurden Pfostenlöcher unterschiedlicher Größe entdeckt, die vermutlich zu Marktbuden gehörten. Außerdem konnten in mehreren Bereichen spätmittelalterliche Pflasterungen aus Kalksteinbruchstücken nachgewiesen werden.[2]

Bevor der Markt erstmals befestigt wurde, bewegten sich Fuhrwerke direkt auf dem natürlichen Sandboden. Nördlich der Bartholomäuskirche blieben alte Wegespuren und Abdrücke von Wagenrädern erhalten. Sie sind älter als die spätmittelalterlichen Pflasterungen.[2]

Die starke Nutzung des Platzes machte regelmäßige Sandauffüllungen und Pflastererneuerungen erforderlich. In den damaligen Bodenschichten fanden sich Tierknochen, Keramikscherben und weitere Abfälle. Solche Funde dienen heute unter anderem zur Datierung der verschiedenen Nutzungsphasen. Zu den geborgenen Gegenständen gehörte auch eine lederne Schuhsohle.[2]

Marktbrunnen

Die Wasserversorgung des Marktes erfolgte durch einen öffentlichen Brunnen. Dieser wurde bereits 1985 bei Ausgrabungen durch den Heimat-Förderkreis für Westfälische Tradition entdeckt. Heute ist seine Lage durch eine vom Förderkreis gestiftete Bronzeplatte gekennzeichnet.[2]

Anrainerbebauung und Kellerfund

Teile der mittelalterlichen Bebauung am Rand des Marktplatzes wurden bereits 1985 archäologisch untersucht. Im Zuge der Anlage des Wasserspiels und der dazugehörigen Pumpenkammer fanden 2017 erneut Grabungen durch die LWL-Archäologie für Westfalen statt.[2]

Dabei wurde der Keller eines im 15. Jahrhundert abgebrochenen Gebäudes freigelegt. Das Gebäude besaß Kalksteinmauern und einen Stampflehmfußboden. An der Innenseite der Nordmauer fanden sich Reste einer zusätzlichen Backsteinmauer. Vermutlich war die ursprüngliche Hauswand instabil geworden und musste nachträglich verstärkt werden.[2]

Nach dem Abriss wurde der Keller mit Bruch- und Backsteinen, Dachziegeln, Tierknochen, Glas- und Keramikabfällen verfüllt. Zahlreiche schmale Lederstreifen deuten darauf hin, dass sich in der Nähe die Werkstatt eines Flickschusters befand.[2]

Vorgängerbauten des Rathauses

Die Ausgrabungen lieferten außerdem Hinweise auf mehrere Vorgängerbauten des heutigen Alten Rathauses. Vor der Errichtung des Gebäudes von 1905 und 1906 stand etwas weiter nördlich auf dem Marktplatz ein älteres Rathaus. Dieses war nach dem Stadtbrand von 1744 als barocker Neubau errichtet worden.[2]

Von diesem barocken Rathaus wurden mächtige Fundamente aus gelben Kalksteinblöcken freigelegt. Unterschiedliche Bauweisen und die Verwendung von Kalkmörtel lassen vermuten, dass der barocke Bau wiederum auf einen noch älteren, möglicherweise spätmittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Vorgänger zurückging.[2]

Die archäologischen Befunde konnten trotz des Einbaus der Pumpenkammer für das Wasserspiel weitgehend erhalten werden.[2]

Neugestaltung 2017 bis 2018

Die Umgestaltung des Marktplatzes erfolgte von Juli 2017 bis Dezember 2018. Das Projekt war Bestandteil des „Masterplans Ahlener Innenstadt im Trialog“ und wurde mit Mitteln der Städtebauförderung von Bund, Land und Kommune finanziert. Rechtzeitig zum Weihnachtsmarkt im November 2018 war der Platz weitgehend fertiggestellt.[1]

Ziel war eine funktionale Aufwertung für Einzelhandel, Gastronomie und innerstädtisches Wohnen. Zugleich sollte der Platz vollständig barrierefrei gestaltet und an die Anforderungen des demografischen Wandels angepasst werden.

Die Mittelinsel mit ihrem historischen Pflaster und mehreren Platanen blieb weitgehend erhalten. Die übrigen Flächen wurden mit neuem Natursteinpflaster gestaltet. Insgesamt wurden rund 2.500 Quadratmeter Granitpflaster aus Portugal verlegt.[1]

Zur neuen Ausstattung gehören:

  • ein Wasserspiel mit neun beleuchteten Düsen,
  • zwölf Beleuchtungssteelen mit steuerbaren Zusatzstrahlern,
  • taktile Leitlinien für sehbehinderte Menschen,
  • fünf versenkbare Stromversorgungskästen,
  • drei Wasseranschlüsse für Wochenmarkt und Veranstaltungen,
  • vier Bänke auf der Mittelinsel,
  • weitere Sitzgelegenheiten am Kirchhof sowie
  • Bodeneinbauleuchten unter den Platanen.

Die Kosten für Planung, Bau und archäologische Begleitung beliefen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Davon wurden 80 Prozent durch die Städtebauförderung getragen.[1]

Bürgerbeteiligung

Der Neugestaltung ging ein partizipatives Werkstattverfahren voraus. Zwischen Dezember 2015 und März 2016 fanden eine Auftaktveranstaltung, ein Kolloquium, eine öffentliche Planungswerkstatt und eine abschließende Gremiumssitzung statt.

Mit Entwürfen beauftragt wurden die Büros bbz Landschaftsarchitekten aus Berlin, DTP Landschaftsarchitekten aus Essen und wbp Landschaftsarchitekten aus Bochum. Den ersten Rang erhielt der Entwurf von wbp Landschaftsarchitekten.[1]

Auch bei der Auswahl der Ausstattung wurden Bürger beteiligt. An der Abstimmung über neue Sitzbänke nahmen 611 Personen teil. Über die Gestaltung des Pflasters stimmten 920 Bürger ab. Ausgewählt wurde ein zweifarbiger Reihenverband aus neuem Natursteinmaterial.[1]

Stadtmodell

Im Februar 2019 wurde auf der Mittelinsel ein Bronzemodell der Ahlener Innenstadt aufgestellt. Das Modell im Maßstab 1:650 wurde vom Soester Künstler Felix Broerken angefertigt und auf einem Granitsockel montiert.[1]

Es dient der Orientierung, kann bei Stadtführungen eingesetzt werden und ermöglicht insbesondere sehbehinderten Menschen, den Stadtgrundriss und die Stadtsilhouette zu ertasten.

Das Projekt wurde von der Bürgerstiftung Ahlen in Zusammenarbeit mit der WFG Ahlen initiiert. Unterstützt wurde es außerdem durch die Sparkassenstiftung für Ahlen, Drensteinfurt und Sendenhorst.

Hauptartikel: Stadtmodell Ahlen

Veranstaltungen

Der Marktplatz wird regelmäßig für Märkte, Feste und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Dazu gehören unter anderem:

Siehe auch

Quellen

Literatur

  • Stadt Ahlen: Marktplatz Ahlen. Historische Entwicklung und Neugestaltung im Jahr 2018, Ahlen 2019.
  • Winfried Michalsky: „Rund um den Ahlener Marktplatz“, in: Der beflügelte Aal, Band 21.
  • WFG Wirtschaftsförderungsgesellschaft Ahlen mbH: Stadtführungen in Ahlen. Textliche Zusammenfassung für Stadtführer und Stadtführerinnen, Ahlen 2008.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Stadt Ahlen: Marktplatz Ahlen. Historische Entwicklung und Neugestaltung im Jahr 2018, Ahlen 2019.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 Christoph Kneppe und Andreas Wunschel: Der Ahlener Marktplatz. Keimzelle der mittelalterlichen Stadt im Fokus der Archäologie, LWL-Archäologie für Westfalen und Stadt Ahlen, 2017.