Franz Kaldewei GmbH & Co. KG

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Franz Kaldewei GmbH & Co. KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Branche Emailleindustrie / Sanitärindustrie


Die Franz Kaldewei GmbH & Co. KG ist ein 1918 in Ahlen gegründetes Unternehmen der Emaille- und Sanitärindustrie mit Sitz an der Beckumer Straße 33–35. Das Unternehmen gehört zu den bekanntesten Industriebetrieben der Stadt und ist einer der letzten heute noch bestehenden Hersteller aus der früher für Ahlen prägenden Emailleindustrie.[1][2]

Geschichte

Im Oktober 1918 gründete Franz Kaldewei das Unternehmen in Ahlen. Zunächst stellte der Betrieb Rohwaren für die Emailleindustrie her, darunter unter anderem Waschwannen und Bratpfannen; später kamen weitere Erzeugnisse wie Milchkannen und Molkereigeräte hinzu.[3][4]

Mit dem Eintritt von Heinrich Kaldewei in die Geschäftsleitung im Jahr 1928 verlagerte sich der Schwerpunkt des Unternehmens auf Badewannen aus Stahl-Emaille. Die Fertigung solcher Badewannen begann 1934; die frühen Modelle wurden noch aus mehreren Teilen zusammengeschweißt.[5][6]

1957 gelang es Kaldewei, mit Hilfe einer hydraulischen Ziehpresse eine nahtlos gezogene Badewanne aus einer einzigen Stahlplatine herzustellen. Im selben Jahr nahm das Unternehmen nach eigenen Angaben die weltweit erste hydraulische Badewannen-Pressenstraße in Betrieb. 1972 kamen in der Serienfertigung Roboter für den Emailauftrag zum Einsatz.[7][8]

Zu den späteren Entwicklungsschritten gehörten die Ausweitung des Sortiments auf Duschwannen und Duschflächen. 1994 brachte Kaldewei mit dem Modell „Superplan“ nach Unternehmensangaben die erste bodenebene Duschfläche aus Stahl-Email auf den Markt.[9][10]

Bedeutung für Ahlen

Kaldewei ist Teil der Ahlener Emailleindustrie, die neben dem Bergbau zu den prägenden Industriezweigen der Stadt zählte. Die Stadt Ahlen führt Kaldewei in ihrer Darstellung der lokalen Emaillegeschichte als einen der Betriebe auf, die nach dem Rückgang vieler anderer Ahlener Emaillefirmen bestehen blieben. Während zahlreiche Werke im 20. Jahrhundert schlossen, blieb Kaldewei als Hersteller von Emailleprodukten in Ahlen erhalten.[11]

Zeit des Nationalsozialismus

Während des Zweiten Weltkriegs war Kaldewei in die Kriegswirtschaft eingebunden. Nach der in der Forschungsliteratur und in Überblicksdarstellungen wiedergegebenen Quellenlage produzierte das Unternehmen ab 1939 Sprenggranaten; ab 1942 wurden bei Kaldewei Zwangsarbeiter aus Osteuropa eingesetzt.[12][13]

In einem 1989 ausgezeichneten Schülerforschungsprojekt zur Zwangsarbeit in Ahlen wurden Arbeitskarten ehemaliger Zwangsarbeiter ausgewertet. In diesem Zusammenhang wird Kaldewei als Einsatzort genannt; nach der im Projekt ausgewerteten Überlieferung waren dort 95 sowjetische Arbeitskräfte beschäftigt.[14][15]

Gegenwart

Das Unternehmen hat seinen Sitz weiterhin in Ahlen an der Beckumer Straße 33–35. Kaldewei steht damit in der Kontinuität eines Industriezweiges, der die Wirtschaftsgeschichte Ahlens über Jahrzehnte wesentlich mitgeprägt hat.[16][17]

Archivüberlieferung

2011 wurde das historische Archiv der Firma Kaldewei dem Westfälischen Wirtschaftsarchiv übergeben. Damit steht ein Teil der Unternehmensüberlieferung heute für weitere Forschungen zur Ahlener Industriegeschichte zur Verfügung.[18]

Literatur

75 Jahre Kaldewei. Die Chronik unseres Unternehmens. Ahlen: 1993.
  • Walter Frieling: Die Emailleindustrie. Oldenburg (Oldb.): 1963.S. 321–327.
  • Jürgen Gojny: Die Rüstungsindustrie während des Zweiten Weltkriegs in Ahlen im Spiegel der Berichte der Rüstungskommandos Osnabrück und Recklinghausen. : 2006.S. 298–306.
  • Gabi Friedrich; Sabine Putz; Astrid Trispel: „… und trotzdem, es waren ja Menschen“. Sowjetische Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in Ahlen. Ahlen: Städtisches Gymnasium 1989.

Einzelnachweise

  1. „Impressum“.In: kaldewei.de.Online
  2. „Ahlen – auch Stadt der Emaille“.In: Stadt Ahlen.Online
  3. „KALDEWEI: Meilensteine der Unternehmensgeschichte“.In: kaldewei.de.Online
  4. „Kaldewei“.In: Wikipedia.Online
  5. „KALDEWEI: Meilensteine der Unternehmensgeschichte“.In: kaldewei.de.Online
  6. „Kaldewei“.In: Wikipedia.Online
  7. „100 Jahre Kaldewei“.In: kaldewei.de.Online
  8. „Kaldewei“.In: Wikipedia.Online
  9. „100 Jahre Kaldewei“.In: kaldewei.de.Online
  10. „Kaldewei“.In: Wikipedia.Online
  11. „Ahlen – auch Stadt der Emaille“.In: Stadt Ahlen.Online
  12. Jürgen Gojny: Die Rüstungsindustrie während des Zweiten Weltkriegs in Ahlen im Spiegel der Berichte der Rüstungskommandos Osnabrück und Recklinghausen. : 2006.S. 298–306.
  13. „Kaldewei“.In: Wikipedia.Online
  14. „„… und trotzdem, das waren ja Menschen.“ Sowjetische Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in Ahlen“.In: Körber-Stiftung.Online
  15. Gabi Friedrich; Sabine Putz; Astrid Trispel: „… und trotzdem, es waren ja Menschen“. Sowjetische Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in Ahlen. Ahlen: Städtisches Gymnasium 1989.
  16. „Impressum“.In: kaldewei.de.Online
  17. „Ahlen – auch Stadt der Emaille“.In: Stadt Ahlen.Online
  18. „70 Jahre Westfälisches Wirtschaftsarchiv: Historisches Archiv der Firma Kaldewei bereichert als 200. Firmenbestand das „Gedächtnis der regionalen Wirtschaft““.In: LWL.Online