Herding & Mentrup

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Herding & Mentrup
Anschrift Lütkeweg
59229 Ahlen
Branche Emailleverarbeitung
Gründungsdatum 1894
Inhaber Heinrich Mentrup sen.


Die Firma Herding & Mentrup war eines der bedeutendsten Unternehmen der ersten Generation der Emaille-Industrie in Ahlen. Das 1894 gegründete Werk prägte über Jahrzehnte das industrielle Bild südlich der Bahnlinie und war für seine konsequente Marktbehauptung und rechtliche Durchsetzung von Markenansprüchen bekannt.

Geschichte

Gründung und Aufstieg

Gegründet im Jahr 1894, siedelte sich das Unternehmen am Lütkeweg an, in unmittelbarer Nähe zum Ahlener Bahnhof. Diese Lage bot ideale logistische Voraussetzungen für den Antransport von Rohstoffen (Eisenblech und Kohle) sowie den weltweiten Versand der Fertigwaren. Unter dem Markennamen „Herma“ (und in der Frühphase auch unter der Bezeichnung „Coloss“) produzierte das Werk ein breites Sortiment an emaillierten Koch- und Haushaltsgeschirren.

Marktposition und Konkurrenzkämpfe

Die Firmengeschichte von Herding & Mentrup war von harten Auseinandersetzungen mit Mitbewerbern geprägt. Das Unternehmen achtete streng auf den Schutz von Geschmacksmustern und Werbeaussagen:

  • Rechtsstreit mit Kerkmann: In der Frühzeit wurde Herding & Mentrup selbst vom Branchenriesen Kerkmann vor dem Kammergericht Berlin verklagt. Herding & Mentrup hatten Geschirre unter der Marke Coloss vertrieben, die nach Ansicht des Gerichts den Geschmacksmusterschutz von Kerkmann verletzten. In der Folge musste das Unternehmen pro Kilogramm verkaufter Ware Lizenzgebühren an Kerkmann entrichten.[1]
  • Der „Stahltopf-Streit“ gegen Nahrath: Besonders weitreichend war der Konflikt mit der 1907 gegründeten Firma Nahrath. Als Nahrath Anfang der 1930er Jahre mit dem Slogan warb: „Dieser Stahltopf mit aufgeschweißter Glasur hält länger als ein gleich schwerer emaillierter Topf“, klagte Herding & Mentrup wegen unlauteren Wettbewerbs. Man argumentierte, eine Glasur könne technisch nicht „aufgeschweißt“ sein. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit über zwei Instanzen (Landgericht Münster und Oberlandesgericht Hamm) endete das Verfahren 1937 mit einem Vergleich und der Teilung der Kosten, da Gutachten die Werbeaussage von Nahrath widerlegt hatten.[1]

Spätere Entwicklung und Expansion

Im Jahr 1971 expandierte das Unternehmen durch die Übernahme des Betriebsgeländes der ehemaligen Firma Schomaker.[2] In den folgenden Jahrzehnten führten der allgemeine Strukturwandel in der Emaille-Branche und die Konkurrenz durch neue Materialien (Edelstahl, Kunststoffe) zur Einstellung des Betriebes.

Standort und heutige Nutzung

Das ehemalige Werksgelände am Lütkeweg befand sich in direkter Nachbarschaft zur Fabrikantenvilla der Familie Mentrup (Lütkeweg 20). Nach dem Ende der industriellen Nutzung wurde das Areal städtebaulich neu erschlossen. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Betriebsgelände unter anderem das Seniorenzentrum Gezeitenland.

Quellen

  • Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, herausgegeben von der Stadt Ahlen, 1987.
  • Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt, in: Gesichter einer Stadt, S. 143–156.
  • Zeitungsarchiv der Ahlener Zeitung.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, Stadt Ahlen 1987.
  2. Ahlener Zeitung vom 07.11.2015.