Landwehr
Die Landwehr war die äußere Befestigungsanlage der Stadt Ahlen und bildete über mehrere Jahrhunderte den äußersten Verteidigungsring der Stadt. Sie bestand aus Wällen, Gräben, dicht bepflanzten Gehölzen sowie den an den Ausfallstraßen errichteten Schlagbäumen. Gemeinsam mit der Stadtbefestigung, der Stadtmauer und dem Stadtfeld schützte sie nicht nur die Stadt selbst, sondern auch die unmittelbar angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen.
Nach den Forschungen von Cornelia Kneppe entstand die erste Ahlener Landwehr wahrscheinlich zwischen 1320 und 1330. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie mehrfach erweitert und den veränderten räumlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst.
Geschichte
Die Errichtung der Landwehr steht im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung Ahlens im frühen 14. Jahrhundert. Während der Auseinandersetzungen zwischen dem Hochstift Münster und der Grafschaft Mark gewann die Sicherung der Stadt und ihres Umlandes zunehmend an Bedeutung.
Im Gegensatz zur Stadtmauer, die lediglich den bebauten Stadtkern umschloss, schützte die Landwehr das Stadtfeld und sicherte die wichtigsten Verkehrswege. Sie markierte zugleich die Grenze des städtischen Gerichts- und Verwaltungsbezirks.
Archäologische und historische Untersuchungen sprechen dafür, dass die erste Landwehr bereits im Jahrzehnt zwischen 1320 und 1330 entstand. Später wurde sie mehrfach nach außen verlegt und erweitert.
Aufbau
Die Landwehr bestand aus einem komplexen System von Erdwällen, Gräben und dicht bepflanzten Gehölzen. Diese erschwerten das Passieren außerhalb der vorgesehenen Durchgänge erheblich.
Die wichtigsten Straßen führten durch befestigte Durchlässe, die mit Schlagbäumen gesichert wurden. Dort konnte der Verkehr kontrolliert und im Verteidigungsfall unterbunden werden.
Ausbauphasen
Die Ahlener Landwehr entstand nicht in einem einzigen Bauabschnitt.
Nach den Forschungen von Cornelia Kneppe lassen sich mehrere Ausbauphasen nachweisen. Dabei wurde die Landwehr wiederholt nach außen verlegt, wodurch das geschützte Stadtfeld schrittweise vergrößert wurde. Besonders die südliche Erweiterung führte dazu, dass große Teile Meichelen innerhalb der Landwehr lagen.
Aufgaben
Die Landwehr erfüllte mehrere Funktionen:
- militärischer Schutz der Stadt
- Sicherung des Stadtfeldes
- Kontrolle der Fernstraßen
- Begrenzung des Gerichtsbezirks
- Markierung des städtischen Verwaltungsgebietes
- Schutz wirtschaftlich wichtiger Flächen
Damit war die Landwehr weit mehr als eine reine Verteidigungsanlage.
Pflege
Die Unterhaltung der Landwehr erforderte einen erheblichen Aufwand. Wälle, Gräben und Gehölze mussten regelmäßig gepflegt werden.
Seit der frühen Neuzeit übernahm insbesondere die Schützengesellschaft wesentliche Aufgaben bei der Kontrolle und Unterhaltung der Landwehr. Hierzu gehörten regelmäßige Begehungen, Holzpflege sowie die Überwachung der Schlagbäume.
Niedergang
Mit dem Ende der militärischen Bedeutung mittelalterlicher Befestigungen verlor auch die Landwehr ihre ursprüngliche Funktion. Seit dem 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Abschnitte eingeebnet oder landwirtschaftlich genutzt.
Dennoch sind bis heute mehrere Abschnitte der Landwehr als Bodendenkmäler erhalten geblieben.
Forschung
Die Ahlener Landwehr zählt zu den am besten untersuchten mittelalterlichen Landwehrsystemen im Münsterland. Einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung leistete Cornelia Kneppe, die anhand historischer Urkunden, Flurnamen, Karten und Geländebefunde die Entwicklung der Landwehr in mehreren Ausbauphasen rekonstruierte.
Siehe auch
- Stadtbefestigung
- Stadtmauer
- Stadtfeld
- Schlagbäume der Ahlener Landwehr
- Feldmark
- Schützengesellschaft Ahlen
Literatur
- Cornelia Kneppe: Ahlen – Die Herausbildung städtischer Identität durch Landwehrbau und Landwehrpflege. In: Stadt und Landwehr. Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen.
- Wilhelm Kohl: Die Stadt Ahlen.
- Josef Abeler: Geschichte der Stadt Ahlen.