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Zeche Westfalen: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Zeche Westfalen''' war ein Steinkohlen-Bergwerk in Ahlen.
Die '''Zeche Westfalen''' war ein Steinkohlenbergwerk in [[Ahlen]]. Das Bergwerk entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nahm 1912 beziehungsweise 1913 die Förderung auf. Bis zur Einstellung der Kohlenförderung am 30. Juni 2000 prägte die Zeche über Jahrzehnte die wirtschaftliche, städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung Ahlens.


== Geschichte ==
Zur Zeche gehörten insgesamt sieben Schächte in Ahlen, Beckum und Hamm-Heessen. Die Hauptanlage befand sich an den Schächten 1 und 2 im Südosten der Stadt. Dort sind unter anderem die beiden Fördergerüste, die ehemalige Lohnhalle und Teile der Kauen erhalten geblieben. Das Gelände wird heute als Gewerbe-, Freizeit-, Bildungs- und Veranstaltungsstandort genutzt.
=== 1900–1910 ===
Die '''Zeche Westfalen''' in Ahlen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Initiative einiger örtlicher Fabrikanten, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hatten.
Nachdem 1901 im Bereich der Bauernschaft Rosendahl bei Suchbohrungen Kohlevorräte entdeckt wurden, führte man bis 1907 weitere 33 Tiefbohrungen durch. Am 1. Februar 1909 wurde mit dem Abteufen der Schächte 1 und 2 begonnen. Gleichzeitig wurde die erforderliche Infrastruktur (Straßenverbindungen, Zechenbahn, bergwerkseigene Ziegelei) erstellt.


=== 1911–1920 ===
[[Datei:Zeche Westfalen 52.jpg|mini|Die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2]]
Im Jahr 1911 wurde am Schacht 1 die Teufe von 1087 Metern und etwas später am Schacht 2 die Teufe von 1052 Metern erreicht. Neun Kohlenflöze mit Mächtigkeiten von 0,70 Metern bis 1,75 Metern wurden durchteuft. Zu diesem Zeitpunkt gab es kein anderes Bergwerk mit tieferen Schächten. Am 5. März 1913 wurde die erste Kohle gefördert. Im Januar 1914 wurde die Kokerei „Westfalen“ in Betrieb genommen.


Am 16. November 1920 riss das Förderseil von Schacht 2. 14 Bergleute starben bei dem schwersten Grubenunglück auf der Zeche „Westfalen“.
== Vorgeschichte und Gründung ==


=== 1921–1945 ===
Am 19. Februar 1900 begannen in der Bauerschaft Rosendahl erste Erkundungsbohrungen. Am 8. Oktober desselben Jahres wurde im Bohrloch „Glücksborn II“ Steinkohle nachgewiesen. Finanziert wurden die Bohrungen durch eine Interessengemeinschaft örtlicher Unternehmer und Kaufleute. Bis 1907 folgten 33 weitere Tiefbohrungen.<ref name="Stadtgeschichte">[https://www.ahlen.de/rathaus-und-politik/ueber-ahlen/ahlen800-das-stadtjubilaeum/historisches/wissenswertes-rund-um-die-ahlener-geschichte/zechengeschichte Stadt Ahlen: Geschichte der Zeche Westfalen], abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
1935 wurden der zecheneigene Hafen am Datteln-Hamm-Kanal und die Anschlußbahn dorthin fertiggestellt. Ein Jahr später wurde Schacht 3 abgeteuft.
Im Dezember 1940 wurde mit dem Abteufen von Schacht 4 begonnen, der 1943 die Endteufe von 855 Metern erreichte. Der Schacht wurde im Oktober 1944 in Betrieb genommen.


Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] wurden Fremdarbeiter und Kriegsgefangene auf „Westfalen“ eingesetzt. Am 23. März 1944 wurden bei einem Luftangriff der Alliierten 1000 Bomben auf die Zeche und die angrenzende [[Zechenkolonie]] abgeworfen, weite Teile der Zeche „Westfalen“ wurden zerstört, [[Fördertürme]] und Fördermaschinen blieben jedoch weitgehend erhalten. Die Förderung und der Absatz der Rohkohle konnten fortgesetzt werden. Bei dem Angriff wurden 193 Menschen getötet und 250 Menschen verletzt, etwa 600 verloren ihre Wohnung.
Im Jahr 1902 wurde die Bergwerkgesellschaft Westphalen gegründet. Am 1. Februar 1909 begannen die Abteufarbeiten an den Schächten 1 und 2. Gleichzeitig entstanden die für den Bergwerksbetrieb notwendige Infrastruktur, Straßenverbindungen, eine Zechenbahn und eine werkseigene Ziegelei. Diese lieferte einen Teil der Ziegel, die für die Errichtung der Tagesanlagen und Wohngebäude benötigt wurden.<ref name="Stadtgeschichte" />
Am 31. März besetzten amerikanische Truppen die Stadt Ahlen und damit auch die Zeche „Westfalen“. Die Förderung wurde vorübergehend eingestellt, aber bereits Ende April wieder aufgenommen.


=== 1946–1960 ===
Die Schächte erreichten 1911 Teufen von mehr als 1.050 Metern. Damit gehörten sie zu dieser Zeit zu den tiefsten Bergwerksschächten. Schacht 1 nahm 1912, Schacht 2 im Jahr 1913 die Förderung auf.<ref name="RIK">[https://www.route-industriekultur.ruhr/wp-content/uploads/2023/03/2021_TR16_Westfaelische_Bergbauroute_RIK.pdf Regionalverband Ruhr: Themenroute 16 – Westfälische Bergbauroute], S. 44–45, abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
Im Jahr 1951 wurde Diplom-Kaufmann und Diplom-Handelslehrer [[Wilhelm Wilmerstadt]] zum Direktor bestellt.
Im Oktober 1953 begannen die Abteufarbeiten für Schacht 5.
Ab April 1956 wurde Schacht 2 tiefer geteuft. Die Nachteufarbeiten wurden im Mai 1957 bei einer Tiefe von 1233,60 Metern abgeschlossen.


=== 1961–1980 ===
== Aufbau des Bergwerks ==
Während bereits zahlreiche Zechen im Ruhrgebiet stillgelegt wurden, begann das Abteufen von Schacht 6 im September 1962. Damit sollte die Erschließung weiterer Kohlenfelder vorangetrieben werden. Der Schacht wurde im Mai 1966 in Betrieb genommen.


Am 27. November 1968 wurde die Ruhrkohle AG (RAG) gegründet. Die RAG wurde Eigentümer der Mehrzahl aller Zechen im Ruhrgebiet. Die Steinkohlenbergwerk Westfalen AG jedoch verkaufte die Zeche „Westfalen“ an den Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV). Der Luxemburgische Stahlkonzern ARBED sicherte sich auf diese Weise die Versorgung seiner Hochöfen mit Koks.
Die Zeche Westfalen wurde zunächst als Doppelschachtanlage mit den Schächten 1 und 2 errichtet. Beide Schächte erhielten gleichartige deutsche Strebengerüste der Bauart Zschetsche. Die Fördergerüste sind erhalten geblieben und gelten heute als weithin sichtbare Wahrzeichen des Ahlener Bergbaus.<ref name="RIK" />


Im August 1979 wurden am [[Schacht 7]] in einer Tiefe von 1.330 Metern die Abteufarbeiten beendet.
1913 begann der Bau der Kokerei und der Kohlenwäsche. Im Januar 1914 nahm die Kokerei ihren Betrieb auf. Die dort erzeugten Koksprodukte waren insbesondere für die Eisen- und Stahlindustrie bestimmt.


=== 1981–1990 ===
Zur Versorgung und Erschließung des Bergwerks gehörten neben den Gleisanlagen auch Werkstätten, Lagergebäude sowie Verwaltungs- und Sozialbauten. Mit dem weiteren Ausbau des Grubenfeldes kamen im Laufe der Jahrzehnte fünf zusätzliche Schächte hinzu.
[[Schacht 7]] in Hamm-Heessen wird 1983 als Material- und Seilfahrtschacht in Betrieb genommen.


Im Jahr 1986 wurden Schacht 3 und Schacht 5 stillgelegt, in denen infolge hohen Wasserzulaufes und anderer geologischer Schwierigkeiten nur begrenzt [[Abbau (Bergbau)|Abbau]] betrieben wurde.
== Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg ==


Am 2. Januar 1989 übernahm die RAG, zunächst in Personalunion mit der Werksdirektion der Zeche Radbod, die Betriebsführung der Zeche „Westfalen“. Am gleichen Tag wurde die Stilllegung der Kokerei zum 31. März 1989 beschlossen.
Bereits während der Aufbauphase wuchs die Belegschaft stark an. Im Jahr 1913 beschäftigte das Bergwerk rund 1.360 Menschen. Die Entwicklung der Zeche führte zu einem erheblichen Zuzug von Arbeitskräften und ihren Familien.


=== 1991–2001 ===
Im September 1911 begann der Bau der später als [[Zechenkolonie|Zechensiedlung „Neustadt“]] bezeichneten Werkssiedlung. Bis Mitte der 1920er-Jahre entstanden 1.094 Arbeiterwohnungen und 117 Beamtenwohnungen. Die Siedlung wurde nach Grundsätzen der Gartenstadtbewegung angelegt und bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Ahlener Südostens.<ref name="Siedlung">[https://www.route-industriekultur.ruhr/wp-content/uploads/2023/03/2021_TR19_Arbeitersiedlungen_RIK.pdf Regionalverband Ruhr: Themenroute 19 – Arbeitersiedlungen], S. 50–51, abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
Die RAG gab im November 1991 offiziell die Schließung der Zeche „Westfalen“ für das Jahr 1999 bekannt. Am 1. Juli 1993 ging das gesamte Bergwerk offiziell in den Besitz der RAG über.
Bis 1994 wurden die Tagesanlagen der bereits stillgelegten Schächte 3, 4 und 5 abgerissen.  
Am 30. Juni 2000 wurde die Förderung von Kohle auf der Zeche „Westfalen“ eingestellt.


Die verbliebenen Schächte 1,2,6 und 7 wurden 2001 verfüllt. Die Tagesanlagen am Schacht 6 wurden abgerissen.  
Während des Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche Bergleute zum Militärdienst eingezogen. Der daraus resultierende Arbeitskräftemangel beeinträchtigte die Förderung und führte zunächst zur Stilllegung der Kokerei. Mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen wurde der Kokereibetrieb 1915 wieder aufgenommen.<ref name="Stadtgeschichte" />
Mit der Frage der Nachnutzung des Bergwerksgeländes an der Doppelschachtanlage 1/2 haben sich Arbeitskreise, Projektgruppen und die politischen Gremien seit den 1990er Jahren beschäftigt. Ein Teil der vorhandenen Anlagen, insbesondere die Fördertürme und die frühere Lohnhalle und Waschkaue, wurden als erhaltenswert eingestuft.


=Personal=
Am 16. Januar 1918 überflutete die Werse Teile des Zechengeländes. Gleichzeitig kam es während und nach dem Ersten Weltkrieg mehrfach zu Arbeitskämpfen. Die Bergleute forderten unter anderem kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen. Im April 1919 wurde die tägliche Schichtzeit auf sieben Stunden verkürzt.<ref name="Stadtgeschichte" />


=Förder- und Belegschaftsstatistik=
== Entwicklung zwischen den Weltkriegen ==


[[Datei:Zeche Westfalen diagramm.png]]
Nach dem Ersten Weltkrieg stiegen Förderung und Beschäftigtenzahl zunächst deutlich an. 1927 erreichte die Zeche mit einer Jahresförderung von rund 839.000 Tonnen und etwa 3.660 Beschäftigten einen vorläufigen Höchststand. Die Weltwirtschaftskrise führte anschließend zu einem Rückgang von Förderung und Belegschaft.<ref name="RIK" />


{| class="wikitable"
Die Eigentumsverhältnisse änderten sich mehrfach. 1916 erwarb der Breslauer Bergbaukonzern Georg von Giesches Erben die Mehrheit der Kuxe. Im Jahr 1926 ging das Bergwerk an die Continentalen Gas- und Wasserwerke, kurz Contigas, über.<ref name="RIK" />
|| Jahr
|| Verwertbare Förderung
|| Arbeiter unter Tage
|| Gesamtbelegschaft
 
|-
|| 1909
||
||
|| 314
 
|-
|| 1910
||
|| 189
|| 309


|-
1935 wurden ein werkseigener Hafen am Datteln-Hamm-Kanal und eine rund 8,5 Kilometer lange Hafenbahn fertiggestellt. Die Bahn verband die Hauptanlage sowie die Schächte 3 und 4 mit dem Verladehafen. Auf diesem Weg konnten Kohle und Koks unmittelbar auf Binnenschiffe verladen werden.
|| 1911
||
|| 196
|| 339


|-
Zur weiteren Erschließung und Bewetterung des Grubenfeldes entstanden die Schächte 3 und 4. Schacht 3 nahm 1939 und Schacht 4 während des Zweiten Weltkriegs den Betrieb auf.<ref name="RIK" />
|| 1912
||
||
|| 700


|-
== Zweiter Weltkrieg ==
|| 1913
|| 102259
||
|| 1360


|-
Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf der Zeche ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und weitere zwangsverpflichtete Arbeitskräfte eingesetzt. Genaue Zahlen für die einzelnen Beschäftigtengruppen müssen noch anhand der betrieblichen Überlieferung untersucht werden.
|| 1914
|| 288494
||
|| 1326


|-
Am 23. März 1944 traf ein schwerer alliierter Luftangriff die Zeche und die angrenzende Zechensiedlung. Teile der Betriebsanlagen und zahlreiche Wohnhäuser wurden zerstört oder beschädigt. Die Fördergerüste und Fördermaschinen blieben weitgehend erhalten. Der Betrieb konnte deshalb trotz der Schäden fortgeführt werden.
|| 1915
|| 273831
||
|| 1139


|-
Am 31. März 1945 besetzten amerikanische Truppen Ahlen. Die Förderung wurde vorübergehend eingestellt, jedoch bereits Ende April 1945 wieder aufgenommen.
|| 1916
|| 313953
||
|| 1085


|-
== Ausbau nach 1945 ==
|| 1917
|| 349930
||
|| 1250


|-
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bergwerk weiter ausgebaut. In den 1950er-Jahren entstanden zusätzliche Grubenbaue und technische Anlagen.
|| 1918
|| 388191
||
|| 1520


|-
Schacht 2 wurde zur Erschließung tiefer liegender Lagerstätten weiter abgeteuft. Die Arbeiten wurden 1957 bei einer Teufe von 1.233,60 Metern abgeschlossen.
|| 1919
|| 290983
||
|| 1978


|-
Mit Schacht 5 entstand ein weiterer Wetterschacht. Die Anlage lag östlich der Hauptschachtanlage auf Beckumer Stadtgebiet.
|| 1920
|| 390248
||
|| 2606


|-
Im September 1962 begann das Abteufen von Schacht 6. Der Schacht wurde 1966 in Betrieb genommen und diente der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung des Grubengebäudes.<ref name="RIK" />
|| 1921
|| 431069
||
|| 2786


|-
== Eigentümerwechsel und Schacht 7 ==
|| 1922
|| 428745
||
|| 2887


|-
Nach der Gründung der Ruhrkohle AG im Jahr 1968 ging die Zeche Westfalen zunächst nicht in deren Besitz über. Stattdessen wurde sie 1969 an den Eschweiler Bergwerks-Verein, kurz EBV, verkauft. Dessen Muttergesellschaft ARBED war an einer langfristigen Versorgung ihrer Stahlwerke mit Kokskohle und Koks interessiert.<ref name="RIK" />
|| 1923
|| 438800
||
|| 3291


|-
Zwischen 1976 und 1981 wurde in Hamm-Heessen Schacht 7 abgeteuft. Der Schacht erreichte eine Teufe von 1.330 Metern und diente vor allem der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung. Er bildete den nördlichsten Betriebspunkt des Bergwerks.<ref name="RIK" />
|| 1924
|| 573736
||
|| 3173


|-
1982 erreichte die Zeche mit rund 2,67 Millionen Tonnen die höchste Jahresförderung ihrer Geschichte.<ref name="RIK" />
|| 1925
|| 709669
||
|| 3603


|-
Im Laufe der 1980er-Jahre wurden weniger leistungsfähige Außenschächte aufgegeben. Die Schächte 3 und 5 wurden 1986 stillgelegt.
|| 1926
|| 791584
||
|| 3614


|-
Am 2. Januar 1989 übernahm die Ruhrkohle AG die Betriebsführung. Die Kokerei wurde am 31. März 1989 stillgelegt. Am 1. Juli 1993 ging das gesamte Bergwerk in den Besitz der Ruhrkohle AG über.<ref name="RIK" />
|| 1927
|| 838903
||
|| 3664


|-
== Schachtanlagen ==
|| 1928
|| 729536
||
|| 3086


|-
Die Zeche Westfalen verfügte zuletzt über sieben Schächte. Die Schächte 1 und 2 bildeten die Hauptanlage. Die übrigen Schächte dienten vor allem der Bewetterung, der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Erschließung entfernter Teile des Grubenfeldes.
|| 1929
|| 782161
||
|| 3025


{| class="wikitable"
! Schacht
! Lage
! Entwicklung
! Heutiger Zustand
|-
|-
|| 1930
| '''[[Schacht 1]]'''
|| 686240
| Ahlen, Hauptanlage
||
| Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1912
|| 2753
| Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
 
|-
|-
|| 1931
| '''[[Schacht 2]]'''
|| 596178
| Ahlen, Hauptanlage
||
| Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1913; später bis auf mehr als 1.200 Meter vertieft
|| 2228
| Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
 
|-
|-
|| 1932
| '''[[Schacht 3]]'''
|| 650538
| Ahlen
||
| 1939 als Wetterschacht in Betrieb genommen; 1986 stillgelegt
|| 2023
| Schacht verfüllt; das frühere Gelände wird unter anderem als Solarpark genutzt
 
|-
|-
|| 1933
| '''[[Schacht 4]]'''
|| 712299
| Ahlen
||
| Während des Zweiten Weltkriegs in Betrieb genommen
|| 1960
| Schacht verfüllt; Tagesanlagen abgebrochen
 
|-
|-
|| 1934
| '''[[Schacht 5]]'''
|| 744058
| Beckum
||
| In den 1950er-Jahren als Wetterschacht angelegt; 1986 stillgelegt
|| 2026
| Einzelne Betriebsgebäude erhalten
 
|-
|-
|| 1935
| '''[[Schacht 6]]'''
|| 776565
| Ahlen-Dolberg
||
| Abteufbeginn 1962; Inbetriebnahme 1966
|| 2060
| Tagesanlagen abgebrochen; ehemaliges Gelände aufgeforstet und teilweise als Bestattungswald genutzt
 
|-
|-
|| 1936
| '''[[Schacht 7]]'''
|| 839800
| Hamm-Heessen
||
| 1976 bis 1981 abgeteuft; Endteufe 1.330 Meter
|| 2191
| Tagesanlagen abgebrochen; Gelände aufgeforstet
|}


|-
Für die einzelnen Schachtanlagen sind eigene Artikel vorgesehen. Die Schächte 1 und 2 werden wegen ihrer gemeinsamen baulichen und betrieblichen Entwicklung in einem Artikel zur '''Schachtanlage Westfalen 1/2''' behandelt.
|| 1937
|| 1001269
||
|| 2704


|-
== Grubenunglücke ==
|| 1938
|| 1057292
||
|| 2751


|-
=== Förderseilriss 1920 ===
|| 1939
|| 1185105
||
|| 2737


|-
Das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Zeche ereignete sich am 16. November 1920. Am Schacht 2 riss ein Förderseil. Die beiden Förderkörbe stürzten in die Tiefe. Vierzehn Bergleute, die nach ihrer Schicht ausfahren wollten, kamen ums Leben.<ref>[https://www.ahlen.de/rathaus-und-politik/ueber-ahlen/stadtgeschichte/1911-bis-1926 Stadt Ahlen: Stadtgeschichte 1911 bis 1926], abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
|| 1940
|| 1260227
||
|| 2855


|-
Die Bergung der Opfer gestaltete sich schwierig, weil die Förderkörbe, das Seil und weitere Trümmerteile in den Schachtsumpf gestürzt waren. Die Verstorbenen wurden nach ihrer Bergung in der Lohnhalle aufgebahrt. Auf dem [[Westfriedhof]] erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer.
|| 1941
|| 1237042
||
|| 3022


|-
Bei dem Unglück starben:
|| 1942
|| 1263338
||
|| 3277


|-
* Oskar de Graf
|| 1943
* Bernhard Lütkenhaus
|| 1303537
* Alois Setnikar
||
* Heinrich Mißling
|| 3433
* August Schröder
* August Janowski
* Franz Jakuba
* Josef Lütkenhaus
* Paul Schramm
* Franz Kowalczyk
* Franz Wienecke
* Otto Lippold
* Jakob Saretzki
* Martin Zarth


|-
[[Datei:Grubenunglück1920.jpg|mini|Erinnerung an das Grubenunglück von 1920]]
|| 1944
|| 1097273
|| 2752
|| 4103


|-
=== Gebirgsschlag 1965 ===
|| 1945
|| 545950
|| 2015
|| 2945


|-
Am 17. Dezember 1965 ereignete sich im Flöz „Sonnenschein“ auf der 1.200-Meter-Sohle ein schwerer Gebirgsschlag. Teile einer Strecke wurden durch Gesteinsmassen zusammengedrückt. Drei Bergleute kamen ums Leben, drei weitere wurden verletzt.<ref>''Ahlener Zeitung'', 18. Dezember 1965.</ref>
|| 1946
|| 682030
|| 2438
|| 3435


|-
Bei den Getöteten handelte es sich um:
|| 1947
|| 906116
|| 3215
|| 3880


|-
* Joachim Haase
|| 1948
* Heinz Ciemiega
|| 1105722
* Werner Sklorz
|| 3147
|| 3837


|-
== Förderung und Belegschaft ==
|| 1949
|| 1261107
|| 2574
|| 3775


|-
Fördermenge und Beschäftigtenzahl schwankten während der Betriebszeit erheblich. Die Entwicklung wurde unter anderem durch Kriege, Wirtschaftskrisen, Absatzprobleme, technische Erweiterungen und die Strukturkrise des deutschen Steinkohlenbergbaus beeinflusst.
|| 1950
|| 1284720
|| 2592
|| 3841


|-
1913 beschäftigte die Zeche rund 1.360 Menschen. Im Jahr 1927 wurden bei einer Belegschaft von etwa 3.660 Personen rund 839.000 Tonnen Kohle gefördert. Den höchsten Förderstand erreichte das Bergwerk 1982 mit etwa 2,67 Millionen Tonnen.<ref name="RIK" />
|| 1951
|| 1441215
|| 2719
|| 4011


|-
Eine ausführliche Jahresstatistik zur Förderung und Belegschaft ist überliefert. Die einzelnen Angaben müssen vor einer erneuten Veröffentlichung noch mit den Geschäftsberichten beziehungsweise der Fachliteratur abgeglichen werden.
|| 1952
|| 1484962
|| 2835
|| 4213


|-
[[Datei:Zeche Westfalen diagramm.png|mini|Entwicklung von Förderung und Belegschaft]]
|| 1953
|| 1474554
|| 2875
|| 4230


|-
== Bedeutung für die Stadt Ahlen ==
|| 1954
|| 1461334
|| 2773
|| 4164


|-
Die Zeche Westfalen veränderte Ahlen grundlegend. Für den Aufbau und Betrieb des Bergwerks wurden Arbeitskräfte aus verschiedenen Teilen Deutschlands und später auch aus anderen europäischen und außereuropäischen Staaten angeworben. Der Zuzug ließ die Einwohnerzahl stark steigen und veränderte die soziale, kulturelle und konfessionelle Zusammensetzung der Stadt.
|| 1955
|| 1550504
|| 2895
|| 4317


|-
Mit der Zechenkolonie entstand südöstlich der Altstadt ein neuer Stadtteil. Straßen, Schulen, Geschäfte, Gaststätten, kirchliche Einrichtungen und soziale Angebote entwickelten sich im Umfeld des Bergwerks.
|| 1956
|| 1646514
|| 3010
|| 4481


|-
Die Zeche war nicht nur der größte Arbeitgeber der Stadt, sondern beeinflusste über Jahrzehnte das Vereinsleben, die kommunale Politik und den Alltag vieler Familien.
|| 1957
|| 1740401
|| 3095
|| 4539


|-
Auch das Stadtbild wurde durch die Fördergerüste, die Kokerei, die Halde, die Werkbahnen und die großflächigen Industrieanlagen geprägt. Die erhaltenen Fördergerüste erinnern bis heute an diese Epoche.
|| 1958
|| 1557478
|| 2958
|| 4448


|-
== Stilllegung ==
|| 1959
|| 1470313
|| 2435
|| 3825


|-
Im November 1991 wurde die beabsichtigte Stilllegung der Zeche bekannt gegeben. Trotz weiterer Investitionen und hoher Förderleistungen konnte der Betrieb unter den wirtschaftlichen Bedingungen des deutschen Steinkohlenbergbaus nicht dauerhaft fortgeführt werden.
|| 1960
|| 1491346
|| 2502
|| 3856


|-
Am 30. Juni 2000 wurde die letzte Kohle gefördert. Der aktive Bergwerksbetrieb endete offiziell am 1. Juli 2000.<ref name="Nachnutzung">[https://www.ahlen.de/ansicht/vom-kohlefoerderstandort-zum-lebendigen-zentrum-fuer-freizeit-wirtschaft-und-kultur Stadt Ahlen: Vom Kohleförderstandort zum lebendigen Zentrum für Freizeit, Wirtschaft und Kultur], veröffentlicht am 28. Juni 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
|| 1961
|| 1670775
|| 2487
|| 3832


|-
Die verbliebenen Schächte 1, 2, 6 und 7 wurden 2001 verfüllt. Anschließend wurden große Teile der nicht mehr benötigten Tagesanlagen abgebrochen. Besonders auffällig war die Sprengung der Kohlenwäsche am 5. November 2003.
|| 1962
|| 1846503
|| 2590
|| 3919


|-
== Nachnutzung ==
|| 1963
|| 1991901
|| 2644
|| 4016


|-
Bereits vor der Stilllegung hatten sich Arbeitskreise, Projektgruppen und politische Gremien mit der zukünftigen Nutzung der Hauptanlage beschäftigt. Als erhaltenswert galten insbesondere die beiden Fördergerüste sowie Teile der Verwaltungs-, Sozial- und Betriebsgebäude.
|| 1964
|| 1960622
|| 2811
|| 4161


|-
Im März 2004 gründeten die Stadt Ahlen und die Mittelstandsinitiative Ahlen die Projektgesellschaft Westfalen. Diese erwarb im selben Jahr den Gebäudekomplex aus Lohnhalle und Kauen und entwickelte ihn zu einem Gewerbe- und Veranstaltungszentrum.<ref name="Nachnutzung" />
|| 1965
|| 1814003
|| 2526
|| 3841


|-
Seitdem entstanden auf dem Gelände schrittweise neue Nutzungen. Dazu gehören:
|| 1966
|| 1684447
|| 2395
|| 3709


|-
* Gewerbe- und Büroräume,
|| 1967
* Bildungs- und Schulungsangebote,
|| 1495627
* Freizeit- und Sporteinrichtungen,
|| 1993
* Veranstaltungs- und Kongressräume,
|| 3189
* gastronomische Angebote,
* Grün- und Freizeitflächen.


|-
In der früheren Schwarzkaue befindet sich eine große Indoor-Kletteranlage. Teile der Weißkaue werden sportlich und gewerblich genutzt. Die Lohnhalle dient regelmäßig als Ort für Konzerte, Märkte, Tagungen und andere Veranstaltungen.
|| 1968
|| 1677784
|| 1906
|| 3121


|-
In den Räumen der früheren Grubenwehr richtete der Bergbautraditionsverein Zeche Westfalen ein Museum ein. Dort werden Gegenstände, Dokumente und Erinnerungen aus der Geschichte des Bergwerks bewahrt.
|| 1969
|| 1672510
|| 1946
|| 2958
 
|-
|| 1970
|| 1754437
|| 2104
|| 3178
 
|-
|| 1971
|| 1682476
|| 2141
|| 3275
 
|-
|| 1972
|| 1716552
|| 1957
|| 3074
 
|-
|| 1973
|| 1743784
|| 2091
|| 3233
 
|-
|| 1974
|| 1819877
|| 2002
|| 3204
 
|-
|| 1975
|| 1997827
|| 2024
|| 3257
 
|-
|| 1976
|| 1928542
|| 1988
|| 3187
 
|-
|| 1977
|| 1703538
|| 2056
|| 3299
 
|-
|| 1978
|| 1789811
|| 2068
|| 3288
 
|-
|| 1979
|| 1711325
|| 1980
|| 3277
 
|-
|| 1980
|| 1868718
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|| 3349
 
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|| 1981
|| 2274628
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|| 3441
 
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|| 1982
|| 2672373
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|-
|| 1983
|| 2442924
|| 2162
|| 3648
 
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|| 1984
|| 2149465
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|-
|| 1985
|| 2248390
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|| 1986
|| 2313464
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|| 2162936
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|| 2166
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|| 2189117
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|| 3338
 
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|| 1990
|| 2229612
|| 2093
|| 3410
 
|-
|| 1991
|| 2289000
|| 1942
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|| 1992
|| 2327477
|| 1842
|| 3094
 
|-
|| 1993
|| 2302236
|| 1846
|| 3008
 
|-
|| 1994
|| 2373724
|| 1983
|| 3195
 
|-
|| 1995
|| 2424749
|| 1810
|| 2964
 
|-
|| 1996
|| 2403930
|| 1681
|| 2784
 
|-
|| 1997
|| 2391050
|| 1756
|| 2783
 
|-
|| 1998
|| 2446951
|| 1671
|| 2708
 
|-
|| 1999
|| 2447463
|| 1414
|| 2320
 
|}


=Unglücke=
Auch der Förderverein Fördertürme setzt sich für den Erhalt und die Vermittlung der erhaltenen Industrieanlagen ein.<ref name="Nachnutzung" />


*Am 16. November 1920 riss, aufgrund von Materialermüdung, ein Förderseil und 14 Bergleute stürzten in die Tiefe von Schacht 2. In Gedenken an die Opfer heisst es im geschäftsbericht für 1920:
Das Außengelände wurde freigeräumt und landschaftlich neu gestaltet. Neben Gewerbeflächen entstanden Wege, Spiel- und Sportangebote sowie öffentlich zugängliche Grünflächen. Die ehemalige Bergehalde wird als Freizeit- und Aussichtsgelände genutzt.
<blockquote>Am 16. November 1920 wurde unser Werk von einem schweren Unglück betroffen, in Schacht II riß das Förderseil, beide Körbe stürzten in die Tiefe und begruben 14 Knappen im Schachtsumpfe, die zum Sonnenlichte auffahren wollten. Es starben den Heldentod auf dem Schlachtfelde der Arbeit:


:Oskar de Graf
== Hafenbahn und Radweg ==
:Bernhard Lütkenhaus
:Alois Setnikar
:Heinrich Mißling
:August Schröder
:August Janowski
:Franz Jakuba
:Josef Lütkenhaus
:Paul Schramm
:Franz Kowalczyk
:Franz Wienecke
:Otto Lippold
:Jakob Saretzki
:Martin Zarth


Wir werden diesen treuen Männern, die wir zu den erfahrensten und bravsten Mitgliedern der Belegschaft rechnen, ein ehrenvolles Anndenken allezeit bewahren.
Die frühere Hafenbahn verband die Hauptanlage und mehrere Außenschächte mit dem Zechenhafen am Datteln-Hamm-Kanal. Nach der Stilllegung wurde ein großer Teil der rund 8,5 Kilometer langen Trasse zu einem Fuß- und Radweg umgebaut.


Gewerkschaft Westfalen</blockquote>
Der Weg stellt heute eine Verbindung zwischen dem ehemaligen Zechengelände, dem Lippetal und der Römer-Lippe-Route her.<ref name="RIK" />
:Dies sollte das schlimmste Unglück auf Westfalen bleiben.


*Am 06.11.1985 die Streckensohle des Flözes Präsident Helene, in folge eines Gebirgsschlages, auf einer Länge von 100m um 1,5m hoch. Etliche Bergleute wurden dabei verletzt.
== Erhaltene Bauwerke ==


*Ein Gebirgsschlag auf der 1035m-Sohle von [[Schacht 6]] fordert zwei Verletzte.
Auf dem Gelände der Hauptanlage sind mehrere Gebäude und technische Anlagen erhalten. Dazu gehören unter anderem:


*Beim Aufhauen 551 im Flöz Präsident Helene, am 08.09.1993, kam es zu einem offenen Grubenbrand der duch schnelles fluten gelöscht werden konnte. Diese Idee hatte der spätere Bergwerksdirektor Peter Schweinberger.
* die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2,
* die Fördermaschinenhäuser,
* die ehemalige Lohnhalle,
* Teile der Wasch- und Kauenanlagen,
* der Mannschaftsgang,
* Gebäude der früheren Grubenwehr,
* einzelne Werkstatt- und Betriebsgebäude.


= Heutige Nutzung =
Die erhaltenen Anlagen gehören zu den bedeutenden Zeugnissen der Industriegeschichte Ahlens. Gemeinsam mit der Zechenkolonie und der Halde dokumentieren sie die Entwicklung der Stadt zu einem Bergbau- und Industriestandort.


Bis auf die erhaltenswerten Gebäude sind die Tagesanlagen am Schacht 1/2 abgerissen. Besonders spektakulär war die Sprengung der Kohlenwäsche am 5. November 2003. Das Gelände wird seit 2006 als Gewerbefläche und Veranstaltungsort genutzt. In dem neuen Gewerbezentrum der ehemaligen Lohnhalle und Weißkaue sind unter anderem verschiedene Hightechfirmen ansässig. Eine bis zu 22 Meter hohe Kletterwand des ''BigWall Klettercentrums Ahlen'' befindet sich in der ehemaligen Schwarzkaue genauso wie ein Indoor-Hochseilgarten. Seit November 2007 werden die Gebäude "Lohnhalle" und "Weißkaue" auch als Kongress- und Messeveranstaltungsort genutzt. In den Räumen der ehem. Grubenwehr hat der Bergbau-Traditions-Verein Zeche Westfalen ein Museum eingerichtet.
== Bilder ==


Eigentümer des neuen Gewerbezentrums ist die Projektgesellschaft Westfalen mbH. Für die restlichen Gebäude werden zur Zeit (Februar 2010) Investoren gesucht. Die europaweite Ausschreibung ist noch nicht abgeschlossen. Das Außengelände wurde unter Federführung der LEG und der Stadt Ahlen freigeräumt und neu gestaltet.
<gallery widths="160" heights="140">
Heute gibt es klare Strukturen und Kanten in der Fläche unter den Fördergerüsten, die die historischen Industriedenkmäler richtig positionieren.
Datei:Zeche Westfalen 01.jpg|Zufahrt von der [[Stapelstraße]]
Datei:Zeche Westfalen 03.jpg|Schriftzug „Denke an deine Sicherheit“
Datei:Zeche Westfalen 04.jpg|Ehemalige Lohnhalle
Datei:Zeche Westfalen 06.jpg|Ehemalige Waschkaue
Datei:Zeche Westfalen 13.jpg|Das [[Ahlener Mammut]]
Datei:Zeche Westfalen 52.jpg|Fördergerüste über Schacht 1 und 2
Datei:Zeche Westfalen 46.jpg|Fördergerüst über Schacht 1
Datei:Zeche Westfalen 30.jpg|Fördergerüst über Schacht 2
Datei:Zeche Westfalen 18.jpg|Fördergerüste und Grubenlüftergebäude
Datei:Zeche Westfalen 47.jpg|Blick über das heutige Gewerbezentrum
Datei:Zeche Westfalen 09.jpg|Ehemalige Waschkaue an der [[Bergamtsstraße]]
Datei:Zeche Westfalen 55.jpg|Blick auf die Halde von der [[Guissener Straße]]
</gallery>


Von der Schachtanlage 3 ist außer einem Hinweisschild über dem verfüllten Schacht nichts mehr vorhanden. Ebenso finden sich von Schacht 4 keine bergbaulichen Spuren mehr, das Gelände ist mittlerweile begrünt.
== Siehe auch ==


Die Schachtanlage 5 befindet sich im Beckumer Stadtgebiet nahe der Alten Ahlener Straße, etwa 4,5 km östlich der Hauptschachtanlage 1/2. Ein Betriebsgebäude, die Schlosserei sowie das Trafohaus sind noch vorhanden. Diese Gebäuden befinden sich heute im Privatbesitz.
* [[Zechenkolonie]]
* [[Schacht 7]]
* [[Bergbautraditionsverein Zeche Westfalen]]
* [[Westfriedhof]]
* [[Werse Rad Weg]]


Die Tagesanlagen von Schacht 6 wurden nach der Stilllegung restlos abgebrochen. Den Standort des verfüllten Schachtes markiert heute eine Protegohaube. Auf dem ehemaligen Werksgelände wird außerdem eine Grubengasabsauganlage zur Strom- und Wärmeerzeugung betrieben. In unmittelbarer Nähe der Schachtanlage, zwischen der Dolberger Str. und der Straße Im Holt, befindet sich noch die alte Bergmannskneipe, in der die Bergleute aus dem Schacht 6 nach der Schicht ihr Bier geholt haben. Heute ist die Kneipe geschlossen.
== Literatur ==


Für die noch relativ jungen Gebäude der [[Schacht 7|Schachtanlage 7]] fand sich in den vergangenen Jahren keine Möglichkeit der Nachnutzung, weshalb im Juni 2010 mit dem Abriss der Anlage begonnen wurde. Der Förderturm über dem ehem. Schacht wurde am 29. Januar 2011 gegen 11:15 Uhr gesprengt. Alle Gebäude werden nur ebenerdig abgebrochen - die Fundamente werden im Boden belassen - wofür etwa 12 Monate veranschlagt werden. Anschließend soll das Gelände mindestens zwei Meter hoch mit Erdreich überdeckt werden, was weitere 24 Monate dauern soll. Auf dem aufgeschütteten Areal soll ein Waldgebiet entstehen, da für eine andere Nutzung der etwas abgelegenen Brachfläche kein Bedarf besteht.  
* Hans Baron: ''Geologie und Bergbau im Raume Ahlen.'' Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Ahlen, Band 4, Ahlen 1975.
* Glückauf-Stiftung: ''Zeche Westfalen – Ein Jahrhundert Steinkohlenbergbau in Ahlen.'' Klartext Verlag, Essen 2000, ISBN 3-88474-891-2.
* Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: ''Die alten Zechen an der Ruhr.'' 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein im Taunus 1994, ISBN 978-3-7845-6994-9.
* Michael Huhn: ''Ein ganz eigener Schlag – Kolonie und Bergwerk Westfalen. Leben und Arbeit in Ahlen nach 1945.'' Klartext Verlag, Essen 1997.
* Uwe Rennspieß: ''Jenseits der Bahn – Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen.'' Klartext Verlag, Essen 1989, ISBN 3-88474-340-6.


Die ehemalige Hafenbahn der Zeche Westfalen, die über eine Länge von ca. 8,5 km die Schachtanlagen 1/2, 3 und 4 mit dem werkseigenen Verladehafen am Datteln-Hamm-Kanal verband, wurde mittlerweile zu einem Fahrrad- und Fußweg umgebaut. Dieser ist Teil des [[Werse Rad Weg|Werseradweges]] und hat seit 2011 Anschluss an der neuen Römer-Lippe-Route.
== Einzelnachweise ==


= Literatur =
<references />
* Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: ''Die alten Zechen an der Ruhr.'' 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus, 1994, ISBN 978-3-7845-6994-9
* Glückauf-Stiftung: ''Zeche Westfalen - Ein Jahrhundert Steinkohlenbergbau in Ahlen'', Klartext Verlag Essen 2000, ISBN 3-88474-891-2
* Uwe Rennspieß: ''[[Jenseits der Bahn]] – Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen'', Klartextverlag , Essen, 1989, ISBN 3-88474-340-6


== Weblinks ==
== Weblinks ==
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Westfalen Zeche Westfalen in der Wikipedia]
*[http://www.zechewestfalen.de/ Webseite der Zeche Westfalen]
*[http://www.lostareas.de/Bergbau/Westfalen/Zeche_Westfalen_Ahlen.htm Bilder der stillgelegten Zeche]
*[http://www.lagalerie.de/hatakeyama10.html Sprengung der Kohlenwäsche]


* [https://www.ahlen.de/rathaus-und-politik/ueber-ahlen/ahlen800-das-stadtjubilaeum/historisches/wissenswertes-rund-um-die-ahlener-geschichte/zechengeschichte Geschichte der Zeche Westfalen bei der Stadt Ahlen]
* [https://www.zechewestfalen.de/ Projektgesellschaft Westfalen]
* [https://www.route-industriekultur.ruhr/wp-content/uploads/2023/03/2021_TR16_Westfaelische_Bergbauroute_RIK.pdf Zeche Westfalen in der Westfälischen Bergbauroute]


[[Kategorie:Zeche]] [[Kategorie:Denkm&auml;ler]] [[Kategorie: Gebäude]] [[Kategorie:Industrie]]
[[Kategorie:Bergbau]]
[[Kategorie:Industriegeschichte]]
[[Kategorie:Gebäude]]
[[Kategorie:Denkmäler]]

Aktuelle Version vom 15. September 2026, 11:38 Uhr

Die Zeche Westfalen war ein Steinkohlenbergwerk in Ahlen. Das Bergwerk entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nahm 1912 beziehungsweise 1913 die Förderung auf. Bis zur Einstellung der Kohlenförderung am 30. Juni 2000 prägte die Zeche über Jahrzehnte die wirtschaftliche, städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung Ahlens.

Zur Zeche gehörten insgesamt sieben Schächte in Ahlen, Beckum und Hamm-Heessen. Die Hauptanlage befand sich an den Schächten 1 und 2 im Südosten der Stadt. Dort sind unter anderem die beiden Fördergerüste, die ehemalige Lohnhalle und Teile der Kauen erhalten geblieben. Das Gelände wird heute als Gewerbe-, Freizeit-, Bildungs- und Veranstaltungsstandort genutzt.

Die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2

Vorgeschichte und Gründung

Am 19. Februar 1900 begannen in der Bauerschaft Rosendahl erste Erkundungsbohrungen. Am 8. Oktober desselben Jahres wurde im Bohrloch „Glücksborn II“ Steinkohle nachgewiesen. Finanziert wurden die Bohrungen durch eine Interessengemeinschaft örtlicher Unternehmer und Kaufleute. Bis 1907 folgten 33 weitere Tiefbohrungen.[1]

Im Jahr 1902 wurde die Bergwerkgesellschaft Westphalen gegründet. Am 1. Februar 1909 begannen die Abteufarbeiten an den Schächten 1 und 2. Gleichzeitig entstanden die für den Bergwerksbetrieb notwendige Infrastruktur, Straßenverbindungen, eine Zechenbahn und eine werkseigene Ziegelei. Diese lieferte einen Teil der Ziegel, die für die Errichtung der Tagesanlagen und Wohngebäude benötigt wurden.[1]

Die Schächte erreichten 1911 Teufen von mehr als 1.050 Metern. Damit gehörten sie zu dieser Zeit zu den tiefsten Bergwerksschächten. Schacht 1 nahm 1912, Schacht 2 im Jahr 1913 die Förderung auf.[2]

Aufbau des Bergwerks

Die Zeche Westfalen wurde zunächst als Doppelschachtanlage mit den Schächten 1 und 2 errichtet. Beide Schächte erhielten gleichartige deutsche Strebengerüste der Bauart Zschetsche. Die Fördergerüste sind erhalten geblieben und gelten heute als weithin sichtbare Wahrzeichen des Ahlener Bergbaus.[2]

1913 begann der Bau der Kokerei und der Kohlenwäsche. Im Januar 1914 nahm die Kokerei ihren Betrieb auf. Die dort erzeugten Koksprodukte waren insbesondere für die Eisen- und Stahlindustrie bestimmt.

Zur Versorgung und Erschließung des Bergwerks gehörten neben den Gleisanlagen auch Werkstätten, Lagergebäude sowie Verwaltungs- und Sozialbauten. Mit dem weiteren Ausbau des Grubenfeldes kamen im Laufe der Jahrzehnte fünf zusätzliche Schächte hinzu.

Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Bereits während der Aufbauphase wuchs die Belegschaft stark an. Im Jahr 1913 beschäftigte das Bergwerk rund 1.360 Menschen. Die Entwicklung der Zeche führte zu einem erheblichen Zuzug von Arbeitskräften und ihren Familien.

Im September 1911 begann der Bau der später als Zechensiedlung „Neustadt“ bezeichneten Werkssiedlung. Bis Mitte der 1920er-Jahre entstanden 1.094 Arbeiterwohnungen und 117 Beamtenwohnungen. Die Siedlung wurde nach Grundsätzen der Gartenstadtbewegung angelegt und bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Ahlener Südostens.[3]

Während des Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche Bergleute zum Militärdienst eingezogen. Der daraus resultierende Arbeitskräftemangel beeinträchtigte die Förderung und führte zunächst zur Stilllegung der Kokerei. Mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen wurde der Kokereibetrieb 1915 wieder aufgenommen.[1]

Am 16. Januar 1918 überflutete die Werse Teile des Zechengeländes. Gleichzeitig kam es während und nach dem Ersten Weltkrieg mehrfach zu Arbeitskämpfen. Die Bergleute forderten unter anderem kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen. Im April 1919 wurde die tägliche Schichtzeit auf sieben Stunden verkürzt.[1]

Entwicklung zwischen den Weltkriegen

Nach dem Ersten Weltkrieg stiegen Förderung und Beschäftigtenzahl zunächst deutlich an. 1927 erreichte die Zeche mit einer Jahresförderung von rund 839.000 Tonnen und etwa 3.660 Beschäftigten einen vorläufigen Höchststand. Die Weltwirtschaftskrise führte anschließend zu einem Rückgang von Förderung und Belegschaft.[2]

Die Eigentumsverhältnisse änderten sich mehrfach. 1916 erwarb der Breslauer Bergbaukonzern Georg von Giesches Erben die Mehrheit der Kuxe. Im Jahr 1926 ging das Bergwerk an die Continentalen Gas- und Wasserwerke, kurz Contigas, über.[2]

1935 wurden ein werkseigener Hafen am Datteln-Hamm-Kanal und eine rund 8,5 Kilometer lange Hafenbahn fertiggestellt. Die Bahn verband die Hauptanlage sowie die Schächte 3 und 4 mit dem Verladehafen. Auf diesem Weg konnten Kohle und Koks unmittelbar auf Binnenschiffe verladen werden.

Zur weiteren Erschließung und Bewetterung des Grubenfeldes entstanden die Schächte 3 und 4. Schacht 3 nahm 1939 und Schacht 4 während des Zweiten Weltkriegs den Betrieb auf.[2]

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf der Zeche ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und weitere zwangsverpflichtete Arbeitskräfte eingesetzt. Genaue Zahlen für die einzelnen Beschäftigtengruppen müssen noch anhand der betrieblichen Überlieferung untersucht werden.

Am 23. März 1944 traf ein schwerer alliierter Luftangriff die Zeche und die angrenzende Zechensiedlung. Teile der Betriebsanlagen und zahlreiche Wohnhäuser wurden zerstört oder beschädigt. Die Fördergerüste und Fördermaschinen blieben weitgehend erhalten. Der Betrieb konnte deshalb trotz der Schäden fortgeführt werden.

Am 31. März 1945 besetzten amerikanische Truppen Ahlen. Die Förderung wurde vorübergehend eingestellt, jedoch bereits Ende April 1945 wieder aufgenommen.

Ausbau nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bergwerk weiter ausgebaut. In den 1950er-Jahren entstanden zusätzliche Grubenbaue und technische Anlagen.

Schacht 2 wurde zur Erschließung tiefer liegender Lagerstätten weiter abgeteuft. Die Arbeiten wurden 1957 bei einer Teufe von 1.233,60 Metern abgeschlossen.

Mit Schacht 5 entstand ein weiterer Wetterschacht. Die Anlage lag östlich der Hauptschachtanlage auf Beckumer Stadtgebiet.

Im September 1962 begann das Abteufen von Schacht 6. Der Schacht wurde 1966 in Betrieb genommen und diente der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung des Grubengebäudes.[2]

Eigentümerwechsel und Schacht 7

Nach der Gründung der Ruhrkohle AG im Jahr 1968 ging die Zeche Westfalen zunächst nicht in deren Besitz über. Stattdessen wurde sie 1969 an den Eschweiler Bergwerks-Verein, kurz EBV, verkauft. Dessen Muttergesellschaft ARBED war an einer langfristigen Versorgung ihrer Stahlwerke mit Kokskohle und Koks interessiert.[2]

Zwischen 1976 und 1981 wurde in Hamm-Heessen Schacht 7 abgeteuft. Der Schacht erreichte eine Teufe von 1.330 Metern und diente vor allem der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung. Er bildete den nördlichsten Betriebspunkt des Bergwerks.[2]

1982 erreichte die Zeche mit rund 2,67 Millionen Tonnen die höchste Jahresförderung ihrer Geschichte.[2]

Im Laufe der 1980er-Jahre wurden weniger leistungsfähige Außenschächte aufgegeben. Die Schächte 3 und 5 wurden 1986 stillgelegt.

Am 2. Januar 1989 übernahm die Ruhrkohle AG die Betriebsführung. Die Kokerei wurde am 31. März 1989 stillgelegt. Am 1. Juli 1993 ging das gesamte Bergwerk in den Besitz der Ruhrkohle AG über.[2]

Schachtanlagen

Die Zeche Westfalen verfügte zuletzt über sieben Schächte. Die Schächte 1 und 2 bildeten die Hauptanlage. Die übrigen Schächte dienten vor allem der Bewetterung, der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Erschließung entfernter Teile des Grubenfeldes.

Schacht Lage Entwicklung Heutiger Zustand
Schacht 1 Ahlen, Hauptanlage Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1912 Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
Schacht 2 Ahlen, Hauptanlage Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1913; später bis auf mehr als 1.200 Meter vertieft Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
Schacht 3 Ahlen 1939 als Wetterschacht in Betrieb genommen; 1986 stillgelegt Schacht verfüllt; das frühere Gelände wird unter anderem als Solarpark genutzt
Schacht 4 Ahlen Während des Zweiten Weltkriegs in Betrieb genommen Schacht verfüllt; Tagesanlagen abgebrochen
Schacht 5 Beckum In den 1950er-Jahren als Wetterschacht angelegt; 1986 stillgelegt Einzelne Betriebsgebäude erhalten
Schacht 6 Ahlen-Dolberg Abteufbeginn 1962; Inbetriebnahme 1966 Tagesanlagen abgebrochen; ehemaliges Gelände aufgeforstet und teilweise als Bestattungswald genutzt
Schacht 7 Hamm-Heessen 1976 bis 1981 abgeteuft; Endteufe 1.330 Meter Tagesanlagen abgebrochen; Gelände aufgeforstet

Für die einzelnen Schachtanlagen sind eigene Artikel vorgesehen. Die Schächte 1 und 2 werden wegen ihrer gemeinsamen baulichen und betrieblichen Entwicklung in einem Artikel zur Schachtanlage Westfalen 1/2 behandelt.

Grubenunglücke

Förderseilriss 1920

Das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Zeche ereignete sich am 16. November 1920. Am Schacht 2 riss ein Förderseil. Die beiden Förderkörbe stürzten in die Tiefe. Vierzehn Bergleute, die nach ihrer Schicht ausfahren wollten, kamen ums Leben.[4]

Die Bergung der Opfer gestaltete sich schwierig, weil die Förderkörbe, das Seil und weitere Trümmerteile in den Schachtsumpf gestürzt waren. Die Verstorbenen wurden nach ihrer Bergung in der Lohnhalle aufgebahrt. Auf dem Westfriedhof erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer.

Bei dem Unglück starben:

  • Oskar de Graf
  • Bernhard Lütkenhaus
  • Alois Setnikar
  • Heinrich Mißling
  • August Schröder
  • August Janowski
  • Franz Jakuba
  • Josef Lütkenhaus
  • Paul Schramm
  • Franz Kowalczyk
  • Franz Wienecke
  • Otto Lippold
  • Jakob Saretzki
  • Martin Zarth
Erinnerung an das Grubenunglück von 1920

Gebirgsschlag 1965

Am 17. Dezember 1965 ereignete sich im Flöz „Sonnenschein“ auf der 1.200-Meter-Sohle ein schwerer Gebirgsschlag. Teile einer Strecke wurden durch Gesteinsmassen zusammengedrückt. Drei Bergleute kamen ums Leben, drei weitere wurden verletzt.[5]

Bei den Getöteten handelte es sich um:

  • Joachim Haase
  • Heinz Ciemiega
  • Werner Sklorz

Förderung und Belegschaft

Fördermenge und Beschäftigtenzahl schwankten während der Betriebszeit erheblich. Die Entwicklung wurde unter anderem durch Kriege, Wirtschaftskrisen, Absatzprobleme, technische Erweiterungen und die Strukturkrise des deutschen Steinkohlenbergbaus beeinflusst.

1913 beschäftigte die Zeche rund 1.360 Menschen. Im Jahr 1927 wurden bei einer Belegschaft von etwa 3.660 Personen rund 839.000 Tonnen Kohle gefördert. Den höchsten Förderstand erreichte das Bergwerk 1982 mit etwa 2,67 Millionen Tonnen.[2]

Eine ausführliche Jahresstatistik zur Förderung und Belegschaft ist überliefert. Die einzelnen Angaben müssen vor einer erneuten Veröffentlichung noch mit den Geschäftsberichten beziehungsweise der Fachliteratur abgeglichen werden.

Entwicklung von Förderung und Belegschaft

Bedeutung für die Stadt Ahlen

Die Zeche Westfalen veränderte Ahlen grundlegend. Für den Aufbau und Betrieb des Bergwerks wurden Arbeitskräfte aus verschiedenen Teilen Deutschlands und später auch aus anderen europäischen und außereuropäischen Staaten angeworben. Der Zuzug ließ die Einwohnerzahl stark steigen und veränderte die soziale, kulturelle und konfessionelle Zusammensetzung der Stadt.

Mit der Zechenkolonie entstand südöstlich der Altstadt ein neuer Stadtteil. Straßen, Schulen, Geschäfte, Gaststätten, kirchliche Einrichtungen und soziale Angebote entwickelten sich im Umfeld des Bergwerks.

Die Zeche war nicht nur der größte Arbeitgeber der Stadt, sondern beeinflusste über Jahrzehnte das Vereinsleben, die kommunale Politik und den Alltag vieler Familien.

Auch das Stadtbild wurde durch die Fördergerüste, die Kokerei, die Halde, die Werkbahnen und die großflächigen Industrieanlagen geprägt. Die erhaltenen Fördergerüste erinnern bis heute an diese Epoche.

Stilllegung

Im November 1991 wurde die beabsichtigte Stilllegung der Zeche bekannt gegeben. Trotz weiterer Investitionen und hoher Förderleistungen konnte der Betrieb unter den wirtschaftlichen Bedingungen des deutschen Steinkohlenbergbaus nicht dauerhaft fortgeführt werden.

Am 30. Juni 2000 wurde die letzte Kohle gefördert. Der aktive Bergwerksbetrieb endete offiziell am 1. Juli 2000.[6]

Die verbliebenen Schächte 1, 2, 6 und 7 wurden 2001 verfüllt. Anschließend wurden große Teile der nicht mehr benötigten Tagesanlagen abgebrochen. Besonders auffällig war die Sprengung der Kohlenwäsche am 5. November 2003.

Nachnutzung

Bereits vor der Stilllegung hatten sich Arbeitskreise, Projektgruppen und politische Gremien mit der zukünftigen Nutzung der Hauptanlage beschäftigt. Als erhaltenswert galten insbesondere die beiden Fördergerüste sowie Teile der Verwaltungs-, Sozial- und Betriebsgebäude.

Im März 2004 gründeten die Stadt Ahlen und die Mittelstandsinitiative Ahlen die Projektgesellschaft Westfalen. Diese erwarb im selben Jahr den Gebäudekomplex aus Lohnhalle und Kauen und entwickelte ihn zu einem Gewerbe- und Veranstaltungszentrum.[6]

Seitdem entstanden auf dem Gelände schrittweise neue Nutzungen. Dazu gehören:

  • Gewerbe- und Büroräume,
  • Bildungs- und Schulungsangebote,
  • Freizeit- und Sporteinrichtungen,
  • Veranstaltungs- und Kongressräume,
  • gastronomische Angebote,
  • Grün- und Freizeitflächen.

In der früheren Schwarzkaue befindet sich eine große Indoor-Kletteranlage. Teile der Weißkaue werden sportlich und gewerblich genutzt. Die Lohnhalle dient regelmäßig als Ort für Konzerte, Märkte, Tagungen und andere Veranstaltungen.

In den Räumen der früheren Grubenwehr richtete der Bergbautraditionsverein Zeche Westfalen ein Museum ein. Dort werden Gegenstände, Dokumente und Erinnerungen aus der Geschichte des Bergwerks bewahrt.

Auch der Förderverein Fördertürme setzt sich für den Erhalt und die Vermittlung der erhaltenen Industrieanlagen ein.[6]

Das Außengelände wurde freigeräumt und landschaftlich neu gestaltet. Neben Gewerbeflächen entstanden Wege, Spiel- und Sportangebote sowie öffentlich zugängliche Grünflächen. Die ehemalige Bergehalde wird als Freizeit- und Aussichtsgelände genutzt.

Hafenbahn und Radweg

Die frühere Hafenbahn verband die Hauptanlage und mehrere Außenschächte mit dem Zechenhafen am Datteln-Hamm-Kanal. Nach der Stilllegung wurde ein großer Teil der rund 8,5 Kilometer langen Trasse zu einem Fuß- und Radweg umgebaut.

Der Weg stellt heute eine Verbindung zwischen dem ehemaligen Zechengelände, dem Lippetal und der Römer-Lippe-Route her.[2]

Erhaltene Bauwerke

Auf dem Gelände der Hauptanlage sind mehrere Gebäude und technische Anlagen erhalten. Dazu gehören unter anderem:

  • die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2,
  • die Fördermaschinenhäuser,
  • die ehemalige Lohnhalle,
  • Teile der Wasch- und Kauenanlagen,
  • der Mannschaftsgang,
  • Gebäude der früheren Grubenwehr,
  • einzelne Werkstatt- und Betriebsgebäude.

Die erhaltenen Anlagen gehören zu den bedeutenden Zeugnissen der Industriegeschichte Ahlens. Gemeinsam mit der Zechenkolonie und der Halde dokumentieren sie die Entwicklung der Stadt zu einem Bergbau- und Industriestandort.

Bilder

Siehe auch

Literatur

  • Hans Baron: Geologie und Bergbau im Raume Ahlen. Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Ahlen, Band 4, Ahlen 1975.
  • Glückauf-Stiftung: Zeche Westfalen – Ein Jahrhundert Steinkohlenbergbau in Ahlen. Klartext Verlag, Essen 2000, ISBN 3-88474-891-2.
  • Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein im Taunus 1994, ISBN 978-3-7845-6994-9.
  • Michael Huhn: Ein ganz eigener Schlag – Kolonie und Bergwerk Westfalen. Leben und Arbeit in Ahlen nach 1945. Klartext Verlag, Essen 1997.
  • Uwe Rennspieß: Jenseits der Bahn – Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen. Klartext Verlag, Essen 1989, ISBN 3-88474-340-6.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Stadt Ahlen: Geschichte der Zeche Westfalen, abgerufen am 27. Juli 2026.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 Regionalverband Ruhr: Themenroute 16 – Westfälische Bergbauroute, S. 44–45, abgerufen am 27. Juli 2026.
  3. Regionalverband Ruhr: Themenroute 19 – Arbeitersiedlungen, S. 50–51, abgerufen am 27. Juli 2026.
  4. Stadt Ahlen: Stadtgeschichte 1911 bis 1926, abgerufen am 27. Juli 2026.
  5. Ahlener Zeitung, 18. Dezember 1965.
  6. 6,0 6,1 6,2 Stadt Ahlen: Vom Kohleförderstandort zum lebendigen Zentrum für Freizeit, Wirtschaft und Kultur, veröffentlicht am 28. Juni 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.