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Zeche Westfalen: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Zeche Westfalen''' war ein Steinkohlen-Bergwerk in Ahlen.
Die '''Zeche Westfalen''' war ein Steinkohlenbergwerk in [[Ahlen]]. Das Bergwerk entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nahm 1912 beziehungsweise 1913 die Förderung auf. Bis zur Einstellung der Kohlenförderung am 30. Juni 2000 prägte die Zeche über Jahrzehnte die wirtschaftliche, städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung Ahlens.
[[Kategorie:Bergbau]]
[[Kategorie:Zeche]]
[[Kategorie:Denkmäler]]
[[Kategorie: Gebäude]]


Zur Zeche gehörten insgesamt sieben Schächte in Ahlen, Beckum und Hamm-Heessen. Die Hauptanlage befand sich an den Schächten 1 und 2 im Südosten der Stadt. Dort sind unter anderem die beiden Fördergerüste, die frühere Lohnhalle und Teile der Kauen erhalten geblieben. Das Gelände wird heute als Gewerbe-, Freizeit-, Bildungs- und Veranstaltungsstandort genutzt.


== Geschichte ==
[[Datei:Zeche Westfalen 52.jpg|mini|Die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2]]
=== 1900–1910 ===
Die '''Zeche Westfalen''' in Ahlen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Initiative einiger örtlicher Fabrikanten, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hatten.
Nachdem 1901 im Bereich der Bauerschaft Rosendahl bei Suchbohrungen Kohlevorräte entdeckt wurden, führte man bis 1907 weitere 33 Tiefbohrungen durch. Am 1. Februar 1909 wurde mit dem Abteufen der Schächte 1 und 2 begonnen. Gleichzeitig wurde die erforderliche Infrastruktur (Straßenverbindungen, Zechenbahn, bergwerkseigene Ziegelei) erstellt.


=== 1911–1920 ===
== Vorgeschichte und Gründung ==
Im Jahr 1911 wurde am Schacht 1 die Teufe von 1087 Metern und etwas später am Schacht 2 die Teufe von 1052 Metern erreicht. Neun Kohlenflöze mit Mächtigkeiten von 0,70 Metern bis 1,75 Metern wurden durchteuft. Zu diesem Zeitpunkt gab es kein anderes Bergwerk mit tieferen Schächten. Am 5. März 1913 wurde die erste Kohle gefördert. Im Januar 1914 wurde die Kokerei „Westfalen“ in Betrieb genommen.


Am 16. November 1920 riss das Förderseil von Schacht 2. 14 Bergleute starben bei dem schwersten Grubenunglück auf der Zeche „Westfalen“.
Am 19. Februar 1900 begannen in der Bauerschaft Rosendahl erste Erkundungsbohrungen. Am 8. Oktober desselben Jahres wurde im Bohrloch „Glücksborn II“ Steinkohle nachgewiesen. Finanziert wurden die Bohrungen durch eine Interessengemeinschaft örtlicher Unternehmer und Kaufleute. Bis 1907 folgten 33 weitere Tiefbohrungen.<ref name="Stadtgeschichte">[https://www.ahlen.de/rathaus-und-politik/ueber-ahlen/ahlen800-das-stadtjubilaeum/historisches/wissenswertes-rund-um-die-ahlener-geschichte/zechengeschichte Stadt Ahlen: Geschichte der Zeche Westfalen], abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>


=== 1921–1945 ===
Im Jahr 1902 wurde die Bergwerkgesellschaft Westphalen gegründet. Am 1. Februar 1909 begannen die Abteufarbeiten an den Schächten 1 und 2. Gleichzeitig entstanden die für den Bergwerksbetrieb notwendige Infrastruktur, Straßenverbindungen, eine Zechenbahn und eine werkseigene Ziegelei. Diese lieferte einen Teil der für die Errichtung der Tagesanlagen und der Wohngebäude benötigten Ziegel.<ref name="Stadtgeschichte" />
1935 wurden der zecheneigene Hafen am Datteln-Hamm-Kanal und die Anschlußbahn dorthin fertiggestellt. Ein Jahr später wurde Schacht 3 abgeteuft.
Im Dezember 1940 wurde mit dem Abteufen von Schacht 4 begonnen, der 1943 die Endteufe von 855 Metern erreichte. Der Schacht wurde im Oktober 1944 in Betrieb genommen.


Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] wurden Fremdarbeiter und Kriegsgefangene auf „Westfalen“ eingesetzt. Am 23. März 1944 wurden bei einem Luftangriff der Alliierten 1000 Bomben auf die Zeche und die angrenzende [[Zechenkolonie]] abgeworfen, weite Teile der Zeche „Westfalen“ wurden zerstört, [[Fördertürme]] und Fördermaschinen blieben jedoch weitgehend erhalten. Die Förderung und der Absatz der Rohkohle konnten fortgesetzt werden. Bei dem Angriff wurden 193 Menschen getötet und 250 Menschen verletzt, etwa 600 verloren ihre Wohnung.
Die Schächte erreichten 1911 Teufen von mehr als 1.050 Metern. Damit gehörten sie zu dieser Zeit zu den tiefsten Bergwerksschächten. Schacht 1 nahm 1912 und Schacht 2 im Jahr 1913 die Förderung auf.<ref name="RIK">[https://www.route-industriekultur.ruhr/wp-content/uploads/2023/03/2021_TR16_Westfaelische_Bergbauroute_RIK.pdf Regionalverband Ruhr: Themenroute 16 – Westfälische Bergbauroute], S. 44–45, abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
Am 31. März besetzten amerikanische Truppen die Stadt Ahlen und damit auch die Zeche „Westfalen“. Die Förderung wurde vorübergehend eingestellt, aber bereits Ende April wieder aufgenommen.


=== 1946–1960 ===
== Aufbau des Bergwerks ==
Im Jahr 1951 wurde Diplom-Kaufmann und Diplom-Handelslehrer [[Wilhelm Wilmerstadt]] zum Direktor bestellt.
Im Oktober 1953 begannen die Abteufarbeiten für Schacht 5.
Ab April 1956 wurde Schacht 2 tiefer geteuft. Die Nachteufarbeiten wurden im Mai 1957 bei einer Tiefe von 1233,60 Metern abgeschlossen.


=== 1961–1980 ===
Die Zeche Westfalen wurde zunächst als Doppelschachtanlage mit den Schächten 1 und 2 errichtet. Beide Schächte erhielten gleichartige deutsche Strebengerüste der Bauart Zschetsche. Die Fördergerüste sind erhalten geblieben und gelten heute als weithin sichtbare Wahrzeichen des Ahlener Bergbaus.<ref name="RIK" />
Während bereits zahlreiche Zechen im Ruhrgebiet stillgelegt wurden, begann das Abteufen von Schacht 6 im September 1962. Damit sollte die Erschließung weiterer Kohlenfelder vorangetrieben werden. Der Schacht wurde im Mai 1966 in Betrieb genommen.


Am 27. November 1968 wurde die Ruhrkohle AG (RAG) gegründet. Die RAG wurde Eigentümer der Mehrzahl aller Zechen im Ruhrgebiet. Die Steinkohlenbergwerk Westfalen AG jedoch verkaufte die Zeche „Westfalen“ an den Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV). Der Luxemburgische Stahlkonzern ARBED sicherte sich auf diese Weise die Versorgung seiner Hochöfen mit Koks.
1913 begann der Bau der Kokerei und der Kohlenwäsche. Im Januar 1914 nahm die Kokerei ihren Betrieb auf. Die dort erzeugten Koksprodukte waren insbesondere für die Eisen- und Stahlindustrie bestimmt.


Im August 1979 wurden am [[Schacht 7]] in einer Tiefe von 1.330 Metern die Abteufarbeiten beendet.
Zur Versorgung und Erschließung des Bergwerks gehörten neben den Gleisanlagen auch Werkstätten, Lagergebäude, Verwaltungs- und Sozialbauten. Mit dem Ausbau des Grubenfeldes kamen im Laufe der Jahrzehnte fünf weitere Schächte hinzu.


=== 1981–1990 ===
== Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg ==
[[Schacht 7]] in Hamm-Heessen wird 1983 als Material- und Seilfahrtschacht in Betrieb genommen.


Im Jahr 1986 wurden Schacht 3 und Schacht 5 stillgelegt, in denen infolge hohen Wasserzulaufes und anderer geologischer Schwierigkeiten nur begrenzt [[Abbau (Bergbau)|Abbau]] betrieben wurde.  
Bereits während des Aufbaus wuchs die Belegschaft stark an. 1913 beschäftigte das Bergwerk rund 1.360 Menschen. Die Entwicklung der Zeche führte zu einem erheblichen Zuzug von Arbeitskräften und ihren Familien.


Am 2. Januar 1989 übernahm die RAG, zunächst in Personalunion mit der Werksdirektion der Zeche Radbod, die Betriebsführung der Zeche „Westfalen“. Am gleichen Tag wurde die Stilllegung der Kokerei zum 31. März 1989 beschlossen.
Im September 1911 begann der Bau der später als [[Zechenkolonie|Zechensiedlung „Neustadt“]] bezeichneten Werkssiedlung. Bis Mitte der 1920er-Jahre entstanden 1.094 Arbeiterwohnungen und 117 Beamtenwohnungen. Die Siedlung wurde nach Grundsätzen der Gartenstadtbewegung angelegt und bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Ahlener Südostens.<ref name="Siedlung">[https://www.route-industriekultur.ruhr/wp-content/uploads/2023/03/2021_TR19_Arbeitersiedlungen_RIK.pdf Regionalverband Ruhr: Themenroute 19 – Arbeitersiedlungen], S. 50–51, abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>


=== 1991–2001 ===
Während des Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche Bergleute zum Militärdienst eingezogen. Der dadurch entstandene Arbeitskräftemangel beeinträchtigte die Förderung und führte zunächst zur Stilllegung der Kokerei. Mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen wurde der Kokereibetrieb 1915 wieder aufgenommen.<ref name="Stadtgeschichte" />
Die RAG gab im November 1991 offiziell die Schließung der Zeche „Westfalen“ für das Jahr 1999 bekannt. Am 1. Juli 1993 ging das gesamte Bergwerk offiziell in den Besitz der RAG über.
Bis 1994 wurden die Tagesanlagen der bereits stillgelegten Schächte 3, 4 und 5 abgerissen.  
Am 30. Juni 2000 wurde die Förderung von Kohle auf der Zeche „Westfalen“ eingestellt.


Die verbliebenen Schächte 1,2,6 und 7 wurden 2001 verfüllt. Die Tagesanlagen am Schacht 6 wurden abgerissen.
Am 16. Januar 1918 überflutete die Werse Teile des Zechengeländes. Gleichzeitig kam es während und nach dem Ersten Weltkrieg mehrfach zu Arbeitskämpfen. Die Bergleute forderten unter anderem kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen. Im April 1919 wurde die tägliche Schichtzeit auf sieben Stunden verkürzt.<ref name="Stadtgeschichte" />
Mit der Frage der Nachnutzung des Bergwerksgeländes an der Doppelschachtanlage 1/2 haben sich Arbeitskreise, Projektgruppen und die politischen Gremien seit den 1990er Jahren beschäftigt. Ein Teil der vorhandenen Anlagen, insbesondere die Fördertürme und die frühere Lohnhalle und Waschkaue, wurden als erhaltenswert eingestuft.


=Personal=
== Entwicklung zwischen den Weltkriegen ==


==Direktoren==
Nach dem Ersten Weltkrieg stiegen Förderung und Beschäftigtenzahl zunächst deutlich an. 1927 erreichte die Zeche mit einer Jahresförderung von rund 839.000 Tonnen und etwa 3.660 Beschäftigten einen vorläufigen Höchststand. Die Weltwirtschaftskrise führte anschließend zu einem Rückgang von Förderung und Belegschaft.<ref name="RIK" />
{|class="wikitable"
|-
||Reinhold Morsbach
||1907-1924
|-
||Karl Hilgenstock
||1924-1928
|-
||Erich Quentin
||1928-1935
|-
||Heinrich Morsbach
||1935-1945
|-
||Walter Doneit
||1945
|-
||Otto Hesse
||1946-1959
|-
||Wilhelm Wilmerstadt
||1951-
|-
||Ewald Gremmler
||1960-1965
|-
||Paul Göttig
||1965-1980
|-
||Hans Briele
||1980-1984
|-
||Hans-Wolfgang Arauner
||1984-1988
|-
||Karl-Heinz Müller
||1989-1992
|-
||Rolf Zeppenfeld
||1993-1996
|-
||Peter Schweinberger
||seit 1998
|}


==Vorsitzende des Betriebsrates==
Die Eigentumsverhältnisse änderten sich mehrfach. 1916 erwarb der Breslauer Bergbaukonzern Georg von Giesches Erben die Mehrheit der Kuxe. Im Jahr 1926 ging das Bergwerk an die Continentalen Gas- und Wasserwerke, kurz Contigas, über.<ref name="RIK" />
{|class="wikitable"
|-
||Alfred Mattern
||1945-1946
|-
||Ernst Gerber
||1946-1961
|-
||Heinrich Lang
||1961-1963
|-
||Berthold Angrick
||1963-1969
|-
||Erich Steiner
||1969-1975
|-
||Heinz Steinhoff
||1975-1984
|-
||Hans Fillinger
||1984-1999
|-
||Karl-Heinz Meiwes
||seit 1999
|}


=Förder- und Belegschaftsstatistik=
1935 wurden ein werkseigener Hafen am Datteln-Hamm-Kanal und eine rund 8,5 Kilometer lange Hafenbahn fertiggestellt. Die Bahn verband die Hauptanlage sowie die Schächte 3 und 4 mit dem Verladehafen. Auf diesem Weg konnten Kohle und Koks unmittelbar auf Binnenschiffe verladen werden.


[[Datei:Zeche Westfalen diagramm.png]]
Zur weiteren Erschließung und Bewetterung des Grubenfeldes entstanden die Schächte 3 und 4. Schacht 3 nahm 1939 und Schacht 4 während des Zweiten Weltkriegs den Betrieb auf.<ref name="RIK" />


{| class="wikitable"
== Zweiter Weltkrieg ==
|| Jahr
|| Verwertbare Förderung
|| Arbeiter unter Tage
|| Gesamtbelegschaft


|-
Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf der Zeche ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und weitere zwangsverpflichtete Arbeitskräfte eingesetzt. Genaue Zahlen für die einzelnen Beschäftigtengruppen müssen noch anhand der betrieblichen Überlieferung untersucht werden.
|| 1909
||
||
|| 314


|-
Am 23. März 1944 traf ein schwerer alliierter Luftangriff die Zeche und die angrenzende Zechensiedlung. Teile der Betriebsanlagen und zahlreiche Wohnhäuser wurden zerstört oder beschädigt. Die Fördergerüste und die Fördermaschinen blieben weitgehend erhalten. Der Betrieb konnte deshalb trotz der Schäden fortgeführt werden.
|| 1910
||
|| 189
|| 309


|-
Am 31. März 1945 besetzten amerikanische Truppen Ahlen. Die Förderung wurde vorübergehend eingestellt, jedoch bereits Ende April 1945 wieder aufgenommen.
|| 1911
||
|| 196
|| 339


|-
== Ausbau nach 1945 ==
|| 1912
||
||
|| 700


|-
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bergwerk weiter ausgebaut. In den 1950er-Jahren entstanden zusätzliche Grubenbaue und technische Anlagen. Schacht 2 wurde zur Erschließung tiefer liegender Lagerstätten weiter abgeteuft. Die Arbeiten wurden 1957 bei einer Teufe von 1.233,60 Metern abgeschlossen.
|| 1913
|| 102259
||
|| 1360


|-
Mit Schacht 5 entstand ein weiterer Wetterschacht. Die Anlage lag östlich der Hauptschachtanlage auf Beckumer Stadtgebiet.
|| 1914
|| 288494
||
|| 1326


|-
Im September 1962 begann das Abteufen von Schacht 6. Der Schacht wurde 1966 in Betrieb genommen und diente der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung des Grubengebäudes.<ref name="RIK" />
|| 1915
|| 273831
||
|| 1139


|-
== Eigentümerwechsel und Schacht 7 ==
|| 1916
|| 313953
||
|| 1085


|-
Nach der Gründung der Ruhrkohle AG im Jahr 1968 ging die Zeche Westfalen zunächst nicht in deren Besitz über. Stattdessen wurde sie 1969 an den Eschweiler Bergwerks-Verein, kurz EBV, verkauft. Dessen Muttergesellschaft ARBED war an einer langfristigen Versorgung ihrer Stahlwerke mit Kokskohle und Koks interessiert.<ref name="RIK" />
|| 1917
|| 349930
||
|| 1250


|-
Zwischen 1976 und 1981 wurde in Hamm-Heessen Schacht 7 abgeteuft. Der Schacht erreichte eine Teufe von 1.330 Metern und diente vor allem der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung. Er bildete den nördlichsten Betriebspunkt des Bergwerks.<ref name="RIK" />
|| 1918
|| 388191
||
|| 1520


|-
1982 erreichte die Zeche mit rund 2,67 Millionen Tonnen die höchste Jahresförderung ihrer Geschichte.<ref name="RIK" />
|| 1919
|| 290983
||
|| 1978


|-
Im Laufe der 1980er-Jahre wurden weniger leistungsfähige Außenschächte aufgegeben. Die Schächte 3 und 5 wurden 1986 stillgelegt. Am 2. Januar 1989 übernahm die Ruhrkohle AG die Betriebsführung. Die Kokerei wurde am 31. März 1989 stillgelegt. Am 1. Juli 1993 ging das gesamte Bergwerk in den Besitz der Ruhrkohle AG über.<ref name="RIK" />
|| 1920
|| 390248
||
|| 2606


|-
== Schachtanlagen ==
|| 1921
|| 431069
||
|| 2786


|-
Die Zeche Westfalen verfügte zuletzt über sieben Schächte. Die Schächte 1 und 2 bildeten die Hauptanlage. Die übrigen Schächte dienten vor allem der Bewetterung, der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Erschließung entfernter Teile des Grubenfeldes.
|| 1922
|| 428745
||
|| 2887


{| class="wikitable"
! Schacht
! Lage
! Entwicklung
! Heutiger Zustand
|-
|-
|| 1923
| '''Schacht 1'''
|| 438800
| Ahlen, Hauptanlage
||
| Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1912
|| 3291
| Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
 
|-
|-
|| 1924
| '''Schacht 2'''
|| 573736
| Ahlen, Hauptanlage
||
| Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1913; später bis auf mehr als 1.200 Meter vertieft
|| 3173
| Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
 
|-
|-
|| 1925
| '''Schacht 3'''
|| 709669
| Ahlen
||
| 1939 als Wetterschacht in Betrieb genommen; 1986 stillgelegt
|| 3603
| Schacht verfüllt; das frühere Gelände wird unter anderem als Solarpark genutzt
 
|-
|-
|| 1926
| '''Schacht 4'''
|| 791584
| Ahlen
||
| Während des Zweiten Weltkriegs in Betrieb genommen
|| 3614
| Schacht verfüllt; Tagesanlagen abgebrochen
 
|-
|-
|| 1927
| '''Schacht 5'''
|| 838903
| Beckum
||
| In den 1950er-Jahren als Wetterschacht angelegt; 1986 stillgelegt
|| 3664
| Einzelne Betriebsgebäude erhalten
 
|-
|-
|| 1928
| '''Schacht 6'''
|| 729536
| Ahlen-Dolberg
||
| Abteufbeginn 1962; Inbetriebnahme 1966
|| 3086
| Tagesanlagen abgebrochen; ehemaliges Gelände aufgeforstet und teilweise als Bestattungswald genutzt
 
|-
|-
|| 1929
| '''[[Schacht 7]]'''
|| 782161
| Hamm-Heessen
||
| 1976 bis 1981 abgeteuft; Endteufe 1.330 Meter
|| 3025
| Tagesanlagen abgebrochen; Gelände aufgeforstet
|}


|-
Für die einzelnen Schachtanlagen sind eigene Artikel vorgesehen. Die Schächte 1 und 2 werden wegen ihrer gemeinsamen baulichen und betrieblichen Entwicklung in einem Artikel zur '''Schachtanlage Westfalen 1/2''' behandelt.
|| 1930
|| 686240
||
|| 2753


|-
== Grubenunglücke ==
|| 1931
|| 596178
||
|| 2228


|-
=== Förderseilriss 1920 ===
|| 1932
|| 650538
||
|| 2023


|-
Das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Zeche ereignete sich am 16. November 1920. Am Schacht 2 riss ein Förderseil. Die beiden Förderkörbe stürzten in die Tiefe. Vierzehn Bergleute, die nach ihrer Schicht ausfahren wollten, kamen ums Leben.<ref>[https://www.ahlen.de/rathaus-und-politik/ueber-ahlen/stadtgeschichte/1911-bis-1926 Stadt Ahlen: Stadtgeschichte 1911 bis 1926], abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
|| 1933
|| 712299
||
|| 1960


|-
Die Bergung der Opfer gestaltete sich schwierig, weil die Förderkörbe, das Seil und weitere Trümmerteile in den Schachtsumpf gestürzt waren. Die Verstorbenen wurden nach ihrer Bergung in der Lohnhalle aufgebahrt. Auf dem [[Westfriedhof]] erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer.
|| 1934
|| 744058
||
|| 2026


|-
Bei dem Unglück starben:
|| 1935
|| 776565
||
|| 2060


|-
* Oskar de Graf
|| 1936
* Bernhard Lütkenhaus
|| 839800
* Alois Setnikar
||
* Heinrich Mißling
|| 2191
* August Schröder
* August Janowski
* Franz Jakuba
* Josef Lütkenhaus
* Paul Schramm
* Franz Kowalczyk
* Franz Wienecke
* Otto Lippold
* Jakob Saretzki
* Martin Zarth


|-
[[Datei:Grubenunglück1920.jpg|mini|Erinnerung an das Grubenunglück von 1920]]
|| 1937
|| 1001269
||
|| 2704


|-
=== Gebirgsschlag 1965 ===
|| 1938
|| 1057292
||
|| 2751


|-
Am 17. Dezember 1965 ereignete sich im Flöz „Sonnenschein“ auf der 1.200-Meter-Sohle ein schwerer Gebirgsschlag. Teile einer Strecke wurden durch Gesteinsmassen zusammengedrückt. Drei Bergleute kamen ums Leben, drei weitere wurden verletzt.<ref>''Ahlener Zeitung'', 18. Dezember 1965.</ref>
|| 1939
|| 1185105
||
|| 2737


|-
Bei den Getöteten handelte es sich um:
|| 1940
|| 1260227
||
|| 2855


|-
* Joachim Haase
|| 1941
* Heinz Ciemiega
|| 1237042
* Werner Sklorz
||
|| 3022


|-
== Förderung und Belegschaft ==
|| 1942
|| 1263338
||
|| 3277


|-
Fördermenge und Beschäftigtenzahl schwankten während der Betriebszeit erheblich. Die Entwicklung wurde unter anderem durch Kriege, Wirtschaftskrisen, Absatzprobleme, technische Erweiterungen und die Strukturkrise des deutschen Steinkohlenbergbaus beeinflusst.
|| 1943
|| 1303537
||
|| 3433


|-
1913 beschäftigte die Zeche rund 1.360 Menschen. Im Jahr 1927 wurden bei einer Belegschaft von etwa 3.660 Personen rund 839.000 Tonnen Kohle gefördert. Den höchsten Förderstand erreichte das Bergwerk 1982 mit etwa 2,67 Millionen Tonnen.<ref name="RIK" />
|| 1944
|| 1097273
|| 2752
|| 4103


|-
Eine ausführliche Jahresstatistik zur Förderung und Belegschaft ist überliefert. Die einzelnen Angaben müssen vor einer erneuten Veröffentlichung noch mit den Geschäftsberichten beziehungsweise der Fachliteratur abgeglichen werden.
|| 1945
|| 545950
|| 2015
|| 2945


|-
[[Datei:Zeche Westfalen diagramm.png|mini|Entwicklung von Förderung und Belegschaft]]
|| 1946
|| 682030
|| 2438
|| 3435


|-
== Bedeutung für die Stadt Ahlen ==
|| 1947
|| 906116
|| 3215
|| 3880


|-
Die Zeche Westfalen veränderte Ahlen grundlegend. Für den Aufbau und Betrieb des Bergwerks wurden Arbeitskräfte aus verschiedenen Teilen Deutschlands und später auch aus anderen europäischen und außereuropäischen Staaten angeworben. Der Zuzug ließ die Einwohnerzahl stark steigen und veränderte die soziale, kulturelle und konfessionelle Zusammensetzung der Stadt.
|| 1948
|| 1105722
|| 3147
|| 3837


|-
Mit der Zechenkolonie entstand südöstlich der Altstadt ein neuer Stadtteil. Straßen, Schulen, Geschäfte, Gaststätten, kirchliche Einrichtungen und soziale Angebote entwickelten sich im Umfeld des Bergwerks. Die Zeche war nicht nur der größte Arbeitgeber der Stadt, sondern beeinflusste über Jahrzehnte das Vereinsleben, die kommunale Politik und den Alltag vieler Familien.
|| 1949
|| 1261107
|| 2574
|| 3775


|-
Auch das Stadtbild wurde durch die Fördertürme, die Kokerei, die Halde, die Werkbahnen und die großflächigen Industrieanlagen geprägt. Die erhaltenen Fördergerüste erinnern bis heute an diese Epoche.
|| 1950
|| 1284720
|| 2592
|| 3841


|-
== Stilllegung ==
|| 1951
|| 1441215
|| 2719
|| 4011


|-
Im November 1991 wurde die beabsichtigte Stilllegung der Zeche bekannt gegeben. Trotz weiterer Investitionen und hoher Förderleistungen konnte der Betrieb unter den wirtschaftlichen Bedingungen des deutschen Steinkohlenbergbaus nicht dauerhaft fortgeführt werden.
|| 1952
|| 1484962
|| 2835
|| 4213


|-
Am 30. Juni 2000 wurde die letzte Kohle gefördert. Der aktive Bergwerksbetrieb endete offiziell am 1. Juli 2000.<ref name="Nachnutzung">[https://www.ahlen.de/ansicht/vom-kohlefoerderstandort-zum-lebendigen-zentrum-fuer-freizeit-wirtschaft-und-kultur Stadt Ahlen: Vom Kohleförderstandort zum lebendigen Zentrum für Freizeit, Wirtschaft und Kultur], veröffentlicht am 28. Juni 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.</ref>
|| 1953
|| 1474554
|| 2875
|| 4230


|-
Die verbliebenen Schächte 1, 2, 6 und 7 wurden 2001 verfüllt. Anschließend wurden große Teile der nicht mehr benötigten Tagesanlagen abgebrochen. Besonders auffällig war die Sprengung der Kohlenwäsche am 5. November 2003.
|| 1954
|| 1461334
|| 2773
|| 4164


|-
== Nachnutzung ==
|| 1955
|| 1550504
|| 2895
|| 4317


|-
Bereits vor der Stilllegung hatten sich Arbeitskreise, Projektgruppen und politische Gremien mit der zukünftigen Nutzung der Hauptanlage beschäftigt. Als erhaltenswert galten insbesondere die beiden Fördergerüste sowie Teile der Verwaltungs-, Sozial- und Betriebsgebäude.
|| 1956
|| 1646514
|| 3010
|| 4481


|-
Im März 2004 gründeten die Stadt Ahlen und die Mittelstandsinitiative Ahlen die Projektgesellschaft Westfalen. Diese erwarb im selben Jahr den Gebäudekomplex aus Lohnhalle und Kauen und entwickelte ihn zu einem Gewerbe- und Veranstaltungszentrum.<ref name="Nachnutzung" />
|| 1957
|| 1740401
|| 3095
|| 4539


|-
Seitdem entstanden auf dem Gelände schrittweise neue Nutzungen. Dazu gehören:
|| 1958
|| 1557478
|| 2958
|| 4448


|-
* Gewerbe- und Büroräume,
|| 1959
* Bildungs- und Schulungsangebote,
|| 1470313
* Freizeit- und Sporteinrichtungen,
|| 2435
* Veranstaltungs- und Kongressräume,
|| 3825
* gastronomische Angebote,
* Grün- und Freizeitflächen.


|-
In der früheren Schwarzkaue befindet sich eine große Indoor-Kletteranlage. Teile der Weißkaue werden sportlich und gewerblich genutzt. Die Lohnhalle dient regelmäßig als Ort für Konzerte, Märkte, Tagungen und andere Veranstaltungen.
|| 1960
|| 1491346
|| 2502
|| 3856


|-
In den Räumen der früheren Grubenwehr richtete der Bergbautraditionsverein Zeche Westfalen ein Museum ein. Dort werden Gegenstände, Dokumente und Erinnerungen aus der Geschichte des Bergwerks bewahrt. Auch der Förderverein Fördertürme setzt sich für den Erhalt und die Vermittlung der erhaltenen Industrieanlagen ein.<ref name="Nachnutzung" />
|| 1961
|| 1670775
|| 2487
|| 3832


|-
Das Außengelände wurde freigeräumt und landschaftlich neu gestaltet. Neben Gewerbeflächen entstanden Wege, Spiel- und Sportangebote sowie öffentlich zugängliche Grünflächen. Die ehemalige Bergehalde wird als Freizeit- und Aussichtsgelände genutzt.
|| 1962
|| 1846503
|| 2590
|| 3919


|-
== Hafenbahn und Radweg ==
|| 1963
|| 1991901
|| 2644
|| 4016


|-
Die frühere Hafenbahn verband die Hauptanlage und mehrere Außenschächte mit dem Zechenhafen am Datteln-Hamm-Kanal. Nach der Stilllegung wurde ein großer Teil der rund 8,5 Kilometer langen Trasse zu einem Fuß- und Radweg umgebaut.
|| 1964
|| 1960622
|| 2811
|| 4161


|-
Der Weg stellt heute eine Verbindung zwischen dem ehemaligen Zechengelände, dem Lippetal und der Römer-Lippe-Route her.<ref name="RIK" />
|| 1965
|| 1814003
|| 2526
|| 3841


|-
== Erhaltene Bauwerke ==
|| 1966
|| 1684447
|| 2395
|| 3709


|-
Auf dem Gelände der Hauptanlage sind mehrere Gebäude und technische Anlagen erhalten. Dazu gehören unter anderem:
|| 1967
|| 1495627
|| 1993
|| 3189


|-
* die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2,
|| 1968
* die Fördermaschinenhäuser,
|| 1677784
* die ehemalige Lohnhalle,
|| 1906
* Teile der Wasch- und Kauenanlagen,
|| 3121
* der Mannschaftsgang,
 
* Gebäude der früheren Grubenwehr,
|-
* einzelne Werkstatt- und Betriebsgebäude.
|| 1969
|| 1672510
|| 1946
|| 2958


|-
Die erhaltenen Anlagen gehören zu den bedeutenden Zeugnissen der Industriegeschichte Ahlens. Gemeinsam mit der Zechenkolonie und der Halde dokumentieren sie die Entwicklung der Stadt zu einem Bergbau- und Industriestandort.
|| 1970
|| 1754437
|| 2104
|| 3178


|-
== Bilder ==
|| 1971
|| 1682476
|| 2141
|| 3275


|-
<gallery widths="160" heights="140">
|| 1972
Datei:Zeche Westfalen 01.jpg|Zufahrt von der [[Stapelstraße]]
|| 1716552
Datei:Zeche Westfalen 03.jpg|Schriftzug „Denke an deine Sicherheit“
|| 1957
Datei:Zeche Westfalen 04.jpg|Ehemalige Lohnhalle
|| 3074
Datei:Zeche Westfalen 06.jpg|Ehemalige Waschkaue
 
Datei:Zeche Westfalen 13.jpg|Das [[Ahlener Mammut]]
|-
Datei:Zeche Westfalen 52.jpg|Fördergerüste über Schacht 1 und 2
|| 1973
Datei:Zeche Westfalen 46.jpg|Fördergerüst über Schacht 1
|| 1743784
Datei:Zeche Westfalen 30.jpg|Fördergerüst über Schacht 2
|| 2091
Datei:Zeche Westfalen 18.jpg|Fördergerüste und Grubenlüftergebäude
|| 3233
Datei:Zeche Westfalen 47.jpg|Blick über das heutige Gewerbezentrum
 
Datei:Zeche Westfalen 09.jpg|Ehemalige Waschkaue an der [[Bergamtsstraße]]
|-
Datei:Zeche Westfalen 55.jpg|Blick auf die Halde von der [[Guissener Straße]]
|| 1974
</gallery>
|| 1819877
|| 2002
|| 3204


|-
== Siehe auch ==
|| 1975
|| 1997827
|| 2024
|| 3257


|-
* [[Zechenkolonie]]
|| 1976
* [[Schacht 7]]
|| 1928542
* [[Bergbautraditionsverein Zeche Westfalen]]
|| 1988
* [[Westfriedhof]]
|| 3187
* [[Werse Rad Weg]]


|-
== Literatur ==
|| 1977
|| 1703538
|| 2056
|| 3299


|-
* Hans Baron: ''Geologie und Bergbau im Raume Ahlen.'' Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Ahlen, Band 4, Ahlen 1975.
|| 1978
* Glückauf-Stiftung: ''Zeche Westfalen – Ein Jahrhundert Steinkohlenbergbau in Ahlen.'' Klartext Verlag, Essen 2000, ISBN 3-88474-891-2.
|| 1789811
* Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: ''Die alten Zechen an der Ruhr.'' 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein im Taunus 1994, ISBN 978-3-7845-6994-9.
|| 2068
* Michael Huhn: ''Ein ganz eigener Schlag – Kolonie und Bergwerk Westfalen. Leben und Arbeit in Ahlen nach 1945.'' Klartext Verlag, Essen 1997.
|| 3288
* Uwe Rennspieß: ''Jenseits der Bahn – Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen.'' Klartext Verlag, Essen 1989, ISBN 3-88474-340-6.


|-
== Einzelnachweise ==
|| 1979
|| 1711325
|| 1980
|| 3277


|-
<references />
|| 1980
|| 1868718
|| 2065
|| 3349


|-
== Weblinks ==
|| 1981
|| 2274628
|| 2081
|| 3441


|-
* [https://www.ahlen.de/rathaus-und-politik/ueber-ahlen/ahlen800-das-stadtjubilaeum/historisches/wissenswertes-rund-um-die-ahlener-geschichte/zechengeschichte Geschichte der Zeche Westfalen bei der Stadt Ahlen]
|| 1982
* [https://www.zechewestfalen.de/ Projektgesellschaft Westfalen]
|| 2672373
* [https://www.route-industriekultur.ruhr/wp-content/uploads/2023/03/2021_TR16_Westfaelische_Bergbauroute_RIK.pdf Zeche Westfalen in der Westfälischen Bergbauroute]
|| 2069
|| 3468


|-
[[Kategorie:Bergbau]]
|| 1983
[[Kategorie:Industriegeschichte]]
|| 2442924
[[Kategorie:Gebäude]]
|| 2162
[[Kategorie:Denkmäler]]
|| 3648
 
|-
|| 1984
|| 2149465
|| 2424
|| 3929
 
|-
|| 1985
|| 2248390
|| 2550
|| 4323
 
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|| 1986
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|| 1987
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|| 1988
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|| 2166
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|| 1989
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|| 1990
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|| 1999
|| 2447463
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|}
 
=Unglücke=
 
*Am 16. November 1920 riss, aufgrund von Materialermüdung, ein Förderseil und 14 Bergleute stürzten in die Tiefe von Schacht 2. In Gedenken an die Opfer heisst es im Geschäftsbericht für 1920:
<blockquote>Am 16. November 1920 wurde unser Werk von einem schweren Unglück betroffen, in Schacht II riß das Förderseil, beide Körbe stürzten in die Tiefe und begruben 14 Knappen im Schachtsumpfe, die zum Sonnenlichte auffahren wollten. Es starben den Heldentod auf dem Schlachtfelde der Arbeit:
 
:Oskar de Graf
:Bernhard Lütkenhaus
:Alois Setnikar
:Heinrich Mißling
:August Schröder
:August Janowski
:Franz Jakuba
:Josef Lütkenhaus
:Paul Schramm
:Franz Kowalczyk
:Franz Wienecke
:Otto Lippold
:Jakob Saretzki
:Martin Zarth
 
Wir werden diesen treuen Männern, die wir zu den erfahrensten und bravsten Mitgliedern der Belegschaft rechnen, ein ehrenvolles Anndenken allezeit bewahren.
 
Gewerkschaft Westfalen</blockquote>
:Dies sollte das schlimmste Unglück auf Westfalen bleiben.
 
[[Datei:Grubenunglück1920.jpg|thumb]]
:Die [[Ahlener Zeitung]] berichtete am 19.11.1920:
<blockquote>
''Das furchtbare Grubenunglück hält nach wie vor die Gemüter in Aufregung. An eine Bergung der Leichen aus dem Schacht ist vorerst nicht zu denken, weil dieselben unter den Trümmern der Förderkörbe liegen. Ob es überhaupt möglich sein wird, vollständige Leichen zu bergen, darf bezweifelt werden.“ Zunächst waren Bauarbeiter damit beschäftigt, die Aufräumarbeiten von der Bausohle aus voranzutreiben. Es mussten die Schachttrümmer, die den Körben folgten, das schwere Seil und schließlich die Körbe selbst aus dem tiefen Sumpf entfernt werden. Die gesamte Kohlenförderung sollte unterdessen über Schacht I erfolgen. Aus Protest fuhren die Bergarbeiter dort jedoch am Tag nach dem Unglück nicht an: Sie verlangten für dieses Fördergerüst ein neues Seil. Die Gewerkschaft kam diesem Wunsch nach, um die Förderung nicht vollends zum Erliegen zu bringen. Am Sonntag nach der Katastrophe erfolgte der Seilaustausch. „Von den Schachttürmen weht zum Zeichen der Trauer die Flagge auf Halbmast“, hielt die „AV“ fest und veröffentlichte im Nachgang eine Mitteilung des Betriebsrats der Zeche Westfalen, aus der hervorging, dass „eine Sammlung zugunsten der Hinterbliebenen der auf Zeche ,Westfalen‘ verunglückten Knappen abgehalten wird“. Inklusive einer Warnung: „Erfahrungsgemäß wird eine solche Sammlung von unlauteren Elementen dazu benutzt, für ihre eigene Tasche zu sorgen. Aus diesem Grunde wird die Bürgerschaft gebeten, Vorsicht zu üben und nur solchen Sammlern Spenden zu überreichen, die zu zweien vorsprechen und im Besitze eines Ausweises sind.''
</blockquote>
*Durch einen Gebirgsschlag sterben am 17.12.1965 drei Bergleute.
 
:Die [[Ahlener Zeitung]] berichtete am 18.12.1965:
<blockquote>
''Wie von einem Erdbeben wurde Ahlen am Freitagmorgen gegen 5 Uhr erschüttert. Der Grund: Ein Gebirgsschlag hatte auf der Zeche "Westfalen" einige Grubenbaue zusammengedrückt. Drei Bergleute fanden dabei den Tod, drei weitere wurden zum Teil schwer verletzt.''
 
''Das Unglück ereignete sich im Flöz "Sonnenschein" auf der 1200-Meter-Sohle von Schacht 1. Das Hangende hatte die Strecke nach Westen hin zusammengepreßt. Drei Bergleute wurden von den herabstürzenden Gesteinsmassen erschlagen oder erdrückt. Ihre Namen: Steiger Joachim Haase (33), Schlosser Heinz Ciemiega (21) und Werner Sklorz (25). Haase und Ciemiega sind verheiratet. Der Steiger hinterläßt zwei Kinder.
 
''Zu dem Gebirgsschlag kam es im Bereich einer Sandsteinformation, die für geologische Verschiebungen besonder anfällig ist. Die Zechenleitung versicherte, daß alle erforderlichen Sicherungsmaßnahmen im Streb erfüllt worden seien.
 
''Gleich nach dem Unglück, das glücklicherweise keine Schlagwetter-, oder Kohlestoffexplosion verursachte, wurde die Rettungsaktion eingeleitet. Dr. Meyer vom Bergamt Hamm hatte die Oberaufsicht. Ebenso trafen Vertreter des Oberbergamtes Dortmund und der parlamentarischen Sicherheitskommision am Schacht ein.
 
''Die zecheneigenen Bergungstrupps mußten vorsichtig große Gesteinsmassen, zerstörte Maschinenteile und zerbrochene Stempel beiseite räumen. Aber die Verbindung zu den Verletzten war schnell hergestellt. Die herabstürzenden Gesteinsmassen hatten sie zum Teil verschüttet.
 
''Zwei der getöteten Bergleute, der Steiger und der Schlosser, konnten erst im Laufe des Vormittags geborgen werden. Der dritte Bergmann Sklorz galt bis mittags noch als vermißt. Erst gege 13.39 Uhr wurde auch seine Leiche gefunden''
</blockquote>
 
*Am 06.11.1985 die Streckensohle des Flözes Präsident Helene, in folge eines Gebirgsschlages, auf einer Länge von 100m um 1,5m hoch. Etliche Bergleute wurden dabei verletzt.
 
*Ein Gebirgsschlag auf der 1035m-Sohle von [[Schacht 6]] fordert zwei Verletzte.
 
*Beim Aufhauen im Flöz Präsident Helene, am 08.09.1993, kam es zu einem offenen Grubenbrand der duch schnelles fluten gelöscht werden konnte. Diese Idee hatte der spätere Bergwerksdirektor Peter Schweinberger.
 
= Heutige Nutzung =
 
Bis auf die erhaltenswerten Gebäude sind die Tagesanlagen am Schacht 1/2 abgerissen. Besonders spektakulär war die Sprengung der Kohlenwäsche am 5. November 2003. Das Gelände wird seit 2006 als Gewerbefläche und Veranstaltungsort genutzt. In dem neuen Gewerbezentrum der ehemaligen Lohnhalle und Weißkaue sind unter anderem verschiedene Hightechfirmen ansässig. Eine bis zu 22 Meter hohe Kletterwand des ''BigWall Klettercentrums Ahlen'' befindet sich in der ehemaligen Schwarzkaue genauso wie ein Indoor-Hochseilgarten. Seit November 2007 werden die Gebäude "Lohnhalle" und "Weißkaue" auch als Kongress- und Messeveranstaltungsort genutzt. In den Räumen der ehem. Grubenwehr hat der Bergbau-Traditions-Verein Zeche Westfalen ein Museum eingerichtet.
 
Eigentümer des neuen Gewerbezentrums ist die Projektgesellschaft Westfalen mbH. Für die restlichen Gebäude werden zur Zeit (Februar 2010) Investoren gesucht. Die europaweite Ausschreibung ist noch nicht abgeschlossen. Das Außengelände wurde unter Federführung der LEG und der Stadt Ahlen freigeräumt und neu gestaltet.
Heute gibt es klare Strukturen und Kanten in der Fläche unter den Fördergerüsten, die die historischen Industriedenkmäler richtig positionieren.
 
Von der Schachtanlage 3 ist außer einem Hinweisschild über dem verfüllten Schacht nichts mehr vorhanden. Ebenso finden sich von Schacht 4 keine bergbaulichen Spuren mehr, das Gelände ist mittlerweile begrünt.
 
Die Schachtanlage 5 befindet sich im Beckumer Stadtgebiet nahe der Alten Ahlener Straße, etwa 4,5 km östlich der Hauptschachtanlage 1/2. Ein Betriebsgebäude, die Schlosserei sowie das Trafohaus sind noch vorhanden. Diese Gebäuden befinden sich heute im Privatbesitz.
 
Die Tagesanlagen von Schacht 6 wurden nach der Stilllegung restlos abgebrochen. Den Standort des verfüllten Schachtes markiert heute eine Protegohaube. Auf dem ehemaligen Werksgelände wird außerdem eine Grubengasabsauganlage zur Strom- und Wärmeerzeugung betrieben. In unmittelbarer Nähe der Schachtanlage, zwischen der Dolberger Str. und der Straße Im Holt, befindet sich noch die alte Bergmannskneipe, in der die Bergleute aus dem Schacht 6 nach der Schicht ihr Bier geholt haben. Heute ist die Kneipe geschlossen.
 
Für die noch relativ jungen Gebäude der [[Schacht 7|Schachtanlage 7]] fand sich in den vergangenen Jahren keine Möglichkeit der Nachnutzung, weshalb im Juni 2010 mit dem Abriss der Anlage begonnen wurde. Der Förderturm über dem ehem. Schacht wurde am 29. Januar 2011 gegen 11:15 Uhr gesprengt. Alle Gebäude werden nur ebenerdig abgebrochen - die Fundamente werden im Boden belassen - wofür etwa 12 Monate veranschlagt werden.  Anschließend soll das Gelände mindestens zwei Meter hoch mit Erdreich überdeckt werden, was weitere 24 Monate dauern soll. Auf dem aufgeschütteten Areal soll ein Waldgebiet entstehen, da für eine andere Nutzung der etwas abgelegenen Brachfläche kein Bedarf besteht.
 
Die ehemalige Hafenbahn der Zeche Westfalen, die über eine Länge von ca. 8,5 km die Schachtanlagen 1/2, 3 und 4 mit dem werkseigenen Verladehafen am Datteln-Hamm-Kanal verband, wurde mittlerweile zu einem Fahrrad- und Fußweg umgebaut. Dieser ist Teil des [[Werse Rad Weg|Werseradweges]] und hat seit 2011 Anschluss an der neuen Römer-Lippe-Route.
 
= Aktuelle Fotos =
 
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File:Zeche Westfalen 01.jpg|Zufahrt v.d. [[Stapelstraße]]
File:Zeche Westfalen 03.jpg|Schriftzug ''DENKE AN DEINE SICHERHEIT''
File:Zeche Westfalen 04.jpg|Ehemalige Lohnhalle
File:Zeche Westfalen 06.jpg|Ehemalige Waschkaue
File:Zeche Westfalen 07.jpg|
File:Zeche Westfalen 08.jpg|
File:Zeche Westfalen 13.jpg|''[[Ahlener Mammut]]''
File:Zeche Westfalen 14.jpg|
File:Zeche Westfalen 15.jpg|
File:Zeche Westfalen 16.jpg|
File:Zeche Westfalen 52.jpg|Fördertürme<br />Schacht I + II
File:Zeche Westfalen 41.jpg|Fördertürme<br />Schacht I + II
File:Zeche Westfalen 46.jpg|Förderturm<br />Schacht I
File:Zeche Westfalen 47.jpg|Überblick Gewerbezentrum
File:Zeche Westfalen 48.jpg|Überblick Gewerbezentrum
File:Zeche Westfalen 49.jpg|Überblick Gewerbezentrum
File:Zeche Westfalen 50.jpg|Überblick Gewerbezentrum
File:Zeche Westfalen 25.jpg|Förderturm<br />Schacht I
File:Zeche Westfalen 30.jpg|Förderturm<br />Schacht II
File:Zeche Westfalen 18.jpg|Fördertürme<br />Schacht I + II<br />mit Grubenlüfterhäuschen
File:Zeche Westfalen 21.jpg|Förderturm<br />Schacht II
File:Zeche Westfalen 09.jpg|Ehemalige Waschkaue (jetzt [[BigWall Kletterzentrum]])<br />(v.d. [[Bergamtsstraße]])
File:Zeche Westfalen 58.jpg|Fördertürme<br />Schacht II + I<br />(v.d. [[Bergamtsstraße]])
File:Zeche Westfalen 55.jpg|Haldenberg<br />(v.d. [[Guissener Straße|Guissener Str.]])
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= Literatur =
* Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: ''Die alten Zechen an der Ruhr.'' 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus, 1994, ISBN 978-3-7845-6994-9
* Glückauf-Stiftung: ''Zeche Westfalen - Ein Jahrhundert Steinkohlenbergbau in Ahlen'', Klartext Verlag Essen 2000, ISBN 3-88474-891-2
* Uwe Rennspieß: ''[[Jenseits der Bahn]] – Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen'', Klartextverlag , Essen, 1989, ISBN 3-88474-340-6
 
== Weblinks ==
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Westfalen Zeche Westfalen in der Wikipedia]
*[http://www.zechewestfalen.de/ Webseite der Zeche Westfalen]
*[http://www.lostareas.de/Bergbau/Westfalen/Zeche_Westfalen_Ahlen.htm Bilder der stillgelegten Zeche]
*[http://www.lagalerie.de/hatakeyama10.html Sprengung der Kohlenwäsche]

Version vom 27. Juli 2026, 11:34 Uhr

Die Zeche Westfalen war ein Steinkohlenbergwerk in Ahlen. Das Bergwerk entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nahm 1912 beziehungsweise 1913 die Förderung auf. Bis zur Einstellung der Kohlenförderung am 30. Juni 2000 prägte die Zeche über Jahrzehnte die wirtschaftliche, städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung Ahlens.

Zur Zeche gehörten insgesamt sieben Schächte in Ahlen, Beckum und Hamm-Heessen. Die Hauptanlage befand sich an den Schächten 1 und 2 im Südosten der Stadt. Dort sind unter anderem die beiden Fördergerüste, die frühere Lohnhalle und Teile der Kauen erhalten geblieben. Das Gelände wird heute als Gewerbe-, Freizeit-, Bildungs- und Veranstaltungsstandort genutzt.

Die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2

Vorgeschichte und Gründung

Am 19. Februar 1900 begannen in der Bauerschaft Rosendahl erste Erkundungsbohrungen. Am 8. Oktober desselben Jahres wurde im Bohrloch „Glücksborn II“ Steinkohle nachgewiesen. Finanziert wurden die Bohrungen durch eine Interessengemeinschaft örtlicher Unternehmer und Kaufleute. Bis 1907 folgten 33 weitere Tiefbohrungen.[1]

Im Jahr 1902 wurde die Bergwerkgesellschaft Westphalen gegründet. Am 1. Februar 1909 begannen die Abteufarbeiten an den Schächten 1 und 2. Gleichzeitig entstanden die für den Bergwerksbetrieb notwendige Infrastruktur, Straßenverbindungen, eine Zechenbahn und eine werkseigene Ziegelei. Diese lieferte einen Teil der für die Errichtung der Tagesanlagen und der Wohngebäude benötigten Ziegel.[1]

Die Schächte erreichten 1911 Teufen von mehr als 1.050 Metern. Damit gehörten sie zu dieser Zeit zu den tiefsten Bergwerksschächten. Schacht 1 nahm 1912 und Schacht 2 im Jahr 1913 die Förderung auf.[2]

Aufbau des Bergwerks

Die Zeche Westfalen wurde zunächst als Doppelschachtanlage mit den Schächten 1 und 2 errichtet. Beide Schächte erhielten gleichartige deutsche Strebengerüste der Bauart Zschetsche. Die Fördergerüste sind erhalten geblieben und gelten heute als weithin sichtbare Wahrzeichen des Ahlener Bergbaus.[2]

1913 begann der Bau der Kokerei und der Kohlenwäsche. Im Januar 1914 nahm die Kokerei ihren Betrieb auf. Die dort erzeugten Koksprodukte waren insbesondere für die Eisen- und Stahlindustrie bestimmt.

Zur Versorgung und Erschließung des Bergwerks gehörten neben den Gleisanlagen auch Werkstätten, Lagergebäude, Verwaltungs- und Sozialbauten. Mit dem Ausbau des Grubenfeldes kamen im Laufe der Jahrzehnte fünf weitere Schächte hinzu.

Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Bereits während des Aufbaus wuchs die Belegschaft stark an. 1913 beschäftigte das Bergwerk rund 1.360 Menschen. Die Entwicklung der Zeche führte zu einem erheblichen Zuzug von Arbeitskräften und ihren Familien.

Im September 1911 begann der Bau der später als Zechensiedlung „Neustadt“ bezeichneten Werkssiedlung. Bis Mitte der 1920er-Jahre entstanden 1.094 Arbeiterwohnungen und 117 Beamtenwohnungen. Die Siedlung wurde nach Grundsätzen der Gartenstadtbewegung angelegt und bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Ahlener Südostens.[3]

Während des Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche Bergleute zum Militärdienst eingezogen. Der dadurch entstandene Arbeitskräftemangel beeinträchtigte die Förderung und führte zunächst zur Stilllegung der Kokerei. Mit dem Einsatz von Kriegsgefangenen wurde der Kokereibetrieb 1915 wieder aufgenommen.[1]

Am 16. Januar 1918 überflutete die Werse Teile des Zechengeländes. Gleichzeitig kam es während und nach dem Ersten Weltkrieg mehrfach zu Arbeitskämpfen. Die Bergleute forderten unter anderem kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen. Im April 1919 wurde die tägliche Schichtzeit auf sieben Stunden verkürzt.[1]

Entwicklung zwischen den Weltkriegen

Nach dem Ersten Weltkrieg stiegen Förderung und Beschäftigtenzahl zunächst deutlich an. 1927 erreichte die Zeche mit einer Jahresförderung von rund 839.000 Tonnen und etwa 3.660 Beschäftigten einen vorläufigen Höchststand. Die Weltwirtschaftskrise führte anschließend zu einem Rückgang von Förderung und Belegschaft.[2]

Die Eigentumsverhältnisse änderten sich mehrfach. 1916 erwarb der Breslauer Bergbaukonzern Georg von Giesches Erben die Mehrheit der Kuxe. Im Jahr 1926 ging das Bergwerk an die Continentalen Gas- und Wasserwerke, kurz Contigas, über.[2]

1935 wurden ein werkseigener Hafen am Datteln-Hamm-Kanal und eine rund 8,5 Kilometer lange Hafenbahn fertiggestellt. Die Bahn verband die Hauptanlage sowie die Schächte 3 und 4 mit dem Verladehafen. Auf diesem Weg konnten Kohle und Koks unmittelbar auf Binnenschiffe verladen werden.

Zur weiteren Erschließung und Bewetterung des Grubenfeldes entstanden die Schächte 3 und 4. Schacht 3 nahm 1939 und Schacht 4 während des Zweiten Weltkriegs den Betrieb auf.[2]

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf der Zeche ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und weitere zwangsverpflichtete Arbeitskräfte eingesetzt. Genaue Zahlen für die einzelnen Beschäftigtengruppen müssen noch anhand der betrieblichen Überlieferung untersucht werden.

Am 23. März 1944 traf ein schwerer alliierter Luftangriff die Zeche und die angrenzende Zechensiedlung. Teile der Betriebsanlagen und zahlreiche Wohnhäuser wurden zerstört oder beschädigt. Die Fördergerüste und die Fördermaschinen blieben weitgehend erhalten. Der Betrieb konnte deshalb trotz der Schäden fortgeführt werden.

Am 31. März 1945 besetzten amerikanische Truppen Ahlen. Die Förderung wurde vorübergehend eingestellt, jedoch bereits Ende April 1945 wieder aufgenommen.

Ausbau nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bergwerk weiter ausgebaut. In den 1950er-Jahren entstanden zusätzliche Grubenbaue und technische Anlagen. Schacht 2 wurde zur Erschließung tiefer liegender Lagerstätten weiter abgeteuft. Die Arbeiten wurden 1957 bei einer Teufe von 1.233,60 Metern abgeschlossen.

Mit Schacht 5 entstand ein weiterer Wetterschacht. Die Anlage lag östlich der Hauptschachtanlage auf Beckumer Stadtgebiet.

Im September 1962 begann das Abteufen von Schacht 6. Der Schacht wurde 1966 in Betrieb genommen und diente der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung des Grubengebäudes.[2]

Eigentümerwechsel und Schacht 7

Nach der Gründung der Ruhrkohle AG im Jahr 1968 ging die Zeche Westfalen zunächst nicht in deren Besitz über. Stattdessen wurde sie 1969 an den Eschweiler Bergwerks-Verein, kurz EBV, verkauft. Dessen Muttergesellschaft ARBED war an einer langfristigen Versorgung ihrer Stahlwerke mit Kokskohle und Koks interessiert.[2]

Zwischen 1976 und 1981 wurde in Hamm-Heessen Schacht 7 abgeteuft. Der Schacht erreichte eine Teufe von 1.330 Metern und diente vor allem der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Bewetterung. Er bildete den nördlichsten Betriebspunkt des Bergwerks.[2]

1982 erreichte die Zeche mit rund 2,67 Millionen Tonnen die höchste Jahresförderung ihrer Geschichte.[2]

Im Laufe der 1980er-Jahre wurden weniger leistungsfähige Außenschächte aufgegeben. Die Schächte 3 und 5 wurden 1986 stillgelegt. Am 2. Januar 1989 übernahm die Ruhrkohle AG die Betriebsführung. Die Kokerei wurde am 31. März 1989 stillgelegt. Am 1. Juli 1993 ging das gesamte Bergwerk in den Besitz der Ruhrkohle AG über.[2]

Schachtanlagen

Die Zeche Westfalen verfügte zuletzt über sieben Schächte. Die Schächte 1 und 2 bildeten die Hauptanlage. Die übrigen Schächte dienten vor allem der Bewetterung, der Seilfahrt, dem Materialtransport und der Erschließung entfernter Teile des Grubenfeldes.

Schacht Lage Entwicklung Heutiger Zustand
Schacht 1 Ahlen, Hauptanlage Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1912 Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
Schacht 2 Ahlen, Hauptanlage Abteufbeginn 1909; Förderaufnahme 1913; später bis auf mehr als 1.200 Meter vertieft Fördergerüst und weitere Tagesanlagen erhalten
Schacht 3 Ahlen 1939 als Wetterschacht in Betrieb genommen; 1986 stillgelegt Schacht verfüllt; das frühere Gelände wird unter anderem als Solarpark genutzt
Schacht 4 Ahlen Während des Zweiten Weltkriegs in Betrieb genommen Schacht verfüllt; Tagesanlagen abgebrochen
Schacht 5 Beckum In den 1950er-Jahren als Wetterschacht angelegt; 1986 stillgelegt Einzelne Betriebsgebäude erhalten
Schacht 6 Ahlen-Dolberg Abteufbeginn 1962; Inbetriebnahme 1966 Tagesanlagen abgebrochen; ehemaliges Gelände aufgeforstet und teilweise als Bestattungswald genutzt
Schacht 7 Hamm-Heessen 1976 bis 1981 abgeteuft; Endteufe 1.330 Meter Tagesanlagen abgebrochen; Gelände aufgeforstet

Für die einzelnen Schachtanlagen sind eigene Artikel vorgesehen. Die Schächte 1 und 2 werden wegen ihrer gemeinsamen baulichen und betrieblichen Entwicklung in einem Artikel zur Schachtanlage Westfalen 1/2 behandelt.

Grubenunglücke

Förderseilriss 1920

Das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Zeche ereignete sich am 16. November 1920. Am Schacht 2 riss ein Förderseil. Die beiden Förderkörbe stürzten in die Tiefe. Vierzehn Bergleute, die nach ihrer Schicht ausfahren wollten, kamen ums Leben.[4]

Die Bergung der Opfer gestaltete sich schwierig, weil die Förderkörbe, das Seil und weitere Trümmerteile in den Schachtsumpf gestürzt waren. Die Verstorbenen wurden nach ihrer Bergung in der Lohnhalle aufgebahrt. Auf dem Westfriedhof erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer.

Bei dem Unglück starben:

  • Oskar de Graf
  • Bernhard Lütkenhaus
  • Alois Setnikar
  • Heinrich Mißling
  • August Schröder
  • August Janowski
  • Franz Jakuba
  • Josef Lütkenhaus
  • Paul Schramm
  • Franz Kowalczyk
  • Franz Wienecke
  • Otto Lippold
  • Jakob Saretzki
  • Martin Zarth
Erinnerung an das Grubenunglück von 1920

Gebirgsschlag 1965

Am 17. Dezember 1965 ereignete sich im Flöz „Sonnenschein“ auf der 1.200-Meter-Sohle ein schwerer Gebirgsschlag. Teile einer Strecke wurden durch Gesteinsmassen zusammengedrückt. Drei Bergleute kamen ums Leben, drei weitere wurden verletzt.[5]

Bei den Getöteten handelte es sich um:

  • Joachim Haase
  • Heinz Ciemiega
  • Werner Sklorz

Förderung und Belegschaft

Fördermenge und Beschäftigtenzahl schwankten während der Betriebszeit erheblich. Die Entwicklung wurde unter anderem durch Kriege, Wirtschaftskrisen, Absatzprobleme, technische Erweiterungen und die Strukturkrise des deutschen Steinkohlenbergbaus beeinflusst.

1913 beschäftigte die Zeche rund 1.360 Menschen. Im Jahr 1927 wurden bei einer Belegschaft von etwa 3.660 Personen rund 839.000 Tonnen Kohle gefördert. Den höchsten Förderstand erreichte das Bergwerk 1982 mit etwa 2,67 Millionen Tonnen.[2]

Eine ausführliche Jahresstatistik zur Förderung und Belegschaft ist überliefert. Die einzelnen Angaben müssen vor einer erneuten Veröffentlichung noch mit den Geschäftsberichten beziehungsweise der Fachliteratur abgeglichen werden.

Entwicklung von Förderung und Belegschaft

Bedeutung für die Stadt Ahlen

Die Zeche Westfalen veränderte Ahlen grundlegend. Für den Aufbau und Betrieb des Bergwerks wurden Arbeitskräfte aus verschiedenen Teilen Deutschlands und später auch aus anderen europäischen und außereuropäischen Staaten angeworben. Der Zuzug ließ die Einwohnerzahl stark steigen und veränderte die soziale, kulturelle und konfessionelle Zusammensetzung der Stadt.

Mit der Zechenkolonie entstand südöstlich der Altstadt ein neuer Stadtteil. Straßen, Schulen, Geschäfte, Gaststätten, kirchliche Einrichtungen und soziale Angebote entwickelten sich im Umfeld des Bergwerks. Die Zeche war nicht nur der größte Arbeitgeber der Stadt, sondern beeinflusste über Jahrzehnte das Vereinsleben, die kommunale Politik und den Alltag vieler Familien.

Auch das Stadtbild wurde durch die Fördertürme, die Kokerei, die Halde, die Werkbahnen und die großflächigen Industrieanlagen geprägt. Die erhaltenen Fördergerüste erinnern bis heute an diese Epoche.

Stilllegung

Im November 1991 wurde die beabsichtigte Stilllegung der Zeche bekannt gegeben. Trotz weiterer Investitionen und hoher Förderleistungen konnte der Betrieb unter den wirtschaftlichen Bedingungen des deutschen Steinkohlenbergbaus nicht dauerhaft fortgeführt werden.

Am 30. Juni 2000 wurde die letzte Kohle gefördert. Der aktive Bergwerksbetrieb endete offiziell am 1. Juli 2000.[6]

Die verbliebenen Schächte 1, 2, 6 und 7 wurden 2001 verfüllt. Anschließend wurden große Teile der nicht mehr benötigten Tagesanlagen abgebrochen. Besonders auffällig war die Sprengung der Kohlenwäsche am 5. November 2003.

Nachnutzung

Bereits vor der Stilllegung hatten sich Arbeitskreise, Projektgruppen und politische Gremien mit der zukünftigen Nutzung der Hauptanlage beschäftigt. Als erhaltenswert galten insbesondere die beiden Fördergerüste sowie Teile der Verwaltungs-, Sozial- und Betriebsgebäude.

Im März 2004 gründeten die Stadt Ahlen und die Mittelstandsinitiative Ahlen die Projektgesellschaft Westfalen. Diese erwarb im selben Jahr den Gebäudekomplex aus Lohnhalle und Kauen und entwickelte ihn zu einem Gewerbe- und Veranstaltungszentrum.[6]

Seitdem entstanden auf dem Gelände schrittweise neue Nutzungen. Dazu gehören:

  • Gewerbe- und Büroräume,
  • Bildungs- und Schulungsangebote,
  • Freizeit- und Sporteinrichtungen,
  • Veranstaltungs- und Kongressräume,
  • gastronomische Angebote,
  • Grün- und Freizeitflächen.

In der früheren Schwarzkaue befindet sich eine große Indoor-Kletteranlage. Teile der Weißkaue werden sportlich und gewerblich genutzt. Die Lohnhalle dient regelmäßig als Ort für Konzerte, Märkte, Tagungen und andere Veranstaltungen.

In den Räumen der früheren Grubenwehr richtete der Bergbautraditionsverein Zeche Westfalen ein Museum ein. Dort werden Gegenstände, Dokumente und Erinnerungen aus der Geschichte des Bergwerks bewahrt. Auch der Förderverein Fördertürme setzt sich für den Erhalt und die Vermittlung der erhaltenen Industrieanlagen ein.[6]

Das Außengelände wurde freigeräumt und landschaftlich neu gestaltet. Neben Gewerbeflächen entstanden Wege, Spiel- und Sportangebote sowie öffentlich zugängliche Grünflächen. Die ehemalige Bergehalde wird als Freizeit- und Aussichtsgelände genutzt.

Hafenbahn und Radweg

Die frühere Hafenbahn verband die Hauptanlage und mehrere Außenschächte mit dem Zechenhafen am Datteln-Hamm-Kanal. Nach der Stilllegung wurde ein großer Teil der rund 8,5 Kilometer langen Trasse zu einem Fuß- und Radweg umgebaut.

Der Weg stellt heute eine Verbindung zwischen dem ehemaligen Zechengelände, dem Lippetal und der Römer-Lippe-Route her.[2]

Erhaltene Bauwerke

Auf dem Gelände der Hauptanlage sind mehrere Gebäude und technische Anlagen erhalten. Dazu gehören unter anderem:

  • die Fördergerüste über den Schächten 1 und 2,
  • die Fördermaschinenhäuser,
  • die ehemalige Lohnhalle,
  • Teile der Wasch- und Kauenanlagen,
  • der Mannschaftsgang,
  • Gebäude der früheren Grubenwehr,
  • einzelne Werkstatt- und Betriebsgebäude.

Die erhaltenen Anlagen gehören zu den bedeutenden Zeugnissen der Industriegeschichte Ahlens. Gemeinsam mit der Zechenkolonie und der Halde dokumentieren sie die Entwicklung der Stadt zu einem Bergbau- und Industriestandort.

Bilder

Siehe auch

Literatur

  • Hans Baron: Geologie und Bergbau im Raume Ahlen. Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Ahlen, Band 4, Ahlen 1975.
  • Glückauf-Stiftung: Zeche Westfalen – Ein Jahrhundert Steinkohlenbergbau in Ahlen. Klartext Verlag, Essen 2000, ISBN 3-88474-891-2.
  • Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 4. Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein im Taunus 1994, ISBN 978-3-7845-6994-9.
  • Michael Huhn: Ein ganz eigener Schlag – Kolonie und Bergwerk Westfalen. Leben und Arbeit in Ahlen nach 1945. Klartext Verlag, Essen 1997.
  • Uwe Rennspieß: Jenseits der Bahn – Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen. Klartext Verlag, Essen 1989, ISBN 3-88474-340-6.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Stadt Ahlen: Geschichte der Zeche Westfalen, abgerufen am 27. Juli 2026.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 Regionalverband Ruhr: Themenroute 16 – Westfälische Bergbauroute, S. 44–45, abgerufen am 27. Juli 2026.
  3. Regionalverband Ruhr: Themenroute 19 – Arbeitersiedlungen, S. 50–51, abgerufen am 27. Juli 2026.
  4. Stadt Ahlen: Stadtgeschichte 1911 bis 1926, abgerufen am 27. Juli 2026.
  5. Ahlener Zeitung, 18. Dezember 1965.
  6. 6,0 6,1 6,2 Stadt Ahlen: Vom Kohleförderstandort zum lebendigen Zentrum für Freizeit, Wirtschaft und Kultur, veröffentlicht am 28. Juni 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.