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Haus Heitmann: Unterschied zwischen den Versionen

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Auf dem heutigen [[Marienplatz]] stand einst ein imposantes Bauwerk, das in der Stadtgeschichte als „'''Haus Heitmann'''“ oder auch '''Heitmanns Tempel'''“ bekannt war. Dieses markante Gebäude prägte über Jahre hinweg das Stadtbild, bevor es schließlich im Januar 1969 abgerissen wurde. Der Grundriss des Hauses lässt sich jedoch noch immer erahnen, dank der mit rotem Klinker neu errichteten Umfassungsmauern des Mariengartens, die den ehemaligen Standort andeuten.
'''Haus Heitmann''', auch '''Heitmanns Tempel''' genannt, war ein markantes Gebäude auf dem heutigen [[Marienplatz]] in [[Ahlen]]. Es prägte über lange Zeit das Stadtbild, bevor es im Januar 1969 abgebrochen wurde. An seinen früheren Standort erinnert noch heute der [[Mariengarten]]: Dessen Mauern zeichnen in ihrem äußeren Grundriss den Umriss des ehemaligen Gebäudes nach.


Das Haus Heitmann war besonders durch seine auffällige, doppelseitige Treppe bekannt, die bis auf den Bürgersteig ragte. Diese Treppe, die mit einem schmiedeeisernen Geländer versehen war, stellte eine besondere Attraktion dar, insbesondere für Kinder, die die Stufen hinauf- und hinunterliefen. Bei den Fronleichnamsprozessionen der Marien-Pfarre diente die Plattform als Altar für den Segen.
Besonders bekannt war das Haus Heitmann durch seine auffällige doppelseitige Freitreppe, die bis auf den Bürgersteig hinausreichte. Ein schmiedeeisernes Geländer verlieh ihr zusätzlich ein repräsentatives Erscheinungsbild. Die Treppe galt als markantes Detail des Hauses und blieb vielen Ahlenern in Erinnerung; für Kinder war sie ein beliebter Ort zum Spielen. Bei den Fronleichnamsprozessionen der Marienpfarre diente die Plattform zudem als Altar für den Segen.


Die Geschichte des Hauses lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Die ersten gesicherten Besitzer waren [[Johann Theodor Reine]], ein Kaufmann und mehrfacher Bürgermeister von Ahlen, und seine Familie. Reine bewohnte das Haus bereits vor 1750, wie Aufzeichnungen im Status Animarum von 1750 des Bistums Münster belegen. Später ging das Haus durch verschiedene Hände, darunter prominente Persönlichkeiten wie der Gerichtsschreiber und Stadtsekretär Ferdinand Theodor Kurtz sowie der Bürgermeister [[Heinrich Anton Nacke]].
Die Geschichte des Hauses reicht mindestens bis in das 18. Jahrhundert zurück. Als erste gesicherte Besitzer gelten [[Johann Theodor Reine]], Kaufmann und mehrfacher Bürgermeister von Ahlen, sowie seine Familie. Reine bewohnte das Haus bereits vor 1750, wie Einträge im ''Status Animarum'' des Bistums Münster aus dem Jahr 1750 belegen. In der Folge befand sich das Gebäude im Besitz mehrerer bedeutender Persönlichkeiten, darunter der Gerichtsschreiber und Stadtsekretär Ferdinand Theodor Kurtz sowie der Bürgermeister [[Heinrich Anton Nacke]].


Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die charakteristische Treppe des Hauses entfernt. Zeitzeugen berichten, dass die Entfernung im Zusammenhang mit einem Besuch des Reichsarbeitsführers Robert Ley am 16. Juni 1939 stand. Auf seiner Deutschlandfahrt sollte Ley mit 700 Männern der „Alten Garde“ in 30 offenen Opel-Blitz-Autobussen ungehindert durch Ahlen in Richtung Walstedde fahren. Um eine reibungslose Durchfahrt zu ermöglichen, wurde die Treppe auf dem Bürgersteig entfernt.
Im 19. Jahrhundert wurde das Haus von Josef Heitmann erworben, auf den auch die bis heute geläufige Bezeichnung zurückgeht. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und modernisiert. Besonders bemerkenswert ist, dass es auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Steinhauses errichtet worden war, das vermutlich als Gildehaus oder Vorratsspeicher diente.


Das Haus selbst erlebte zahlreiche Umbauten und Modernisierungen im Laufe der Jahrhunderte. Im 19. Jahrhundert wurde es von Josef Heitmann erworben, der dem Haus seinen Namen gab. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass das Gebäude auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Steinhauses errichtet wurde, das vermutlich als Gildehaus oder Vorratsspeicher diente. Bei Ausgrabungen im Jahr 1988 wurden Überreste dieses älteren Bauwerks sowie englisches Tafelgeschirr aus dem frühen 19. Jahrhundert gefunden, was auf den gehobenen Lebensstil der damaligen Bewohner hindeutet.
Während der Zeit des Nationalsozialismus verschwand die charakteristische Freitreppe. Zeitzeugenberichten zufolge geschah dies im Zusammenhang mit dem Besuch des Reichsarbeitsführers Robert Ley am 16. Juni 1939. Im Rahmen einer Deutschlandfahrt sollte Ley gemeinsam mit 700 Männern der „Alten Garde“ in 30 offenen Opel-Blitz-Autobussen ungehindert durch Ahlen in Richtung Walstedde fahren. Um eine reibungslose Durchfahrt zu ermöglichen, wurde die auf den Bürgersteig ragende Treppe entfernt.


Obwohl das Haus Heitmann heute nicht mehr steht, bleibt es ein Teil der Stadtgeschichte von Ahlen und wird in Erinnerungen sowie in der Literatur weiterleben.
Bei Ausgrabungen im Jahr 1988 wurden Überreste des älteren Bauwerks freigelegt. Dabei fanden sich auch Stücke englischen Tafelgeschirrs aus dem frühen 19. Jahrhundert. Diese Funde deuten auf einen gehobenen Lebensstil der damaligen Bewohner hin.
 
Obwohl das Haus Heitmann heute nicht mehr existiert, bleibt es ein bedeutender Teil der Ahlener Stadtgeschichte. In der Erinnerung der Bevölkerung, in Fotografien und in der heimatgeschichtlichen Literatur ist es weiterhin präsent.


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1969 3.jpg|Abriss 01/1969
1969 3.jpg|Abriss im Januar 1969
1969 4.jpg|Abriss 01/1969
1969 4.jpg|Abriss im Januar 1969
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'''Quellen:'''
== Quellen ==
* StAM, Stadt Ahlen (Dep), IV C Nr. 2
* StAM, Stadt Ahlen (Dep), IV C Nr. 2
* Heimatkalender Kreis Warendorf 1990, S. 70-74
* ''Heimatkalender Kreis Warendorf'' 1990, S. 70–74
* Wiese, Jans: „Das alte Ahlen“
* Wiese, Jans: ''Das alte Ahlen''
* Wagener, Udo: „Der beflügelte Aal 25“
* Wagener, Udo: ''Der beflügelte Aal 25''

Aktuelle Version vom 23. April 2026, 11:31 Uhr

Haus Heitmann
51.763267.890265







Karte

Haus Heitmann, auch Heitmanns Tempel genannt, war ein markantes Gebäude auf dem heutigen Marienplatz in Ahlen. Es prägte über lange Zeit das Stadtbild, bevor es im Januar 1969 abgebrochen wurde. An seinen früheren Standort erinnert noch heute der Mariengarten: Dessen Mauern zeichnen in ihrem äußeren Grundriss den Umriss des ehemaligen Gebäudes nach.

Besonders bekannt war das Haus Heitmann durch seine auffällige doppelseitige Freitreppe, die bis auf den Bürgersteig hinausreichte. Ein schmiedeeisernes Geländer verlieh ihr zusätzlich ein repräsentatives Erscheinungsbild. Die Treppe galt als markantes Detail des Hauses und blieb vielen Ahlenern in Erinnerung; für Kinder war sie ein beliebter Ort zum Spielen. Bei den Fronleichnamsprozessionen der Marienpfarre diente die Plattform zudem als Altar für den Segen.

Die Geschichte des Hauses reicht mindestens bis in das 18. Jahrhundert zurück. Als erste gesicherte Besitzer gelten Johann Theodor Reine, Kaufmann und mehrfacher Bürgermeister von Ahlen, sowie seine Familie. Reine bewohnte das Haus bereits vor 1750, wie Einträge im Status Animarum des Bistums Münster aus dem Jahr 1750 belegen. In der Folge befand sich das Gebäude im Besitz mehrerer bedeutender Persönlichkeiten, darunter der Gerichtsschreiber und Stadtsekretär Ferdinand Theodor Kurtz sowie der Bürgermeister Heinrich Anton Nacke.

Im 19. Jahrhundert wurde das Haus von Josef Heitmann erworben, auf den auch die bis heute geläufige Bezeichnung zurückgeht. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und modernisiert. Besonders bemerkenswert ist, dass es auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Steinhauses errichtet worden war, das vermutlich als Gildehaus oder Vorratsspeicher diente.

Während der Zeit des Nationalsozialismus verschwand die charakteristische Freitreppe. Zeitzeugenberichten zufolge geschah dies im Zusammenhang mit dem Besuch des Reichsarbeitsführers Robert Ley am 16. Juni 1939. Im Rahmen einer Deutschlandfahrt sollte Ley gemeinsam mit 700 Männern der „Alten Garde“ in 30 offenen Opel-Blitz-Autobussen ungehindert durch Ahlen in Richtung Walstedde fahren. Um eine reibungslose Durchfahrt zu ermöglichen, wurde die auf den Bürgersteig ragende Treppe entfernt.

Bei Ausgrabungen im Jahr 1988 wurden Überreste des älteren Bauwerks freigelegt. Dabei fanden sich auch Stücke englischen Tafelgeschirrs aus dem frühen 19. Jahrhundert. Diese Funde deuten auf einen gehobenen Lebensstil der damaligen Bewohner hin.

Obwohl das Haus Heitmann heute nicht mehr existiert, bleibt es ein bedeutender Teil der Ahlener Stadtgeschichte. In der Erinnerung der Bevölkerung, in Fotografien und in der heimatgeschichtlichen Literatur ist es weiterhin präsent.

Quellen

  • StAM, Stadt Ahlen (Dep), IV C Nr. 2
  • Heimatkalender Kreis Warendorf 1990, S. 70–74
  • Wiese, Jans: Das alte Ahlen
  • Wagener, Udo: Der beflügelte Aal 25