Eisenbahn
Die Eisenbahn hat eine lange Geschichte in Ahlen und spielte seit dem 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Stadt und ihrer Industrie. Diese Seite gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und Meilensteine der Eisenbahngeschichte in Ahlen bis Mitte der 1970er Jahre.
Anfänge und Ausbau der Eisenbahn
Die Eisenbahngeschichte in Ahlen begann in den 1840er Jahren. Die erste eingleisige Strecke führte zunächst an dem kleinen Landstädtchen Ahlen vorbei. Am 9. März 1844 wurde der Streckenabschnitt Hamm-Bielefeld der Köln-Mindener Eisenbahn, der zunächst eine andere Route durch das Lippetal nehmen sollte, endgültig durch die Orte Ahlen, Oelde, Rheda und Gütersloh festgelegt.
„Als ... hierselbst die Nachricht eintraf, daß Seine Majestät der König geruht haben, sich für die Richtung der Cöln-Mindener Eisenbahn über unsere Stadt zu entschließen, wurde die ganze Bürgerschaft in die freudigste Stimmung versetzt“, berichteten Magistrat und Stadtverordnete von Ahlen. Bereits im Jahr 1846 erhielt Ahlen mit dem Bau des ersten Bahnhofs Anschluss an das wachsende deutsche Eisenbahnnetz. Dieser Anschluss förderte die wirtschaftliche Entwicklung der Region erheblich, indem er die Grundlage für einen schnellen Rohstoff- und Warenverkehr schuf.
Industrialisierung und wirtschaftlicher Aufschwung
Mit dem Bau der Eisenbahn begann in Ahlen auch die Ansiedlung erster Industriebetriebe. Die Stadt wuchs rasch und gewann an Bedeutung. Ein wirtschaftlicher Rückschlag ereilte die Region in den 1880er Jahren durch den Niedergang der Strontianitindustrie, was zu einem vorübergehenden Rückgang des Bahnverkehrs führte.
Der erneute wirtschaftliche Aufschwung kam mit der Ausweitung der Emailleindustrie und der Inbetriebnahme der Schächte I und II der Gewerkschaft Westfalen. Der steigende Versand von Kohle führte zu einem erheblichen Anstieg des Wagenladungsverkehrs in Ahlen. Mit der Eisenbahn konnte die Stadt ihren industriellen Aufschwung fortsetzen und sich als ein wichtiger Standort für Produktion und Handel etablieren.
Ausbau der Bahnanlagen im frühen 20. Jahrhundert
Die steigenden Anforderungen an den Bahnverkehr führten dazu, dass die ursprünglichen Bahnanlagen in Ahlen erweitert werden mussten. Trotz anfänglicher Widerstände erkannte die zuständige Eisenbahnverwaltung in Hannover schließlich die unhaltbaren Zustände und stimmte dem viergleisigen Ausbau der Strecke zu. Dieser Ausbau führte zu bedeutenden Veränderungen der Bahnanlagen in Ahlen:
Der Personenbahnhof wurde weiter westlich neu gebaut und 1916 eröffnet. Der Güterbahnhof wurde weit aus der Stadt hinaus in die östliche Feldmark verlegt.
Mit diesen Maßnahmen wurde der rasanten industriellen Entwicklung der Stadt Rechnung getragen. Zugleich wurden die Schranken in Stadt und Feldmark durch die Verlegung der Bahn auf einen erhöhten Bahndamm beseitigt.
Modernisierung und technische Innovationen
In Ahlen wurde auf der angrenzenden Versuchsstrecke Gütersloh-Neubeckum seit den 1960er Jahren an der "Bahn der Zukunft" gearbeitet. Auf dieser Strecke wurden mögliche Geschwindigkeiten erprobt und künftige Wagentypen getestet. Die bisherige Spitzengeschwindigkeit lag bei 252,9 km/h – ein Wert, der bald als normal für den deutschen Reisezugverkehr gelten könnte.
Die Deutsche Bundesbahn kündigte für 1966/67 die Elektrifizierung des Streckenabschnittes Hamm-Bielefeld der Bahnlinie Köln-Ruhrgebiet-Hannover an. Diese Maßnahme versprach nicht nur einen schnelleren Transport, sondern auch eine erhebliche Verbesserung der Reisebedingungen für die zahlreichen Pendler. Zudem wurde in Ahlen in den 1970er Jahren ein neues Drucktasten-Stellwerk (Dr-Stellwerk) in Betrieb genommen, das die Stilllegung der vier herkömmlichen Stellwerke ermöglichte. Diese Modernisierung erhöhte die Leistungsfähigkeit und Sicherheit des Bahnbetriebs erheblich.
Der Ahlener Bahnhof in den 1970er Jahren
Bis Mitte der 1970er Jahre entwickelte sich der Bahnhof Ahlen zu einem wichtigen Umschlagplatz für den Personen- und Güterverkehr. Der Bahnhofsbereich erstreckte sich über 18.749 Meter Gleislänge bei einer Gesamtlänge von 3.742 Metern. Täglich wurden über 260 Zugfahrten und zahlreiche Rangierbewegungen durchgeführt, unterstützt von vier Stellwerken.
Die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Hamm-Bielefeld trug wesentlich zur Steigerung der Beförderungsleistungen bei. Sowohl Industrie als auch Reisende profitierten von den verbesserten Verkehrsbedingungen. Die zahlreichen Arbeiter- und Schulpendler konnten sich über angenehmere Reisen und kürzere Reisezeiten freuen.
Zukunft der Eisenbahn in Ahlen (Stand 1975)
In den 1970er Jahren spielte die Bahn eine zentrale Rolle in der Verkehrsinfrastruktur von Ahlen. Die kontinuierliche Modernisierung und der Ausbau der Bahnanlagen waren notwendig, um den steigenden Anforderungen des Güter- und Personenverkehrs gerecht zu werden. Ahlen war zudem ein wichtiger Standort für technische Innovationen und Versuche im Eisenbahnbereich. Die Elektrifizierung und Modernisierung des Bahnhofs waren wichtige Meilensteine, die auf eine fortschrittliche Entwicklung der Eisenbahn in Ahlen hindeuteten.
Besonderheiten
Überwurfbauwerk
Stellwerke
Im Ahlener Stadtgebiet gab es mehrere Stellwerke:
Richterbach (Bk)
Dieses Stellwerk befand sich bei Kilometer 167,7. Es wurde am 8. Dezember 1974 stillgelegt und später abgerissen.
Werse (Apw)
Lag bei Kilometer 165,55 am Schnittpunkt mit der Werse auf der westlichen Seite. Es wurde am 8. Dezember 1974 stillgelegt und inzwischen abgerissen.
Bahnhof (Aa)
Ein ADr S-Stellwerk, das sich bei Kilometer 165 befand. Es wurde mittlerweile abgerissen.
Oststraße (Apf)
Dieses Stellwerk lag bei Kilometer 164,83 an der Oststraße. Es wurde am 8. Dezember 1974 stillgelegt und abgerissen. Auf Straßenebene befand sich dort früher ein Friseursalon.
Ostberg (Agf / Agw)
Die Stellwerke Agf und Agw lagen beide bei Kilometer 164 auf der östlichen Seite. Sie wurden bis 1974 betrieben und später abgerissen, nachdem sie durch das Stellwerk Af ersetzt wurden.
= Ostberg (Af)
Das Spurplan-Drucktasten-Stellwerk (SpDrS60) bei Kilometer 163,7 wurde 1974 errichtet und ist bis heute in Betrieb.
Quellen
Historische Aufzeichnungen und Berichte zur Eisenbahngeschichte Ahlens Ahlener Monatsschau (Stand 1975) Artikel "AHLEN und die Köln-Mindener Eisenbahn" von Alois Mayr-Münster, Ahlener Monatsschau, Mai 1965