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Bäckerei Haake

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Bäckerei Haake
Anschrift Beckumer Str. 170
59229


Branche Bäckerei


Gründungsdatum 22.10.1945
Auflösungsdatum 31.08.2017
Auflösungsgrund Betriebsaufgabe
Inhaber Michael Haake


51.765987.92097
Karte

Die Bäckerei Haake war ein traditionsreicher Familienbetrieb an der Beckumer Straße 170 in Ahlen. Sie wurde am 22. Oktober 1945 von Kurt Haake gegründet. Ihren Ursprung hatte die Bäckerei in einer nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergerichteten Backstube am Finkensteg 9. Mitte der 1950er Jahre zog der Betrieb an seinen späteren Standort an der Beckumer Straße.

Bekannt war die Bäckerei unter anderem durch ihre Werbesprüche „Haake Brot macht Wangen rot“ sowie „Letzte Bäckerei vor der Autobahn“ beziehungsweise „Erste Bäckerei in Ahlen“. Ein besonderes Erkennungszeichen war das Mammut Ahlmut, das mit einer Bäckerhose bekleidet auf dem Dach stand. Auch der Firmenwagen fiel durch seine wechselnde, an die jeweilige Jahreszeit angepasste Dekoration auf.

Das Mammut Ahlmut auf dem Dach der Bäckerei Haake

Geschichte

Kurt Haake und die Gründung 1945

Kurt Haake wurde am 21. Januar 1919 in Rothenbach in Schlesien geboren. Seine Ausbildung zum Bäcker absolvierte er in Waldenburg in Schlesien. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten er und seine Familie ihre Heimat verlassen.

Ahlen war Kurt Haake bereits bekannt, da er sich während des Krieges in einem Lazarett befunden hatte, das im heutigen Gymnasium St. Michael untergebracht war. Aus dieser Zeit hatte er noch persönliche Kontakte in die Stadt. Deshalb entschied er sich, in Ahlen eine neue Existenz aufzubauen.

Ihm wurde vorgeschlagen, die durch Kriegseinwirkungen beschädigte Bäckerei Mühre am Finkensteg 9 wiederherzurichten und als eigenen Betrieb zu nutzen.

Bei einem Bombenangriff am 19. September 1944 war das vor der Backstube stehende Haus vollständig zerstört worden. Die eigentliche Backstube hatte dagegen keine größeren Schäden erlitten.

Kurt Haake räumte einen Großteil der Trümmer beiseite, machte die Backstube wieder zugänglich und richtete sie so weit her, dass der Backbetrieb aufgenommen werden konnte.

Am 22. Oktober 1945 eröffnete er dort seine eigene Bäckerei.

Die ersten Jahre am Finkensteg

Vor dem eigentlichen Backraum befanden sich zwei kleinere Räume. Der rechte Raum diente als Verkaufsraum und war mit einer Ladentheke und Brotregalen ausgestattet. Der andere Raum wurde zur Lagerung von Backmaterialien und Vorräten genutzt.

Ein ehemaliger Nachbar erinnerte sich später daran, wie er als Kind gemeinsam mit anderen Kindern vor der Bäckerei Schlange stand, um Maisbrot zu bekommen.

Meisterprüfung und Familiengründung

Kurt Haake lernte seine spätere Ehefrau Anneliese durch einen Zufall kennen. Ihr Bruder hatte ebenfalls den Bäckerberuf erlernt, war jedoch im Krieg gefallen. Anneliese schenkte Kurt Haake dessen Lehrbücher, damit er sich auf seine noch ausstehende Meisterprüfung vorbereiten konnte.

Die Handwerkskammer Münster hatte Kurt Haake zuvor eine befristete Ausnahmegenehmigung erteilt, die es ihm erlaubte, die Bäckerei zunächst auch ohne Meistertitel zu betreiben.

Nur drei Tage vor Ablauf dieser Genehmigung bestand er seine Meisterprüfung.

Anneliese unterstützte ihn sowohl in der Backstube als auch im Verkauf. Später heirateten die beiden.

Umzug an die Beckumer Straße

Mitte der 1950er Jahre beschlossen Kurt und Anneliese Haake, den Betrieb an einen günstigeren Standort zu verlegen.

Am späteren Standort an der Beckumer Straße 170 errichteten sie ein Wohnhaus mit angeschlossener Bäckerei. Damit konnten sie erstmals Wohnen und Arbeiten miteinander verbinden, was am bisherigen Standort am Finkensteg nicht möglich gewesen war.

Die zweite Generation: Michael und Annegret Haake

Der 1954 geborene Sohn Michael Haake erlernte das Bäckerhandwerk im elterlichen Betrieb. Im Jahr 1975 legte er seine Meisterprüfung ab.

1977 übernahm er gemeinsam mit seiner Ehefrau Annegret Haake die Bäckerei an der Beckumer Straße 170.

In den folgenden Jahren wurde der Betrieb mehrfach umgebaut und erweitert. 1989 erhielt der Verkaufsraum eine neue Ausstattung. Gleichzeitig wurde das Sortiment auf Backwaren beschränkt.

Die dritte Generation: Jörg Haake

Jörg Haake, Sohn von Michael und Annegret Haake, begann 1998 seine Ausbildung zum Bäcker. Aufgrund einer Verkürzung der Ausbildungszeit um ein Jahr schloss er diese bereits 2000 ab.

Im Jahr 2002 bestand er die Meisterprüfung, 2003 folgte die Prüfung zum Betriebswirt des Handwerks.

Bereits seit 2001 arbeitete Jörg Haake im Betrieb seiner Eltern mit. Sein Ziel war es, die Bäckerei gemeinsam mit seiner Ehefrau in dritter Generation fortzuführen.

Als Termin für die Betriebsübergabe war der 1. Januar 2015 vorgesehen. Die notwendigen Formalitäten waren bereits geklärt und die Unterlagen unterschriftsreif.

Am 4. Dezember 2014 verhinderten jedoch gesundheitliche Probleme von Jörg Haake die geplante Übernahme. Damit konnte die vorgesehene Fortführung des Familienbetriebes zunächst nicht verwirklicht werden.

Schließung der Bäckerei 2017

Im August 2016 entschieden sich Michael und Annegret Haake, die Bäckerei zum 31. August 2017 zu schließen, und machten ihre Entscheidung öffentlich. Hintergrund war die gescheiterte Betriebsnachfolge durch ihren Sohn Jörg, der den Familienbetrieb ursprünglich zum 1. Januar 2015 hatte übernehmen wollen.

Am 31. August 2017 wurde der Betrieb an der Beckumer Straße 170 nach nahezu 72 Jahren geschlossen.

Fortführung der Familientradition

Mit der Schließung des Geschäftes endete jedoch nicht die Backtradition der Familie Haake. Jörg Haake verwendet weiterhin die überlieferten Rezepte seiner Familie.

Samstags werden die nach diesen Rezepten hergestellten Backwaren auf dem Hof Stratmann zum Verkauf angeboten. Damit bleiben die Backwaren der ehemaligen Bäckerei Haake auch nach der Schließung des Familienbetriebes in Ahlen erhältlich.

Die von Kurt Haake 1945 begründete Tradition wird somit in veränderter Form fortgeführt.

Erinnerungen und Zeitzeugenberichte

Siegfried Hellwig: Die Bäckerei am Finkensteg

Eine ergänzende Schilderung zur Geschichte der Bäckerei und insbesondere ihres ursprünglichen Standortes stammt von Siegfried Hellwig, Jahrgang 1939.

In einem persönlichen Brief erinnerte er an die Bäckerei Mühre am Finkensteg 9 und die tragischen Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges.

Bei dem Bombenangriff vom 19. September 1944 wurde das Wohnhaus der Familie Mühre zerstört. Dabei kamen der Bäcker Bernhard Mühre, seine drei Kinder sowie sechs weitere Menschen ums Leben. Frau Mühre überlebte den Angriff, da sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Haus aufhielt.

Die hinter dem zerstörten Gebäude liegende Backstube blieb dagegen weitgehend erhalten. Nach Kriegsende konnte Kurt Haake diese Räume übernehmen und nach der Beseitigung der Trümmer wieder für den Bäckereibetrieb nutzen.

Hellwig erinnerte sich insbesondere an die räumlichen Verhältnisse. Vor der Backstube lagen zwei kleine Räume. Einer war als Verkaufsraum mit Ladentheke und Brotregalen eingerichtet, der andere diente als Lager für Vorräte und Backmaterialien.

In seiner Kindheit hatte Hellwig gemeinsam mit anderen Kindern vor der Bäckerei angestanden, um Maisbrot zu erhalten.

Nach Hellwigs Angaben war der ursprüngliche Backofen noch bis einige Jahre vor der Abfassung seines Briefes vorhanden.

Auch zur späteren Nutzung des Grundstücks machte Hellwig Angaben: Die Immobilie befand sich zuletzt im Besitz der Tankstelle Sandfort. Anschließend suchte die Sparkasse Münsterland Ost einen neuen Eigentümer.

Quellen und Überlieferungen

  • Jörg Haake: Bericht zur Geschichte der Bäckerei Haake, verfasst im Zusammenhang mit der angekündigten Betriebsschließung, vermutlich 2016.
  • Siegfried Hellwig (Jahrgang 1939): Persönlicher Brief mit Erinnerungen an die Bäckerei Mühre und die spätere Bäckerei Haake am Finkensteg 9.