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Zechensiedlung Neustadt

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Zechensiedlung Neustadt

Die Zechensiedlung Neustadt, im Volksmund auch „die Kolonie“ genannt, ist eine historische Bergarbeitersiedlung in Ahlen. Sie entstand ab September 1911 unmittelbar nach dem erfolgreichen Abteufen der beiden Schächte I und II der Zeche Westfalen. Die Siedlung umfasst mehr als 700 Gebäude mit ursprünglich 1094 Arbeiter- und 117 Beamtenwohnungen.[1]

Entstehung

Der Bau der Zeche Westfalen erfolgte südöstlich der damaligen Stadt auf der „grünen Wiese“. Mit der Aufnahme des Bergbaus entstand ein erheblicher Bedarf an Arbeitskräften. Der örtliche Arbeitsmarkt konnte diesen Bedarf nicht decken, zumal viele Arbeiter bereits in der expandierenden Ahlener Emailleindustrie beschäftigt waren.[1]

Deshalb wurden zahlreiche Arbeitskräfte aus Posen, Polen, Schlesien, dem Ruhrgebiet und Italien angeworben. Diese Zuwanderung führte zu einer großen Vielfalt an Lebensweisen, Konfessionen und regionalen Herkünften innerhalb der neuen Siedlung. Damit bildete die Kolonie einen deutlichen Gegenpol zur älteren Stadtbevölkerung, die in der Broschüre als seit Generationen ansässige „Poalbürger“ bezeichnet wird.[1]

Planung und Architektur

Die Zechensiedlung Neustadt gilt als eine der größten Siedlungen Nordrhein-Westfalens, die nach den Prinzipien der englischen Gartenstadtbewegung errichtet wurden. Sie entstand in mehreren Bauabschnitten.[1]

An der Planung waren die Architekten Wilhelm Lang, Caspar Maria Grod sowie die Gebrüder Schulze beteiligt. Die Siedlung zeichnet sich durch abwechslungsreich gestaltete Straßenräume, unterschiedlich ausgebildete Haustypen und mehrere markante Platzanlagen aus.[1]

Zu diesen städtebaulichen Schwerpunkten gehören insbesondere die sogenannte Drehscheibe und der Therese-Münsterteicher-Platz. Die einzelnen Gebäude weisen trotz der wiederkehrenden Grundtypen zahlreiche unterschiedliche Gestaltungsdetails auf.[1]

Jedem Wohnhaus waren Gärten zugeordnet. Diese dienten ursprünglich sowohl der Versorgung der Bewohner mit Lebensmitteln als auch der Freizeitgestaltung und der Pflege nachbarschaftlicher Kontakte.[1]

Seit 2008 wird die Zechensiedlung durch die heutige Wohnungsbaugesellschaft Vivawest schrittweise privatisiert.[1]

Ehemaliger Zechen-Kindergarten

Im Übergangsbereich zwischen der sogenannten Beamtensiedlung und der Arbeiterkolonie befand sich an der Schachtstraße, Ecke Meisterweg, der ehemalige Zechen-Kindergarten.[1]

Die Einrichtung wurde ursprünglich als „Kinderverwahranstalt“ bezeichnet. Sie war ein Ort, an dem sich die ansonsten gesellschaftlich stark voneinander getrennten Gruppen der Siedlung begegneten.[1]

Im Jahr 2000 ließen die damaligen Bauherren Stefan Braunsmann und Markus Haastert das Gebäude behutsam sanieren und für die Zwecke ihres Unternehmens für multimediale Produktionen umbauen.[1]

Glückaufplatz

Der Glückaufplatz bildete das Zentrum der Zechensiedlung und war mit zahlreichen öffentlichen und gewerblichen Einrichtungen ausgestattet.[1]

Am Platz befanden sich unter anderem:

  • ein Milchgeschäft,
  • die örtliche Polizeistation,
  • eine Apotheke,
  • die Diesterwegschule,
  • der erste Ahlener Moscheeraum,
  • die Gaststätte St. Barbara.

Die Gaststätte St. Barbara wurde später nach ihrem Wirt auch „Plümpe“ genannt. Oberhalb der Gaststätte befand sich das sogenannte Zechenkasino, ein Wohnheim für unverheiratete Bergleute.[1]

Der Glückaufplatz blieb auch nach dem Ende seiner ursprünglichen Funktion ein öffentlicher Mittelpunkt des Quartiers. Ab 1999 wurde das dort vorhandene Wohn- und Gastronomiegebäude zum Glückaufheim umgebaut.[1]

Bedeutung

Die Zechensiedlung Neustadt ist sowohl städtebaulich als auch sozialgeschichtlich eng mit der Entstehung und Entwicklung der Zeche Westfalen verbunden. Die große Zahl der erhaltenen Gebäude, die differenzierten Haustypen, die Platzanlagen und die ursprünglich eng miteinander verknüpften Wohn-, Versorgungs- und Gemeinschaftseinrichtungen machen sie zu einem bedeutenden Zeugnis der Ahlener Bergbau- und Stadtgeschichte.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 14–15.