St. Lambertus (Dolberg)
| St. Lambertus (Dolberg) | |
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51.7093097.919563 Koordinaten: 51° 42′ 34″ N, 7° 55′ 10″ O
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| Anschrift | Kirchstraße 4a |
| PLZ | 59229
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| Baujahr | 14. Jahrhundert / 1901–1903 |
| Architekt | Ludwig Becker |
| Ursprüngliche Nutzung | Kirche |
| Heutige Nutzung | Kirche |
Die katholische St.-Lambertus-Kirche ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Dolberg. Der heutige Bau vereinigt mehrere Jahrhunderte Kirchengeschichte: In die 1901 bis 1903 errichtete neogotische Kirche wurde ein wesentlicher Teil des mittelalterlichen Vorgängerbaus aus dem 14. Jahrhundert einbezogen.[1]
Die Pfarrei Dolberg wird bereits 1193 erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich bestand zu dieser Zeit bereits eine kleinere Vorgängerkirche.[2]
Frühgeschichte der Pfarrei
Die Pfarrei Dolberg wird im Jahr 1193 erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehörte zusammen mit Vellern, Lippborg, Uentrop, Heessen, Hövel und Bockum zum Archidiakonat St. Martin.[2]
Nach Überlieferung der Kirchengemeinde wurde die Kirche vermutlich zwischen etwa 1150 und 1193 durch die Inhaber des Oberhofes Dolberg gegründet. Die Stadt Ahlen bringt die Gründung mit dem Edlen Werner von Dolberg in Verbindung.[2]
Am Standort der heutigen Kirche dürfte zunächst ein kleiner romanischer Vorgängerbau bestanden haben. Vermutlich handelte es sich dabei ursprünglich um einen Fachwerkbau.[2]
Mittelalterlicher Kirchenbau
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde eine neue Kirche aus Stein errichtet.
Der gotische Bau bestand aus Soester Sandstein und war entsprechend der mittelalterlichen Bautradition nach Osten ausgerichtet. Große Teile dieses Kirchenbaus sind bis heute erhalten.[2]
Der mittelalterliche Bau besitzt ein Langhaus aus zwei gewölbten Jochen. Ein doppelbogiger Teilungsgurt ruht auf einer Mittelsäule und erzeugt eine ungewöhnliche fünfkappige Gewölbeform. Dadurch entsteht optisch der Eindruck eines zweischiffigen Kirchenraumes.[3]
Der Chor des mittelalterlichen Baus ist quadratisch. An der äußeren Giebelwand befinden sich zwei Reihen eines Spitzbogenfrieses mit figürlich gestalteten Köpfen.[3]
Umbauten 1565 und 1726
Im Jahr 1565 wurde die mittelalterliche Kirche erweitert. Dabei wurde der bestehende Kirchenraum mit dem damaligen Turm verbunden.[2]
Die zentrale Säule im erhaltenen mittelalterlichen Kirchenraum trägt noch heute die Jahreszahl 1565.[2]
Eine weitere Erweiterung erfolgte 1726. Dabei wurde der Turm durch einen Bogen zum Kirchenraum geöffnet.[2]
Neubau von 1901 bis 1903
Um die Wende zum 20. Jahrhundert reichte die mittelalterliche Kirche für die gewachsene Gemeinde nicht mehr aus.
Zwischen 1901 und 1903 entstand deshalb ein umfangreicher Neubau nach Plänen des Mainzer Dombaumeisters Ludwig Becker.[2]
Die neue Kirche wurde als neogotische Saalkirche in weißem Kalkstein-Bossenmauerwerk errichtet. Ihr polygonaler Chor ist nach Süden ausgerichtet.
Der mittelalterliche Kirchenbau wurde dabei nicht abgebrochen, sondern in die neue Kirche integriert. Der alte Westturm und das Dach wurden entfernt; die übrigen wesentlichen Teile blieben erhalten.[2]
Durch die veränderte Ausrichtung des Neubaus bildet die ehemals geostete Kirche des 14. Jahrhunderts heute einen Bereich der Eingangshalle und eine Seitenkapelle.
Auch der Kirchturm wurde im Zusammenhang mit dem Neubau vollständig neu errichtet.
Am 21. Oktober 1903 weihte Bischof Hermann Dingelstad die neue Kirche.[2]
Ausstattung
In der Kirche haben sich Ausstattungsstücke aus mehreren Jahrhunderten erhalten.
Zu den ältesten Stücken gehört ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert. Hinzu kommen unter anderem eine Doppelmadonna sowie zwei Figurengruppen aus späteren Jahrhunderten.[2]
Die kunsthistorische Literatur datiert die Doppelmadonna an das Ende des 15. Jahrhunderts.[3] Nach der neueren Inventarisation wird sie dem 16. Jahrhundert zugeordnet.[2]
Im Laufe der zahlreichen Umbauten und Erweiterungen wurden Teile der Kirchenausstattung verändert, versetzt oder ersetzt. Dadurch dokumentiert auch die Ausstattung unterschiedliche Phasen der Kirchengeschichte.
Im Jahr 2008 wurde der Denkmalumfang nach einer Inventarisation durch die Dolberger Architektin Gabriele Lembken um insgesamt 48 Ausstattungsgegenstände erweitert.[2]
Neuer Altar
Im Mai 1974 wurde ein neuer Altar durch Weihbischof Reinhard Lettmann geweiht.[2]
Entwicklung der Pfarrgemeinde
Im Jahr 1993 beging die Gemeinde ihr Jubiläum „800 Jahre Kirchengemeinde St. Lambertus“.
Am 19. Juli 2001 wurde St. Lambertus gemeinsam mit St. Josef und St. Gottfried zu einer Seelsorgeeinheit zusammengeschlossen.
Im Jahr 2003 wurde das hundertjährige Bestehen des Kirchenneubaus von 1903 gefeiert.
Am 2. Dezember 2007 wurden die drei Gemeinden zur neuen Pfarrgemeinde St. Bonifatius vereinigt.[2]
Seit dem 24. August 2014 gehört St. Lambertus zur katholischen Pfarrei St. Bartholomäus. Damals wurden die aus früheren Zusammenschlüssen entstandenen Gemeinden St. Bartholomäus, St. Bonifatius und St. Marien zu einer gemeinsamen Pfarrei zusammengeführt.[2]
St. Lambertus wird seitdem als Kirchort innerhalb dieser Pfarrei geführt.
Sanierung des mittelalterlichen Kirchenteils
Zwischen 2021 und 2024 waren umfangreiche Sicherungsarbeiten am mittelalterlichen Teil der Kirche erforderlich.
Der ältere Gebäudeteil hatte sich stark abgesenkt und wies erhebliche Rissbildungen auf. Zur Stabilisierung mussten aufwendige Unterfangungsarbeiten vorgenommen werden.[2]
Bei diesen Arbeiten wurde unmittelbar an der nördlichen Außenmauer der gotischen Kirche ein Steinplattengrab entdeckt. Es wird in die Zeit um 1200 datiert und stammt damit vermutlich aus der Zeit des romanischen Vorgängerbaus.[2]
Der Fund liefert einen zusätzlichen archäologischen Hinweis auf die frühe Nutzung des Kirchenstandortes.
Wiederentdeckte Wandmalereien
Im Zuge weiterer Sanierungsarbeiten am Gewölbe des älteren Kirchenbaus wurden historische Wand- beziehungsweise Freskenmalereien entdeckt, die über lange Zeit überstrichen gewesen waren.
Die Malereien sollen vollständig freigelegt und kunsthistorisch untersucht werden.[2]
Die Funde erweitern die Kenntnisse über die mittelalterliche Gestaltung des Kirchenraums erheblich.
Innenrenovierung 2025/2026
Nach einer weiteren rund neunmonatigen Renovierungsphase wurde die St.-Lambertus-Kirche zu Ostern 2026 wieder für Gottesdienste geöffnet.[2]
Im Zuge der Arbeiten wurde der Innenraum neu gestrichen und die Beleuchtung auf moderne LED-Technik umgestellt. Außerdem erhielt die Kirche eine neue Lautsprecheranlage.
Die Kirchenbänke wurden gekürzt und neu angeordnet. Statt der bisherigen fischgrätartigen Stellung stehen sie nun gerade im Raum. Im hinteren Bereich wurden Bänke entfernt, um eine flexibel nutzbare Begegnungsfläche zu schaffen.[2]
Auch das Taufbecken wurde versetzt. Dadurch kann es bei Tauffeiern besser von der Gemeinde umstanden werden.
Im Verbindungsgang zur Sakristei entstand außerdem eine kleine Küchenzeile.
Die Arbeiten wurden vom Architekturbüro soan begleitet.[2]
Die Sicherung des Gewölbes der historischen Kapelle war bei der Wiedereröffnung noch nicht vollständig abgeschlossen, da dort umfangreichere Schäden festgestellt worden waren als zunächst angenommen.[2]
Bedeutung
St. Lambertus gehört zu den baugeschichtlich bedeutenden Kirchen im Ahlener Stadtgebiet.
Besonders ungewöhnlich ist das unmittelbare Nebeneinander mehrerer Bauphasen. Der mittelalterliche Kirchenbau des 14. Jahrhunderts ist nicht lediglich in Resten erhalten, sondern wurde in den wesentlich größeren neogotischen Neubau von 1901 bis 1903 integriert.
Dadurch lässt sich die Entwicklung des Kirchenstandortes über mehrere Jahrhunderte unmittelbar am Gebäude nachvollziehen.
Der archäologische Fund des Steinplattengrabes sowie die bei den jüngsten Sanierungen wiederentdeckten historischen Wandmalereien unterstreichen zusätzlich die Bedeutung des Standorts für die Geschichte Dolbergs.
Chronik
- 1193: Erste urkundliche Erwähnung der Pfarrei Dolberg.
- Anfang 14. Jahrhundert: Errichtung der gotischen Steinkirche.
- 1565: Erweiterung der mittelalterlichen Kirche.
- 1726: Erweiterung des Kirchenraumes.
- 1901–1903: Neubau der heutigen neogotischen Kirche unter Einbeziehung des mittelalterlichen Gebäudes.
- 21. Oktober 1903: Weihe durch Bischof Hermann Dingelstad.
- Mai 1974: Weihe des neuen Altares durch Weihbischof Reinhard Lettmann.
- 1993: 800-jähriges Jubiläum der Kirchengemeinde.
- 2001: Bildung einer Seelsorgeeinheit mit St. Josef und St. Gottfried.
- 2003: 100 Jahre Kirchenneubau.
- 2007: Zusammenschluss zur Pfarrgemeinde St. Bonifatius.
- 2008: Erweiterung des Denkmalumfangs um 48 Ausstattungsgegenstände.
- 2014: Eingliederung in die Pfarrei St. Bartholomäus.
- 2021–2024: Unterfangung und Sicherung des historischen Kirchenteils; Fund eines Steinplattengrabes.
- 2025/2026: Umfassende Innenrenovierung.
- Ostern 2026: Wiedereröffnung nach der Renovierung.
Einzelnachweise
- ↑ Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 46–47.
- ↑ 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 2,16 2,17 2,18 2,19 2,20 2,21 2,22 2,23 Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus: St. Lambertus, https://www.menschen-leben-kirche.de/pfarrei/kirchen-und-kapellen/st-lambertus
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen, Band 2: Westfalen, Deutscher Kunstverlag, München 1969, S. 125.

