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Kampstraße 37

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Kampstraße 37
51.7654687.88809
Anschrift Kampstraße 37



Baujahr 1525
Ursprüngliche Nutzung Torwächterhaus / Wohnhaus
Karte

Das Gebäude Kampstraße 37, auch als Torwächterhaus bezeichnet, ist ein historisches Fachwerkhaus in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Kamptores. Der Fachwerkkern des Gebäudes wurde nach neueren wissenschaftlichen Untersuchungen auf das Jahr 1525 datiert.

Nach heutigem Kenntnisstand handelt es sich damit um das älteste erhaltene Profangebäude Ahlens. Das Haus ist eng mit der mittelalterlichen Stadtbefestigung und der Geschichte des Kamptores verbunden.

Geschichte

Das Haus steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem ehemaligen Kamptor, einem der Stadttore der mittelalterlichen Befestigung Ahlens.

Das Kamptor wird erstmals 1443 urkundlich erwähnt. Es gehörte zu dem seit dem 14. Jahrhundert entstandenen Befestigungsring der Stadt.

Nachdem der Fürstbischof die Schleifung von Stadtmauern, Wällen und Gräben gestattet hatte, wurde das Kamptor 1776 abgebrochen.

Das kleine Fachwerkhaus blieb jedoch erhalten.

Alter des Gebäudes

Bei denkmalpflegerischen Untersuchungen im Jahr 2008 stellte sich heraus, dass sich hinter der straßenseitigen Erscheinung des Hauses, die zunächst eher an einen Bau der Zeit um 1900 erinnert, ein wesentlich älteres Fachwerkgerüst verbirgt.[1]

Bereits damals wurde der Ursprung des Fachwerkbaus in die Zeit weit vor 1600 eingeordnet. Dies ist für Ahlen von besonderer Bedeutung, da durch die großen Stadtbrände von 1668 und 1744 nur sehr wenige ältere Profanbauten erhalten geblieben sind.[1]

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen konnten den Kern des Gebäudes schließlich auf das Jahr 1525 datieren.[2]

Damit zählt das Gebäude nicht nur zu den ältesten erhaltenen Häusern der Stadt, sondern gilt nach heutigem Kenntnisstand als das älteste noch erhaltene Profangebäude Ahlens.

Der Denkmalwert beruht insbesondere darauf, dass das Haus als seltene Quelle für die Bau-, Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse der städtischen Bevölkerung vor dem Dreißigjährigen Krieg erhalten geblieben ist.

Nutzung als Torwächterhaus

Im Brandkataster von 1799 sowie im Schatzungsregister von 1806 wird das Gebäude als Haus des Kamppförtners geführt.

Der Kamppförtner war ein städtischer Bediensteter und lebte in unmittelbarer Nähe des Stadttores. Zu seinen Aufgaben gehörten die Betreuung des Kamptores und die Kontrolle der dort passierenden Personen.[1]

Nach Angaben des Kreises Warendorf wurde das Kamptor zeitweise zugleich als Gefängnis genutzt. Es ist daher möglich, dass der Kamppförtner auch Aufgaben im Zusammenhang mit den dort untergebrachten Gefangenen übernahm.[1]

Als letzter Kamppförtner ist Stefan Linnenbank überliefert. Neben seiner Tätigkeit als Torwächter arbeitete er auch als Weber.

Damit verbindet das Gebäude mehrere Aspekte der früheren städtischen Lebens- und Arbeitswelt.

Bauform

Das Gebäude ist ein kleines Fachwerkhaus unter einem steilen Satteldach.

Der ursprüngliche Fachwerkbau wurde vermutlich als zweischiffiges Gebäude mit Deele errichtet.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Haus mehrfach verändert und an neue Nutzungen angepasst. Gerade diese verschiedenen Bau- und Nutzungsschichten machen einen wesentlichen Teil seines Denkmalwertes aus.

Umbau 1904

Eine grundlegende Sanierung erfolgte im Jahr 1904.

Dabei wurde unter anderem ein Laden eingerichtet. Gleichzeitig erhielt das Haus einen barockisierenden Schweifgiebel.

Auch die Kehlbalkenlage im Obergeschoss wurde verändert.

Der Schweifgiebel wurde in den 1940er-Jahren wieder entfernt.

Aus verschiedenen Umbauphasen sind weitere historische Details erhalten geblieben. Dazu gehören unter anderem:

  • ein gründerzeitlich geprägtes Bleiglasfenster,
  • historische Fliesen,
  • unterschiedliche Einbauten,
  • sowie Ausstattungselemente aus der Nachkriegszeit.

Die Denkmalpflege bewertet gerade diese verschiedenen Zeitschichten als wichtigen Bestandteil der Geschichte des Hauses.

Spätere Bewohner

Als letzte Bewohnerin des Hauses ist eine Frau Berres überliefert.

Sie erteilte in dem Gebäude Nachhilfeunterricht und verteilte ihre Schülerinnen und Schüler dafür auf verschiedene Räume des Hauses.

Diese Nutzung gehört zu den jüngeren überlieferten Kapiteln der Hausgeschichte.

Denkmalschutz

Das Gebäude wurde 2008 in die Denkmalliste der Stadt Ahlen eingetragen.

Bereits damals wurde das Fachwerk-Kerngerüst wegen seines außergewöhnlich hohen Alters als bedeutend für die Geschichte der Stadt sowie für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse bewertet.

Das Haus gilt als eine der wenigen erhaltenen Quellen für die Wohn- und Lebensverhältnisse der städtischen Bevölkerung vor dem Dreißigjährigen Krieg.

Für seine Erhaltung liegen wissenschaftliche und volkskundliche Gründe vor.

Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung ist die historische Fachwerkkonstruktion, die wichtige Erkenntnisse über die früher in Ahlen verbreitete Bauweise ermöglicht.

Ensemble am ehemaligen Kamptor

Das Torwächterhaus ist Bestandteil eines historischen Ensembles im Bereich des ehemaligen Kamptores.

Dazu gehören:

Der heutige Stadtpark liegt im Bereich der ehemaligen Wall- und Grabenanlagen.

Die Totengasse wird bereits seit dem 14. Jahrhundert als Weg zu einem auf dem Wall angelegten Pestfriedhof beschrieben.

Durch seine Lage macht das Torwächterhaus bis heute einen Teil der historischen Stadtstruktur ablesbar.

Engagement der Ahlener StadtbildMacher

Seit Beginn der 2020er-Jahre rückte das Torwächterhaus verstärkt in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Der Verein Ahlener StadtbildMacher e. V. setzte sich für den Erhalt des Gebäudes ein. Ziel war es, das Haus dauerhaft zu sichern, weitere Forschungen zu ermöglichen und es wieder einer Nutzung zuzuführen.

Zunächst erfolgte dieses Engagement mit Zustimmung der damaligen Eigentümer.

Im Jahr 2025 erwarben die Ahlener StadtbildMacher schließlich selbst das Torwächterhaus.[3]

Der gemeinnützige Verein übernahm damit die Verantwortung für die denkmalgerechte Sanierung und die anschließende Nachnutzung des Gebäudes.

Sanierung

Nach dem Erwerb wurde die Vorbereitung der umfassenden denkmalgerechten Sanierung weiter vorangetrieben.

Bis 2025 war der Bauantrag genehmigt. Erste Abbrucharbeiten und vorbereitende Maßnahmen wurden bereits durchgeführt.[4]

Ziel der Arbeiten ist es, die verschiedenen historischen Bauphasen und Zeitschichten des Hauses soweit wie möglich zu erhalten und weiterhin ablesbar zu machen.

Das Projekt wird unter anderem von der NRW-Stiftung sowie durch die Bezirksregierung Münster im Rahmen des Förderprogramms Heimatzeugnis NRW unterstützt.[3]

Weitere Unterstützung erhält die Sanierung nach Angaben der StadtbildMacher unter anderem von:

  • der Sparkassen-Stiftung Ahlen,
  • der Wertestiftung Münsterland,
  • der Bürgerstiftung Ahlen,
  • der Annelie-Leifeld-Stiftung Ahlen,
  • der Stiftung Kleines Bürgerhaus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,
  • dem Rotary Club Ahlen,
  • der Volksbank eG Warendorf in Ahlen,
  • sowie von privaten Unterstützern.

Auch mehrere Ahlener Unternehmen und Handwerksbetriebe unterstützen die Durchführung der Sanierungsarbeiten.[3]

Geplante Nutzung

Nach Abschluss der Sanierung soll das Torwächterhaus dauerhaft einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Für das Erdgeschoss ist ab 2027 der Einzug des Heimatvereins Ahlen vorgesehen, der die Räume als Mieter nutzen soll.[3]

Damit soll das historische Gebäude nicht nur baulich gesichert werden, sondern künftig auch wieder einen unmittelbaren Bezug zur lokalen Stadt- und Heimatgeschichte erhalten.

Bedeutung

Das Torwächterhaus besitzt für die Stadtgeschichte eine außergewöhnliche Bedeutung.

Sein Fachwerkkern dokumentiert eine Bauweise, von der in Ahlen nur sehr wenige Beispiele erhalten geblieben sind. Aufgrund der beiden großen Stadtbrände von 1668 und 1744 sind Bauzeugnisse aus der Zeit davor von besonderer Seltenheit.[1]

Gleichzeitig lassen sich an dem Gebäude rund fünf Jahrhunderte Stadtgeschichte ablesen: von der mittelalterlichen Stadtbefestigung über die Nutzung als Wohnhaus des Kamppförtners, die verschiedenen Umbauten und Nutzungen der folgenden Jahrhunderte bis hin zur heutigen denkmalpflegerischen Sicherung.

Nach Einschätzung der Unteren Denkmalbehörde gibt es in Ahlen derzeit kein älteres Profangebäude, das in vergleichbarer Form als dreidimensionales geschichtliches Dokument erhalten und erforschbar ist.

Mit dem Erwerb durch die Ahlener StadtbildMacher im Jahr 2025 und der vorgesehenen Nutzung durch den Heimatverein Ahlen ab 2027 erhält das Gebäude zugleich eine neue Funktion als Ort der lokalen Geschichts- und Erinnerungsarbeit.

Quellen

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Kreis Warendorf, Obere Denkmalbehörde: Torwächterhaus, Kampstraße 37.
  2. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2025 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Ahlener StadtbildMacher e. V.: Informationen zum Torwächterhaus und zur Sanierung, Stand 2025.
  4. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2025 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2008 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2023 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2024 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2025 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Kreis Warendorf, Obere Denkmalbehörde: Torwächterhaus, Kampstraße 37.
  • Ahlener StadtbildMacher e. V.: Informationen zum Torwächterhaus und zur Sanierung, Stand 2025.