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Kreuzigungsgruppe Parkstraße

Aus AhlenWiki
Kreuzigungsgruppe Parkstraße
51.7657747.888049
Anschrift Kampstraße / Parkstraße



Baujahr 1901
Architekt Anton Wesselmann
Ursprüngliche Nutzung Kreuzigungsgruppe und Segensstation
Heutige Nutzung Religiöses Denkmal
Karte


Die Kreuzigungsgruppe Parkstraße ist ein neugotisches Denkmal am Eingang des Stadtparks in Ahlen. Sie wurde im Jahr 1901 an der Kampstraße im Bereich des ehemaligen Kamptores aufgestellt. Die aus Baumberger Kalksandstein geschaffene Figurengruppe ist ein Werk des Ahlener Bildhauers Anton Wesselmann und diente über viele Jahrzehnte als Segensstation bei katholischen Prozessionen.[1]

Nach erheblichen Schäden wurden die Figuren ab 2019 umfassend restauriert. Da eine erneute dauerhafte Aufstellung der empfindlichen Originale im Freien aus konservatorischen Gründen nicht mehr vertretbar erschien, befinden sie sich heute in der Trauerhalle des Westfriedhofs. Am ursprünglichen Standort wurden im Sommer 2025 originalgetreue Abgüsse aufgestellt. Am 11. September 2025 wurde die wiederhergestellte Kreuzigungsgruppe feierlich eingesegnet.[2]

Standort und Vorgeschichte

Die Kreuzigungsgruppe steht an der Kampstraße im Übergangsbereich zur Parkstraße und zum heutigen Stadtpark. Dieser Ort besitzt eine wesentlich ältere geschichtliche und religiöse Bedeutung als das 1901 errichtete Denkmal.

Hier befand sich das Kamptor, eines der fünf Stadttore der mittelalterlichen Stadtbefestigung Ahlens. Das Tor wurde im Jahr 1776 abgebrochen, nachdem Stadtmauern, Stadttore sowie Wälle und Gräben ihre militärische Funktion verloren hatten.[3]

Der heutige Standort erinnert damit zugleich an einen wichtigen Punkt der früheren Stadtbefestigung.

Religiöse Tradition am Kamptor

Die religiöse Bedeutung des Standortes reicht deutlich weiter zurück.

In einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1656 ist überliefert, dass die Fronleichnamsprozession entlang der Stadtmauer führte und die fünf Stadttore jeweils durch ein Kreuz gekennzeichnet waren.[3]

Von diesen älteren Kreuzen hat sich keines erhalten. Ihre Entstehung wird in der städtischen Dokumentation in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges vermutet.[3]

Die Orte der ehemaligen Stadttore blieben jedoch als christliche Segensstationen erhalten. Die spätere Kreuzigungsgruppe am ehemaligen Kamptor knüpfte damit an eine bereits jahrhundertealte Tradition an.

Bei der Fronleichnamsprozession wurde die Kreuzigungsgruppe festlich geschmückt. Die Prozession hielt an der Anlage und die Gemeinde versammelte sich dort zum gemeinsamen Gebet.[3]

Errichtung 1901

Im Jahr 1901 wurde am ehemaligen Kamptor die heutige Kreuzigungsgruppe errichtet.[1]

Die Anlage entstand im Stil der Neugotik und wurde aus Baumberger Kalksandstein gefertigt. Als Bildhauer wird der Ahlener Künstler Anton Wesselmann genannt.[1]

Die Kreuzigungsgruppe besteht aus dem erhöht aufgestellten Christus am Kreuz und zwei flankierenden Figuren. Die Figuren stehen auf einem aufwendig gestalteten steinernen Unterbau.

Die Anlage erfüllte nicht nur eine religiöse Funktion, sondern markierte zugleich weiterhin den historischen Standort des ehemaligen Kamptores.

Gestaltung

Die Kreuzigungsgruppe ist in neugotischen Formen gestaltet.

Das hohe Kreuz bildet den Mittelpunkt der Anlage. Darunter stehen auf beiden Seiten die Assistenzfiguren. Kreuz, Figuren und Postament bilden eine gestalterische Einheit.

Der mehrteilige Sockel besitzt neugotische Zierelemente und trägt auf der Vorderseite eine Inschrift.

Die repräsentative Gestaltung unterstreicht die Bedeutung der Anlage als religiöse Segensstation und Erinnerungsort.

Restaurierungen im 20. und frühen 21. Jahrhundert

Die Kreuzigungsgruppe war aufgrund ihrer dauerhaften Aufstellung im Freien immer wieder Witterungseinflüssen ausgesetzt.

Umfassendere Restaurierungsmaßnahmen sind unter anderem für die Jahre

  • 1980,
  • 1998 und
  • 2007

überliefert.[1]

Bei früheren Restaurierungen wurden teilweise ältere Farbschichten entfernt und hydrophobierende Mittel beziehungsweise Silikonbeschichtungen aufgebracht. Einige dieser Eingriffe erwiesen sich langfristig als problematisch und trugen nach späterer Einschätzung der Denkmalpflege zu Schäden am Naturstein bei.[1]

Im Jahr 2007 wurde die Kreuzigungsgruppe erneut restauriert. Zuvor waren infolge des Orkans Kyrill Teile eines Baumes auf die Anlage gestürzt und hatten erhebliche Schäden verursacht.[4]

Schwere Schäden und Abbau 2019

Bis zum Jahr 2019 hatte sich der Zustand der Kreuzigungsgruppe erheblich verschlechtert.

Nach Angaben der städtischen Denkmalpflege zeigten sich unter anderem:

  • Entfestigungen des Steingefüges,
  • absandende Oberflächen,
  • Schuppen- und Schalenbildung,
  • tief in das Material reichende Risse,
  • Hohlstellen,
  • Ausbrüche und Fehlstellen,
  • beschädigte ältere Mörtelergänzungen sowie
  • eine schadhafte Schutzbeschichtung.

Besonders problematisch waren tiefgreifende Risse, die sich teilweise durch die gesamte Skulpturengruppe zogen.[1]

Im Dezember 2019 wurde die Kreuzigungsgruppe deshalb abgebaut. Der steinerne Sockel blieb zunächst am Standort zurück und sollte so behandelt werden, dass er langfristig ein tragfähiges Fundament bildet.[4]

Mit der Restaurierung wurde der Steinrestaurator Thomas Lehmkuhl aus Steinfurt beauftragt.[4]

Restaurierung 2019/20

Die Restaurierung umfasste unter anderem:

  • Reinigung der Figuren,
  • Festigung des geschädigten Natursteins,
  • Verfüllungen,
  • Klebungen,
  • Anböschungen und Schlämmen,
  • Rekonstruktionen fehlender Bereiche,
  • Schutzbehandlungen sowie
  • Arbeiten an vorhandenen Metallteilen.

Die Restaurierung wurde in den Jahren 2019 und 2020 durchgeführt.[5]

Während der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass die originalen Figuren trotz ihrer Restaurierung dauerhaft zu empfindlich für eine erneute ungeschützte Aufstellung im Freien waren.

Die Stadt entschied deshalb, die Originale künftig an einem trockenen und witterungsgeschützten Ort zu bewahren.[5]

Planung originalgetreuer Abgüsse

Gleichzeitig sollte das historische Erscheinungsbild am ehemaligen Kamptor erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden.

Daher entstand die Idee, originalgetreue Abgüsse der drei restaurierten Figuren herzustellen und diese auf dem historischen Postament aufzustellen.

Bereits 2020 wurde hierfür ein Förderantrag gestellt.[5]

Nachdem zunächst keine ausreichende Förderung zustande kam, wurde das Vorhaben in den folgenden Jahren weiterverfolgt. Auch der ehrenamtliche Denkmalschutzbeauftragte Bernd Schulze-Beerhorst setzte sich für die Wiederherstellung der Anlage ein.

Im Jahr 2023 wurden die Kosten für die Herstellung und Aufstellung der Nachbildungen mit rund 42.000 Euro angegeben.[6]

Finanzierung

Die Wiederherstellung konnte schließlich durch eine Kombination aus Landesförderung, städtischen Mitteln und Spenden aus der Bürgerschaft finanziert werden.

Von den Gesamtkosten von rund 42.000 Euro wurden

  • 21.000 Euro über den Heimat-Fonds des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert,
  • 11.000 Euro durch Spenden aus der Ahlener Bürgerschaft aufgebracht und
  • der verbleibende Betrag durch die Stadt Ahlen getragen.[7]

Die hohe Spendenbereitschaft wurde von der Stadt als Zeichen der besonderen Verbundenheit der Ahlener Bevölkerung mit dem Denkmal gewertet.[7]

Rückkehr an den historischen Standort

Im Sommer 2025 wurden die originalgetreuen Nachbildungen am historischen Standort an der Kampstraße aufgestellt.[3]

Die Abgüsse wurden auf dem erhaltenen beziehungsweise restaurierten historischen Postament und am originalen Kreuz angebracht.

Dadurch konnte das gewohnte Erscheinungsbild der Anlage wiederhergestellt werden, während die wertvollen Originalfiguren gleichzeitig dauerhaft geschützt werden können.

Die Nachbildungen sind gegenüber Witterungseinflüssen widerstandsfähiger und sollen gewährleisten, dass die Kreuzigungsgruppe auch künftig an ihrem historischen Standort erlebbar bleibt.[3]

Die Originalfiguren auf dem Westfriedhof

Für die restaurierten Originalfiguren wurde ein neuer Standort in der Trauerhalle des Westfriedhofs an der Sedanstraße geschaffen.[3]

Dort sind Christus und die beiden Assistenzfiguren heute getrennt vom ursprünglichen steinernen Aufbau an einer Innenwand installiert.

Die Trauerhalle bietet den empfindlichen Figuren einen dauerhaft trockenen und witterungsgeschützten Standort.

Damit bleiben sowohl die Originale selbst als auch das historische Erscheinungsbild am ehemaligen Kamptor erhalten.

Einsegnung 2025

Am 11. September 2025 wurde die wiederhergestellte Kreuzigungsgruppe offiziell vorgestellt und durch Pfarrer Willi Stroband gesegnet.[2][7]

An der Vorstellung nahmen neben Vertretern der Stadt und der Denkmalpflege auch Restauratoren, Unterstützer, Spender und weitere Beteiligte teil.

Mit der Aufstellung der Abgüsse fand eine mehrjährige Phase der Restaurierung und Neuordnung ihren vorläufigen Abschluss.

Historisches Umfeld

Der Standort der Kreuzigungsgruppe gehört zu einem besonders geschichtsträchtigen Bereich der Ahlener Innenstadt.

Hier treffen mehrere historische Elemente aufeinander:

  • der Standort des ehemaligen Kamptores,
  • die Kreuzigungsgruppe,
  • das Torwächterhaus Kampstraße 37,
  • der heutige Stadtpark als Bereich der früheren Wall- und Grabenanlagen,
  • die historische Bürgermeistervilla sowie
  • die sogenannte Totengasse.

Das Torwächterhaus Kampstraße 37 besitzt einen auf das Jahr 1525 datierten Fachwerkkern und gilt nach heutigem Forschungsstand als das älteste noch in dieser Form erhaltene und ablesbare Profangebäude Ahlens.[8]

Die sogenannte Totengasse erinnert an einen seit dem Mittelalter genutzten Weg zu einem im Bereich der Wallanlage gelegenen Pestfriedhof.[8]

Damit bildet das Umfeld der Kreuzigungsgruppe einen Ort, an dem sich unterschiedliche Schichten der Ahlener Stadtgeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart überlagern.

Bedeutung

Die Kreuzigungsgruppe besitzt sowohl religionsgeschichtliche als auch stadtgeschichtliche Bedeutung.

Ihre religiöse Funktion steht in einer Tradition, die sich am Standort mindestens bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Die im Jahr 1656 belegten Kreuze an den fünf Ahlener Stadttoren zeigen, dass die Stadttore bereits lange vor Errichtung der heutigen Kreuzigungsgruppe als Stationen religiöser Prozessionen dienten.[3]

Mit ihrer Errichtung 1901 führte die Kreuzigungsgruppe diese Tradition am ehemaligen Kamptor weiter.

Zugleich erinnert das Denkmal an einen wichtigen Abschnitt der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Gemeinsam mit dem Torwächterhaus, dem Stadtpark und weiteren historischen Elementen bildet es heute einen der geschichtlich vielschichtigsten Bereiche der Innenstadt.

Die Entscheidung, die empfindlichen Originalfiguren zu schützen und gleichzeitig durch hochwertige Nachbildungen das historische Erscheinungsbild am ursprünglichen Standort zu erhalten, dokumentiert zugleich den heutigen Umgang mit historischer Denkmalsubstanz.

Chronik

  • 1656: Ein Visitationsbericht belegt eine Fronleichnamsprozession entlang der Stadtmauer; alle fünf Stadttore sind durch Kreuze gekennzeichnet.
  • 1776: Abbruch des Kamptores.
  • 1901: Errichtung der neugotischen Kreuzigungsgruppe durch Anton Wesselmann.
  • 1980: Restaurierungsmaßnahmen.
  • 1998: weitere Restaurierung.
  • 2007: erneute Restaurierung; im Umfeld dieser Zeit werden durch den Orkan Kyrill auch Baumschäden an der Anlage verursacht.
  • 2019: Feststellung erheblicher Schäden und Abbau der Figuren.
  • 2019–2020: umfassende Restaurierung.
  • 2020: Entscheidung, die Originalfiguren künftig witterungsgeschützt aufzubewahren und für den ursprünglichen Standort Abgüsse anzufertigen.
  • 2023: weitere Vorbereitung und Finanzierung des Vorhabens.
  • 2024: Herstellung der Abgüsse.
  • Sommer 2025: Installation der originalgetreuen Nachbildungen am historischen Standort.
  • 2025: Aufstellung der restaurierten Originalfiguren in der Trauerhalle des Westfriedhofs.
  • 11. September 2025: feierliche Einsegnung der wiederhergestellten Kreuzigungsgruppe.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Stadt Ahlen: Jahresbericht 2019 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/1762/2020.
  2. 2,0 2,1 Stadt Ahlen: Jahresbericht 2025 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/2167/2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Stadt Ahlen / Kreis Warendorf: Kreuzigungsgruppe Kampstraße/Parkstraße, Informationsblatt, 2025.
  4. 4,0 4,1 4,2 „Risse ziehen sich tief ins Innere“, Westfälische Nachrichten, 23. Dezember 2019.
  5. 5,0 5,1 5,2 Stadt Ahlen: Jahresbericht 2020 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/0209/2021.
  6. Stadt Ahlen: Jahresbericht 2023 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/1268/2024.
  7. 7,0 7,1 7,2 Stadt Ahlen: „Ahlener Kreuzigungsgruppe zurück am historischen Standort“, 12. September 2025.
  8. 8,0 8,1 Stadt Ahlen: Jahresbericht 2024 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/1639/2025.

Literatur

  • Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 76–77.
  • Stadt Ahlen / Kreis Warendorf: Kreuzigungsgruppe Kampstraße/Parkstraße, Informationsblatt, 2025.
  • Stadt Ahlen: Jahresbericht 2019 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/1762/2020.
  • Stadt Ahlen: Jahresbericht 2020 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/0209/2021.
  • Stadt Ahlen: Jahresbericht 2021 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/0520/2022.
  • Stadt Ahlen: Jahresbericht 2023 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/1268/2024.
  • Stadt Ahlen: Jahresbericht 2024 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/1639/2025.
  • Stadt Ahlen: Jahresbericht 2025 zur Stadtbild- und Denkmalpflege der Stadt Ahlen sowie der zukünftige Handlungsrahmen, Drucksache VO/2167/2026.
  • Stadt Ahlen: „Ahlener Kreuzigungsgruppe zurück am historischen Standort“, 12. September 2025.
  • Westfälische Nachrichten: „Risse ziehen sich tief ins Innere“, 23. Dezember 2019.

Siehe auch