Notgeld
Notgeld
Notgeld in Ahlen während und nach dem Ersten Weltkrieg
Einstieg
Als „Notgeld“ bezeichnet man Ersatz-Zahlungsmittel, die Städte, Gemeinden oder auch private Stellen in Zeiten akuter Bargeldknappheit ausgaben. In Deutschland kam es insbesondere während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) und in den Jahren der anschließenden Inflation bis hin zur Hyperinflation 1923 zu einer massiven Verknappung von Umlaufgeld. Um den Zahlungsverkehr aufrechtzuerhalten, ließen vielerorts Kommunen eigenes Notgeld prägen oder drucken. Auch die Stadt Ahlen gab in mehreren Schritten Münz-Notgeld (Pfennigwerte) sowie später Papier-Notgeld (Markwerte) aus. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Hintergrund und Entstehung
Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) und der darauf folgenden Inflationsperiode kam es in Deutschland zu einer massiven Verknappung von Zahlungsmitteln. Aufgrund der wirtschaftlichen Notlage und der Materialengpässe sahen sich Städte und Gemeinden gezwungen, sogenanntes Notgeld auszugeben, um den Zahlungsverkehr aufrechtzuerhalten.
Auch die Stadt Ahlen blieb von diesen Entwicklungen nicht verschont. Bereits am 3. Mai 1917 beschloss der Magistrat der Stadt Ahlen, für 5.000 Mark 10-Pfennig-Stücke und für 10.000 Mark 50-Pfennig-Stücke prägen zu lassen. Diese Münzen wurden bei der Firma Heinrich Kissing in Menden in Auftrag gegeben. Die Kosten für diese Maßnahme beliefen sich auf 1.152,50 Mark, wobei der Gegenwert des Notgeldes abzüglich der Kosten auf ein Sparkonto bei der Stadtsparkasse Ahlen eingezahlt wurde.
Ende 1917 wurde das staatliche Nickelgeld eingezogen, was die Notwendigkeit zur Ausgabe von weiterem Notgeld erhöhte. :contentReference[oaicite:2]{index=2}
Chronologie (Kurzüberblick)
| Datum/Jahr | Art | Nennwerte | Menge / Volumen | Auftrag / Druck | Hinweis |
|---|---|---|---|---|---|
| 03.05.1917 | Münz-Notgeld | 10 Pf, 50 Pf | 5.000 M (10 Pf) / 10.000 M (50 Pf) | Firma Heinrich Kissing (Menden) | Erstbeschluss des Magistrats |
| Jan 1918 | Münz-Notgeld | 10 Pf | 30.000 Stück | (Kissing; Materialmangel) | anderes Metall notwendig |
| 04.11.1918 (Beschluss) | Papier-Notgeld | 5 M, 10 M, 20 M | gesamt 400.000 M | (noch ergänzen) | siehe Datums-Hinweis unten |
| 10.10.1918 (Datierung/Angabe) | Papier-Notgeld | 5 M, 10 M, 20 M | gesamt 400.000 M | (noch ergänzen) | Gültigkeit bis 01.02.1919 |
| Feb 1919 | Münz-Notgeld | 10 Pf, 50 Pf | (noch ergänzen) | (noch ergänzen) | weitere Ausgaben |
| 26.09.1919 | Münz-Notgeld | 10 Pf, 50 Pf | (noch ergänzen) | (noch ergänzen) | letzte Bestellung von Pfennigwerten |
| 30.08.1923 | Papier-Notgeld | 1 Mio / 5 Mio / 10 Mio M | 500 Mrd M | Druckerei Emil Schultz (Ahlen) | Umlauffrist bis 31.10.1923 |
| 23.10.1923 | Papier-Notgeld | 5 / 10 / 20 / 50 Mrd M (u. höher) | (noch ergänzen) | (noch ergänzen) | Werte teils während Druck angepasst; bis 1 Billion M |
:contentReference[oaicite:3]{index=3}
Weitere Ausgaben von Notgeld
Im Januar 1918 wurde eine weitere Prägung von 30.000 10-Pfennig-Stücken beschlossen. Aufgrund von Materialmangel konnte die Firma Heinrich Kissing die Münzen jedoch nicht rechtzeitig liefern, weshalb ein anderes Metall gewählt werden musste.
Am 4. November 1918 beschloss der Magistrat, für insgesamt 400.000 Mark Papiergeld drucken zu lassen, darunter 20-Mark-, 10-Mark- und 5-Mark-Scheine. Diese Scheine wurden am 10. Oktober 1918 ausgegeben und behielten ihre Gültigkeit bis zum 1. Februar 1919.
Im Februar 1919 wurde die Ausgabe von weiteren 10-Pfennig- und 50-Pfennig-Stücken beschlossen. Am 26. September 1919 erfolgte schließlich die letzte Bestellung von 10-Pfennig- und 50-Pfennig-Münzen. Die Inflation schritt jedoch weiter voran, was die Ausgabe von immer größeren Geldbeträgen erforderte. :contentReference[oaicite:4]{index=4}
Hinweis zu den genannten Daten (1918)
Im Text werden sowohl ein Magistratsbeschluss vom 4. November 1918 als auch die Ausgabe bzw. Datierung „10. Oktober 1918“ genannt. Das kann u. a. daran liegen, dass Beschlussdatum, Druckdatum, Ausgabedatum und die Datierung auf dem Schein nicht identisch sein müssen. Für eine belastbare Klärung wären Primärbelege (z. B. Magistratsprotokolle, Aktennotizen oder erhaltene Scheine mit sicherer Provenienz) hilfreich. :contentReference[oaicite:5]{index=5}
Die Inflationszeit und das Notgeld von 1923
Die Hyperinflation im Jahr 1923 erreichte ihren Höhepunkt, und die Stadt Ahlen musste drastische Maßnahmen ergreifen, um der Geldentwertung zu begegnen. Am 30. August 1923 beschloss der Magistrat, für 500 Milliarden Mark Notgeld in Form von Ein-Millionen-, Fünf-Millionen- und Zehn-Millionen-Scheinen drucken zu lassen. Der Druck dieser Scheine wurde von der Ahlener Druckerei Emil Schultz durchgeführt. Die Umlauffrist dieser Scheine war bis zum 31. Oktober 1923 festgelegt.
Am 23. Oktober 1923 entschied der Magistrat erneut, Notgeld auszugeben, diesmal in den Werten von Fünf-, Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Milliarden-Scheinen. Aufgrund der rasanten Inflation wurden die Werte der Scheine oft während des Drucks angepasst. Es wurden Scheine mit Werten von bis zu einer Billion Mark ausgegeben. :contentReference[oaicite:6]{index=6}
Verwendung der Erlöse aus dem Notgeld
Eine Notiz vom 16. Oktober 1922 belegt, dass der Gewinn aus der früheren Herausgabe von Notgeld, insgesamt 62.700,33 Mark, für wohltätige Zwecke verwendet wurde. Trotz der immensen Schwierigkeiten der Inflationszeit trugen die Erlöse aus dem Notgeld zur Unterstützung der lokalen Wohlfahrt in Ahlen bei. :contentReference[oaicite:7]{index=7}
Historische Bedeutung
Das Ahlener Notgeld ist heute ein wertvolles Zeugnis der wirtschaftlichen Herausforderungen und der kreativen Lösungen, die Städte und Gemeinden während und nach dem Ersten Weltkrieg entwickelten. Es dokumentiert nicht nur die Notwendigkeit von improvisierten Zahlungsmitteln, sondern auch die wirtschaftliche und soziale Belastung, die die Hyperinflation auf die Bevölkerung ausübte. :contentReference[oaicite:8]{index=8}
Belegte Scheine (Einzelstücke)
Die folgenden Stücke sind durch Scans/Belegzettel aus Privatbestand dokumentiert. Angaben zu Wasserzeichen, Druckerei, Kennmerkmalen und Katalognummern beziehen sich – soweit vorhanden – auf die beigefügten Belegzettel zur jeweiligen Ausgabe.[1]
5 Mark
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Vorderseite
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Rückseite
- Nennwert: 5 Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: (Text von Vorder-/Rückseite nach Scan ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
10 Mark
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Vorderseite
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Rückseite
- Nennwert: 10 Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: (Text von Vorder-/Rückseite nach Scan ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
20 Mark
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Vorderseite
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Rückseite
- Nennwert: 20 Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: (Text von Vorder-/Rückseite nach Scan ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
1 Million Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 1 Million Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: (Text der Einlösung nach Scan ergänzen; vermutlich „…zahlt die Stadtkasse Ahlen (Westf.) dem Einlieferer dieses Scheines…“)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
5 Millionen Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 5 Millionen Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: (Text der Einlösung nach Scan ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
10 Millionen Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 10 Millionen Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: „…zahlt die Stadtkasse Ahlen i. Westf. dem Einlieferer dieses Scheins. Die Gültigkeit erlischt mit Ablauf des 31. Oktober 1923.“
- Wasserzeichen: Hakenmäander
- Druckerei: E. Schultz (Ahlen)
- Unterschriften (laut Belegzettel): E. Schultz; Dr. Rasche (Bürgermeister)
- Katalog: Topp-Nr. 7.6
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
25 Milliarden Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 25 Milliarden Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: „…zahlt die Stadtkasse Ahlen (Westf.) dem Einlieferer dieses Scheines. Dieser Schein verliert seine Gültigkeit, wenn er nicht innerhalb eines Monats nach öffentlichem Aufruf zur Einlösung vorgelegt wird.“
- Wasserzeichen: Hakenmäander
- Druckerei: E. Schultz (Ahlen)
- Kennmerkmal (laut Belegzettel): Kenn-Nr. „No 4mm*“
- Katalog: Topp-Nr. 7.9.a
- Unterschriften: auf dem Schein vorhanden (Transkription nach Scan noch zu ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
100 Milliarden Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 100 Milliarden Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: „…zahlt die Stadtkasse Ahlen (Westf.) dem Einlieferer dieses Scheines. Dieser Schein verliert seine Gültigkeit, wenn er nicht innerhalb eines Monats nach öffentlichem Aufruf zur Einlösung vorgelegt wird.“
- Wasserzeichen: Hakenmäander
- Druckerei: E. Schultz (Ahlen)
- Kennmerkmal (laut Belegzettel): Kenn-Nr. „No 4mm*“
- Katalog: Topp-Nr. 7.12.d
- Unterschriften: auf dem Schein vorhanden (Transkription nach Scan noch zu ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
200 Milliarden Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 200 Milliarden Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: (Text der Einlösung nach Scan ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
500 Milliarden Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 500 Milliarden Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: „…zahlt die Stadtkasse Ahlen (Westf.) dem Einlieferer dieses Scheines. Dieser Schein verliert seine Gültigkeit, wenn er nicht innerhalb eines Monats nach öffentlichem Aufruf zur Einlösung vorgelegt wird.“
- Wasserzeichen: Hakenmäander
- Druckerei: E. Schultz (Ahlen)
- Unterschriften (laut Belegzettel): E. Schultz; Dr. Rasche (Bürgermeister)
- Kennmerkmal (laut Belegzettel): Kenn-Nr. „No 4 mm hoch*“
- Katalog: Topp-Nr. 7.16.b
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
1 Billion Mark
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Vorderseite
- Nennwert: 1 Billion Mark
- Ausgeber: Stadt Ahlen (Westf.)
- Text / Einlösung: „…zahlt die Stadtkasse Ahlen (Westf.) dem Einlieferer dieses Scheines. Dieser Schein verliert seine Gültigkeit, wenn er nicht innerhalb eines Monats nach öffentlichem Aufruf zur Einlösung vorgelegt wird.“
- Wasserzeichen: Hakenmäander
- Druckerei: E. Schultz (Ahlen)
- Kennmerkmal (laut Belegzettel): Kenn-Nr. „No 4mm*“
- Katalog: Topp-Nr. 7.18.b
- Unterschriften: auf dem Schein vorhanden (Transkription nach Scan noch zu ergänzen)
- Beleg: Scan aus Privatbestand[1]
Quellen
- Stadtarchiv Ahlen
- J. Goldstein, ehemaliger Stadtarchivar
Weblinks
- Moneypedia: Notgeld: Ahlen (Westfalen)
- Numista: Stadt Ahlen (Notgeld) – Katalogeinträge
- Deutsche Digitale Bibliothek / Archive in NRW: Objekt „Notgeld der Stadt Ahlen“
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Privatsammlung: Scans/Foto-Dokumentation von Notgeldscheinen der Stadt Ahlen (Westf.), Upload im AhlenWiki (Benutzer: WikiSysop, 01.03.2026); teils inkl. Belegzettel mit Angaben zu Wasserzeichen, Druckerei, Unterschriften und Katalognummern (Topp).