Oestricher Wald
| Oestricher Wald | |
|---|---|
| Name | Oestricher Wald |
| Typ | Naturschutzgebiet |
| nördl. Grenze | Oestricher Landwehr / Feldflur |
| östl. Grenze | Stadtgebiet Ahlen |
| südl. Grenze | Straße / südlicher Waldteil |
| westl. Grenze | Stadtgrenze zu Hamm / Frielicker Holz |
| Fläche | 10,00 ha |
| Einweihung | 1993 |
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Der Oestricher Wald ist ein Naturschutzgebiet süwestlich auf dem Gebiet der Stadt. Er trägt die Kennung WAF-037 und liegt an der Grenze zur Stadt Hamm. Das Gebiet steht seit 1993 unter Schutz. Nach der amtlichen Fachinformation beträgt die offizielle Fläche 10,00 Hektar; daneben wird auch eine digitalisierte Fläche von 149,70 Hektar genannt.[1]
Der Wald gehört zugleich zum Umfeld des Natura-2000-Gebietes Oestricher Holt (DE-4212-301). Damit ist er nicht nur lokal für Ahlen bedeutsam, sondern auch Teil eines größeren, ökologisch wertvollen Waldzusammenhangs in der Region.[1][2]
Lage und Schutzstatus
Der Oestricher Wald umfasst naturnahe Laubwaldbestände auf überwiegend feuchten Standorten' sowie einen naturnahen Bachsiek. Gerade diese Kombination aus Wald und feuchten Geländestrukturen macht den Reiz und den ökologischen Wert des Gebietes aus. Geschützt werden hier nicht nur einzelne Flächen, sondern ein in weiten Teilen zusammenhängender Lebensraum mit hoher Strukturvielfalt.[1]
Als Schutzzwecke nennt die amtliche Fachinformation insbesondere die Erhaltung größerer zusammenhängender, bodenständiger Waldbereiche, die Sicherung des naturnahen Bachsieks sowie den Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus wird die besondere Eigenart, Seltenheit und Schönheit des Gebietes hervorgehoben.[1]
Der Oestricher Wald ist außerdem Bestandteil des FFH-Gebietes Oestricher Holt. Dadurch besitzt er auch über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung für den europäischen Naturschutz und den landesweiten Biotopverbund.[2]
Beschreibung
Nach der Biotopkartierung bildet der Oestricher Wald den östlichen Teil des Natura-2000-Gebietes Oestricher Holt im Bereich des Kreises Warendorf. Das weitgehend zusammenhängende Waldgebiet wird im Süden durch eine Straße geteilt. Insgesamt handelt es sich um einen vielfältigen Waldbereich mit unterschiedlich alten Beständen und wechselnden Standortverhältnissen.[3]
Charakteristisch sind vor allem frische bis feuchte Laubmischwälder auf Böden aus Geschiebelehm- und Flugsandablagerungen, die örtlich von Stau- oder Grundwasser beeinflusst werden. Besonders hervorzuheben sind die feuchten Ausprägungen des Eichen-Hainbuchenwaldes mit alten Stiel-Eichen sowie einer teils üppigen Strauch- und Krautschicht.[3]
Auf etwas trockeneren Flächen wachsen Buchen- und Buchenmischwälder. Daneben finden sich auch einzelne Bestände mit standortfremden Gehölzen wie Douglasie und Lebensbaum. Solche Bereiche sind aus Sicht des Naturschutzes problematisch, weil sie die standorttypische Waldentwicklung beeinträchtigen können.[3]
Eine landschaftlich markante Struktur ist im Nordosten die etwa 20 Meter breite Oestricher Landwehr, die das Waldgebiet über eine Länge von rund zwei Kilometern zur offenen Feldflur hin abgrenzt. Auch dort wachsen wertvolle Wald- und Gehölzbestände, teilweise begleitet von Schlehen- und Weißdorngebüschen.[3]
Lebensräume
Die Fachinformation hebt hervor, dass der Oestricher Wald durch typisch ausgebildete und überwiegend gut erhaltene FFH-Lebensräume gekennzeichnet ist. Dazu zählen insbesondere naturnahe Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder, die in dieser Form für den Naturraum von besonderer Bedeutung sind.[1]
Für das Gebiet werden insbesondere folgende Lebensraumtypen genannt:[1]
- Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum, FFH-Lebensraumtyp 9130)
- Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichen- oder Hainbuchenwald (Carpinion betuli, Stellario-Carpinetum, FFH-Lebensraumtyp 9160)
- Schutzwürdige und gefährdete Laubwälder außerhalb von Sonderstandorten
Zu den in der Fachinformation erfassten Biotoptypen gehören unter anderem:[1]
- Buchenwald
- Eichen-Buchenmischwald
- Buchenmischwald mit heimischen Laubbaumarten
- Buchenmischwald mit nicht heimischen Laubbaumarten
- Eichenwald
- Buchen-Eichenmischwald
- Eichenmischwald mit heimischen Laubbaumarten
- Eichenmischwald mit Nadelbaumarten
- Douglasienmischwald
- Eschenwald
- Eschenmischwald mit heimischen Laubbaumarten
- Eschenmischwald mit Nadelbaumarten
- Hainbuchenwald
- Eichen-Hainbuchenmischwald
- Ahornmischwald mit heimischen Laubbaumarten
- stehendes Kleingewässer
- Tieflandbach
Pflanzenwelt
Die Pflanzenwelt des Oestricher Waldes spiegelt die unterschiedlichen Feuchte- und Bodenverhältnisse des Gebietes wider. Neben typischen Waldarten kommen auch Arten feuchterer Standorte sowie einzelne standortfremde Gehölze vor. Gerade die Mischung aus alten Laubwaldbeständen, Krautschicht und Randstrukturen macht die botanische Vielfalt des Gebietes aus.[1]
In der amtlichen Fachinformation werden unter anderem folgende Pflanzenarten genannt:[1]
- Aronstab (Arum maculatum)
- Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)
- Berg-Ulme (Ulmus glabra)
- Blauroter Hartriegel (Cornus sanguinea)
- Brombeere (Rubus sectio Rubus)
- Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)
- Douglasie (Pseudotsuga menziesii)
- Echte Nelkenwurz (Geum urbanum)
- Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
- Efeu (Hedera helix)
- Einblütiges Perlgras (Melica uniflora)
- Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna)
- Esche (Fraxinus excelsior)
- Faulbaum (Frangula alnus)
- Feld-Ahorn (Acer campestre)
- Fichte (Picea abies)
- Flatter-Ulme (Ulmus laevis)
- Flattergras (Milium effusum)
- Frauenfarn (Athyrium filix-femina)
- Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba)
- Gewöhnliche Goldnessel (Galeobdolon luteum)
- Gewöhnliche Schlehe (Prunus spinosa)
- Gewöhnlicher Wurmfarn (Dryopteris filix-mas)
- Gewöhnliches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
- Große Sternmiere (Stellaria holostea)
- Großes Hexenkraut (Circaea lutetiana)
- Grüne Nieswurz (Helleborus viridis subsp. occidentalis)
- Gundermann (Glechoma hederacea)
- Hainbuche (Carpinus betulus)
- Haselnuss (Corylus avellana)
- Himbeere (Rubus idaeus)
- Schlüsselblume Schlüsselblume (Primula elatior)
- Kleine Wasserlinse (Lemna minor)
- Kleiner Dornfarn (Dryopteris carthusiana)
- Kratzbeere (Rubus caesius)
- Lebensbaum (Thuja spec.)
- Pfeifengras (Molinia caerulea)
- Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa)
- Riesen-Schwingel (Festuca gigantea)
- Rotbuche (Fagus sylvatica)
- Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
- Rote Johannisbeere (Ribes rubrum)
- Sandbirke (Betula pendula)
- Sanikel (Sanicula europaea)
- Schwarz-Erle (Alnus glutinosa)
- Holunder (Sambucus nigra)
- Stachelbeere (Ribes uva-crispa)
- Stieleiche (Quercus robur)
- Süß-Kirsche (Prunus avium)
- Traubenkirsche (Prunus padus)
- Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera)
- Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum)
- Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum)
- Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella)
- Wald-Segge (Carex sylvatica)
- Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana)
- Wald-Ziest (Stachys sylvatica)
- Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum)
- Waldmeister (Galium odoratum)
- Winkel-Segge (Carex remota)
- Winter-Linde (Tilia cordata)
- Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus laevigata)
Tierwelt
Auch die Tierwelt des Oestricher Waldes weist schutzwürdige Arten auf. Besonders genannt werden zwei Vogelarten, die auf strukturreiche Waldgebiete angewiesen sind und deshalb als wichtige Indikatoren für die Qualität des Lebensraums gelten.[1]
Als planungsrelevante Arten und nachgewiesene Tierarten werden genannt:[1]
- Schwarzspecht (Dryocopus martius)
- Waldschnepfe (Scolopax rusticola)
Die Waldschnepfe wird in der Roten Liste NRW 2010 in Kategorie 3 geführt und gilt damit als gefährdet.[1]
Schutzziele, Gefährdungen und Maßnahmen
Ein zentrales Ziel des Naturschutzes im Oestricher Wald ist die Erhaltung und Entwicklung naturnaher Stieleichen-Hainbuchenwälder und Waldmeister-Buchenwälder. Ebenso wichtig ist die Umwandlung gebiets- und standortfremder Waldbestände in naturnahe, bodenständige Gehölzbestände.[1]
Als Gefährdungen werden in der Fachinformation unter anderem genannt:[1]
- Düngerdruck aus der Landwirtschaft mit Förderung brombeerreicher Bestände
- nicht bodenständige Gehölze wie Douglasie, Thuja und Berg-Ahorn
- Veränderungen des Kleinreliefs durch militärische Schanzen
Um den Wald langfristig zu sichern und ökologisch aufzuwerten, werden folgende Maßnahmen genannt:[1]
- Erhaltung von Altholz
- Erhaltung von Totholz
- naturnahe Waldbewirtschaftung
- Umwandlung in bodenständige Gehölzbestände
- Entwicklung eines strukturreichen Waldmantels
Gerade der Erhalt von Alt- und Totholz ist für viele Tierarten von großer Bedeutung, da solche Strukturen Nahrungs-, Brut- und Rückzugsräume bieten. Die Entwicklung eines naturnahen Waldmantels verbessert zudem den Übergang zwischen Wald und Offenland und erhöht damit die ökologische Vielfalt.[3][1]
Bedeutung
Der Oestricher Wald bildet zusammen mit dem westlich angrenzenden naturnahen Waldgebiet Frielicker Holz auf Hammer Stadtgebiet einen bedeutenden zusammenhängenden Laubwaldkomplex. Seine struktur- und artenreichen Bestände machen ihn zu einem wichtigen Element im regionalen Naturraum.[3]
Darüber hinaus besitzt das Gebiet eine wichtige Vernetzungsfunktion im landesweiten Waldbiotopverbund. Damit ist der Oestricher Wald nicht nur als einzelnes Schutzgebiet bedeutsam, sondern auch als Teil größerer ökologischer Zusammenhänge zwischen verschiedenen Waldlebensräumen.[3][2]