Stadt- und Landbote

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Der Stadt- und Landbote war eine in Ahlen gedruckte Zeitung für den Kreis Beckum und die angrenzenden Kreise. Sie erschien erstmals vermutlich 1881 im Verlag Theodor Zumbusch und wurde nach einer Unterbrechung ab 1909 von Emil Schultz erneut herausgegeben. Anfang 1915 wurde das Erscheinen endgültig eingestellt.

Der Stadt- und Landbote gehört zu den frühen Ahlener Lokalzeitungen und steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Ahlener Pressegeschichte, der Ahlener Volkszeitung und der Ahlener Volksbank.

Vorgeschichte: Ahlener Nachrichten

Am 1. Oktober 1877 erschien nach bisherigen Erkenntnissen die erste in Ahlen gedruckte Zeitung: die Ahlener Nachrichten – Öffentlicher Anzeiger und Organ für communale Angelegenheiten. Verantwortlicher Redakteur war Theodor Zumbusch.

Das Blatt erschien mittwochs und samstags. Der vierteljährliche Bezugspreis betrug in der Expedition eine Mark, per Boten 1,25 Mark. Die Zeitung hatte ein Format von 28 × 36 Zentimetern und umfasste vier Seiten.

Bürgermeister Hagemann stellte 1877 fest, dass die Ahlener Nachrichten in Ahlen und Umgebung eine starke Verbreitung gefunden hätten. Daher eigneten sie sich auch zur Veröffentlichung der Tagesordnungen und Beschlüsse der Stadtverordnetensitzungen.

Nach bisher bekannten Exemplaren bestand die Zeitung mindestens bis 1881. Das letzte bekannte Exemplar datiert vom 28. August 1881 und gehört zum fünften Jahrgang.

Gründung des Stadt- und Landboten

Vermutlich nach dem Ende der Ahlener Nachrichten brachte der Verlag Theodor Zumbusch eine neue, überregionaler ausgerichtete Zeitung heraus: den Stadt- und Landboten für den Kreis Beckum und die angrenzenden Kreise.

Auch diese Zeitung erschien zunächst mittwochs und samstags mit jeweils vier Seiten. Redaktion, Druck und Verlag lagen bei Theodor Zumbusch. Der Abonnementspreis betrug einschließlich der Gratisbeilage Die Sonntagspost vierteljährlich eine Mark in der Expedition und 1,25 Mark bei Zustellung durch Post oder Boten.

Für Ahlen war der Stadt- und Landbote über längere Zeit vermutlich die einzige eigentliche Ortszeitung.

Verlag Zumbusch und erster Standort

Der erste Standort des Stadt- und Landboten befand sich vermutlich an der Hellstraße 6. Bei Renovierungsarbeiten an der Gebäudefassade wurde im April 2005 ein entsprechender Schriftzug freigelegt.

Aus einer Ausgabe von 1891 geht hervor, dass die Zeitung weiterhin im Verlag Zumbusch erschien. Chefredakteur war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits Emil Schultz, der später einen eigenen Verlag gründete und den Stadt- und Landboten erneut herausgab.

Erscheinungsweise und Verbreitung

In den 1890er Jahren erschien der Stadt- und Landbote dreimal wöchentlich, jeweils dienstags, donnerstags und samstags. Als Gratisbeilage wurde nun Sterne und Blumen mitgeliefert.

Ein Exemplar vom 21. April 1898 zeigt, dass die Zeitung tatsächlich über Ahlen hinaus verbreitet wurde. Demnach wurde sie auch nach Liesborn und Heessen „expedirt“.

Die erste Erscheinungsphase des Stadt- und Landboten ist bis September 1900 überliefert. Danach wurde das Erscheinen eingestellt. Als ein Grund gilt der wachsende Erfolg der 1898 gegründeten Ahlener Volkszeitung.

Die Sommer-Chronik

Eine besondere Bedeutung hat der Stadt- und Landbote für die Überlieferung der sogenannten Sommer-Chronik. Ihr Autor war Wilhelm Sommer (18261905), ein Onkel des späteren Verlegers der Ahlener Volkszeitung, Everhard Sommer.

Wilhelm Sommer war Mitglied im Magistrat der Stadt Ahlen. Er hatte sich gegen Bezahlung bereit erklärt, Ordnung in das alte Stadtarchiv zu bringen. Die Stadtverordnetenversammlung übertrug ihm diese Aufgabe am 25. September 1876 für 2,50 Mark pro Tag bei sechs Stunden Arbeit.

Aus den Archivarbeiten entstand eine schriftliche Chronik, die später Grundlage vieler stadtgeschichtlicher Veröffentlichungen wurde, unter anderem für das Ahlener Heimatbuch von 1929.

Die Sommer-Chronik wurde nach heutigen Erkenntnissen bereits 1880 in den Ahlener Nachrichten veröffentlicht. Im Stadt- und Landboten wurde sie ab dem 2. April 1898 ein zweites Mal abgedruckt, nachdem sie im Laufe der Jahre ergänzt worden war.

Neugründung ab 1909

Ab 1909 erschien der Stadt- und Landbote erneut, nun mit geändertem Untertitel als Stadt- und Landbote für den Kreis Beckum und die Nachbarkreise. Neuer Beiname war Ahlener Tageblatt.

Diese Neuausgabe erschien täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der vierteljährliche Bezugspreis betrug mit Sonntagsbeilagen und Zustellung durch Boten 1,35 Mark.

Herausgeber war nun Emil Schultz, dessen Verlag an der Oststraße 17 ansässig war. Gedruckt wurde in einem größeren Format von 32,5 × 52 Zentimetern.

Auch in dieser Phase wurde die Sommer-Chronik erneut abgedruckt und um weitere Angaben zur Stadtgeschichte ergänzt, obwohl Wilhelm Sommer zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.

Einstellung 1915

Während des Ersten Weltkriegs verschlechterten sich die wirtschaftlichen und materiellen Bedingungen für Zeitungsverlage erheblich. Anfang 1915 musste der Stadt- und Landbote endgültig eingestellt werden.

Emil Schultz führte seine Buchdruckerei jedoch weiter. In seiner Druckerei erschien unter anderem 1929 das Ahlener Heimatbuch.

Verbindung zur Ahlener Volksbank

Der Stadt- und Landbote ist auch für die Ahlener Bankgeschichte bedeutsam. Emil Schultz, der spätere Herausgeber des Blattes, war am 2. November 1896 Schriftführer der Gründungsversammlung der Ahlener Volksbank.

In der ersten Sitzung des Aufsichtsrates wurde Schultz zum ersten Rendanten der Ahlener Volksbank gewählt. Zudem wurde im Genossenschaftsregister festgelegt, dass öffentliche Bekanntmachungen der Bank durch den Ahlener Stadt- und Landboten erfolgen sollten.

Das Haus Schultz an der Oststraße war zugleich der erste Geschäftssitz der Ahlener Volksbank. Die Bank blieb dort bis 1931.

Bedeutung

Der Stadt- und Landbote war ein wichtiges Presseorgan der Ahlener Stadtgeschichte. Er verband lokale Nachrichten, amtliche Bekanntmachungen, Vereins- und Gewerbeinformationen mit überörtlicher Berichterstattung für den Kreis Beckum und benachbarte Kreise.

Zugleich steht das Blatt für die enge Verbindung von Presse, Kommunalpolitik, Gewerbe und Genossenschaftswesen in Ahlen. Besonders deutlich wird dies an den Personen Theodor Zumbusch und Emil Schultz.

Siehe auch

Quellen

  • Jürgen Rheker: Zeitung in Ahlen: Standort Stadt – Zeitungslandschaft – Gewerbe – Landbote – Volkszeitung, in: Westfälische Nachrichten / Ahlener Zeitung, Sonderthema 125 Jahre Ahlener Zeitung.
  • Volksbank Ahlen eG: Unser Weg in die Zukunft. 100 Jahre Volksbank Ahlen eG (Spar- und Darlehnskasse von 1884), Ahlen 1984.
  • Ludger Schulte: 1896 – Die Gründung der Ahlener Volksbank e.G.m.b.H., in: Volksbank Ahlen eG: Unser Weg in die Zukunft, Ahlen 1984.
  • Amtsgericht Ahlen: Genossenschaftsregister, Eintrag zur Ahlener Volksbank e.G.m.b.H.