Ulmenhof

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Ulmenhof
51.76370870857.87562670898
Postleitzahl 59227
Ortsteil Innenstadt
Art der Straße Wohnstraße

Ulmenhof

Der Ulmenhof ist eine Wohnstraße in Ahlen, die namensgebend für die Ulmenhof-Siedlung ist. Die Siedlung entstand in den 1920er Jahren als bergbaugebundener Wohnstandort (u. a. für Beschäftigte der Zeche Westfalen) und ist Teil des Siedlungszusammenhangs der Gemmericher Siedlung. [1]

Lage und Abgrenzung

Die Ulmenhof-Siedlung liegt südlich der Ahlener Innenstadt und war historisch rund 1,8 km von der Altstadt sowie etwa 2 km von der Zeche Westfalen entfernt. Sie grenzt im Süden an den Grünzug des Richterbachs, im Osten an die Freiligrathschule und den Sportplatz sowie im Westen an die Gemmericher Straße. Über die Straße Am Röteringshof besteht eine Anbindung in Richtung Innenstadt. [2]

Entstehungsgeschichte

Die Ulmenhof-Siedlung wurde ab 1926 in mehreren Bauabschnitten errichtet. Bauherr war die Bauverein Glückauf GmbH, die am 8. April 1926 durch die Gewerkschaft Westfalen und die Westfälische Heimstätte gegründet wurde; die Stadt Ahlen trat kurz darauf als weiterer Gesellschafter bei. [3]

Die Bauphasen werden wie folgt angegeben:

  • I. Bauabschnitt (1926–1927): 97 Häuser mit 150 Wohnungen (zusätzlich 1 Haus mit 2 Wohneinheiten für die Stadt)
  • II. Bauabschnitt (1927–1928): 32 Häuser mit 38 Wohneinheiten
  • III. Bauabschnitt (1929): 4 Häuser mit 20 Wohneinheiten [4]

In der Dokumentation wird als unmittelbarer Anlass eine Umsiedlungs- und Anwerbepolitik genannt, in deren Folge nahezu 1000 Menschen nach Ahlen gekommen seien. [5]

Planung und Architektur

Der Entwurf wird der Westfälischen Heimstätte Münster zugeschrieben (u. a. unter Direktor Gustav Wolf); die örtliche Bauleitung lag ebenfalls bei der Westfälischen Heimstätte, teils in Zusammenarbeit mit Ahlener Architekten. [6]

Typisch sind 1- bis 2-geschossige Doppel-, Reihen- und einzelne Mehrfamilienhäuser (massives Mauerwerk, verputzte Fassaden, Ziegeldächer) mit schmalen, ursprünglich stark garten- und selbstversorgerorientierten Grundstücken (teilweise mit Stall-/Nebengebäuden). [7]

Charakteristisch sind bei mehreren Haustypen auffällige, „glockenförmige“ Bogendächer (Zollbau-Lamellen-Dächer), die als wirtschaftliche, rationelle Bauweise und zur besseren Nutzung des Dachgeschosses beschrieben werden. [8]

Siedlungsstruktur

Der Kernbereich an der Straße Ulmenhof war als Anger-/Platzaufweitung konzipiert und wurde durch die Ausrichtung der Häuser räumlich gefasst. Der Wechsel von engeren und weiteren Straßenräumen gliederte den Siedlungsbereich in Abschnitte; diese Wirkung wurde später durch bauliche und verkehrliche Veränderungen deutlich beeinträchtigt. [9]

Haustypen (Auswahl)

Das Inventarisationsblatt beschreibt mehrere standardisierte Haustypen (teils sehr ähnlich), u. a.:

  • Typ „Lüttke“: eingeschossiges Reihenhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 4 Räume + Spülküche (ca. 62,6 m²)
  • Typ „Zollzwilling“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 3 Räume + Spülküche (ca. 65 m²)
  • Typ „Zollrhede“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; je Doppelhaushälfte zwei übereinanderliegende Wohnungen (ca. 59,55 bzw. 54,7 m²)
  • weitere zweigeschossige Haustypen sowie 5-/6-Raum-Typen für kinderreiche Familien; außerdem Kleinstwohnungen für Jungverheiratete (Mehrfamilienhäuser mit mehreren kleinen Einheiten). [10]

Sozial- und Stadtgeschichte

Bereits Ende der 1920er Jahre bestand nach Angaben der Dokumentation in Teilen der alteingesessenen Bevölkerung ein negatives Image gegenüber der neuen Arbeitersiedlung; als Spitzname wird ausdrücklich „Mexiko“ genannt. Als Ursachen werden u. a. soziale Vorbehalte sowie politische Spannungen der Zeit beschrieben. [11]

Veränderungsgeschichte

Im Inventarisationsblatt werden u. a. folgende Veränderungen benannt:

  • 1950er Jahre: Die ursprünglich begrünte Angeranlage am Ulmenhof wurde durch eine geradlinigere Straßenführung ersetzt. [12]
  • 1970er Jahre: Erneuerungen an Fenstern, Rollläden und Haustüren; bei Gebäuden an der Straße Am Röteringshof wurden teils farbige Putzfassungen angebracht. [13]

In den 1980er Jahren wurde die Ulmenhofsiedlung umfassend saniert und modernisiert. Der ursprüngliche Angerbereich wurde in eine Straße mit Vorgärten umgestaltet.

Im Jahr 1988 wurde die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt, um die historische und architektonische Bedeutung zu bewahren. Die Einzelprivatisierung der Wohnungen begann 2008, was zu einer deutlichen Veränderung der ursprünglichen Struktur führte.

Im Jahr 2015 ist der Ulmenhof fast vollständig privatisiert. Es gibt noch 74 Gebäude, wobei durch die Privatisierung und Zusammenlegung der Wohnungen die Anzahl der Einzelwohnungen deutlich reduziert wurde.

Bewertung und Erhaltung

Der bauliche Zustand wurde (Stand 1979) insgesamt als verhältnismäßig gut bewertet; der Grundcharakter sei – von Details abgesehen – weitgehend erhalten. Als Empfehlung wird insbesondere genannt, den ursprünglichen Raumcharakter wieder deutlicher erlebbar zu machen, unter anderem durch eine Wiederherstellung der Angeranlage am Ulmenhof (verbunden mit einer geeigneten Nutzung der Freifläche). [14]

Quellen

  1. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  2. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  3. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  4. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  5. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  6. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  7. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  8. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  9. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  10. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  11. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  12. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  13. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  14. Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
  • Historische Daten zur Zeche Westfalen und den dazugehörigen Siedlungen
  • 75 Jahre Bauverein Glückauf