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Villa Wilhelm

Aus AhlenWiki
Villa Wilhelm
51.7638637.892271
Anschrift Königstraße 8



Baujahr 1905–1906
Architekt F. C. Schröder
Ursprüngliche Nutzung Wohnhaus
Heutige Nutzung Sozialdienst katholischer Frauen
Karte


Das Wohnhaus Königstraße 8 ist eine denkmalgeschützte Villa in der Ahlener Innenstadt. Sie wurde in den Jahren 1905 und 1906 für den Fabrikanten und Ackerbürger Wilhelm Tovar nach Plänen des Ahlener Architekten F. C. Schröder errichtet.

Das Gebäude gilt als Beispiel eines repräsentativen Fabrikantenwohnhauses aus der ersten Phase der Industrialisierung Ahlens. Seine Architektur verbindet Formen der Gründerzeit mit einzelnen Elementen des Jugendstils.[1]

Geschichte

Errichtung für Wilhelm Tovar

Die Villa wurde 1905/06 als komfortables Wohnhaus für den Fabrikanten und Ackerbürger Wilhelm Tovar errichtet.[1]

Mit dem Entwurf wurde der Ahlener Architekt F. C. Schröder beauftragt.

Das villenartige, freistehende Wohnhaus entstand in unmittelbarer Nähe der Schuhfabrik Tovar. Die Königstraße war zu dieser Zeit noch stark von ackerbürgerlichen Strukturen geprägt.

Die repräsentative Villa hob sich mit ihrer aufwendigen Fassadengestaltung deutlich von der älteren Bebauung der Umgebung ab.[1]

Familie Tovar und Industrialisierung

Das Gebäude steht in engem Zusammenhang mit der frühen Industrialisierung Ahlens.

Die Lage der Villa in unmittelbarer Nähe zur Schuhfabrik legt nahe, dass Wilhelm Tovar aus dem Umfeld der Unternehmerfamilie Tovar stammte.

Johannes Tovar betrieb seit 1884 eine Lohgerberei in der Königstraße. Ab 1901 stellte er den Betrieb schrittweise auf eine mechanisierte Schuhfabrikation um.[1]

Wilhelm Tovar ist außerdem den Stanz- und Emaillierwerken Rollmann und Tovar zuzuordnen, die von 1897 bis 1987 an der Ostbredestraße produzierten.[1]

Die Villa dokumentiert damit auch die wirtschaftliche Entwicklung Ahlens in einer Zeit, in der sich neben den traditionellen ackerbürgerlichen Strukturen neue Industriebetriebe etablierten.

Zu den für diese erste Industrialisierungsphase charakteristischen Branchen gehörten unter anderem:

  • die Emailleproduktion,
  • die Plüschweberei und
  • die Schuhfabrikation.

Architektur

Das Gebäude ist als freistehende, villenartige Stadtwohnung gestaltet.

Die Fassade besteht aus rotem Backstein und ist durch zahlreiche hell abgesetzte Architekturglieder gegliedert.

Kennzeichnend sind unter anderem:

  • reich verzierte Fensterrahmungen,
  • horizontale Gesimse und Bänder,
  • ein hervorgehobener Mittelbereich,
  • ein mehrgeschossiger Erker sowie
  • ein aufwendig gestalteter Dachabschluss.

Die Architektur greift Gestaltungselemente der Gründerzeit auf. Gleichzeitig finden sich bereits Details des Jugendstils.[1]

Durch die Mischung verschiedener historistischer und moderner Gestaltungselemente besitzt das Gebäude einen ausgesprochen repräsentativen Charakter.

Nutzung durch den Sozialdienst katholischer Frauen

Seit vielen Jahren wird das Gebäude vom Sozialdienst katholischer Frauen e. V. genutzt.[1]

Für die heutige Nutzung wurde das historische Gebäude durch einen modernen Anbau auf der Ostseite erweitert.

Der Erweiterungsbau besitzt eine gerundete Formensprache und hebt sich gestalterisch bewusst von der historischen Villa ab. Nach Einschätzung der Denkmalbroschüre fügt sich der moderne Anbau dennoch gut in die historische Architektur ein.[1]

Bedeutung

Das Wohnhaus Königstraße 8 ist sowohl baugeschichtlich als auch wirtschafts- und sozialgeschichtlich von Bedeutung.

Als repräsentatives Fabrikantenwohnhaus dokumentiert es den Lebensstil einer wohlhabenden Unternehmerschicht während der frühen Industrialisierung Ahlens.

Gleichzeitig veranschaulicht die Villa den Wandel der Königstraße von einem überwiegend ackerbürgerlich geprägten Bereich zu einem Standort von Industrie, Unternehmertum und gehobenem Wohnen.

Die aufwendige Architektur zeigt den Repräsentationsanspruch ihres Bauherrn und verbindet typische Formen der Gründerzeit mit Details des Jugendstils.[1]

Chronik

  • 1884: Johannes Tovar betreibt eine Lohgerberei in der Königstraße.
  • 1897: Beginn der Produktion der Stanz- und Emaillierwerke Rollmann und Tovar.
  • 1901: Umstellung der Gerberei Tovar auf mechanisierte Schuhfabrikation.
  • 1905–1906: Errichtung der Villa Königstraße 8 für Wilhelm Tovar nach Plänen von F. C. Schröder.
  • später: Nutzung des Hauses durch den Sozialdienst katholischer Frauen.
  • jüngere Zeit: Erweiterung durch einen modernen, gerundeten Anbau auf der Ostseite.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 64.

Literatur

  • Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 64.

Siehe auch