Stadtbefestigung
Die Stadtbefestigung schützte die Stadt Ahlen vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit vor feindlichen Angriffen. Sie bestand aus einer steinernen Stadtmauer, vorgelagerten Wällen, wasserführenden Gräben sowie mehreren Stadttoren. Außerhalb der eigentlichen Stadt schloss sich mit der Landwehr ein weitläufiges Verteidigungssystem an, das Straßen, Zugänge und das städtische Umland sicherte.
Die Stadtbefestigung prägte über Jahrhunderte das Erscheinungsbild Ahlens. Obwohl Stadtmauer und Wälle seit dem 18. Jahrhundert größtenteils abgetragen wurden, sind ihr Verlauf und zahlreiche Geländespuren bis heute im Stadtbild sowie in der Landschaft nachvollziehbar.
Geschichte
Mit der Erhebung Ahlens zur Stadt entstand das Bedürfnis nach einer dauerhaften Befestigung. Zunächst dürfte die Stadt durch Gräben, Wälle und hölzerne Wehranlagen geschützt worden sein. Während der Regierungszeit des Münsteraner Bischofs Gerhard von der Mark (1261–1272) entstand schließlich eine steinerne Stadtmauer, die den Stadtkern vollständig umschloss.
Die Befestigung wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert und den militärischen Anforderungen angepasst. Neben der Stadtmauer gehörten Wassergräben, Erdwälle und mehrere Stadttore zum Verteidigungssystem.
Besondere Bedeutung gewann die Stadtbefestigung während der münsterisch-märkischen Fehden zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Ahlen lag an einer wichtigen Grenze zwischen dem Hochstift Münster und der Grafschaft Mark und war dadurch wiederholt von Angriffen bedroht. Nach neueren Forschungen dürfte in dieser Zeit auch die außerhalb der Stadt verlaufende Landwehr entstanden sein, welche die eigentliche Stadtbefestigung ergänzte.
Aufbau
Die eigentliche Stadtbefestigung bestand aus mehreren aufeinander abgestimmten Elementen:
- Stadtmauer
- vorgelagerte Wälle
- wasserführende Stadtgräben
- Stadttore
- Brücken und Übergänge
- Befestigungen an der Werse
Die außerhalb des Mauerrings verlaufende Landwehr gehörte nicht zur Stadtmauer selbst, bildete jedoch einen vorgeschobenen Verteidigungsring um das Stadtgebiet und die angrenzende Feldmark.
Stadttore
Die Stadt war über mehrere befestigte Tore erreichbar, die gleichzeitig Kontroll- und Verteidigungspunkte bildeten.
Folgende Tore sind bekannt:
Vor den Toren befanden sich Brücken über die Stadtgräben. Die wichtigsten Ausfallstraßen führten anschließend weiter zu den Schlagbäumen der Landwehr.
Die Stadtbefestigung und die Landwehr
Die Stadtmauer allein genügte spätestens im frühen 14. Jahrhundert nicht mehr, um das wirtschaftlich bedeutende Umland zu schützen. Deshalb entstand um Ahlen ein weitläufiges System aus Landwehren, Gräben, Wällen und Schlagbäumen.
Nach den Forschungen von Cornelia Kneppe dürfte die erste Ahlener Landwehr in den 1320er Jahren entstanden sein. Sie schützte zunächst die östliche Feldmark und wurde später mehrfach erweitert. Dadurch entstand ein mehrstufiges Verteidigungssystem aus Stadtmauer und vorgelagerten Landwehren.
Niedergang
Mit der Entwicklung moderner Waffen verlor die mittelalterliche Befestigung zunehmend ihre militärische Bedeutung. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann der schrittweise Abbruch der Stadtmauer und der Wälle. Die Stadttore verschwanden nach und nach aus dem Stadtbild.
Heute erinnern lediglich einzelne Mauerreste, Straßenverläufe, Geländeerhebungen sowie historische Karten an die einstige Stadtbefestigung.
Erhaltene Spuren
Reste der Stadtbefestigung lassen sich noch heute an verschiedenen Stellen nachvollziehen. Neben einzelnen Mauerresten sind insbesondere der Verlauf ehemaliger Wall- und Grabenanlagen sowie die historischen Straßenführungen erhalten geblieben.
Außerhalb der Innenstadt existieren zudem noch mehrere Abschnitte der Landwehr, die als Bodendenkmäler erhalten sind.
Siehe auch
Literatur
- Cornelia Kneppe: Ahlen – Die Herausbildung städtischer Identität durch Landwehrbau und Landwehrpflege. In: Stadt und Landwehr. Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, Münster.
- Wilhelm Kohl: Die Stadt Ahlen. Münster.