Wallanlagen
Die Wallanlagen waren ein wesentlicher Bestandteil der Stadtbefestigung von Ahlen. Gemeinsam mit der Stadtmauer, den Stadtgräben und den Stadttoren bildeten sie den inneren Verteidigungsring der mittelalterlichen Stadt. Sie erschwerten Angreifern den Zugang zur Stadt und erhöhten zugleich die Verteidigungsfähigkeit der Stadtmauer.
Nachdem die Wallanlagen ihre militärische Bedeutung verloren hatten, wurden sie schrittweise abgetragen oder zu Promenaden und Grünanlagen umgestaltet. Ihr Verlauf ist bis heute an verschiedenen Stellen im Stadtbild nachvollziehbar.
Geschichte
Die ersten Befestigungen Ahlens bestanden vermutlich aus Gräben, Erdwällen und hölzernen Palisaden. Mit dem Bau der steinernen Stadtmauer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Wallanlagen weiter ausgebaut und bildeten gemeinsam mit den vorgelagerten Gräben ein wirkungsvolles Verteidigungssystem.
Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden Wälle und Gräben regelmäßig instand gehalten und den jeweiligen militärischen Anforderungen angepasst. Während die Stadtmauer den eigentlichen Schutz der Stadt bildete, erschwerten die vorgelagerten Wallanlagen den unmittelbaren Zugang zur Mauer und boten zusätzlichen Schutz gegen Angriffe.
Aufbau
Die Wallanlagen bestanden überwiegend aus aufgeschütteten Erdwällen, die unmittelbar vor oder hinter den Stadtgräben verliefen. Zusammen mit den wasserführenden Gräben entstand so ein mehrstufiges Hindernis, das Angreifer zunächst überwinden mussten, bevor sie die Stadtmauer erreichen konnten.
An den Stadttoren wurden die Wallanlagen durch Brücken und Durchfahrten unterbrochen. Die wichtigsten Straßen führten von dort weiter in das Stadtfeld und zur außerhalb gelegenen Landwehr.
Niedergang
Mit dem Aufkommen moderner Feuerwaffen verloren die mittelalterlichen Wallanlagen zunehmend ihre militärische Bedeutung. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann ihre schrittweise Beseitigung. Erdmaterial wurde eingeebnet oder anderweitig verwendet, während die Gräben teilweise verfüllt wurden.
Im 19. Jahrhundert entstanden auf den ehemaligen Wallflächen Wege und Grünanlagen. Der Verlauf der ehemaligen Befestigung blieb jedoch im Stadtgrundriss weitgehend erhalten.
Die Wallanlagen im Stadtbild
Noch bis weit in das 20. Jahrhundert prägten die ehemaligen Wallanlagen das Bild der Stadt. Im Münsterländer Platt wird der Wallweg als beliebter Spazierweg beschrieben. Entlang der alten Wälle standen große Bäume, während die ehemaligen Gräben und Geländekanten den Verlauf der mittelalterlichen Befestigung noch erkennen ließen.
Heute erinnern unter anderem der Bahnhofspark, einzelne Geländeerhebungen sowie der Verlauf mehrerer Straßen an die ehemaligen Wallanlagen. Wer den ehemaligen Wallring zu Fuß verfolgt, kann den Verlauf der mittelalterlichen Stadtgrenze auch heute noch in vielen Bereichen nachvollziehen.
Bedeutung
Die Wallanlagen dienten nicht nur der Verteidigung. Gemeinsam mit der Stadtmauer und den Gräben bestimmten sie über Jahrhunderte die räumliche Entwicklung Ahlens. Gleichzeitig bildeten sie eine klare Grenze zwischen dem bebauten Stadtkern und dem Stadtfeld.
Siehe auch
Literatur
- Cornelia Kneppe: Ahlen – Die Herausbildung städtischer Identität durch Landwehrbau und Landwehrpflege. In: Stadt und Landwehr.
- Wilhelm Kohl: Die Stadt Ahlen.
- Een Bellerbook vam aollen Aohlen. (Beschreibung der ehemaligen Wallanlagen und ihres Verlaufs im Stadtbild)