Ulmenhof: Unterschied zwischen den Versionen
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Der '''Ulmenhof''' ist eine Wohnstraße in Ahlen, die namensgebend für die '''Ulmenhof-Siedlung''' ist. Die Siedlung entstand in den 1920er Jahren als bergbaugebundener Wohnstandort | Der '''Ulmenhof''' ist eine Wohnstraße in Ahlen, die namensgebend für die '''Ulmenhof-Siedlung''' ist. Die Siedlung entstand in den 1920er Jahren als bergbaugebundener Wohnstandort, unter anderem für Beschäftigte der [[Zeche Westfalen]], und ist Teil des Siedlungszusammenhangs der Gemmericher Siedlung.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | ||
Die zwischen 1926 und 1929 entstandene Siedlung gehört zu den Beispielen des sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Republik und steht heute unter Denkmalschutz.<ref name="denkmal2024">Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024'', Ahlen 2024, S. 12–13.</ref> | |||
== Lage und Abgrenzung == | == Lage und Abgrenzung == | ||
Die Ulmenhof-Siedlung liegt südlich der Ahlener Innenstadt und war historisch rund 1,8 km von der Altstadt sowie etwa 2 km von der Zeche Westfalen entfernt. Sie grenzt im Süden an den Grünzug des Richterbachs, im Osten an die Freiligrathschule und den Sportplatz sowie im Westen an die Gemmericher Straße. Über die Straße '''Am Röteringshof''' besteht eine Anbindung in Richtung Innenstadt. <ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
Die Ulmenhof-Siedlung liegt südlich der Ahlener Innenstadt und war historisch rund 1,8 km von der Altstadt sowie etwa 2 km von der Zeche Westfalen entfernt. Sie grenzt im Süden an den Grünzug des Richterbachs, im Osten an die Freiligrathschule und den Sportplatz sowie im Westen an die Gemmericher Straße. Über die Straße '''Am Röteringshof''' besteht eine Anbindung in Richtung Innenstadt.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
== Entstehungsgeschichte == | == Entstehungsgeschichte == | ||
Die Ulmenhof-Siedlung wurde ab 1926 in mehreren Bauabschnitten errichtet. Bauherr war die '''Bauverein Glückauf GmbH''', die am '''8. April 1926''' durch die Gewerkschaft Westfalen und die Westfälische Heimstätte gegründet wurde; die Stadt Ahlen trat kurz darauf als weiterer Gesellschafter bei. <ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
Die Ulmenhof-Siedlung wurde ab 1926 in mehreren Bauabschnitten errichtet. Bauherr war die '''Bauverein Glückauf GmbH''', die am '''8. April 1926''' durch die Gewerkschaft Westfalen und die Westfälische Heimstätte gegründet wurde; die Stadt Ahlen trat kurz darauf als weiterer Gesellschafter bei.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
Die Entstehung der Siedlung fällt in die Zeit der Weimarer Republik und steht im Zusammenhang mit dem nach dem Ersten Weltkrieg verstärkten sozialen Wohnungsbau. Die Broschüre ''30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen'' stellt die Planung auch in den Zusammenhang mit dem Reichsheimstättengesetz vom 10. Mai 1920.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Die Bauphasen werden wie folgt angegeben: | Die Bauphasen werden wie folgt angegeben: | ||
* '''I. Bauabschnitt (1926–1927):''' 97 Häuser mit 150 Wohnungen (zusätzlich 1 Haus mit 2 Wohneinheiten für die Stadt) | * '''I. Bauabschnitt (1926–1927):''' 97 Häuser mit 150 Wohnungen (zusätzlich 1 Haus mit 2 Wohneinheiten für die Stadt) | ||
* '''II. Bauabschnitt (1927–1928):''' 32 Häuser mit 38 Wohneinheiten | * '''II. Bauabschnitt (1927–1928):''' 32 Häuser mit 38 Wohneinheiten | ||
* '''III. Bauabschnitt (1929):''' 4 Häuser mit 20 Wohneinheiten <ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | * '''III. Bauabschnitt (1929):''' 4 Häuser mit 20 Wohneinheiten<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | ||
In der Dokumentation wird als unmittelbarer Anlass eine Umsiedlungs- und Anwerbepolitik genannt, in deren Folge nahezu 1000 Menschen nach Ahlen gekommen seien. <ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | In der Dokumentation wird als unmittelbarer Anlass eine Umsiedlungs- und Anwerbepolitik genannt, in deren Folge nahezu 1000 Menschen nach Ahlen gekommen seien.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | ||
== Planung und Architektur == | == Planung und Architektur == | ||
Der Entwurf der Siedlung geht auf den Architekten '''Gustav Wolf''' zurück, der zu dieser Zeit Direktor der Westfälischen Heimstätte in Münster war.<ref name="denkmal2024" /> Die örtliche Bauleitung lag ebenfalls bei der Westfälischen Heimstätte, teils in Zusammenarbeit mit Ahlener Architekten.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
Charakteristisch sind bei mehreren Haustypen auffällige, „glockenförmige“ '''Bogendächer''' | Die Planung war von den wirtschaftlichen Bedingungen der Zeit geprägt. Trotz sparsamer Bauweise entstand durch verschiedene Haustypen und ihre Anordnung ein abwechslungsreiches und geschlossenes Siedlungsbild.<ref name="denkmal2024" /> | ||
Typisch sind 1- bis 2-geschossige Doppel-, Reihen- und einzelne Mehrfamilienhäuser aus massivem Mauerwerk mit verputzten Fassaden und Ziegeldächern. Zu den Häusern gehörten schmale Grundstücke, die ursprünglich stark auf Gartenbau und Selbstversorgung ausgerichtet waren und teilweise Stall- oder Nebengebäude besaßen.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
Charakteristisch sind bei mehreren Haustypen auffällige, „glockenförmige“ '''Bogendächer''', sogenannte Zollbau-Lamellen-Dächer. Sie ermöglichten eine vergleichsweise wirtschaftliche Konstruktion und gleichzeitig eine gute Nutzung des Dachraums.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref><ref name="denkmal2024" /> | |||
== Siedlungsstruktur == | == Siedlungsstruktur == | ||
Der Kernbereich an der Straße '''Ulmenhof''' war | |||
Der Kernbereich an der Straße '''Ulmenhof''' wurde als Anger angelegt. Ursprünglich verliefen die Straßen beiderseits unmittelbar an den Gebäuden, während sich in der Mitte eine gemeinschaftlich nutzbare Grünfläche befand.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Der Anger war mit '''Ulmen''' bepflanzt und von einer niedrigen Natursteinmauer eingefasst. Dadurch entstand ein weitgehend verkehrsfreier Bereich, der als Kommunikationsraum und Spielplatz genutzt werden konnte.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Das Gestaltungsmotiv der Natursteinmauern fand sich auch an den schmalen, nahezu torartig wirkenden nördlichen und südlichen Zugängen zur Siedlung wieder.<ref name="denkmal2024" /> | |||
Der Wechsel von engeren und weiteren Straßenräumen gliederte den Siedlungsbereich zusätzlich in einzelne Abschnitte. Diese städtebauliche Wirkung wurde später durch bauliche und verkehrliche Veränderungen teilweise beeinträchtigt.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
== Haustypen (Auswahl) == | == Haustypen (Auswahl) == | ||
Das Inventarisationsblatt beschreibt mehrere standardisierte Haustypen | |||
Das Inventarisationsblatt beschreibt mehrere standardisierte Haustypen: | |||
* Typ „'''Lüttke'''“: eingeschossiges Reihenhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 4 Räume + Spülküche (ca. 62,6 m²) | * Typ „'''Lüttke'''“: eingeschossiges Reihenhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 4 Räume + Spülküche (ca. 62,6 m²) | ||
* Typ „'''Zollzwilling'''“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 3 Räume + Spülküche (ca. 65 m²) | * Typ „'''Zollzwilling'''“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 3 Räume + Spülküche (ca. 65 m²) | ||
* Typ „'''Zollrhede'''“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; je Doppelhaushälfte zwei übereinanderliegende Wohnungen (ca. 59,55 bzw. 54,7 m²) | * Typ „'''Zollrhede'''“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; je Doppelhaushälfte zwei übereinanderliegende Wohnungen (ca. 59,55 bzw. 54,7 m²) | ||
* weitere zweigeschossige Haustypen sowie 5-/6-Raum-Typen für kinderreiche Familien | * weitere zweigeschossige Haustypen sowie 5-/6-Raum-Typen für kinderreiche Familien | ||
* Kleinstwohnungen für Jungverheiratete in Mehrfamilienhäusern mit mehreren kleinen Einheiten<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
Die unterschiedlichen Haustypen und ihre Anordnung sollten trotz der rationellen Bauweise ein abwechslungsreiches, aber harmonisches Gesamtbild ergeben.<ref name="denkmal2024" /> | |||
== Sozial- und Stadtgeschichte == | == Sozial- und Stadtgeschichte == | ||
Bereits Ende der 1920er Jahre bestand nach Angaben der Dokumentation in Teilen der alteingesessenen Bevölkerung ein negatives Image gegenüber der neuen Arbeitersiedlung; als Spitzname wird ausdrücklich „'''Mexiko'''“ genannt. Als Ursachen werden | |||
Bereits Ende der 1920er Jahre bestand nach Angaben der Dokumentation in Teilen der alteingesessenen Bevölkerung ein negatives Image gegenüber der neuen Arbeitersiedlung; als Spitzname wird ausdrücklich „'''Mexiko'''“ genannt. Als Ursachen werden unter anderem soziale Vorbehalte sowie politische Spannungen der Zeit beschrieben.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
== Veränderungsgeschichte == | == Veränderungsgeschichte == | ||
Im Inventarisationsblatt werden | |||
* '''1950er Jahre:''' Die ursprünglich begrünte Angeranlage am Ulmenhof wurde durch eine geradlinigere Straßenführung ersetzt. <ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | Im Inventarisationsblatt werden unter anderem folgende Veränderungen benannt: | ||
* '''1970er Jahre:''' Erneuerungen an Fenstern, Rollläden und Haustüren; bei Gebäuden an der Straße Am Röteringshof wurden | |||
* '''1950er Jahre:''' Die ursprünglich begrünte Angeranlage am Ulmenhof wurde durch eine geradlinigere Straßenführung ersetzt.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
* '''1970er Jahre:''' Erneuerungen an Fenstern, Rollläden und Haustüren; bei Gebäuden an der Straße Am Röteringshof wurden teilweise farbige Putzfassungen angebracht.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
In den 1980er Jahren wurde die Ulmenhofsiedlung umfassend saniert und modernisiert. Der ursprüngliche Angerbereich wurde in eine Straße mit Vorgärten umgestaltet. | In den 1980er Jahren wurde die Ulmenhofsiedlung umfassend saniert und modernisiert. Der ursprüngliche Angerbereich wurde in eine Straße mit Vorgärten umgestaltet. | ||
Im Jahr 1988 wurde die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt, um | Im Jahr 1988 wurde die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt, um ihre historische und architektonische Bedeutung zu bewahren. | ||
Im Jahr 2015 | Seit 2008 begann die damalige beziehungsweise heutige Wohnungsbaugesellschaft mit der schrittweisen Privatisierung der Gebäude der Siedlung.<ref name="denkmal2024" /> | ||
Im Jahr 2015 war der Ulmenhof nahezu vollständig privatisiert. Zu diesem Zeitpunkt bestanden noch 74 Gebäude, wobei sich durch Privatisierungen und Zusammenlegungen die Zahl der einzelnen Wohnungen gegenüber dem ursprünglichen Bestand deutlich reduziert hatte. | |||
== Bewertung und Erhaltung == | == Bewertung und Erhaltung == | ||
Der bauliche Zustand wurde | |||
Der bauliche Zustand wurde 1979 insgesamt als verhältnismäßig gut bewertet. Der ursprüngliche Charakter der Siedlung sei – von einzelnen Veränderungen abgesehen – weitgehend erhalten geblieben.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
Als denkmalpflegerisches Ziel wurde insbesondere eine stärkere Wiederherstellung des ursprünglichen Raumcharakters genannt. Dazu gehörte auch die Idee, den ehemaligen Anger am Ulmenhof wieder stärker als zusammenhängende Freifläche erlebbar zu machen.<ref>Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).</ref> | |||
== Quellen == | == Quellen == | ||
<references /> | <references /> | ||
* Historische Daten zur Zeche Westfalen und den dazugehörigen Siedlungen | * Historische Daten zur Zeche Westfalen und den dazugehörigen Siedlungen | ||
* 75 Jahre Bauverein Glückauf | * ''75 Jahre Bauverein Glückauf'' | ||
Version vom 15. September 2026, 09:53 Uhr
| Ulmenhof | |
|---|---|
51.76370870857.87562670898 Koordinaten: 51° 45′ 49″ N, 7° 52′ 32″ O
| |
| Postleitzahl | 59227 |
| Ortsteil | Innenstadt |
| Art der Straße | Wohnstraße |
Ulmenhof
Der Ulmenhof ist eine Wohnstraße in Ahlen, die namensgebend für die Ulmenhof-Siedlung ist. Die Siedlung entstand in den 1920er Jahren als bergbaugebundener Wohnstandort, unter anderem für Beschäftigte der Zeche Westfalen, und ist Teil des Siedlungszusammenhangs der Gemmericher Siedlung.[1]
Die zwischen 1926 und 1929 entstandene Siedlung gehört zu den Beispielen des sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Republik und steht heute unter Denkmalschutz.[2]
Lage und Abgrenzung
Die Ulmenhof-Siedlung liegt südlich der Ahlener Innenstadt und war historisch rund 1,8 km von der Altstadt sowie etwa 2 km von der Zeche Westfalen entfernt. Sie grenzt im Süden an den Grünzug des Richterbachs, im Osten an die Freiligrathschule und den Sportplatz sowie im Westen an die Gemmericher Straße. Über die Straße Am Röteringshof besteht eine Anbindung in Richtung Innenstadt.[3]
Entstehungsgeschichte
Die Ulmenhof-Siedlung wurde ab 1926 in mehreren Bauabschnitten errichtet. Bauherr war die Bauverein Glückauf GmbH, die am 8. April 1926 durch die Gewerkschaft Westfalen und die Westfälische Heimstätte gegründet wurde; die Stadt Ahlen trat kurz darauf als weiterer Gesellschafter bei.[4]
Die Entstehung der Siedlung fällt in die Zeit der Weimarer Republik und steht im Zusammenhang mit dem nach dem Ersten Weltkrieg verstärkten sozialen Wohnungsbau. Die Broschüre 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen stellt die Planung auch in den Zusammenhang mit dem Reichsheimstättengesetz vom 10. Mai 1920.[2]
Die Bauphasen werden wie folgt angegeben:
- I. Bauabschnitt (1926–1927): 97 Häuser mit 150 Wohnungen (zusätzlich 1 Haus mit 2 Wohneinheiten für die Stadt)
- II. Bauabschnitt (1927–1928): 32 Häuser mit 38 Wohneinheiten
- III. Bauabschnitt (1929): 4 Häuser mit 20 Wohneinheiten[5]
In der Dokumentation wird als unmittelbarer Anlass eine Umsiedlungs- und Anwerbepolitik genannt, in deren Folge nahezu 1000 Menschen nach Ahlen gekommen seien.[6]
Planung und Architektur
Der Entwurf der Siedlung geht auf den Architekten Gustav Wolf zurück, der zu dieser Zeit Direktor der Westfälischen Heimstätte in Münster war.[2] Die örtliche Bauleitung lag ebenfalls bei der Westfälischen Heimstätte, teils in Zusammenarbeit mit Ahlener Architekten.[7]
Die Planung war von den wirtschaftlichen Bedingungen der Zeit geprägt. Trotz sparsamer Bauweise entstand durch verschiedene Haustypen und ihre Anordnung ein abwechslungsreiches und geschlossenes Siedlungsbild.[2]
Typisch sind 1- bis 2-geschossige Doppel-, Reihen- und einzelne Mehrfamilienhäuser aus massivem Mauerwerk mit verputzten Fassaden und Ziegeldächern. Zu den Häusern gehörten schmale Grundstücke, die ursprünglich stark auf Gartenbau und Selbstversorgung ausgerichtet waren und teilweise Stall- oder Nebengebäude besaßen.[8]
Charakteristisch sind bei mehreren Haustypen auffällige, „glockenförmige“ Bogendächer, sogenannte Zollbau-Lamellen-Dächer. Sie ermöglichten eine vergleichsweise wirtschaftliche Konstruktion und gleichzeitig eine gute Nutzung des Dachraums.[9][2]
Siedlungsstruktur
Der Kernbereich an der Straße Ulmenhof wurde als Anger angelegt. Ursprünglich verliefen die Straßen beiderseits unmittelbar an den Gebäuden, während sich in der Mitte eine gemeinschaftlich nutzbare Grünfläche befand.[2]
Der Anger war mit Ulmen bepflanzt und von einer niedrigen Natursteinmauer eingefasst. Dadurch entstand ein weitgehend verkehrsfreier Bereich, der als Kommunikationsraum und Spielplatz genutzt werden konnte.[2]
Das Gestaltungsmotiv der Natursteinmauern fand sich auch an den schmalen, nahezu torartig wirkenden nördlichen und südlichen Zugängen zur Siedlung wieder.[2]
Der Wechsel von engeren und weiteren Straßenräumen gliederte den Siedlungsbereich zusätzlich in einzelne Abschnitte. Diese städtebauliche Wirkung wurde später durch bauliche und verkehrliche Veränderungen teilweise beeinträchtigt.[10]
Haustypen (Auswahl)
Das Inventarisationsblatt beschreibt mehrere standardisierte Haustypen:
- Typ „Lüttke“: eingeschossiges Reihenhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 4 Räume + Spülküche (ca. 62,6 m²)
- Typ „Zollzwilling“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; 3 Räume + Spülküche (ca. 65 m²)
- Typ „Zollrhede“: eingeschossiges Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoss unter Bogendach; je Doppelhaushälfte zwei übereinanderliegende Wohnungen (ca. 59,55 bzw. 54,7 m²)
- weitere zweigeschossige Haustypen sowie 5-/6-Raum-Typen für kinderreiche Familien
- Kleinstwohnungen für Jungverheiratete in Mehrfamilienhäusern mit mehreren kleinen Einheiten[11]
Die unterschiedlichen Haustypen und ihre Anordnung sollten trotz der rationellen Bauweise ein abwechslungsreiches, aber harmonisches Gesamtbild ergeben.[2]
Sozial- und Stadtgeschichte
Bereits Ende der 1920er Jahre bestand nach Angaben der Dokumentation in Teilen der alteingesessenen Bevölkerung ein negatives Image gegenüber der neuen Arbeitersiedlung; als Spitzname wird ausdrücklich „Mexiko“ genannt. Als Ursachen werden unter anderem soziale Vorbehalte sowie politische Spannungen der Zeit beschrieben.[12]
Veränderungsgeschichte
Im Inventarisationsblatt werden unter anderem folgende Veränderungen benannt:
- 1950er Jahre: Die ursprünglich begrünte Angeranlage am Ulmenhof wurde durch eine geradlinigere Straßenführung ersetzt.[13]
- 1970er Jahre: Erneuerungen an Fenstern, Rollläden und Haustüren; bei Gebäuden an der Straße Am Röteringshof wurden teilweise farbige Putzfassungen angebracht.[14]
In den 1980er Jahren wurde die Ulmenhofsiedlung umfassend saniert und modernisiert. Der ursprüngliche Angerbereich wurde in eine Straße mit Vorgärten umgestaltet.
Im Jahr 1988 wurde die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt, um ihre historische und architektonische Bedeutung zu bewahren.
Seit 2008 begann die damalige beziehungsweise heutige Wohnungsbaugesellschaft mit der schrittweisen Privatisierung der Gebäude der Siedlung.[2]
Im Jahr 2015 war der Ulmenhof nahezu vollständig privatisiert. Zu diesem Zeitpunkt bestanden noch 74 Gebäude, wobei sich durch Privatisierungen und Zusammenlegungen die Zahl der einzelnen Wohnungen gegenüber dem ursprünglichen Bestand deutlich reduziert hatte.
Bewertung und Erhaltung
Der bauliche Zustand wurde 1979 insgesamt als verhältnismäßig gut bewertet. Der ursprüngliche Charakter der Siedlung sei – von einzelnen Veränderungen abgesehen – weitgehend erhalten geblieben.[15]
Als denkmalpflegerisches Ziel wurde insbesondere eine stärkere Wiederherstellung des ursprünglichen Raumcharakters genannt. Dazu gehörte auch die Idee, den ehemaligen Anger am Ulmenhof wieder stärker als zusammenhängende Freifläche erlebbar zu machen.[16]
Quellen
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 12–13.
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- ↑ Stadt Ahlen (Westf.): Inventarisationsblatt „Ulmenhof-Siedlung“, Obj.-Nr. 12, Erfassung 10.04.1979 (PDF).
- Historische Daten zur Zeche Westfalen und den dazugehörigen Siedlungen
- 75 Jahre Bauverein Glückauf
