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Hansastraße

Aus AhlenWiki
Hansastraße
51.757337.90898
Postleitzahl 59229
Ortsteil Innenstadt
Art der Straße Wohn- und Geschäftsstraße
Karte

Die Hansastraße ist eine Wohn- und Geschäftsstraße in der Ahlener „Kolonie“. Sie verläuft vom Hansaplatz bis zum Glückaufplatz und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer wichtigen Einkaufs- und Versorgungsstraße des Viertels.

Verlauf und Umgebung

Die Hansastraße verbindet den Hansaplatz mit dem Glückaufplatz und führt durch das dicht bebaute Wohngebiet der Kolonie.

Vor allem im Bereich der niedrigeren Hausnummern befanden sich über viele Jahrzehnte zahlreiche Geschäfte, Handwerksbetriebe, Gaststätten und Dienstleister.

Namensgebung

Die Straße erinnert an die frühere Zugehörigkeit der Stadt Ahlen zur Hanse, einer Vereinigung von Kaufleuten und Städten, die insbesondere im Mittelalter und in der frühen Neuzeit große wirtschaftliche Bedeutung besaß.

Geschichte

Die Hansastraße entstand offenbar im Zusammenhang mit der Entwicklung der Ahlener Kolonie, deren Ausbau eng mit der Entwicklung der Zeche Westfalen verbunden war.

Im Ahlener Adressbuch von 1913 ist eine Hansastraße noch nicht verzeichnet. Im Adressbuch von 1925 erscheint sie bereits unter ihrem heutigen Namen. Die Anlage beziehungsweise Benennung der Straße dürfte daher in den Jahren dazwischen erfolgt sein.

Auch in den Adressbüchern von 1928, 1938 und 1951 wird die Hansastraße unter diesem Namen geführt.

Eine Besonderheit stellt das Adressbuch von 1957 dar. Dort wird der entsprechende Häuserzug unter der Bezeichnung „Hansaplatz“ aufgeführt. Da Hausnummern und zahlreiche Bewohner mit den Einträgen der Hansastraße in anderen Jahrgängen übereinstimmen, handelt es sich offenbar um einen Fehler im Adressbuch und nicht um eine zeitweilige Umbenennung der Straße.

Bereits die Adressbücher der 1920er- und 1930er-Jahre zeigen zahlreiche Kaufleute und Handwerker an der Hansastraße. Da die damaligen Straßenverzeichnisse überwiegend Bewohner und deren Berufe aufführen, lässt sich daraus jedoch nicht immer ableiten, ob das jeweilige Gewerbe tatsächlich an dieser Adresse ausgeübt wurde.

Spätestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die Hansastraße eindeutig als Geschäftsstraße der Kolonie erkennbar. Entlang der Straße befanden sich unter anderem Lebensmittelgeschäfte, Metzgereien, Drogerien, Schuh- und Textilgeschäfte, Friseure, Gaststätten, Eisenwaren-, Schreibwaren- und Tabakgeschäfte sowie später Reisebüros, Post- und Lottoannahmestellen und ein Fotostudio.

Mehrere Geschäftsstandorte bestanden über Jahrzehnte. Besonders deutlich wird dies bei den Metzgereien sowie bei einzelnen Drogerie-, Textil- und Fotogeschäften.

Seit den 1990er-Jahren nahm die Zahl der klassischen Einzelhandelsgeschäfte zunehmend ab. Im Branchenverzeichnis von 2008/09 sind nur noch wenige gewerbliche Einrichtungen an der Hansastraße aufgeführt.

Handel und Gewerbe

Die folgende Übersicht zeigt bekannte gewerbliche und institutionelle Nutzungen der Gebäude an der Hansastraße anhand verschiedener Ahlener Adressbücher.

Bei den älteren Adressbüchern handelt es sich teilweise lediglich um Berufsangaben der Bewohner. Diese werden entsprechend gekennzeichnet und stellen für sich allein noch keinen sicheren Nachweis eines Geschäftsbetriebes an der jeweiligen Adresse dar.

Ohne Hausnummer

  • 1969: Heinrich Nölte – Spirituosen und Tabakwaren

Hansastraße 1

  • 1983/84: Gaststätte „Zum Herforder Eck“

Hansastraße 2

  • 1977: Bezirksseminar für das Lehramt an der Grund- und Hauptschule
  • 1983/84: Bezirksseminar für das Lehramt
  • 2002: Sparkasse Ahlen
  • 2008/09: Lern OASE Unterricht

Hansastraße 5

  • 1969: Lebensmittelgeschäft
  • 1983/84: Volksbank Ahlen eG

Hansastraße 6

  • 1983/84: Monika Rauch – Lebensmittel
  • 1983/84: Walter Vollmer oHG – Eisenwaren
  • 1988: Volksbank Ahlen eG
  • 1992: Volksbank Ahlen eG

Hansastraße 7

  • 1983/84: Lotto-Toto
  • 1988: Lotto-Toto
  • 1992: Lotto-Toto

Hansastraße 9

  • 1977: Papier- und Schreibwaren
  • 1983/84: Deutsche Bundespost
  • 1983/84: Video-Film-Boutique
  • 1988: Post-/Postbankdienst
  • 1992: Post-/Postbankdienst
  • 2002: Stadtteilbüro
  • 2008/09: Bircan Reisen

Hansastraße 10

  • 1983/84: Chemische Reinigung
  • 1988: Chemische Reinigung
  • 1992: Chemische Reinigung
  • 2002: Modetreff – Textilwaren
  • 2008/09: Modetreff

Hansastraße 11

  • 1925: Bewohner mit kaufmännischen Berufen
  • 1938: Bernhard Hellmann – Metzger (Berufsangabe)
  • 1951: Bernhard Hellmann – Metzger (Berufsangabe)
  • 1957: Bernhard Hellmann – Metzger (Berufsangabe)
  • 1977: Bernhard Hellmann – Metzgerei
  • 1983/84: Bernhard Hellmann – Metzgerei
  • 1988: Bernhard Hellmann – Metzgerei
  • 2002: Pörtzel Malerbetrieb
  • 2008/09: Pörtzel Malerbetrieb

Die Metzgerei Hellmann ist damit als Geschäft spätestens seit den 1970er-Jahren nachgewiesen. Bernhard Hellmann wird jedoch bereits in deutlich älteren Adressbüchern an dieser Adresse als Metzger geführt.

Hansastraße 13

  • 1951: Erich Abramczyk – Händler (Berufsangabe)
  • 1957: Erich Abramczyk – Händler (Berufsangabe)
  • 1977: Ewald Beulig – Friseur
  • 1983/84: Ewald Beulig – Friseur
  • 1988: Ewald Beulig – Friseur
  • 2002: Haarmode Flott & Chic

Hansastraße 15

  • 1925: Heinrich Niesmann – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1938: Gerhard Gerber – Friseur (Berufsangabe)
  • 1951: Gerhard Gertzen – Friseur (Berufsangabe)
  • 1969: Lebensmittelgeschäft
  • 1983/84: Gaststätte „Alte Schänke“
  • 1988: Gaststätte „Alte Schänke“
  • 1992: Gaststätte „Alte Schänke“

Hansastraße 16

  • 1925: Bernhard Leimann – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1928: Gerhard Gertzen – Friseur (Berufsangabe)
  • 1969: Gardinen
  • 1969: Schreib- und Tabakwaren
  • 1977: Hans Rogalla – Gardinen
  • 1977: Maria Starke – Schreib- und Tabakwaren
  • 1983/84: Handarbeiten
  • 2002: Lotto Mejaschek
  • 2002: Quelle-Agentur
  • 2008/09: Deutsche Post AG
  • 2008/09: Mejaschek Lotto Toto

Hansastraße 17

  • 1925: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1925: Theodor Tebbe – Friseur (Berufsangabe)
  • 1925: Wilhelm Niesmann – Friseur (Berufsangabe)
  • 1928: Johann Rubbert – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Theodor Tebbe – Friseur (Berufsangabe)
  • 1938: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1951: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1957: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1977: Johannes Rubbert – Metzgerei
  • 1988: Crabus – Metzgerei
  • 1992: Crabus – Metzgerei
  • 2002: Crabus – Fleisch- und Wurstwaren
  • 2008/09: Crabus – Fleisch- und Wurstwaren

Die Adresse weist damit über einen langen Zeitraum einen Bezug zum Fleischerhandwerk auf.

Hansastraße 18

  • 1925: Heinrich Lentrup – Malermeister (Berufsangabe)
  • 1925: Mathias Runke – Schuhmachermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Heinrich Lentrup – Malermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Mathias Runte – Schuhmachermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Albert Ochsenfeld – Schuhmacher (Berufsangabe)
  • 1938: Mathias Runke – Schuhmacher (Berufsangabe)
  • 1938: Theodor Zelte – Friseur (Berufsangabe)
  • 1977: Edmund Herrmann – Tapeten und Teppichboden
  • 1983/84: Maler-/Lackiererbetrieb
  • 2002: City-Reisebüro

Hansastraße 19

  • 1925: Johann Maller – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Johann Maller – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1938: Johann Mahler – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1938: Friedrich Reiffersberger – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1951: Friedrich Reiffersberger – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1957: Friedrich Reiffersberger – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1969: Metzgerei Reiffersberger
  • 1977: H. L. Reiffersberger – Fleischerei
  • 1983/84: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 1988: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 1992: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 1996: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 2002: H. L. Reiffersberger – Metzgerei

Die Hansastraße 19 weist damit eine besonders lange Tradition des Fleischerhandwerks auf. Bereits 1925 ist dort ein Metzgermeister verzeichnet. Friedrich Reiffersberger erscheint spätestens 1938 an dieser Adresse als Metzgermeister. Die Metzgerei Reiffersberger ist anschließend bis mindestens 2002 nachweisbar.

Hansastraße 20

  • 1925: Johann Brinker – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1928: Johann Brinker – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1938: Erich Timmering – Drogist (Berufsangabe)
  • 1969: Hagemann – Drogerie
  • 1977: Drogerie / Feinkost
  • 1983/84: Heinz Hagemann – Drogerie
  • 1988: Else Hinsel – Drogerie

Die Adresse entwickelte sich spätestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem langjährigen Drogeriestandort. Bereits 1938 wohnte hier mit Erich Timmering ein Drogist; ob er sein Geschäft ebenfalls an dieser Adresse betrieb, ist bislang nicht nachgewiesen.

Hansastraße 21 / 21e

  • 1925: Rudolf Lindermann – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1969: Stockhausen – Drogerie
  • 1977: Erich Stockhausen – Foto-Drogerie
  • 1983/84: Erich Stockhausen – Foto
  • 1988: Stockhausen – Foto-Drogerie

Die späteren Adressbücher dokumentieren hier über mehrere Jahre ein Foto- beziehungsweise Drogeriegeschäft der Familie Stockhausen.

Hansastraße 23

  • 1969: Kötter – Schuhhaus
  • 1977: Kötter – Schuhe
  • 1983/84: Kötter Theodor KG – Schuhwaren
  • 1988: Werner Hartkamp – Jeans
  • 1992: Verein für türkisch-deutsche Freundschaft
  • 2002: Verein für türkisch-deutsche Freundschaft e. V.

Damit wechselte die Nutzung des Gebäudes von einem langjährigen Schuhgeschäft später zu anderen gewerblichen beziehungsweise gesellschaftlichen Nutzungen.

Hansastraße 27

  • 1928: Anton Kerkloh – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1969: Anton Kerkloh – Textilkaufhaus
  • 1977: Anton Kerkloh – Textilien
  • 1983/84: Anton Kerkloh – Textilwaren
  • 1992: Dieter Stockhausen – Foto
  • 1996: Dieter Stockhausen – Foto
  • 1999/2000: Dieter Stockhausen – Foto
  • 2002: Dieter Stockhausen – Fotostudio

Anton Kerkloh ist bereits 1928 als Kaufmann unter der späteren Geschäftsadresse nachweisbar. Ob er zu diesem Zeitpunkt bereits einen Textilhandel betrieb, ist bislang nicht belegt.

Später wechselte das Gebäude vom Textilhandel zum Fotogewerbe. Dieter Stockhausen betrieb hier spätestens ab den 1990er-Jahren ein Fotogeschäft beziehungsweise Fotostudio. Im Branchenverzeichnis von 2008/09 ist der Betrieb nicht mehr aufgeführt.

Wandel der Geschäftsstraße

Die Entwicklung der Hansastraße spiegelt den Wandel der örtlichen Nahversorgung wider.

In der Mitte und zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnten die Bewohner der Kolonie einen großen Teil ihres täglichen Bedarfs unmittelbar im Viertel decken. Metzgereien, Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Schuh- und Textilgeschäfte, Friseure sowie weitere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe lagen dicht beieinander.

Besonders auffällig ist die teilweise jahrzehntelange Kontinuität einzelner Standorte. An der Hansastraße 19 lässt sich das Fleischerhandwerk beispielsweise bereits seit den 1920er-Jahren verfolgen; die Metzgerei Reiffersberger bestand dort noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Auch die Standorte der Familien Kerkloh und Stockhausen waren über lange Zeit mit dem Einzelhandel verbunden.

Im Laufe der 1990er- und 2000er-Jahre verschwanden zahlreiche traditionelle Einzelhandelsgeschäfte. Im Branchenverzeichnis von 2008/09 sind an der Hansastraße nur noch wenige Gewerbebetriebe und Einrichtungen aufgeführt.

Besonderheiten

Die Hansastraße ist damit ein Beispiel für die Entwicklung der Ahlener Kolonie von einem durch den Bergbau geprägten Wohnviertel zu einem Stadtteil mit eigener umfangreicher Nahversorgung und für den späteren Rückgang des klassischen, kleinteiligen Einzelhandels.

Entwicklung der Geschäftsstraße

Die Adressbucheinträge zeigen eine deutliche Veränderung der Hansastraße. In den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren bot die Straße ein breites Spektrum an Geschäften für den täglichen Bedarf. Viele Einkäufe konnten innerhalb der Kolonie erledigt werden.

Zu den besonders langlebigen Geschäftsstandorten gehörten die Metzgerei Reiffersberger an der Hansastraße 19 sowie verschiedene Foto- und Drogeriegeschäfte der Familie Stockhausen. Auch Schuh-, Textil- und Lebensmittelgeschäfte waren über längere Zeiträume vertreten.

Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts nahm die Zahl der klassischen Einzelhandelsgeschäfte deutlich ab. Im Branchenverzeichnis von 2008/09 werden nur noch wenige gewerbliche Einrichtungen an der Hansastraße genannt.

Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten

Die frühere Konzentration unterschiedlichster Geschäfte macht die Hansastraße zu einem wichtigen Beispiel für die Entwicklung der Ahlener Kolonie. Ihre Geschäftsgeschichte dokumentiert zugleich den Wandel der örtlichen Nahversorgung im Verlauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.