Zum Inhalt springen

Hansastraße

Aus AhlenWiki
Hansastraße
51.757337.90898
Postleitzahl 59229
Ortsteil Innenstadt
Art der Straße Wohn- und Geschäftsstraße
Karte

Die Hansastraße ist eine Wohn- und Geschäftsstraße in der Ahlener „Kolonie“. Sie verläuft vom Hansaplatz bis zum Glückaufplatz und entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zur wichtigsten Einkaufs- und Versorgungsstraße des Viertels.

Verlauf und Umgebung

Die Hansastraße verbindet den Hansaplatz mit dem Glückaufplatz und führt durch das dicht bebaute Wohngebiet der Kolonie.

Vor allem im Bereich der niedrigeren Hausnummern befanden sich über viele Jahrzehnte zahlreiche Geschäfte, Handwerksbetriebe, Gaststätten und Dienstleister. Viele Dinge des täglichen Bedarfs konnten dadurch unmittelbar im Viertel eingekauft werden.

Namensgebung

Die heutige Hansastraße trug zunächst die Bezeichnung Coloniestrasse. In späteren Veröffentlichungen findet sich dafür auch die modernisierte Schreibweise „Koloniestraße“.

Nach dem Buch Jenseits der Bahn wurde die Straße etwa seit 1925 Hansastraße genannt.

Der heutige Straßenname erinnert an die frühere Zugehörigkeit der Stadt Ahlen zur Hanse, einer Vereinigung von Kaufleuten und Städten, die insbesondere im Mittelalter und in der frühen Neuzeit große wirtschaftliche Bedeutung besaß.

Geschichte

Entstehung der Kolonie

Am 16. Januar 1911 genehmigte die Stadtverordnetenversammlung einen Vertrag zwischen der Stadt Ahlen und der Gewerkschaft Westfalen über die Anlage einer Kolonie für die Beschäftigten der Zeche Westfalen.

Mitte Oktober 1911 wurde mit dem Bau begonnen. Ausgangspunkt der Bautätigkeit war der Bereich der heutigen Hansastraße.

Die heutige Hansastraße war die erste Straße der entstehenden Kolonie und trug zunächst die Bezeichnung Coloniestrasse. Die heutige Keplerstraße entstand als weitere frühe Straße der Kolonie und trug ursprünglich die Bezeichnung Bergmannstrasse.

Etwa seit 1925 wurde die Coloniestrasse als Hansastraße bezeichnet. In den Adressbüchern von 1925, 1928, 1938 und 1951 wird sie bereits unter diesem Namen geführt.

Eine Besonderheit stellt das Adressbuch von 1957 dar. Dort wird der entsprechende Häuserzug unter der Bezeichnung „Hansaplatz“ aufgeführt. Da Hausnummern und zahlreiche Bewohner mit den Einträgen der Hansastraße in anderen Jahrgängen übereinstimmen, handelt es sich offenbar um einen Fehler im Adressbuch und nicht um eine zeitweilige Umbenennung der Straße.

Entwicklung zur Geschäftsstraße

Mit dem Wachstum der Kolonie entwickelte sich die Hansastraße nach und nach zur Geschäftsstraße des Viertels. Insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg wurde die zunehmende Einwohnerzahl auch für Einzelhändler interessant.

Abseits der Hansastraße bestanden innerhalb der Kolonie zunächst nur wenige Einkaufsmöglichkeiten. Entsprechend groß war ihre Bedeutung für die Versorgung der Bewohner.

Die Händler passten sich dabei an die Lebens- und Arbeitsbedingungen der überwiegend vom Bergbau lebenden Bevölkerung an. Überliefert ist beispielsweise das damals verbreitete „Anschreiben lassen“. Einkäufe wurden zunächst notiert und später, häufig am Lohntag, ganz oder teilweise bezahlt.

Bereits in den 1920er-Jahren bestanden entlang der Straße Metzgereien, Lebensmittelgeschäfte, Friseure, ein Stoff- und Bekleidungsgeschäft und weitere kleinere Läden. Im Laufe der Jahrzehnte kamen unter anderem Drogerien, Schuhgeschäfte, Gaststätten, Eisenwaren-, Schreibwaren- und Tabakgeschäfte sowie später Foto-, Reise-, Post- und Lottoangebote hinzu.

Mehrere dieser Betriebe bestanden über Jahrzehnte und blieben dadurch fest im Gedächtnis vieler Bewohner der Kolonie.

Archäologische Funde

Bei der Ausschachtung eines Neubaus der Familie Maller an der Hansastraße kamen Ende der 1920er-Jahre archäologische Funde zutage.

Das Heimatbuch von 1929 berichtet unter anderem von Feuersteinen, Menschenknochen und Urnenresten. An den Gefäßen sollen teilweise einfache Verzierungen in Form von Fingerabdrücken sowie schwarze Randstreifen erhalten gewesen sein. Der damalige Bericht ordnete die Funde der frühen christlichen Zeit oder einem noch älteren Zeitabschnitt zu.

Der genaue Fundort wird in dieser Quelle lediglich mit „Neubau Maller, Hansastraße“ angegeben.

Zweiter Weltkrieg

In der Nacht zum 20. Juni 1940 wurde die Kolonie bei einem Luftangriff von Spreng- und Brandbomben getroffen.

Dabei geriet unter anderem die Bäckerei Helm an der Hansastraße in Brand. Auch ein gegenüberliegendes Wohnhaus wurde getroffen.

Handel und Gewerbe

Die folgende Übersicht zeigt bekannte gewerbliche und institutionelle Nutzungen der Gebäude an der Hansastraße anhand verschiedener Ahlener Adressbücher und weiterer historischer Quellen.

Bei den älteren Adressbüchern handelt es sich teilweise lediglich um Berufsangaben der Bewohner. Diese werden entsprechend gekennzeichnet und stellen für sich allein noch keinen sicheren Nachweis eines Geschäftsbetriebes an dieser Adresse dar.

Ohne Hausnummer

  • 1969: Heinrich Nölte – Spirituosen und Tabakwaren

Der Name Nölte wird auch in Erinnerungen ehemaliger Bewohner genannt. Zeitzeugen erinnern einen kleinen Kiosk Nölte im Bereich der Hansastraße. Ob dieser mit dem Adressbucheintrag von Heinrich Nölte identisch ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Hansastraße 1

  • 1983/84: Gaststätte „Zum Herforder Eck“

Hansastraße 2

  • 1977: Bezirksseminar für das Lehramt an der Grund- und Hauptschule
  • 1983/84: Bezirksseminar für das Lehramt
  • 2002: Sparkasse Ahlen
  • 2008/09: Lern OASE Unterricht

Hansastraße 5

  • 1969: Lebensmittelgeschäft
  • 1983/84: Volksbank Ahlen eG

Für den Bereich Hansastraße 5–7 wird aus Zeitzeugenberichten außerdem ein Coop-Markt Anfang der 1980er-Jahre erinnert. Die genaue zeitliche Abfolge der Nutzungen muss noch geklärt werden.

Hansastraße 6

  • 1983/84: Monika Rauch – Lebensmittel
  • 1983/84: Walter Vollmer oHG – Eisenwaren
  • 1988: Volksbank Ahlen eG
  • 1992: Volksbank Ahlen eG

Zur Eisenwarenhandlung Vollmer wird erinnert, dass bereits in den 1950er-Jahren in der Nähe ein Lagerplatz für Baustahl bestand. Dieser soll zum gegenüberliegenden Eisenwarengeschäft gehört haben.

Hansastraße 7

  • 1983/84: Lotto-Toto
  • 1988: Lotto-Toto
  • 1992: Lotto-Toto

Hansastraße 9

  • 1977: Papier- und Schreibwaren
  • 1983/84: Deutsche Bundespost
  • 1983/84: Video-Film-Boutique
  • 1988: Post-/Postbankdienst
  • 1992: Post-/Postbankdienst
  • 2002: Stadtteilbüro
  • 2008/09: Bircan Reisen

Auch Zeitzeugen erinnern in diesem Bereich eine Postfiliale und später eine Videothek.

Hansastraße 10

  • 1983/84: Chemische Reinigung
  • 1988: Chemische Reinigung
  • 1992: Chemische Reinigung
  • 2002: Modetreff – Textilwaren
  • 2008/09: Modetreff

Aus Erinnerungen ist außerdem für einen nicht näher bestimmten Zeitraum ein Schuhgeschäft an dieser Adresse überliefert.

Hansastraße 11

  • 1938: Bernhard Hellmann – Metzger (Berufsangabe)
  • 1951: Bernhard Hellmann – Metzger (Berufsangabe)
  • 1957: Bernhard Hellmann – Metzger (Berufsangabe)
  • 1977: Bernhard Hellmann – Metzgerei
  • 1983/84: Bernhard Hellmann – Metzgerei
  • 1988: Bernhard Hellmann – Metzgerei
  • 2002: Pörtzel Malerbetrieb
  • 2008/09: Pörtzel Malerbetrieb

Bernhard Hellmann wird bereits in älteren Adressbüchern an dieser Adresse als Metzger geführt. Später ist die Metzgerei Hellmann eindeutig als Geschäft nachgewiesen.

Auch in den Erinnerungen ehemaliger Bewohner gehört Hellmann zu den bekannten Metzgereien der Hansastraße.

Der spätere Malerbetrieb Pörtzel wird ebenfalls von mehreren Zeitzeugen ausdrücklich erinnert.

Hansastraße 13

  • 1951: Erich Abramczyk – Händler (Berufsangabe)
  • 1957: Erich Abramczyk – Händler (Berufsangabe)
  • 1977: Ewald Beulig – Friseur
  • 1983/84: Ewald Beulig – Friseur
  • 1988: Ewald Beulig – Friseur
  • 2002: Haarmode Flott & Chic

Während die älteren Adressbücher Erich Abramczyk lediglich als Händler bezeichnen, erinnern mehrere Zeitzeugen an ein Obst- und Gemüsegeschäft Abramczyk.

Auch der Friseursalon Beulig blieb vielen Bewohnern in Erinnerung.

Hansastraße 15

  • 1925: Heinrich Niesmann – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1938: Gerhard Gerber – Friseur (Berufsangabe)
  • 1951: Gerhard Gertzen – Friseur (Berufsangabe)
  • 1969: Lebensmittelgeschäft
  • 1983/84: Gaststätte „Alte Schänke“
  • 1988: Gaststätte „Alte Schänke“
  • 1992: Gaststätte „Alte Schänke“

Hansastraße 16

  • 1925: Bernhard Leimann – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1928: Gerhard Gertzen – Friseur (Berufsangabe)
  • 1969: Gardinen
  • 1969: Schreib- und Tabakwaren
  • 1977: Hans Rogalla – Gardinen
  • 1977: Maria Starke – Schreib- und Tabakwaren
  • 1983/84: Handarbeiten
  • 2002: Lotto Mejaschek
  • 2002: Quelle-Agentur
  • 2008/09: Deutsche Post AG
  • 2008/09: Mejaschek Lotto Toto

Das Gardinengeschäft Rogalla ist nicht nur durch die Adressbücher belegt, sondern wird auch von ehemaligen Bewohnern ausdrücklich erinnert.

Hansastraße 17

  • 1925: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1925: Theodor Tebbe – Friseur (Berufsangabe)
  • 1925: Wilhelm Niesmann – Friseur (Berufsangabe)
  • 1928: Johann Rubbert – Metzgerei
  • 1928: Theodor Tebbe – Friseur (Berufsangabe)
  • 1938: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1951: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1957: Johann Rubbert – Metzger (Berufsangabe)
  • 1977: Johannes Rubbert – Metzgerei
  • 1988: Crabus – Metzgerei
  • 1992: Crabus – Metzgerei
  • 2002: Crabus – Fleisch- und Wurstwaren
  • 2008/09: Crabus – Fleisch- und Wurstwaren

Johann Rubbert betrieb hier bereits Ende der 1920er-Jahre eine Metzgerei und trat damit in unmittelbare Konkurrenz zu der benachbarten Metzgerei Maller.

Eine historische Aufnahme zeigt den Hinterhof des Betriebes in den 1930er-Jahren. Auch eine zeitgenössische Geschäftsanzeige nennt Johann Rubbert mit einer Rind- und Schweinemetzgerei an der Hansastraße 17.

Die Adresse weist damit über einen außergewöhnlich langen Zeitraum einen Bezug zum Fleischerhandwerk auf. Auch Rubbert und Crabus gehören zu den Betrieben, an die sich zahlreiche ehemalige Bewohner der Kolonie erinnern.

Hansastraße 18

  • 1925: Heinrich Lentrup – Malermeister (Berufsangabe)
  • 1925: Mathias Runke – Schuhmachermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Heinrich Lentrup – Malermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Mathias Runte – Schuhmachermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Albert Ochsenfeld – Schuhmacher (Berufsangabe)
  • 1938: Mathias Runke – Schuhmacher (Berufsangabe)
  • 1938: Theodor Zelte – Friseur (Berufsangabe)
  • 1977: Edmund Herrmann – Tapeten und Teppichboden
  • 1983/84: Maler-/Lackiererbetrieb
  • 2002: City-Reisebüro

Hansastraße 19

  • 1925: Johann Maller – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1928: Johann Maller – Metzgerei
  • 1938: Johann Mahler – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1938: Friedrich Reiffersberger – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1951: Friedrich Reiffersberger – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1957: Friedrich Reiffersberger – Metzgermeister (Berufsangabe)
  • 1969: Metzgerei Reiffersberger
  • 1977: H. L. Reiffersberger – Fleischerei
  • 1983/84: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 1988: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 1992: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 1996: H. L. Reiffersberger – Metzgerei
  • 2002: H. L. Reiffersberger – Metzgerei

Bereits Ende der 1920er-Jahre befand sich an diesem Standort die Metzgerei Maller. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1928 zeigt das Haus des ersten Metzgermeisters der Kolonie an der Ecke zur Wichernstraße.

Später übernahm Reiffersberger den Standort. Friedrich Reiffersberger erscheint spätestens 1938 an dieser Adresse als Metzgermeister. Die Metzgerei Reiffersberger ist anschließend bis mindestens 2002 nachweisbar.

Damit gehört die Hansastraße 19 zu den am längsten nachweisbaren Standorten des Fleischerhandwerks in der Kolonie.

Bei der Ausschachtung eines Neubaus der Familie Maller an der Hansastraße wurden Ende der 1920er-Jahre zudem archäologische Funde entdeckt. Ob der im Heimatbuch von 1929 erwähnte Neubau eindeutig mit dem Grundstück Hansastraße 19 identisch ist, geht aus dieser Quelle allein jedoch nicht hervor.

Hansastraße 20

  • 1925: Johann Brinker – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1928: Johann Brinker – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1938: Erich Timmering – Drogist (Berufsangabe)
  • 1969: Hagemann – Drogerie
  • 1977: Drogerie / Feinkost
  • 1983/84: Heinz Hagemann – Drogerie
  • 1988: Else Hinsel – Drogerie

Die Adresse entwickelte sich spätestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem langjährigen Drogeriestandort. Bereits 1938 wohnte hier mit Erich Timmering ein Drogist; ob er sein Geschäft ebenfalls an dieser Adresse betrieb, ist bislang nicht nachgewiesen.

Drogerie Hagemann und später auch Hinsel werden zusätzlich von Zeitzeugen erinnert. Für die Räume der Drogerie wird außerdem eine spätere Nutzung als Videothek überliefert.

Hansastraße 21 / 21e

  • 1925: Rudolf Lindermann – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1969: Stockhausen – Drogerie
  • 1977: Erich Stockhausen – Foto-Drogerie
  • 1983/84: Erich Stockhausen – Foto
  • 1988: Stockhausen – Foto-Drogerie

Das Foto- und Drogeriegeschäft Stockhausen gehörte über viele Jahre zum vertrauten Straßenbild. Auch Zeitzeugen erinnern ausdrücklich die Verbindung von Fotogeschäft und Drogerie.

Später wechselte das Fotogeschäft auf die andere Straßenseite zur Hansastraße 27.

Hansastraße 23

  • 1969: Erna Kemper – Fahrzeuge
  • 1969: Kötter – Schuhhaus
  • 1977: Erna Kemper – Fahrzeuge und Spielwaren
  • 1977: Kötter – Schuhe
  • 1983/84: Kötter Theodor KG – Schuhwaren
  • 1988: Werner Hartkamp – Jeans
  • 1992: Verein für türkisch-deutsche Freundschaft
  • 2002: Verein für türkisch-deutsche Freundschaft e. V.

Das Geschäft Kemper ist vielen ehemaligen Bewohnern besonders als Spielwarengeschäft in Erinnerung geblieben. Umgangssprachlich wurde es offenbar häufig mit der Inhaberin als „Omma Kemper“ verbunden.

Zeitzeugen erinnern außerdem Fahrräder und eine Werkstatt im Hinterhof. Später soll das Geschäft von Lilli und Hubert Hartings geführt worden sein.

Auch das Schuhhaus Kötter gehörte über Jahrzehnte zu den bekannten Geschäften der Hansastraße. Eine Zeitzeugin erinnert sich beispielsweise daran, dort 1970 ihre Kommunionschuhe gekauft zu haben.

Hansastraße 27

  • 1928: Anton Kerkloh – Kaufmann (Berufsangabe)
  • 1929: Kerkloh – Stoff- und Kleidergeschäft
  • 1969: Anton Kerkloh – Textilkaufhaus
  • 1977: Anton Kerkloh – Textilien
  • 1983/84: Anton Kerkloh – Textilwaren
  • 1992: Dieter Stockhausen – Foto
  • 1996: Dieter Stockhausen – Foto
  • 1999/2000: Dieter Stockhausen – Foto
  • 2002: Dieter Stockhausen – Fotostudio

Das Geschäft Kerkloh ist bereits für die 1920er-Jahre eindeutig als Stoff- und Kleidergeschäft belegt. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1929 zeigt das Innere des Ladens während einer Karnevalsfeier und zugleich einen Teil der damaligen Ladeneinrichtung.

Eine historische Geschäftsanzeige für das Kaufhaus Kerkloh nennt unter anderem Manufakturwaren, Berufskleidung und Betten.

Das Geschäft wird von zahlreichen Zeitzeugen als Modehaus Kerkloh erinnert und gehörte über Jahrzehnte zu den bekannten Einzelhandelsgeschäften der Hansastraße.

Später wechselte das Gebäude vom Textilhandel zum Fotogewerbe. Dieter Stockhausen betrieb hier spätestens ab den 1990er-Jahren ein Fotogeschäft beziehungsweise Fotostudio. Im Branchenverzeichnis von 2008/09 ist der Betrieb nicht mehr aufgeführt.

Weitere belegte Betriebe ohne gesicherte Hausnummer

Bäckerei Helm

Die Bäckerei Helm gehörte bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Geschäften im Bereich der Hansastraße.

Für das Jahr 1920 ist Bäcker Helm bereits im Zusammenhang mit dem Bau eines Bürgersteiges von der Hansastraße bis zur Kinderbewahrschule an der Schachtstraße erwähnt.

In der Nacht zum 20. Juni 1940 geriet die Bäckerei bei einem Luftangriff in Brand.

Auch Jahrzehnte später war der Name Helm noch fest mit der Hansastraße verbunden. Ehemalige Bewohner erinnern sich unter anderem an Weihnachtstorten und Karnevalsberliner aus der Bäckerei.

Erinnerungen von Zeitzeugen

Bei der Überarbeitung der Hansastraßen-Seite wurden zahlreiche ehemalige und heutige Bewohner nach ihren Erinnerungen an die Geschäftsstraße gefragt.

Viele Angaben decken sich mit den ausgewerteten Adressbüchern und weiteren historischen Quellen und ermöglichen dadurch einen zusätzlichen Einblick in den Alltag der Kolonie.

Dabei wird deutlich, dass die Geschäfte nicht nur der Versorgung dienten, sondern feste Bezugspunkte des Viertels waren. So wird das Spielwarengeschäft Kemper noch heute als „Omma Kemper“ erinnert. Vom Schuhhaus Kötter berichten ehemalige Kunden vom Kauf ihrer Kommunionschuhe. Bei Bäcker Helm erinnern sich ehemalige Bewohner an Weihnachtstorten und Karnevalsberliner.

Eine ehemalige Bewohnerin fasste die damalige Situation mit den Worten zusammen, dass es in der Kolonie alles gegeben habe, was man zum Leben brauchte.

Noch nicht schriftlich bestätigte Geschäfte und Einrichtungen

Neben den durch Adressbücher und andere historische Quellen belegten Betrieben wurden zahlreiche weitere Geschäfte und Einrichtungen aus der Erinnerung genannt.

Für diese fehlen bislang eindeutige schriftliche Belege beziehungsweise eine genaue zeitliche oder räumliche Zuordnung.

Mehrfach und unabhängig voneinander wurde insbesondere ein Geschäft Lücke genannt. Nach den übereinstimmenden Erinnerungen betrieb Werner Lücke an der Ecke Hansastraße/Wichernstraße ein Schreibwarengeschäft, in dem auch Briefmarken und Münzen verkauft wurden.

Einige ehemalige Kunden erinnern sich außerdem an Sammelbilder beziehungsweise sogenannte „Rosenbilder“. Ein entsprechender Eintrag konnte in den bislang ausgewerteten Adressbüchern noch nicht gefunden werden.

Weitere bislang nicht oder nicht vollständig schriftlich belegte Erinnerungen betreffen unter anderem:

  • Staric / „Pelikan“ – Schreibwaren und Schulbedarf; erinnert werden Schulbücher, Füllhalter und ein umfangreiches Sortiment
  • Papeterie Lässig
  • Bäckerei Zimmermeier
  • Bäckerei Schwöfer
  • Metzgerei Becker
  • Metzgerei Gummersbach
  • Gemischtwaren Otto Mess
  • Pohlkötter – Möbelgeschäft
  • Imkamp – Anstreicher
  • Hansaeck – Gaststätte beziehungsweise Kneipe
  • Wickühler – Gaststätte beziehungsweise Kneipe
  • Grotta Azzura – Pizzeria
  • Penny Preis
  • Gonca Moden
  • Dies & Das
  • Brautmodengeschäft
  • Blumengeschäft
  • Spielothek
  • Änderungsschneiderei beziehungsweise Wäscherei
  • Handarbeitsgeschäft beziehungsweise -bereich von Ilona und Helmut Köhler
  • Imbiss/Pommesbude im Bereich des späteren Kreisverkehrs
  • Kiosk Nölte
  • verschiedene spätere Nutzungen durch Coop, Konsum, Rewe und Schlecker

Diese Angaben beruhen auf persönlichen Erinnerungen und werden im AhlenWiki zunächst als Hinweise dokumentiert. Sie sollen nach Möglichkeit noch mit Adressbüchern, Fotografien, Anzeigen oder weiteren zeitgenössischen Quellen abgeglichen werden.

Wandel und Bedeutung

Die Entwicklung der Hansastraße spiegelt den Wandel der örtlichen Nahversorgung in der Kolonie wider.

Über viele Jahrzehnte lagen hier auf vergleichsweise engem Raum Lebensmittelgeschäfte, Metzgereien, Drogerien, Schuh- und Textilgeschäfte, Friseure, Gaststätten und zahlreiche weitere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.

Bemerkenswert ist die lange Kontinuität einzelner Standorte. Das Fleischerhandwerk lässt sich beispielsweise an mehreren benachbarten Häusern bereits seit den 1920er-Jahren nachweisen. Auch Kerkloh, Hellmann, Stockhausen und andere Geschäfte waren über lange Zeit mit der Straße verbunden.

Im Laufe der 1990er- und 2000er-Jahre verschwanden zahlreiche traditionelle Einzelhandelsgeschäfte. Damit verlor die Hansastraße zunehmend die Funktion einer kleinteiligen Versorgungs- und Einkaufsstraße, die sie für mehrere Generationen von Bewohnern der Kolonie gehabt hatte.