Ahlen - Eine Stadt im Umbruch

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Ahlen - eine Stadt im Umbruch ist eine 1994 erschienene Broschüre von Alois Mayr über die Stadtentwicklung Ahlens unter dem Einfluss von Industrie, Bergbau und wirtschaftlichem Strukturwandel.

Die Veröffentlichung erschien anlässlich des Kreisheimattages am 3. September 1994 in Ahlen. Herausgeber war die Stadt Ahlen – Der Stadtdirektor. Die Broschüre trägt den Untertitel Stadtentwicklung unter dem Einfluß der Industrie und aktuelle Probleme des wirtschaftlichen Strukturwandels.

Hintergrund

Der Text geht auf einen öffentlichen Vortrag zurück, den Alois Mayr beim Kreisheimattag 1994 in der Stadthalle Ahlen hielt. Der Kreisheimattag fand in diesem Jahr in Ahlen statt, unter anderem aus Anlass des 75-jährigen Jubiläums des SGV-Heimatvereins Ahlen und des 20-jährigen Bestehens des Heimat-Förderkreises für Westfälische Tradition Ahlen.

Mayr stellte die Entwicklung Ahlens nicht als reine Jubiläumsrückschau dar, sondern als kritische Bestandsaufnahme. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Industrie, Bergbau, Bevölkerungswachstum, Stadtplanung und wirtschaftlicher Wandel das Gesicht Ahlens verändert haben.

Inhalt

Die Broschüre gliedert die Ahlener Stadtentwicklung in mehrere Phasen. Sie beginnt mit einer Betrachtung des Selbst- und Fremdbildes der Stadt und einem historischen Abriss. Anschließend beschreibt Mayr die wirtschafts- und sozialstrukturelle Entwicklung Ahlens von der Ackerbürgerstadt bis zur industriell geprägten Mittelstadt.

Behandelt werden unter anderem:

  • Ahlen als alte westfälische Stadt mit mittelalterlichen Wurzeln
  • die Entwicklung zur Ackerbürgerstadt
  • der Bau der Köln-Mindener Eisenbahn als Vorbote der Industrialisierung
  • der Strontianitbergbau
  • die Entstehung der Stanz- und Emailleindustrie in Ahlen
  • die Bedeutung der Firma Kerkmann als Mutterwerk der Ahlener Industrie
  • die Entwicklung des Steinkohlenbergbaus und der Zeche Westfalen
  • die Entstehung von Bergarbeitersiedlungen und neuen Stadtteilen
  • die Nachkriegsentwicklung mit Flüchtlingen, Heimatvertriebenen und ausländischen Arbeitnehmern
  • die kommunale Neugliederung
  • der wirtschaftliche Strukturwandel seit etwa 1975
  • Gewerbegebiete, Stadtplanung, Verkehr und Innenstadtentwicklung
  • Ahlen als Mittelzentrum

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Die Broschüre ist eine wichtige zusammenfassende Quelle zur neueren Stadtgeschichte Ahlens. Sie verbindet historische, wirtschaftsgeographische und stadtplanerische Aspekte und zeigt Ahlen als Stadt, deren Entwicklung stark von Industrie und Bergbau geprägt wurde.

Besonders wertvoll ist die Veröffentlichung, weil sie die Umbruchphase der frühen 1990er Jahre aus zeitgenössischer Perspektive dokumentiert. Zu dieser Zeit stand die Zukunft des Bergwerks Westfalen bereits zur Diskussion. Mayr beschreibt daher nicht nur die Vergangenheit der Industrie- und Bergbaustadt, sondern auch die damaligen Herausforderungen durch Strukturwandel, Arbeitsplatzverluste und neue Wirtschaftsförderung.

Themen der Broschüre

Aus der Broschüre lassen sich mehrere zentrale Themen für die Ahlener Stadtgeschichte ableiten:

Selbstbild und Fremdbild Ahlens

Mayr beschreibt, wie Ahlen sich selbst in verschiedenen Zeiten darstellte. In den 1950er Jahren wurde die Stadt unter anderem als „aufstrebende Industriestadt im Grünen“ bezeichnet. In den 1990er Jahren trat stärker der Begriff einer „Stadt im Aufbruch“ hervor. Zugleich verweist Mayr darauf, dass Ahlen von außen häufig nüchterner als Industrie- und Bergbaustadt wahrgenommen wurde.

Stadtgeschichtlicher Rang

Obwohl das heutige Stadtbild nur wenige mittelalterliche Bauwerke bewahrt hat, gehört Ahlen zu den älteren Städten Westfalens. Mayr verweist auf die urkundliche Nennung von 1224 und auf die Bedeutung der Stadt im Hochmittelalter. Zugleich erklärt er, warum viele historische Bauwerke verschwunden sind, etwa durch Stadtbrände, Abbrüche und spätere Umgestaltungen.

Industrialisierung

Ein Schwerpunkt liegt auf der Industrialisierung. Mayr nennt das Jahr 1863, in dem die Brüder Johann und Heinrich Kerkmann eine Blechschmiede und Verzinnerei eröffneten, als eigentliches Geburtsjahr der Ahlener Industrialisierung. Daraus entwickelte sich die Stanz- und Emailleindustrie, die Ahlen überregional bekannt machte.

Bergbau

Die Broschüre behandelt sowohl den kurzlebigen Strontianitbergbau des späten 19. Jahrhunderts als auch den Steinkohlenbergbau des 20. Jahrhunderts. Besonders die Zeche Westfalen wird als prägender Faktor für Bevölkerungswachstum, Stadtgrundriss, Zuwanderung und soziale Struktur beschrieben.

Strukturwandel

Für die Zeit seit etwa 1975 beschreibt Mayr einen tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Klassische Industriezweige verloren an Bedeutung, während neue Gewerbegebiete, Dienstleistungsbereiche und wirtschaftspolitische Förderprogramme wichtiger wurden. Die drohende Schließung der Zeche Westfalen bildete dabei einen zentralen Einschnitt.

Aufbau

Die Broschüre umfasst folgende Hauptkapitel:

  1. Vorbemerkungen und Zielsetzung
  2. Phasen der wirtschafts- und sozialstrukturellen Entwicklung der Stadt Ahlen
  3. Industriebedingte Impulse der Stadtentwicklung
  4. Der wirtschaftliche Strukturwandel seit 1975 im Kontext anderer Entwicklungen
  5. Zusammenfassung
  6. Literatur

Bibliographische Angaben

  • Alois Mayr: Ahlen - eine Stadt im Umbruch. Stadtentwicklung unter dem Einfluß der Industrie und aktuelle Probleme des wirtschaftlichen Strukturwandels. Herausgegeben von der Stadt Ahlen – Der Stadtdirektor, Ahlen 1994.

Einordnung

Die Broschüre steht in einer Reihe wissenschaftlicher und heimatkundlicher Arbeiten zur Stadt Ahlen. Mayr hatte sich bereits in seiner Dissertation mit der Siedlung und Bevölkerung Ahlens beschäftigt. Die Schrift von 1994 fasst viele dieser Forschungslinien zusammen und erweitert sie um die damalige Diskussion über Strukturwandel, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.

Siehe auch

Literatur

  • Alois Mayr: Ahlen - eine Stadt im Umbruch. Stadtentwicklung unter dem Einfluß der Industrie und aktuelle Probleme des wirtschaftlichen Strukturwandels. Stadt Ahlen, Ahlen 1994.
  • Alois Mayr: Ahlen in Westfalen. Siedlung und Bevölkerung einer industriellen Mittelstadt mit besonderer Berücksichtigung der innerstädtischen Gliederung. Paderborn und Ahlen 1968.