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Haus Vorhelm

Aus AhlenWiki
Haus Vorhelm
51.8129137.941034
Anschrift Droste-zu-Vischering-Weg 10



Baujahr 15.–17. Jahrhundert
Ursprüngliche Nutzung Adelssitz / Wasserburg
Heutige Nutzung Wohnhaus
Karte

Haus Vorhelm ist ein historischer Adelssitz und eine ehemalige Wasserburg im Ortsteil Vorhelm. Die mehrteilige Anlage liegt am nördlichen Ortsrand und wird von einem weit verzweigten Gräftensystem umgeben.

Das heutige Herrenhaus entstand in mehreren Bauphasen vom 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert. Zum Gesamtensemble gehören neben Haupt- und Vorburg auch Garteninseln, historische Wirtschaftsgebäude sowie die Wassermühlen von Haus Vorhelm.

Geschichte

Die Ursprünge von Haus Vorhelm reichen in das Mittelalter zurück. Die Anlage entstand vermutlich auf Besitz der Münsteraner Abtei Überwasser, deren Haupthof Vorhelm bereits im Mittelalter nachweisbar ist.

Als älteste bekannte Besitzerfamilie von Haus Vorhelm gilt die Familie von Torck. Sie ist seit 1413 auf dem Adelssitz belegt.

Nach dem Aussterben der Familie Torck gelangte Haus Vorhelm zunächst an die Familie von Westerholt. Im Jahr 1715 kam das Anwesen durch Erbschaft an die Freiherren Droste zu Vischering.

Die Anlage blieb über Jahrhunderte in adeligem Privatbesitz.

Herrenhaus

Das Herrenhaus liegt auf der Hauptinsel einer insgesamt sechs Inseln umfassenden Gräftenanlage.

Der älteste erhaltene Gebäudeteil ist der zweigeschossige Nordflügel. Dendrochronologische Untersuchungen datieren die dort verwendeten Hölzer in die Zeit um 1455.

Im Jahr 1541 wurde dieser Gebäudeteil nach Süden erweitert.

Der massive Westflügel entstand 1601. Er wird insbesondere durch einen dreistufigen Staffelgiebel und einen zweigeschossigen Erker geprägt.

Das Herrenhaus besteht teilweise aus einem massiven Untergeschoss mit darüberliegendem Fachwerkaufbau. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Anlage mehrfach verändert und erweitert.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen weitere bauliche Veränderungen hinzu, darunter die heutige Form der Hauskapelle.

Vorburg

Der Zugang zur Vorburg erfolgt über eine Brücke und eine barocke Toranlage.

Auf der Vorburg befinden sich Wirtschaftsgebäude, die im Laufe der Zeit mehrfach erneuert wurden.

Die Gliederung in Haupt- und Vorburg entspricht einem für westfälische Adelssitze typischen Aufbau. Haus Vorhelm zeichnet sich jedoch durch sein besonders weit entwickeltes Gräftensystem mit insgesamt sechs Inseln aus.

Gräftenanlage

Die Gesamtanlage wird von einem weit verzweigten System aus Wassergräben geprägt.

Das Wasser stammt aus dem nahe gelegenen Hellbach.

Neben der Hauptinsel mit dem Herrenhaus und der Vorburg gehören mehrere weitere Inseln zur historischen Anlage. Diese wurden teilweise als Gartenflächen beziehungsweise Wirtschaftsbereiche genutzt.

Die ungewöhnlich große Zahl der Inseln macht Haus Vorhelm innerhalb der westfälischen Adelssitze zu einer bemerkenswerten Anlage.

Gartenanlagen

Östlich und südlich des Herrenhauses befinden sich größere historische Gartenflächen.

Die Gartenanlage entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte und weist Spuren unterschiedlicher Gestaltungsphasen auf.

Die älteren Gartenbereiche waren regelmäßig und formal gegliedert. Im 19. Jahrhundert kamen zunehmend Elemente eines Landschaftsgartens hinzu.

Eine große Garteninsel südwestlich des Herrenhauses wurde als Landschaftsgarten gestaltet. Dort haben sich unter anderem alte Baumgruppen und Wegeführungen erhalten.

Eine weitere Garteninsel liegt östlich der Hauptburg.

Historische Pläne und heutige Geländestrukturen lassen erkennen, dass Garten, Gräften und Gebäude als zusammengehöriges Gesamtensemble gestaltet wurden.

Lindenallee

Von der Landstraße Münster–Beckum führt eine historische Lindenallee auf das Anwesen zu.

Die unteren Äste der Bäume wurden bewusst nicht vollständig entfernt, sondern teilweise bis zum Boden herabgeführt. Dadurch entstand ein tunnelartiger Eindruck.

Die Allee bildet bis heute eine markante landschaftliche Hinführung zum Herrenhaus.

Gartenplastiken

Zum historischen Umfeld von Haus Vorhelm gehören mehrere barocke Garten- und Heiligenfiguren.

Dazu zählen unter anderem:

Die Figuren stammen aus dem 18. Jahrhundert und dokumentieren sowohl die barocke Gartengestaltung als auch die religiöse Prägung des adeligen Anwesens.

Mühlen

Zum historischen Besitz von Haus Vorhelm gehören mehrere Mühlengebäude am Hellbach.

Hauptartikel: Mühlen Haus Vorhelm

Die ältere Wassermühle entstand bereits Ende des 16. beziehungsweise Anfang des 17. Jahrhunderts und wurde zunächst als Kornmühle genutzt. Später diente sie auch als Öl- und Stampfmühle.

Ein weiteres Mühlengebäude entstand im 19. Jahrhundert.

Weitere Wirtschaftsgebäude

Außerhalb der eigentlichen Wasserburg befinden beziehungsweise befanden sich weitere Wirtschaftsgebäude.

Dazu gehört unter anderem ein historischer Schafstall.

Diese Gebäude verdeutlichen, dass Haus Vorhelm nicht nur Adelssitz, sondern zugleich Mittelpunkt eines größeren land- und forstwirtschaftlich geprägten Wirtschaftsbetriebes war.

Denkmalschutz und Bedeutung

Haus Vorhelm ist als historischer Adelssitz und Gesamtanlage von besonderer bau-, kultur- und landschaftsgeschichtlicher Bedeutung.

Das Herrenhaus dokumentiert mehrere Jahrhunderte westfälischer Adels- und Baugeschichte. Besonders bemerkenswert sind die erhaltenen spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bauteile sowie die über Jahrhunderte gewachsene Verbindung von Herrenhaus, Vorburg, Gräften, Gartenanlagen und Wirtschaftsgebäuden.

Die Gartenanlagen sind darüber hinaus ein bedeutendes Zeugnis historischer Gartenkultur.

Heutige Nutzung

Haus Vorhelm befindet sich in Privatbesitz und wird weiterhin bewohnt.

Die Anlage ist nicht allgemein öffentlich zugänglich. Von öffentlichen Wegen aus sind jedoch Teile des Herrenhauses, der Gräftenanlage und der historischen Gartenlandschaft einsehbar.

Quellen


  • LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen: Gartenanlagen am Haus Vorhelm in Ahlen-Vorhelm.
  • Europäisches Burgeninstitut: Haus Vorhelm.
  • Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Beckum, Münster 1897.
  • Karl E. Mummenhoff: Die Profanbaukunst im Oberstift Münster von 1450 bis 1650, Münster 1961.