Kaufhaus Carl Holtermann
Das Kaufhaus Carl Holtermann war ein Ahlener Handelsunternehmen, das aus einem 1816 gegründeten Kolonialwarengeschäft hervorging. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich vom Gemischtwarenhandel zu einem Textil- und Manufakturwarenhaus. Im Volksmund war das Geschäft auch als „Betten-Holtermann“ bekannt. Es gehörte zu den Betrieben der Familie Holtermann.[1]
Gründung 1816
Albert Matthias Holtermann eröffnete Ende 1816, kurz nach seiner Heirat mit Anna Maria Wennemann aus Warendorf, einen Kolonialwarenladen an der Nordostecke des Ahlener Marktplatzes. Neben Lebensmitteln, Gewürzen und Haushaltswaren wurden auch Heilmittel geführt. Eine Schankkonzession ermöglichte die Bewirtung von Kunden. Das Geschäft wurde später in das Haus Wüller am heutigen Markt 3 verlegt.[2]
Ausbau im 19. Jahrhundert
Carl Franz Ludwig Holtermann übernahm laut Jubiläumsbericht am 22. Januar 1841 die Geschäftsleitung. 1850 erwarb die Familie vom Brennereibesitzer Anton Avermiddig ein benachbartes Anwesen (Markt Nr. 392), dessen Räume zu Geschäftszwecken umgebaut wurden.[2][3]
Das Warensortiment umfasste Gemischtwaren, Manufakturwaren, Eisenwaren und Kolonialwaren sowie Heilmittel und künstlichen Dünger. Durch die Erweiterung der Manufakturabteilung 1884 entstand ein separater Ladeneingang; 1893 folgte ein weiterer Umbau. Im Jahr 1898 war die Entwicklung vom breit aufgestellten Warenhandel zum spezialisierten Fachgeschäft vollzogen.[3]
Spezialisierung auf Textilien
Carl Maria Franz Albert Holtermann trat 1883 in das elterliche Geschäft ein. Unter seiner Leitung wurde der Textilhandel zum Schwerpunkt; der Eisenwarenbereich wurde räumlich und organisatorisch getrennt. Sein Bruder Ferdinand führte das Eisenwarengeschäft fort.[3]
Das Textilhaus bezog nach Angaben des Jubiläumsberichts Waren aus verschiedenen Handelszentren: Kleider- und Futterstoffe aus Greiz und Meerane, Strümpfe und Strickwaren aus Chemnitz, Handschuhe aus Halberstadt sowie Gardinen aus sächsischen Orten. Eine langjährige Lieferverbindung bestand zur Inlettweberei H. Brinkhaus in Warendorf; die Jubiläumsschrift nennt Warenbestellungen bereits für 1847.[4]
Eine besondere Bedeutung hatte die Bettenabteilung. In einer Kurzwarenabteilung konnten Kunden Waren aus einem als „stummer Verkäufer“ bezeichneten Regal selbst auswählen und anschließend bezahlen.[4]
Verkaufsräume und Modernisierungen
Das Geschäft wurde im Haus Holtermann am Markt betrieben. Nach der grundlegenden baulichen Neugestaltung zwischen 1905 und 1907 verfügte es über mehrere Verkaufs- und Lagerebenen; Näherei, Konfektions- und Berufskleidungsabteilungen sowie Betten- und Federnräume waren auf verschiedene Geschosse verteilt. 1930 und 1931 wurde die Ladeneinrichtung modernisiert.[4]
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit
Der Jubiläumsbericht beschreibt die Schwierigkeiten der Warenversorgung in den Kriegs- und Nachkriegsjahren aus Sicht des Unternehmens. Walter Holtermann, seit 1922 im Betrieb, übernahm in der nächsten Generation Verantwortung für die Geschäftsführung. Sein Vater Carl Maria Franz Albert starb 1947.[4]
Walter Holtermann starb am 15. Mai 1963. Seine Ehefrau Elisabeth, geborene Voß, und Sohn Carl führten die Planungen für weitere bauliche Veränderungen fort. 1964/65 entstand eine Passage zur Weststraße mit ergänzender Bebauung. Die Jubiläumsschrift beschreibt zudem langjährige Beschäftigungsverhältnisse; diese wertende Darstellung ist als Perspektive der Jubiläumsquelle zu verstehen.[5]
Spätere Entwicklung
Das Gebäude wurde nach der Nutzung als Textilkaufhaus noch als Bettenhaus genutzt; für 2011 ist bereits ein mehrjähriger Leerstand belegt. Der genaue Zeitpunkt der Geschäftsaufgabe des Kaufhauses ist mit den bislang ausgewerteten Quellen nicht nachgewiesen.[6]
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ „150 Jahre Kaufhaus Carl Holtermann – Mit der Geschichte der Wersestadt eng verbunden“. In: Ahlener Monatsschau, November 1966, Dezember 1966 (S. 13), Januar 1967 (S. 7 und 9) und Februar 1967 (S. 9).
- ↑ 2,0 2,1 „150 Jahre Kaufhaus Carl Holtermann“. In: Ahlener Monatsschau, November 1966.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 „150 Jahre Kaufhaus Carl Holtermann“. In: Ahlener Monatsschau, Dezember 1966, S. 13.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 „150 Jahre Kaufhaus Carl Holtermann“. In: Ahlener Monatsschau, Januar 1967, S. 7 und 9.
- ↑ „150 Jahre Kaufhaus Carl Holtermann“ (Schluss). In: Ahlener Monatsschau, Februar 1967, S. 9.
- ↑ KunstVerein Ahlen: „Temporäres Institut für Erinnerungen“, Dokumentation der Ausstellung 2011.