Posthalterey
| Posthalterey | |
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51.765577.89309 Koordinaten: 51° 45′ 56″ N, 7° 53′ 35″ O
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| Anschrift | Nordstraße 41 |
| PLZ | 59227
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| Baujahr | um 1780 |
| Ursprüngliche Nutzung | Brauerei mit Gaststätte |
| Heutige Nutzung | Restaurant |
Die Posthalterey an der Nordstraße 41 ist ein historisches Gebäude in der Ahlener Innenstadt. Das Haus wurde vermutlich um 1780 als Brauerei mit angeschlossener Gaststätte errichtet. Zwischen 1858 und 1888 befand sich hier eine Posthalterei für den Personen- und Postverkehr, insbesondere auf der Verbindung zwischen Ahlen und Warendorf.
Das Gebäude wurde auch nach dem Ende der Postkutschenzeit durchgehend beziehungsweise mit Unterbrechungen gastronomisch genutzt und trug im Laufe seiner Geschichte unterschiedliche Namen. In den 1920er-Jahren war die Gaststätte unter anderem als „Deutsches Haus“ bekannt.
Hauptgebäude und rückwärtiger Flügelbau stehen seit dem 16. Oktober 1984 unter Denkmalschutz.[1][2]
Lage
Das Gebäude steht an der Ecke Nordstraße und Rosenstraße.
Die Rosenstraße trug früher die Bezeichnungen Sackstraße beziehungsweise Im Sack. Im Februar 1938 erhielt sie ihren heutigen Namen.
Auch die Nordstraße wurde während der Zeit des Nationalsozialismus umbenannt. Von Februar 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges trug sie den Namen Vom-Stein-Straße.
Gebäude
Das Haus soll um 1780 als Brauerei mit angeschlossener Gaststätte entstanden sein. Unterlagen aus der eigentlichen Bauzeit sind nicht erhalten; die bauordnungsrechtliche Hausakte setzt erst um 1900 ein.
Der historische Gebäudekomplex besteht aus dem Hauptgebäude an der Nordstraße und einem rückwärtigen Flügelbau. Beide Teile wurden 1984 unter Denkmalschutz gestellt.[1]
In den Jahren 1980 bis 1983 wurde das Gebäude umfassend saniert. Dabei wurde es weitgehend entkernt und neu aufgebaut. Die damaligen Umbau- und Sanierungskosten wurden später mit rund 1,5 Millionen Mark angegeben.
Geschichte der Posthalterei
Die Bezeichnung „Posthalterey“ erinnert an die Nutzung des Hauses als Station der fahrenden Post.
Von 1858 bis Ende 1887 beziehungsweise bis zur endgültigen Einstellung der Verbindung Anfang 1888 wurden von diesem Standort aus Postfahrten durchgeführt.[3]
Die wichtigste von Ahlen ausgehende Wagenpost führte nach Warendorf. Neben Postsachen wurden auch Reisende befördert.
Postkutschenverbindung nach Warendorf
Die Postkutsche verließ Ahlen täglich um 14:30 Uhr und benötigte für die Fahrt nach Warendorf etwa zwei Stunden und 45 Minuten.
Der Fahrpreis für die gesamte Strecke betrug 2,50 Mark.[3]
Die Reise war nicht immer komfortabel. Die Straße zwischen Ahlen und Warendorf befand sich teilweise in schlechtem Zustand und wurde zusätzlich durch schwere Kohlenfuhrwerke stark beansprucht.
Die Posthalterei musste nicht nur Fahrzeuge bereitstellen, sondern insbesondere auch die für den Fahrbetrieb notwendigen Pferde unterhalten.
Rotzkrankheit 1876
Im Jahr 1876 wurde der Betrieb der Posthalterei vorübergehend unterbrochen.
Unter den Pferden des damaligen Posthalters Rolf war die sogenannte Rotzkrankheit ausgebrochen. Zwei Tiere mussten getötet werden.[3]
Während dieser Unterbrechung übernahmen andere Ahlener Fuhrunternehmer einen Teil der Postfahrten. Genannt werden Holtermann an der Weststraße und Dettmer an der Nordstraße.
Nachdem wieder geeignete Pferde zur Verfügung standen, schloss Rolf am 14. April 1877 einen neuen Vertrag mit der Postverwaltung.
Für die durchzuführenden Fahrten erhielt er eine monatliche Vergütung von etwa 527 Mark.[3]
Ende der Wagenpost
Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes verlor die Postkutsche zunehmend ihre Bedeutung.
Am 10. Februar 1887 wurde die Eisenbahnverbindung zwischen Münster und Warendorf eröffnet. Im Herbst desselben Jahres folgte die Verbindung von Warendorf nach Rheda.
Damit konnte der Personen- und Postverkehr wesentlich schneller über die Eisenbahn abgewickelt werden.
Die Wagenpost zwischen Ahlen und Warendorf wurde daraufhin eingestellt. Der Betrieb endete zum 1. Januar 1888.[3]
Mit dem Ende der Postkutschenverbindung verlor das Haus an der Nordstraße seine Funktion als Posthalterei.
Nachfolge des Postkutschenverkehrs
Nach der Einstellung der regulären Wagenpost sollte weiterhin eine Verkehrsverbindung zwischen Ahlen und Warendorf bestehen.
Der Fuhrunternehmer Köching aus Tönnishäuschen verpflichtete sich deshalb, ein privates Personenfuhrwerk zu betreiben, das zugleich Postsachen mitnehmen konnte.
Hierfür erhielt er zunächst eine jährliche Vergütung von 960 Mark, später 1.200 Mark.[3]
Der Betrieb erwies sich jedoch als wirtschaftlich schwierig. Am 6. August 1894 stellte Köching die Verbindung ein.
Damit bestand für längere Zeit keine regelmäßige direkte Verkehrsverbindung mehr zwischen Ahlen und Warendorf.
Gastronomische Nutzung
Unabhängig von der Nutzung als Posthalterei besitzt das Haus eine lange gastronomische Tradition.
Bereits bei seiner Errichtung um 1780 soll neben der Brauerei eine Gaststätte bestanden haben.
Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wechselten Name und Betreiber mehrfach. In den 1920er-Jahren trug das Lokal den Namen „Deutsches Haus“.
Nach der umfassenden Sanierung von 1980 bis 1983 wurde die gastronomische Nutzung fortgesetzt.
Familie Baumgartner
Zu Beginn der 2000er-Jahre übernahmen Renate und Horst Baumgartner die Posthalterey und führten das Traditionsgasthaus rund zwei Jahrzehnte in eigener Regie.
Unter ihrer Leitung blieb das Haus eine klassische Gaststätte und ein Treffpunkt in der Ahlener Innenstadt.
Am 15. Februar 2025 beendeten Renate und Horst Baumgartner ihren Gaststättenbetrieb. Die Westfälischen Nachrichten berichteten Ende Januar 2025 über ihren Abschied von der Posthalterey. Das Gebäude sollte jedoch weiterhin gastronomisch genutzt und neu ausgerichtet werden.[4]
Sai Gon Restaurant
Im Herbst 2025 begann ein neuer Abschnitt in der gastronomischen Geschichte des Hauses.
Am 19. Oktober 2025 eröffnete an der Nordstraße 41 das Sai Gon Restaurant & Sushi Bar. Das Restaurant bietet vietnamesische Küche sowie Sushi an.[5]
Damit wird die jahrhundertelange gastronomische Tradition des Gebäudes auch nach dem Ende der Posthalterey unter der Familie Baumgartner fortgeführt.
Denkmalschutz
Das Hauptgebäude und der rückwärtige Flügelbau wurden am 16. Oktober 1984 in die Denkmalliste der Stadt Ahlen eingetragen.[1]
Das Haus gehört damit zu den erhaltenen historischen Gebäuden der Nordstraße und dokumentiert sowohl die städtische Baugeschichte als auch die Entwicklung des Verkehrs- und Gaststättenwesens.
Bedeutung
Die ehemalige Posthalterei besitzt für Ahlen sowohl bau-, verkehrs- als auch gastronomiegeschichtliche Bedeutung.
Der um 1780 entstandene Gebäudekomplex erinnert an die traditionelle Verbindung von Brauerei und Gastwirtschaft. Seine besondere verkehrsgeschichtliche Bedeutung erhielt das Haus durch die Nutzung als Posthalterei zwischen 1858 und 1888.
Die Geschichte des Hauses dokumentiert zugleich den grundlegenden Wandel des Verkehrswesens im 19. Jahrhundert: Während Postkutschen zunächst eine wichtige öffentliche Verbindung zwischen Ahlen und Warendorf darstellten, machte der Ausbau der Eisenbahn diesen Verkehr innerhalb weniger Jahre weitgehend überflüssig.
Daneben besitzt das Gebäude eine bemerkenswert kontinuierliche gastronomische Tradition. Von der ursprünglichen Gastwirtschaft über das „Deutsche Haus“ und die jahrzehntelang von der Familie Baumgartner geführte Posthalterey bis zum heutigen Restaurant blieb das Haus über lange Zeit ein Ort der Gastlichkeit.
Chronik
- um 1780: Errichtung des Gebäudes als Brauerei mit angeschlossener Gaststätte.
- 1858: Beginn der Nutzung als Posthalterei.
- 1876: vorübergehende Einstellung der Postfahrten wegen der Rotzkrankheit unter den Pferden.
- 14. April 1877: Abschluss eines neuen Vertrages zwischen Posthalter Rolf und der Postverwaltung.
- 10. Februar 1887: Eröffnung der Eisenbahnstrecke Münster–Warendorf.
- 1. Januar 1888: Einstellung der regelmäßigen Postkutschenverbindung.
- 6. August 1894: Einstellung des privaten Personenfuhrwerks des Fuhrunternehmers Köching.
- 1920er-Jahre: Gaststätte unter dem Namen „Deutsches Haus“.
- 1980–1983: umfassende Sanierung des Gebäudes.
- 16. Oktober 1984: Eintragung von Hauptgebäude und rückwärtigem Flügelbau in die Denkmalliste.
- Anfang der 2000er-Jahre: Übernahme durch Renate und Horst Baumgartner.
- 15. Februar 2025: Ende des Gaststättenbetriebs der Familie Baumgartner.
- 19. Oktober 2025: Eröffnung des Sai Gon Restaurant & Sushi Bar.
Fotos
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Posthalterey
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Radierung von Paul Heinz Briest
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Stadt Ahlen: Denkmalliste der Stadt Ahlen – Baudenkmäler, Eintrag Nordstraße 41.
- ↑ Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 59.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Postgeschichtsblätter für den Bezirk der Oberpostdirektion Münster (West.), 13. Jahrgang, 1967, Nr. 2: 225 Jahre Postdienst – 100 Jahre Fernmeldedienst. Zur Geschichte des Boten- und Postwesens in der Stadt Ahlen in Westfalen.
- ↑ Christian Wolff: „Baumgartners verabschieden sich von der ‚Posthalterey‘“, Westfälische Nachrichten, 31. Januar 2025.
- ↑ Sai Gon Restaurant & Sushi Bar: Internetauftritt und Mitteilung zur Eröffnung an der Nordstraße 41 in Ahlen, Oktober 2025.
Literatur
- Postgeschichtsblätter für den Bezirk der Oberpostdirektion Münster (West.), 13. Jahrgang, 1967, Nr. 2: 225 Jahre Postdienst – 100 Jahre Fernmeldedienst. Zur Geschichte des Boten- und Postwesens in der Stadt Ahlen in Westfalen.
- Heimat-Blätter der Glocke, Juli 1924.
- Heimatbuch der Stadt Ahlen, 1919.
- Jans Wiese: Een Bellerbook van dat aolle Aohlen.
- Erinnerungen von Julius Abeler, unveröffentlicht.
- Stadt Ahlen – Der Bürgermeister (Hrsg.): 30 Jahre Tag des offenen Denkmals in Ahlen. Ausgewählte Denkmäler von 1994 bis 2024, Ahlen 2024, S. 59.
Presse und weitere Quellen
- Christian Wolff: „Baumgartners verabschieden sich von der ‚Posthalterey‘“, Westfälische Nachrichten, 31. Januar 2025.
- Sai Gon Restaurant & Sushi Bar: Internetauftritt und Mitteilungen zur Eröffnung, Oktober 2025.

