Teufelsschlucht

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Teufelsschlucht
Name Teufelsschlucht
Typ Naturschutzgebiet
Fläche 3,34 ha
Einweihung Inkraft seit 1988
Inkrafttreten 1994


Die Teufelsschlucht bei Dolberg ist ein kleines, aber naturräumlich besonderes Wald- und Quellbachtal nördlich von Dolberg (Stadt Ahlen) im Kreis Warendorf. Das Gebiet ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen (Kennung WAF-018) und gilt als einzigartiger Refugialbiotop für Lebensgemeinschaften naturnaher Quellbäche im Kreis Warendorf.[1]

Schutzstatus

  • Kennung: WAF-018[1]
  • Offizielle Fläche: 3,34 ha (digitalisiert: 2,53 ha)[1]
  • Verfahrensstand: Landschaftsplan rechtskräftig; Inkraft seit 1988 (Inkrafttreten: 1994)[1]
  • Referenziertes BK-Objekt: BK-4213-901[1]

Lage und Geologie

Die Teufelsschlucht liegt im Waldgebiet der Haar nördlich von Dolberg. Ein Nebenbach der Lippe hat sich unterhalb des Gehöftes Große Berkhoff in kreidemergelige Schichten mit Kalksteinanteilen eingeschnitten. Das Tal ist je nach Abschnitt etwa 2–20 m breit und 5–15 m tief; die als „Schlucht“ bezeichnete Kerbtalstrecke erstreckt sich über rund 400 m und erreicht eine Breite von bis zu 200 m.[2]

Quellen und Bach

Der Quellbach wird durch mehrere Seitenquellen gespeist und führt auch im Hochsommer Wasser. Nach LANUK handelt es sich um einen naturnahen, substratvielfältigen Quellbach (lehmig bis steinig-felsig), gespeist u. a. aus einer Gesteinsspaltenquelle sowie Sickerquellen am Kerbtalausgang.[1]

Wald und Krautflora

Direkt am Wasser stockt ein Bach-Eschenwald mit eingestreuten Stieleichen und Schwarzerlen. In den feuchten Talbereichen wird eine üppige Krautflora beschrieben, darunter u. a. Scharbockskraut, (Großes) „Rührmichnichtan“, Gundermann, (Großes) Hexenkraut, Hoher Primel, Wiesenschaumkraut und Lungenkraut.[2]

Am unteren Talhang schließt Eichen-Hainbuchenwald an; außerdem werden u. a. Vogelkirschen erwähnt. Strauchschichten aus Weißdorn und Haselnuss sowie Krautarten wie Ruprechtsstorchschnabel, Efeu, Buschwindröschen, Flattergras, Sauerklee und Aronstab werden als typisch genannt (Aronstab mit der volkskundlichen Deutung als „Kesselfallenblume“).[2]

Die LANUK-Fachdaten führen passend dazu u. a. Aronstab, Bachbunge, Echtes Lungenkraut, Flattergras, Große Brennnessel, Schwarzer Holunder, Haselnuss, Stiel-Eiche und Schwarz-Erle als nachgewiesene Pflanzenarten auf.[1]

Besondere Arten und Beobachtungen

Aus dem klaren Wasser des Quellbaches werden u. a. Bachbungen-Ehrenpreis und Wasserminze genannt; außerdem die seltene Geflügelte Braunwurz.[2]

Als Besonderheit wird die äußerst seltene Schuppenwurz (Lathraea squamaria) beschrieben, die auf den Wurzeln der Haselnuss schmarotzt. Sie wurde demnach bereits vor über 110 Jahren vom Hammer Apotheker Dr. Wilhelm von der Marck in der Dolberger Schlucht entdeckt und kommt dort weiterhin in stattlicher Menge vor; im Münsterland sei sie nur noch an wenigen weiteren Stellen nachgewiesen.[2]

Zu den beschriebenen Tierbeobachtungen zählen u. a. der Aurorafalter (am Wiesenschaumkraut) sowie als Brutvogel die Nachtigall. Außerdem deuten stickstoffliebende Pflanzen (z. B. Große Brennnessel, Schwarzer Holunder) auf Nährstoffreichtum hin.[2]

LANUK nennt darüber hinaus eine für den Kreis Warendorf einzigartige Quellbachfauna (u. a. Lithax obscurus – RL NRW 2, Agabus biguttatus, Plectrocnemia conspersa) sowie einen Dachsbau im Gebiet.[1]

Gefährdungen und Pflege

Als Gefährdungen werden u. a. Düngedrift, Isolationseffekte, Eutrophierungsanzeiger, Wasserstandsschwankungen sowie nicht bodenständige/nicht einheimische Gehölze genannt; als Maßnahmen u. a. Pufferzonen, Erhalt von Altholz und Laubholzbeständen sowie die Umwandlung in bodenständigen Gehölzbestand.[1] In einer heimatkundlichen Darstellung wird zudem die Einbringung nicht einheimischer Holzarten (insbesondere Fichten und Hybridpappeln) kritisch bewertet und deren Entfernung zugunsten eines bodenständigen Waldes angeregt.[2]

Literatur

  • LANUK NRW: Naturschutzgebiet Teufelsschlucht bei Dolberg (WAF-018) (Fachinformation Naturschutzgebiete NRW), abgerufen am 12. Januar 2026.[1]
  • Fritz Runge: Die Teufelsschlucht bei Dolberg – Üppige Flora im kleinen Naturschutzgebiet. In: Heimatkalender des Kreises Warendorf 1991, S. 29–31.[2]
  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 LANUK NRW: Naturschutzgebiet Teufelsschlucht bei Dolberg (WAF-018) (Fachinformation Naturschutzgebiete NRW), abgerufen am 12. Januar 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Fritz Runge: Die Teufelsschlucht bei Dolberg – Üppige Flora im kleinen Naturschutzgebiet. In: Heimatkalender des Kreises Warendorf 1991, S. 29–31.