Hünenknäppen

Aus AhlenWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hünenknäppen
Name Hünenknäppen
Typ Karolingische Wallanlage (Bodendenkmal)
nördl. Grenze Teufelsschlucht (Geländeeinschnitt)
östl. Grenze Flaches Gelände (Tor-/Zugangsbereich)
südl. Grenze Steilhang zur Lippeaue
westl. Grenze Teufelsschlucht (Geländeeinschnitt)
Fläche ca. 150 m × 150 m (≈ 2,25 ha)
Einweihung Karolingerzeit (9. Jh.)
Entweihung vor 1970 eingeebnet (landwirtschaftliche Nutzung)


Der Hünenknäppen ist eine etwa quadratische, karolingerzeitliche Wallanlage bei Dolberg an der Hangkante zur Lippe. Die Anlage maß ca. 150 m × 150 m und diente im Frühmittelalter vermutlich der Kontrolle des Verkehrsraums an der Lippe sowie der demonstrativen Machtsichtbarkeit im Zuge des fränkischen Landesausbaus.[1]

Lage und Beschreibung

Der Hünenknäppen liegt an der Hangkante zur Lippeaue. Im Westen und Norden bot die wasserführende Teufelsschlucht einen natürlichen Schutz; nach Osten schloss flaches Gelände an, wo sich ein Tor bzw. Zugang befunden haben soll. Nach Süden fällt das Gelände steil zur Lippeaue ab.[1]

Forschungsgeschichte

Bereits im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde die Anlage beschrieben und dokumentiert. Vor 1970 wurde die Wallanlage eingeebnet, da sie die landwirtschaftliche Bearbeitung störte. 2012 erfolgte eine Probegrabung zur Klärung des Erhaltungszustands des Bodendenkmals.[1]

Grabung 2012

Im Südwesten der Befestigung wurde ein ca. 4 m × 120 m großer Schnitt angelegt, etwa parallel zur Teufelsschlucht. Im Pflughorizont zeichnete sich der verfüllte Graben als dunkle Verfärbung ab; im Planum war er noch etwa 3 m breit und fast 1 m tief. Vom Wall selbst hatten sich im Suchschnitt keine Reste erhalten; der Wall bestand ursprünglich aus einer Lehmschüttung (eine Palisade ist denkbar, aber nicht mehr nachweisbar).[1]

Im Innenraum konnte eine Herd- bzw. Feuerstelle dokumentiert werden (Brennstelle ca. 0,8 m × 0,8 m) mit zugehöriger Aschegrube. Das Fundmaterial (u. a. Kugeltopfware sowie Importkeramik Badorfer Art und Pingsdorfer Art) datiert die Herdstelle am ehesten in das frühe 10. Jahrhundert.[1]

Ein etwa halbzylindrischer, hochwertiger Buntmetallbeschlag (frühes 9. Jahrhundert) wird als Hinweis auf eine höhergestellte soziale bzw. politische Schicht interpretiert, in deren Umfeld auch die Erbauer der Anlage gesehen werden.[1]

Überraschungsfund: Graben der Michelsberger Kultur

Etwa 10 m hangabwärts vor dem karolingischen Graben wurde ein weiterer, schmaler Sohlgraben festgestellt (ca. 1 m Breite / 0,6 m Tiefe). Keramikfunde und eine Thermoluminiszenz-Datierung weisen den Befund der Michelsberger Kultur zu; die Gefäße wurden demnach im 4. Jahrtausend v. Chr. gefertigt.[1]

Literatur

  • Christoph Grünewald: Gräben eben – neue Forschungen am Hünenknäppen bei Ahlen-Dolberg. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2012 – Ausgrabungen und Funde, S. 80–82 (Online-PDF).
  • Carl Schuchhardt: Das Lager auf den Hünenknäppen bei Dolberg (Grote Berkhof). In: Mitteilungen der Altertums-Kommission für Westfalen 1 (1899), S. 52–58.
  • Emil Ritterling: Die Befestigung auf den Hünenknäppen bei Dolberg. In: Mitteilungen der Altertums-Kommission für Westfalen 2 (1901), S. 39–51.
  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Christoph Grünewald: Gräben eben – neue Forschungen am Hünenknäppen bei Ahlen-Dolberg. In: Archäologie in Westfalen-Lippe 2012 – Ausgrabungen und Funde, S. 80–82 (Online-PDF).