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Heimatverein Ahlen – Förderkreis für westfälische Tradition e. V.

Aus AhlenWiki

Der Heimatverein Ahlen – Förderkreis für westfälische Tradition e. V. ist ein 1974 gegründeter Heimatverein in Ahlen. Er beschäftigt sich mit der Erforschung und Vermittlung der Ahlener Stadtgeschichte, der Heimatkunde, der Archäologie und Denkmalpflege sowie der Pflege westfälischen Brauchtums. Zu seinen langjährigen Projekten gehören die Restaurierung und Nutzung des Museumshofes Schulze-Allendorf, die Untersuchung archäologischer Fundstätten, die Kennzeichnung historischer Gebäude und Erinnerungsorte sowie die Herausgabe des heimatkundlichen Jahrbuchs Der beflügelte Aal.

Der Verein behandelt in seiner Arbeit neben Ahlen auch die heutigen Stadtteile Dolberg und Vorhelm. Er unterhält beziehungsweise unterhielt Arbeitsgruppen unter anderem für Archäologie, Denkmal- und Bodendenkmalpflege, Stadtgeschichte, Mineralien und Landschaftspflege sowie eine Tanzgruppe zur Pflege überlieferter Tänze.[1]

Geschichte

Anfänge und Gründung

Die Entstehung des Vereins reicht in das Jahr 1973 zurück. In Band 1 des Jahrbuchs Der beflügelte Aal beschrieben Edgar H. Nahrath und Heinrich Kemper die Anfänge unter dem Titel „Es begann im Herbst 1973 im Ahlener Heimathaus“.[2] Die eigentliche Vereinsgründung wird auf 1974 datiert: Zeitungsberichte aus dem Jahr 1976 sprechen vom zweijährigen Bestehen, und 1984 beging der Förderkreis sein zehnjähriges Jubiläum.[3]

In den ersten Jahren trat die Vereinigung als Förderkreis zur Erhaltung westfälischer Tradition auf. Als Vorsitzender der Anfangszeit ist Edgar H. Nahrath belegt. 1976 zählte der Förderkreis nach einem zeitgenössischen Pressebericht bereits nahezu 70 Mitglieder. Die Vereinstätigkeit verband gesellige Veranstaltungen und Brauchtumspflege mit der Beschäftigung mit historischen Bauten und archäologischen Funden. Auf Ausstellungen, Vortragsabenden, Ausflügen und Exkursionen wurden die Ergebnisse einem breiteren Publikum vermittelt.[4]

Bereits 1976 berichtete die Presse über Untersuchungen der archäologischen Arbeitsgruppe, die bei Ausgrabungen auf historische Funde gestoßen war. 1977 beteiligte sich der Verein mit einer Ausstellung an der Diskussion um die Gestaltung Ahlens. Ein Pressebericht hielt den Vorschlag des damaligen Bürgermeisters Herbert Faust für einen Wettbewerb „Das neue Ahlen“ fest. Die Arbeit umfasste auch historische Vorträge und den Besuch lokaler Erinnerungsstätten, darunter das Grab des Dichters Augustin Wibbelt.[4]

Ausbau der Vereinsarbeit in den frühen 1980er-Jahren

Um 1980 und 1981 dokumentierte der Förderkreis zahlreiche Studienfahrten, Vorträge und Ausstellungen. Die Reiseziele reichten unter anderem nach Detmold und in die Region um Schloss Hovestadt. Berichte über gemeinsame Veranstaltungen verdeutlichen, dass neben der historischen Forschungsarbeit die Begegnung mit anderen Heimatfreunden eine wesentliche Rolle spielte.

1981 wurde die hundertste Veranstaltung des Förderkreises im Rahmen einer Jahreshauptversammlung gewürdigt. Die Zahl zeigt die vergleichsweise umfangreiche Vortragstätigkeit und Exkursionsarbeit der ersten Vereinsjahre.[4]

Jahrbuch und Museumshof Schulze-Allendorf (1982–1989)

1982 erschien erstmals das Jahrbuch Der beflügelte Aal. Es wurde zu einem dauerhaften Forum für heimatkundliche und stadtgeschichtliche Beiträge über Ahlen, Dolberg und Vorhelm. Im selben Jahrzehnt beteiligte sich der Verein an Ausstellungen, beispielsweise mit Werken bildender Künstler, sowie an historischen Recherchen und archäologischen Untersuchungen.[5][4]

Ein herausragendes Projekt der 1980er-Jahre war die Erhaltung des Hofes Schulze-Allendorf im Bereich Borbein. 1983 berichtete die Presse über Besichtigungen und Pläne des Förderkreises für die historische Hofanlage. Unter dem Leitgedanken, dem alten Hof eine Zukunft zu geben, engagierte sich der Verein für die Restaurierung des Fachwerkensembles und die Einrichtung eines Heimatmuseums.

Die Arbeiten und Planungen dauerten mehrere Jahre. 1985 wurde über sichtbare Fortschritte bei der Renovierung berichtet. 1986 kündigten Zeitungsberichte an, dass der Hof Schulze-Allendorf ein Museum zum Anfassen werden solle. Der Förderkreis veranstaltete dort Sommerfeste und weitere Treffen, um die Arbeit bekannt zu machen und zu unterstützen.

Am 19. Mai 1989 wurde der Museumshof Schulze-Allendorf feierlich eingeweiht. Fortan war das Gelände ein wichtiger Ort für Ausstellungen, historische Vorführungen, Feste und Begegnungen. Der Hof bildete über Jahre einen räumlichen Mittelpunkt der Vereinsarbeit.[4]

Stadtbild, Archäologie und Heimatpflege

Die archäologische Arbeitsgruppe widmete sich unter anderem den Spuren der mittelalterlichen Stadt und den Überresten historischer Gebäude. Die Dokumentation auf den Chroniktafeln nennt beispielsweise Untersuchungen in der Ahlener Innenstadt, Funde auf dem Gelände des früheren Klosters Maria Rose und Arbeiten an historischen Brunnenstellen.

In den 1980er-Jahren engagierte sich der Verein auch in der Diskussion über die Gestaltung des öffentlichen Raums, unter anderem im Zusammenhang mit historischen Pflasterungen und Straßennamen. Weitere Projekte galten der Erforschung, Sicherung und Kennzeichnung von Grenzsteinen. Überliefert sind unter anderem eine Grenzsteinaktion 1986 und spätere gemeinsame Unternehmungen mit Heimatfreunden aus der Nachbarschaft.

Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen wurden 1996 in dem Buch Spuren der Vergangenheit – Archäologie in Ahlen dargestellt.[1]

Abschied von Schulze-Allendorf und Wechsel zu Mittrops Hof (1998–2001)

Gegen Ende der 1990er-Jahre geriet die weitere Nutzung des Museumshofes Schulze-Allendorf durch den Förderkreis in den Blickpunkt. Ein Pressebericht aus dem Jahr 1999 stand unter der Überschrift „Förderkreis will nach neuer Heimat suchen“. Weitere auf den Chroniktafeln dokumentierte Berichte beschreiben den Abschied von der bisherigen Wirkungsstätte.

Im Jahr 2000 feierten mehrere Heimatvereine gemeinsam ein Fest am Museumshof. Gleichzeitig wurden neue Ausstellungsmöglichkeiten und die räumliche Zukunft des Förderkreises erörtert. 2001 berichtete die Presse unter anderem unter den Überschriften „Förderkreis bereitet Umzug vor“, „Förderkreis will zu Mittrops Hof“ und „Stadt im Süden den Hof machen“ über die Verlagerung der Vereinsaktivitäten zum Mittrops Hof in Ahlen. Dieser wurde damit ein neuer Mittelpunkt des Vereinslebens.[4]

Projekte und Aktivitäten von 2002 bis 2007

In den folgenden Jahren engagierte sich der Förderkreis weiter für die Vermittlung der örtlichen Geschichte. Ein Thema war der frühere Brunnen auf dem Ahlener Marktplatz. 2002 warb der Verein mit einer Aktion für eine sichtbare Erinnerung an den historischen Marktplatzbrunnen; 2003 wurde erneut über die Finanzierung und Ausgestaltung einer solchen Erinnerung berichtet. An die bereits 1985 dokumentierte Entdeckung von Brunnenresten knüpfte der Förderkreis damit ausdrücklich an.

Der Verein förderte die Beschäftigung mit archäologischen Funden und veranstaltete Ausstellungen, unter anderem zu einem historischen Münzschatz und zu archäologischen Erkenntnissen vom Gelände des ehemaligen Klosters Maria Rose. 2004 wurde außerdem über die Arbeit an Gedenk- und Informationstafeln sowie über personelle Veränderungen im Vorstand berichtet.

2005 bis 2007 dokumentieren die Chroniktafeln unter anderem Pläne zur weiteren Ausschilderung historischer Gebäude, Stadtführungen, die Vorstellung archäologischer Erkenntnisse, Spendenaktionen und gesellige Veranstaltungen auf Mittrops Hof. 2007 berichtete die Lokalpresse über ein stark besuchtes Herbstfest auf Mittrops Hof.[4]

Erinnerungstafeln, historische Brunnen und Grenzsteine (2008–2013)

Am 13. September 2008 wurde auf dem Marktplatz eine Bronzeplatte enthüllt, die an einen historischen Brunnen erinnert. Sie geht auf die langjährige Beschäftigung der Archäologiegruppe des Förderkreises mit dem Brunnen und seiner Geschichte zurück.

2009 beteiligte sich der Verein an der Erinnerung an den Priesterdichter Augustin Wibbelt; eine Chroniktafel dokumentiert die Einweihungsfeier einer nach ihm benannten Gedenkstätte am 30. März 2009. Die Vereinsaktivitäten umfassten weiterhin Herbstfeste, Besichtigungen und gemeinsame Fahrten, etwa eine Informationsreise nach Tecklenburg im Jahr 2010.[4]

2011 stellte der Heimat-Förderkreis eine Informationstafel zum sogenannten Dicken Stein an der Dolberger Straße vor. 2012 ist eine weitere Ausstellung beziehungsweise ein Bilderprojekt zur Ahlener Stadtgeschichte dokumentiert. 2013 beteiligten sich Heimatfreunde aus Ahlen, Dolberg und Hamm-Heessen an der Enthüllung eines Grenzsteins im Rahmen eines gemeinsamen Schnadegangs. Im selben Jahr wurde im Bereich des ehemaligen Ahlener Südtors ein neues Torkreuz eingesegnet. Als beteiligte Initiativen werden in der Chronik die Arbeitsgemeinschaft Torkreuz, der Heimat-Förderkreis Ahlen, die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung in Ahlen und die Kolpingsfamilie Ahlen genannt. Die Einsegnung fand am 15. November 2013 statt.[4]

Tätigkeitsfelder

Heimatgeschichte und Veröffentlichungen

Der Verein sammelt, erforscht und vermittelt historische Informationen über Ahlen und die Stadtteile Dolberg und Vorhelm. Die Veröffentlichung lokalgeschichtlicher Texte, Vortragsveranstaltungen und Ausstellungen dient dazu, historische Erkenntnisse öffentlich zugänglich zu machen.

Archäologie und Denkmalpflege

Die archäologische Arbeitsgruppe beschäftigte sich insbesondere mit Zeugnissen der Ahlener Siedlungsgeschichte und mittelalterlichen Stadtentwicklung. Der Verein setzt sich außerdem für die Erhaltung, Dokumentation und Kennzeichnung von Baudenkmälern, historischen Fundstellen und Erinnerungsorten ein.[1]

Brauchtum und Vereinsleben

Zu den überlieferten Aktivitäten gehören Heimat- und Sommerfeste, Ausflüge, gemeinsame Veranstaltungen mit benachbarten Vereinen sowie eine Tanzgruppe, die traditionelle Tänze pflegt. Auch die Beschäftigung mit Sprache, Liedgut und der westfälischen Alltagskultur gehört zum Vereinszweck.[1]

Natur- und Landschaftsschutz

Nach der Darstellung der Stadt Ahlen gehören der Denkmal-, Landschafts-, Natur- und Umweltschutz ebenfalls zu den Satzungszwecken. Entsprechende Arbeitsbereiche befassen sich unter anderem mit der Ahlener Stadtlandschaft und der Sammlung von Mineralien.[1]

Personen

Zu den aus der Vereinschronik und den Veröffentlichungen namentlich belegten Personen gehören:

  • Edgar H. Nahrath – Vorsitzender in der frühen Vereinsgeschichte und Autor von Beiträgen zur Vereinsentwicklung.
  • Heinrich Kemper – über viele Jahre zentrale Persönlichkeit in der Vereinsarbeit, insbesondere bei geschichtlichen und archäologischen Themen; in den Chroniktafeln als Vorsitzender genannt.
  • Udo Wagener – in Berichten aus den 2000er- und 2010er-Jahren als stellvertretender Vorsitzender genannt.
  • Christa Schwab – in jüngeren Ausgaben des Jahrbuchs mit Vorworten und Vereinsbeiträgen vertreten.

Eine vollständige Liste der Vorsitzenden mit Amtszeiten liegt auf Grundlage der hier ausgewerteten Chroniktafeln noch nicht vor. In älteren Presseberichten und Bildunterschriften erscheinen zahlreiche weitere Mitglieder, Autoren und Mitwirkende, deren Funktionen zum Teil noch genauer zu bestimmen sind.

Veröffentlichungen

Der beflügelte Aal

Der Heimatverein veröffentlicht seit 1982 das Jahrbuch Der beflügelte Aal. Es enthält heimatgeschichtliche Forschung, Beiträge zur Stadtentwicklung, Berichte über Personen und Ereignisse, archäologische Untersuchungen, Erinnerungen, Fotografien, Texte zum westfälischen Brauchtum sowie Arbeiten zur Geschichte von Ahlen, Dolberg und Vorhelm.[1]

Im AhlenWiki besteht mit dem Artikel Der beflügelte Aal eine umfangreiche Übersicht der Ausgaben und ihrer Inhaltsverzeichnisse. Dort sind derzeit 44 Bände (1982–2025) erfasst. Die Verzeichnisse ermöglichen auch die gezielte Suche nach Autoren, Themen und einzelnen Aufsätzen.[5]

Für die Vereinsgeschichte sind insbesondere folgende Beiträge von Bedeutung:

  • Edgar H. Nahrath/Heinrich Kemper: „Es begann im Herbst 1973 im Ahlener Heimathaus“, Bd. 1 (1982), S. 5.
  • Edgar H. Nahrath: „Zehn Jahre Förderkreis“, Bd. 3 (1984), S. 2–5.
  • Heinz Schröder: „Restaurierung des Hofes Schulze Allendorf“, Bd. 3 (1984), S. 22.
  • Johannes Kreuzenbeck: „Zwanzig Jahre Heimat-Förderkreis“, Bd. 13 (1994), S. 1–15.

Weitere Veröffentlichungen

  • Spuren der Vergangenheit – Archäologie in Ahlen (1996), mit Ergebnissen der archäologischen Arbeit des Vereins.[1]

Quellen und Literatur

Anmerkungen

Die vorhandene ältere AhlenWiki-Seite zum Verein nennt 1976 als Gründungsjahr. Zeitgenössische Berichte über das zehnjährige Bestehen 1984 und die bibliografisch nachgewiesene Jubiläumsschrift sprechen dagegen für 1974. Die Anfänge im Herbst 1973 sind über den Titel eines Beitrags im ersten Jahrbuch dokumentiert. Ein genaues Datum der formalen Vereinsgründung wurde anhand der vorliegenden Unterlagen nicht ermittelt.

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Stadt Ahlen: Heimatverein Ahlen – Förderkreis für westfälische Tradition e. V., abgerufen am 22. Oktober 2026.
  2. ↑ Edgar H. Nahrath/Heinrich Kemper: „Es begann im Herbst 1973 im Ahlener Heimathaus“. In: Der beflügelte Aal, Bd. 1 (1982), S. 5; Inhaltsverzeichnis im AhlenWiki-Verzeichnis der Jahrbücher.
  3. ↑ Edgar H. Nahrath: „Zehn Jahre Förderkreis“. In: Der beflügelte Aal, Bd. 3 (1984), S. 2–5; siehe auch Ahlener Bibliographie, Abschnitt Heimatgeschichte/Heimatvereine.
  4. ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 4,8 Chroniktafeln des Heimat-Förderkreises Ahlen mit Fotografien, Zeitungsausschnitten und handschriftlichen Datierungen, dokumentierte Zeiträume 1976–1989, 1998–2013; Fotodokumentation von zwölf Tafeln, 2026. Die ursprünglichen Zeitungsausschnitte stammen unter anderem aus Die Glocke, Ahlener Volkszeitung, Ahlener Tageblatt und Westfälische Rundschau. Einzelne Datierungen sind auf den Übersichtsaufnahmen nicht durchgängig lesbar.
  5. ↑ 5,0 5,1 Der beflügelte Aal – Verzeichnis der Ausgaben und Beiträge im AhlenWiki.