Volksbank Ahlen

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Volksbank Ahlen
Anschrift Weststraße 74
59227 Ahlen
Branche Bank
Gründungsdatum 17. Februar 1884


Die Volksbank Ahlen eG war eine genossenschaftliche Bank in Ahlen. Ihre Geschichte geht auf den am 17. Februar 1884 gegründeten Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein zurück. Im Jahr 1980 entstand durch die Verschmelzung der Spar- und Darlehnskasse Ahlen mit der Ahlener Volksbank die neue Volksbank Ahlen eG.

Die Bank verstand sich in der Tradition Friedrich Wilhelm Raiffeisens und Hermann Schulze-Delitzschs als genossenschaftliches Kreditinstitut für Mitglieder, Kunden, Landwirtschaft, Handwerk, Gewerbe und später für alle Bevölkerungsschichten. Ihr Leitspruch lautete sinngemäß, mehr zu bieten als Geld und Zinsen.

Geschichte

Gründung des Spar- und Darlehnskassen-Vereins 1884

Am 17. Februar 1884 gründeten 14 Ahlener Bürger im Gesellenhaus den Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein e.G.m.u.H.. Die Gründung erfolgte in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit und stand im Zeichen der genossenschaftlichen Selbsthilfe nach Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Zu den Gründern gehörten:

  • Franz Heitemeyer, Rektor
  • Bernhard Osthues gen. Schulze-Beerhorst, Landwirt
  • Josef Hoselmann, Rentner
  • Franz Busch, Bauer
  • Josef Rosendahl, Bauer
  • Ferdinand Overhage, Fabrikarbeiter
  • B. H. Beumer jun., Kaufmann
  • Wilhelm Krämer, Bauunternehmer
  • August Hoselmann-Steltig, Landwirt
  • Franz Starp-Avenhövel, Bauer
  • Theodor Wißling, Bauer
  • Bernhard Brehloh, Bauer
  • Theodor Schulze Horsel, Bauer
  • Georg Huesmann

Eine besondere Rolle spielte der Rektor und Geistliche Franz Heitemeyer, der als Initiator der Gründung gilt. Er hatte die Idee einer genossenschaftlichen Kasse in Ahlen maßgeblich vorangetrieben.

Erster Rendant des Vereins wurde Stephan Nahrath. Er führte die Kassen- und Kreditgeschäfte von der Gründung im Jahr 1884 bis zum Jahr 1922.

Bereits kurz nach der Gründung traten weitere Personen bei. Die Bank war zunächst stark durch Landwirte, Bauern, Handwerker und kleinere Gewerbetreibende geprägt.

Erste Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

In den ersten Jahrzehnten entwickelte sich der Spar- und Darlehnskassen-Verein kontinuierlich. Bereits 1885 wurden Einlagen von 60.000 Mark und eine Bilanzsumme von 80.500 Mark genannt. In den folgenden Jahren wurden Betriebskapital und Geschäftsumfang mehrfach erhöht.

Die Generalversammlungen beschlossen unter anderem:

  • 1886 Erhöhung des Betriebskapitals auf 250.000 Mark
  • 1887 Erhöhung auf 400.000 Mark
  • 1895 Erhöhung auf 500.000 Mark
  • 1897 Erhöhung auf 700.000 Mark
  • 1918 Erhöhung auf 4 Millionen Mark
  • 1919 Erhöhung auf 6 Millionen Mark

Die Bank begleitete damit den wirtschaftlichen Wandel Ahlens von der Ackerbürgerstadt zur Industriestadt. Besonders die Emailleindustrie, der Strontianitbergbau, das Baugewerbe, die Landwirtschaft und das Handwerk prägten das wirtschaftliche Umfeld.

Ahlener Volksbank 1896

Neben dem Spar- und Darlehnskassen-Verein entstand am 2. November 1896 die Ahlener Volksbank e.G.m.b.H.. Während die Spar- und Darlehnskasse stärker im ländlich-landwirtschaftlichen Bereich verwurzelt war, richtete sich die Volksbank vor allem an Handwerker, Gewerbetreibende und Kaufleute.

Die Ahlener Volksbank wurde im Geiste von Hermann Schulze-Delitzsch gegründet. Ihr erstes Domizil befand sich im Haus des Buchdruckereibesitzers Emil Schultz an der Oststraße.

Zu den Gründern der Ahlener Volksbank gehörten unter anderem:

  • Emil Schultz, Druckereibesitzer
  • Friedrich Meidrott, Schneidermeister
  • Gustav Reichel, Wagenbauer
  • Wilhelm Hufnagel, Anstreichermeister
  • Heinrich Leuer, Tischlermeister
  • Clemens Pohlkötter, Schlossermeister
  • Heinrich Klockenbusch, Schreinermeister
  • Anton Holtbuer, Müllermeister
  • Bernhard Schumacher, Lohgerber
  • Heinrich Schmidtmeier, Anstreichermeister
  • Wilhelm Sandgathe, Brennereibesitzer
  • Wilhelm Krämer, Bauunternehmer
  • Bernhard Tovar, Wirt
  • Heinrich Recker, Schreinermeister

Die Namen und Berufe der Gründer zeigen deutlich die gewerblich-handwerkliche Ausrichtung der Volksbank.

Zwischen Inflation, Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus

Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren durch Inflation, Währungsumstellung und wirtschaftliche Unsicherheit geprägt. 1922 legte Stephan Nahrath sein Amt als Rendant nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Wilhelm Heising gewählt.

In der Inflationszeit musste die Bank ihre Bilanz- und Kapitalgrundlagen mehrfach anpassen. 1923 wurde das Betriebskapital auf 3 Millionen Festmark festgesetzt. Nach der Währungsstabilisierung wurde 1924 der Geschäftsanteil auf 500 Goldmark festgelegt.

1933 beschloss die Generalversammlung den Ankauf des Gebäudes der Deutschen Bank und Diskonto-Bank an der Gerichtsstraße Nr. 22. Das bisherige Kassengebäude sollte verkauft werden. Im selben Jahr wurden infolge der nationalsozialistischen Gleichschaltung alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder neu bestätigt beziehungsweise ersetzt.

Am 17. Februar 1934 beging der Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein sein 50-jähriges Bestehen.

Nachkriegszeit und Währungsreform

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 4. Januar 1946 eine außerordentliche Generalversammlung statt. Die erforderlichen Wahlen für Vorstand und Aufsichtsrat wurden auf Anweisung des Prüfungsverbandes vorgenommen.

1947 beschloss die Generalversammlung, dass die Bank ab dem 1. Januar 1948 den Namen Spar- und Darlehnskasse e.G.m.u.H. in Ahlen führen sollte.

Die Währungsreform von 1948 brachte eine vollständige Neufestsetzung der Geschäftsguthaben und Geschäftsanteile. Am 19. Dezember 1951 wurden die RM-Schlussbilanz und die DM-Eröffnungsbilanz genehmigt. Der Geschäftsanteil wurde zunächst auf 20 DM neu festgesetzt und anschließend wieder auf 200 DM erhöht.

In den 1950er Jahren wuchs die Bank stark. Die Bilanzsummen stiegen kontinuierlich:

Jahr Bilanzsumme Reingewinn
1950 2.765.168,74 DM 7.667,19 DM
1953 5.872.151,02 DM 12.965,13 DM
1956 10.244.129,32 DM 45.363,01 DM
1958 9.749.582,63 DM 50.937,67 DM

Am 21. Mai 1959 fand die Jubiläumsversammlung zum 75-jährigen Bestehen der Spar- und Darlehnskasse statt.

Umwandlung der Haftform und weiteres Wachstum

1960 beschloss die Generalversammlung die Umwandlung der Haftform von der unbeschränkten zur beschränkten Haftpflicht. Die Haftsumme betrug künftig 2.000 DM, der Geschäftsanteil 400 DM.

In den 1960er Jahren setzte sich das Wachstum fort. 1964 blickte die Bank auf 80 Jahre ihres Bestehens zurück. Die Bilanzsumme lag 1963 bereits bei 27.070.704,04 DM.

Fusionen mit Dolberg, Walstedde und Vorhelm

Ein wichtiger Abschnitt in der Entwicklung der Bank waren die Fusionen mit den umliegenden Spar- und Darlehnskassen.

Am 9. August 1968 beschloss eine außerordentliche Generalversammlung die Verschmelzung der Spar- und Darlehnskasse e.G.m.b.H. Dolberg mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Grundlage war der Verschmelzungsvertrag vom 25. Juli 1968. Aus Dolberg kamen unter anderem Alfons Weghake in den Vorstand und Bernhard Untiedt in den Aufsichtsrat.

Am 28. Dezember 1972 wurde die Verschmelzung mit der Spar- und Darlehnskasse e.G.m.b.H. Walstedde beschlossen. Der Verschmelzungsvertrag datierte vom 4. Dezember 1972. Aus Walstedde wurden unter anderem Heinrich Budde und Theodor Homann in den Aufsichtsrat gewählt.

Am 4. Dezember 1974 folgte die Fusion mit der Spar- und Darlehnskasse Vorhelm e.G.m.b.H.. Grundlage war der Verschmelzungsvertrag vom 7. November 1974. Josef Fritzen aus Vorhelm wurde in den Aufsichtsrat gewählt.

Vertreterversammlung ab 1971

Bis 1971 fanden Mitgliederversammlungen statt. Am 25. Mai 1971 wurde mit der Einführung des § 30a der Satzung beschlossen, künftig keine Mitgliederversammlung mehr, sondern eine Vertreterversammlung abzuhalten. Dazu wurden 120 Mitgliedervertreter gewählt.

Fusion zur Volksbank Ahlen eG 1980

Am 24. Juni 1980 befasste sich die Vertreterversammlung der Spar- und Darlehnskasse Ahlen mit der Verschmelzung der Ahlener Volksbank mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen.

Die Verschmelzung wurde mit 75 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Ebenfalls beschlossen wurde der neue Firmenname:

Volksbank Ahlen eG

Damit wurden die beiden großen genossenschaftlichen Banklinien Ahlens vereinigt: die ländlich-raiffeisengenossenschaftlich geprägte Spar- und Darlehnskasse von 1884 und die gewerblich-handwerklich geprägte Ahlener Volksbank von 1896.

Nach der Fusion wurden die Filialen der alten Volksbank geschlossen beziehungsweise in das Marktstellennetz der neuen Volksbank Ahlen integriert. Die Fachabteilungen der bisherigen Volksbank wurden in das Hauptstellengebäude der ehemaligen Spar- und Darlehnskasse eingegliedert.

Neubau der Volksbankhauptstelle

Hauptstelle der Volksbank Ahlen

Die neue Hauptstelle der damaligen Spar- und Darlehnskasse, später Volksbank Ahlen, entstand an der Weststraße auf dem Gelände der ehemaligen Dechanei von St. Bartholomäus. Der Neubau sollte das Stadtbild an der Weststraße und im Bereich der Kampstraße nachhaltig verändern.

Ursprünglich plante die Spar- und Darlehnskasse ein modernes, jedoch sehr massives Gebäude. Dieses erste Modell stieß auf erhebliche Bedenken bei Architekten, Heimatpflegern und weiteren Beteiligten, da die kompakte Bauform nicht in die kleinteiligere Umgebung der historischen Weststraße zu passen schien.

Infolge der Kritik wurde das ursprüngliche Architekturbüro ausgewechselt. Das Büro Dustmann & Trappmann aus Bielefeld übernahm die weitere Planung. Der neue Entwurf setzte anstelle eines kompakten Baukörpers auf eine stärker gegliederte Architektur mit Giebeln, versetzten Fronten, Klinker und Schiefer. Dadurch sollte sich das Gebäude besser in die bestehende Häuserfront der Weststraße einfügen.

Besonders prägend war die Entscheidung, auf das zunächst vorgesehene Flachdach zu verzichten und stattdessen ein Satteldach mit mehreren Giebeln zu planen. Zur Kampstraße hin wurde die lange Fassade durch zurückgesetzte Felder gegliedert. Die Kombination aus Klinker, Schiefer, Beton und großen Glasflächen verband moderne Architektur mit einer stärker wohnlichen Wirkung.

Auch unterirdisch war das Bauvorhaben mit Herausforderungen verbunden. Das ursprüngliche Modell sah zwei Parkebenen mit insgesamt 150 Stellplätzen vor. Diese Lösung erwies sich jedoch als zu kostenintensiv. In Zusammenarbeit mit der Stadt Ahlen wurden daher alternative Parkmöglichkeiten im Umfeld gesucht. Unter anderem wurde geplant, den zukünftigen Parkplatz zwischen dem neuen Rathaus und der Weststraße durch ein Parkdeck zu erweitern. Auf diese Weise sollten 75 Stellplätze für Kunden und Beschäftigte der Bank entstehen.

Noch im Sommer 1976 begann der Bau der neuen Hauptstelle. Der Gebäudekomplex entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem prägenden Bauwerk im westlichen Bereich der Ahlener Innenstadt.

Standorte und Geschäftsgebäude

Die Geschichte der Bank lässt sich auch an ihren Standorten ablesen.

Frühe Standorte der Spar- und Darlehnskasse

Von 1884 bis 1922 wurden die Geschäfte im Haus des Rendanten Stephan Nahrath an der Oststraße 2 geführt. Das Gebäude lag an der Südostecke von Oststraße und Südstraße und wurde am 20. August 1940 durch Bomben zerstört.

Von 1922 bis 1924 befand sich das Geschäftslokal im Haus des Friseurs Josef Bonkhoff.

1924 kaufte die Kasse das Haus Nordstraße 40. Dort befand sich zuvor unter anderem das Tanz-Lehr-Institut des Tanzlehrers Gerhard Lammers.

1933 erwarb die Spar- und Darlehnskasse das frühere Bankgebäude der Deutschen Bank und Diskonto-Bank an der Gerichtsstraße 22.

Standorte der Ahlener Volksbank

Die Ahlener Volksbank hatte ihr erstes Domizil im Haus des Buchdruckereibesitzers Emil Schultz an der Oststraße. Bis 1931 blieb sie im Haus Schultz an der Oststraße 44.

1931 zog die Volksbank vorübergehend in das Haus des Kaufmanns Josef Thormann im Kühl. Ende 1939 bezog sie erneut das umgebaute Schultzsche Haus an der Oststraße.

1954 wurde das Gebäude an der Oststraße erneut um- und erweitert. Der Umbau wurde unter Beteiligung Ahlener Firmen durchgeführt.

Hauptstelle Weststraße

Die spätere Hauptstelle an der Weststraße 74 entstand als kombinierter Kassen-, Verwaltungs- und Geschäftskomplex im Bereich Weststraße/Kampstraße. Sie wurde nach der Fusion 1980 zur Hauptstelle der neuen Volksbank Ahlen eG.

Marktstellen im Jubiläumsjahr 1984

Im Jubiläumsjahr 1984 verfügte die Volksbank Ahlen eG über mehrere Marktstellen und Hauptzweigstellen.

Genannt werden unter anderem:

  • Hansastraße
  • Oststraße
  • Beckumer Straße
  • Walstedder Straße
  • Gemmericher Straße
  • Warendorfer Straße
  • Walstedde
  • Vorhelm
  • Dolberg
  • Hauptstelle

Die Marktstellenleiter und Hauptzweigstellenleiter waren 1984 unter anderem Matthias Bonenkamp, Wolf-Rüdiger Adler, Winfried Kreidler, Annegret Langer, Werner Rogmann, Roland Bauer, Hubert Schomaker, Josef Schauf und Franz Horsthemke.

Vorstand und Aufsichtsrat im Jubiläumsjahr 1984

Vorstand

Im Jubiläumsjahr 1984 gehörten dem Vorstand der Volksbank Ahlen eG an:

  • Bernhard Beckmann, Vorstandsvorsitzender
  • Paul Eckel, stellvertretender Vorsitzender
  • Alfons Weghake
  • Theodor Bücker
  • Hans Wolfgang Werner, geschäftsführender Vorstand und Vorstandssprecher
  • Bernhard Ross, geschäftsführender Vorstand

Aufsichtsrat

Dem Aufsichtsrat gehörten 1984 unter anderem an:

  • Dr. Hanns Knöpker, Vorsitzender
  • Manfred Quast, stellvertretender Vorsitzender
  • Werner Elkendorf
  • Theodor Homann
  • Arthur Dahmen
  • Karl-Heinz Starp
  • Bernhard Untiedt
  • Heinrich Budde
  • Josef Fritzen
  • Franz Mersmann

Bedeutung für Ahlen

Die Volksbank Ahlen war nicht nur ein Kreditinstitut, sondern auch ein Spiegel der Ahlener Wirtschafts- und Stadtgeschichte. Ihre Vorgängerinstitute entstanden in einer Zeit, in der Ahlen durch Emailleindustrie, Strontianitbergbau, Landwirtschaft, Handwerk und neue Fabrikbetriebe starken Veränderungen ausgesetzt war.

Die Spar- und Darlehnskasse war zunächst besonders mit der Landwirtschaft und den ländlichen Bauerschaften verbunden. Die Ahlener Volksbank entstand dagegen aus dem Umfeld von Handwerk, Gewerbe und kleineren Unternehmern. Durch die Industrialisierung und die Entwicklung Ahlens zur Industriestadt verwischten diese ursprünglichen Unterschiede zunehmend. Beide Institute entwickelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu Universalbanken.

Mit der Fusion im Jahr 1980 wurde diese Entwicklung organisatorisch nachvollzogen. Die neue Volksbank Ahlen eG verstand sich als genossenschaftliche Bank für die gesamte Stadt und ihre Ortsteile.

Quellen

  • Volksbank Ahlen eG: Unser Weg in die Zukunft. 100 Jahre Volksbank Ahlen eG (Spar- und Darlehnskasse von 1884), Ahlen 1984.